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Full text of "Geschichte des rumänischen schrifttums bis zur gegenwart. Ausgearbeitet mit unterstützung der angesehensten schriftsteller"

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BEGUN IN 1858 



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Geschichte 



des 





bis zur Gegenwart 

Ausgearbeitet mit Unteretutzung der 
angeeeiieneten Sclirifteteller. 



Durchgesehen und ergänzt im Auftrage des Bukarester 
Kultusministeriums 



Prof. J. Negruzzii 

Akademiker und Abgeordnetem, 
und 

G. Bogdan 



EeraugegelDen mit ünterstfttzung des EgLTreui. SnltUBminiBteriv&i. 



Alle Rechte vorbehalten. 



c- 



W. Rudow. 

Wernigerode, 1892. 



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DEC 22 ir92 



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Einleitung. 



*" „Die Geschichte im allgemeinen ist ein Trauerspiel, die 
rumänische ist es im besondem Grade ; aber ein solches, dessen 
Spieler nicht den Trost haben, den die Anwesenheit mitlei- 
«diger oder auch nur gleichgiltiger Zuschauer gewährt. Wir 
.^ind von Menschen umgeben , die uns nicht wol wollen und 
nie wol gewollt haben. Die ferneren Länder kennen uns ^ 
überhaupt nicht, wenigstens nicht als Rumänen, höchsten» 
^als Walachen, welcher Name uns fremd ist, und mit dem sie 
wer weiss was für Vorstellungen eines asiatisch wilden Vol- 
kes verbinden. Hören sie etwas über uns, so hören sie, es 
durch des Midas Ohren, sehen sie etwas, so geschieht es 
durch die Brille, welche die uns feindlichen Nachbarn ihnen 
aufsetzen." 

So klagte A. T. Laurian 1846 im magazin istoric, 3, 95; 
und wenn es inzwischen auch etwas besser geworden ist, sind 
diese Klagen noch immer begründet genug. Wir wollen des- 
Jialb versuchen nachstehend die schriftstellerischen Leistungen 
•der Rumänen zu würdigen. Dass wir dabei rumänische Vor- 
arbeiten benutzen, besonders Philippide, Densuschian, Gherea, 
ürechiä u. a., versteht sich von selbst, doch wird man sehen, 
dass wir von den meisten Schriftstellern wenigstens etwas, 
die wichtigsten ganz gelesen haben, soweit ihre Werke über- 
haupt im Buchhandel zu haben waren. Alles konnte ich als 
blosser Federheld mir natürlich nicht beschaffen ; in deutschen 
Büchereien giebt es so gut wie keine rumänischen Werke, 
und aus Rumänien werden sie nicht über die Grenze gesandt; 
einen längeren Aufenthalt in Bukarest gestatten mir aber die 

Verhältnisse nicht. 

1* 



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— 4 — 

Hiermit werden rumänische Beurteiler reebnen müssen^ 
die manches besser wissen werden; ich hoffe dafür durch 
Selbständigkeit des Urteils , besonders auf dem Gebiete der 
Bühnendichtung, einigen Ersatz zu bieten. 

Dass ich deutsch, und zwar ein möglichst reinliches, 
schreibe, versteht sich für mich als Deutschen von selbst; 
ich habe daher auch hier wie früher das nichtssagende Lyrik 
durch Gefühlsdichtung ersetzt Ausserdem wäre nur noch 
Halbreim für Assonanz zu erwähnen. 

So stolz ich aber auch darauf bin, ein Deutscher zu sein> 
liebe ich doch die Rumänen, die meine Arbeiten über sie vou 
Anfang an so waim anerkannt haben, darum nicht minder» 
besonders seit ich unter ihnen wohne, und eine der ihrigen 
dem Lucifer das Leben wieder lebenswert gemacht hat Wenn 
ich mich also hie und da etwas scharf äussere, so wird 'mir 
auch der eingefleischteste Volksdünkel oder Chauvinismus zu- 
gestehen müssen, dass ich es nur zu Ehren der Wahrheit 
getan > mit der man doch schliesslich am besten fahrt. So- 
viel zu meiner Rechtfeii;igung. — 

Da bekanntlich die Geisteswerke eines Volkes nur aus und 
imZusammenhange mit seiner Geschichte erkannt werden können^ 
diese aber hier so unbekannt ist wie jene, scheint es angemessen, 
einen kurzen Ueberbhck über die Vergangenheit der Rumänen 
zu geben, wobei es weniger auf die Tatsachen ankommen 
wird, als auf den Einfluss, den sie auf das Volk ausgeübt. 

Nachdem Trajan durch fast völlige Vertilgung *) der 
Waffenfähigen 106 n. Chr. endlich das Land in römischen 
Besitz gebracht hatte, schickte er zahlreiche Ansiedler, be- 
sonders aus (Klein -) Asien, doch auch aus Griechenland und 
Italien, hinein, die sich mit den übrig gebliebenen der keines- 
wegs ungebildeten Daker zu einem neuen Volke verbanden 
und die verödeten Gegenden bald wieder zu hoher Blüte brachten» 
wie Inschriften und Schriftsteller bezeugen. 

Aber schon gegen 180 musste Mark Aurel 15 wol durch- 
weg germanischen und slawischen Stämmen nach harten 
Kämpfen gestatten sich im nördlichen Dakien niederzulassen,. 



1) Eutrop dehnt dies auf das ganze Volk aus, was jedoch nicht 
glaublich scheint. S. Maiorescu, Critice 331. 



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— 5 — 

wodurch selbstverständlich Sprache und Wesen der Einwohner 
stark beeinflusst wurden. Noch mehr war das der Fall, seit 
unter Valerian 250 die Barbaren immer zahlreicher in das 
gesegnete Land hereinströmten, so dass Aurelian 270 die rö- 
mischen Besatzungen auf das südliche Donauufer zurückziehen 
inusste — ein Zeichen, dass es mit der römischen Weltherr- 
schaft zu Ende ging. Ein Teil der Ansiedler folgte, die 
meisten blieben jedoch, bis 376 unter der Herrschaft der 
Ooten, bis 455 unter der noch grausameren der Hunnen, 
dann bis 553 unter der milderen der Gepiden, darauf unter den 
Longobarden und den tatarischen Awaren, den AUverwüsten. 
Sie zogen sich zwar grösstenteils schon 570 nach Pannonien 
hinein, aber ihnen folgten die Slawen, welche nördlich der 
Donau in den (freien und kriegsgefangenen) Rumänen auf- 
gingen, Serben und Bulgaren dagegen zwangen die Rumänen, 
sich (als Hirten und Landbauer) ihnen zu unterwerfen oder 
in die unzugänglichsten Gebirge zurückzuziehen.^) Hier wie im 
Norden hielten sie unter dem schwersten Drucke römischeSprache 
und Sitte im wesentUchenfest, und nach Vertreibung der Awaren 
schlössen sie sich zu kleinen Freistaaten zusammen, bis gegen 
797 die Mönche, welche das Christentum den Slawen brachten, 
sich auch zu den Rumänen wandten, denen es übrigens bis 
dahin sicher nicht völlig unbekannt geblieben war. Damit 
wird der slawische Einfluss Yorherrschend , der mehr oder 
minder stark bis heute fortdauert, im Nordwesten von unga- 
rischen und seit dem Einzüge der Sachsen in Siebenbürgen 
(12. Jahrhundert) von diesen dauernd beschränkt, von Osten 
her zeitweilig durch die sich stets wiederholenden Einfalle 
der Tataren und ihresgleichen, Mongolen und Bulgaren. 

Um 1290endlich bildeten sich nicht unter Negru)* der wal^- 
chische, um 1352 unter Dragosch der moldauische Staat Aber 
ehe beide sich einigermassen festigen konnten, tauchte schon 
ein neuer Feind auf, furchtbarer als alle früheren: die üs- 

1) Rev. N. 2, 337 ff: Die EiDfälle der Slawen usw. 

2) S. Higdeu, Erit. Geschichte der Rurataen. Walachei, I. Bd. Ka- 
pitel 9. Anf. Als virkl. Grander der Walachei wird ebenda., Kap. 16 An- 
fang, Alexander Basarab (— - 1360) bezeichnet; als Begründer der mol- 
dauischen Unabhängigkeit Radul L Basarab, etwa seit 1370, Cony. 25, 
535. Nach F. 20, 602 ßadu Negru, auch Tugomir Basarab, s. F. 27, 570. 



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— 6 — 

manen. Ihr erster Einfall (um 1390) ging freilich bald vor- 
über, aber sie kamen immer wieder, bis sie mit der Erobe- 
rung Stambuls in Europa dauernd Fuss fassten, 1453. De^ 
überlegenen Kriegskunst Stefans des ißrossen gelang es zwar,, 
sie zurückzudrängen, aber sterbend riet er selbst seinem Sohne 
sich zu unterwerfen, 1504. Stefan ebenbürtig ist Michael 
der Tapfere von der Walachei, der bei Kelugareni 200 000 Osma- 
nen mit 1 6 000 Mann schlug und darauf zum erstenmal alle Rumä- 
nen unter seiner Herrschaft vereinigte. Aber er wurde 1601 
ermordet, durch die Jesuiten, wie sein Freund Heinrich IV.,. 
und damit war das Schicksal des Landes besiegelt. 

Die Osmanen wurden Herren im Lande, und da sich die 
einheimischen Fürsten ihren Räubereien und Erpressungen 
nicht willfährig genug zeigten, setzten sie 1711 Fanarioten 
ein, die das Volkslied mit Recht giftige Ungeheuer nennt, und 
die ihren Untertanen nicht nur Hab und Gut, sondern auch 
die Sprache zu entreissen suchten, die von den früheren 
Fürsten zu Ehren gebracht war. Die erste von Alexander 
dem Guten zu Suceava nach 1400 eingerichtete *) Hochschule 
(für Rechtswissenschaft und Gottesgelehrtheit) lehrte zwar 
nur latein und griechisch, und die ersten Werke*), die (von 
1512 an) gedruckt wurden, waren als kirchliche altslawonisch,. 
da dies die Kirchensprache geworden war. Aber schon im 
Anfänge des 12. Jahrhunderts war die Liturgie rum. über- 
setzt^); 1550 wurde Rumänisch in Siebenbürgen*), in den 
Fürstentümern erst nach 1640^) Kirchensprache. Um 1645 
errichtete Vasilie Lupul in Jassi eine Schule, die rumänisch 
genannt wird. Densuschian freilich führt gewichtige Gründe 
dagegen an*) und giebt rumänische Schulen oder doch eine, 
V70 nebenbei auch rumänisch gelehrt wurde, "*) erst unter Mav- 



1) Pop. 1.38. Die katolische Despots zu Cotnar 1562, Densuschiaa 
83, bestand nur kurze Zeit. 

2) Pop. 1,41. 

3) eb. 35. 

4) eb. 49. Nach: din scr. lui P. Maior 1,320 ferst 1643 
ö) Xenopol, Fam. 27,47, F. il. 30. 

6) Dens. 84. 

7J Eb. 92. ; 



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— 7 — 

rocordat (1736 ff.) zu. Im Laufe der Zeit wurde jedocH 
in den gehobenen Schulen nur in griech. Sprache unterich- 
tet, ') ja die Bojaren erniedrigten sich soweit zu fordern, dass 
keiner — von ihnen, versteht sich — in den Staatsdienst treten 
dürfte, der nicht griechisch verstände, 1745.*) Infolgedessen 
sprachen sie nur griechisch und überliessen das Rumänische 
dem gemeinen Volke') auf dem Lande, das alle Lasten zu 
tragen hatte. 

Ihm gegenüber alle wirklichen wie eingebildeten (in 
Tracht u, s. w.) Vorrechte zu erhalten und womöglich zu er- 
weitem ♦) waren die Bojaren um so eifriger erpicht, je übler 
ihnen die Fürsten mitspielten. Dass der Bauemsohn Mavro- 
cordat sein Leibross zum Bojaren erhob, um ihre Titelsucht 
n, s. w. lächerlich zu machen, war ein sehr harmloser Streich, *) 
da sie ansehen mussten, wie ihre Gattinnen und Töchter von 
Fürsten wie Michnea®) und Jancu') geschändet wurden. Ja 
bei dem geringsten begründeten oder unbegründeten Ver- 
dachte wurden sie der Nasen und Ohren, Hände oder Füsse 
beraubt, geköpft, einzeln oder mehrere, *) ihre Frauen gemar- 
tert oder den Bütteln preisgegeben,*) damit sie die Hinter- 
lassenschaft vollständig angäben, die selbstverständlich der 
Fürst einzog. Darüber wurden dann in Stambul wieder 
Klagen eingereicht — natürlich gehörig mit klingenden Grün- 
den unterstützt, ohne welche sie überhaupt nicht berücksich- 
tigt wurden und werden — bis es endlich half und der Fürst 
abgesetzt oder auch geköpft wurde, wie es dem Wesier eben 
beliebte. 

Häufig kam man dabei vom Regen in die Traufe, so bei 
Wlad dem Pfähler, der 6000 Landeskinder pfählte und seine 



1) Eb. 93. 

2) Eb. 90. 

3) Pop. 1,64. 

*) N&heres über die Stände u. s. w. Alecs. Pr. 573 ff. Ghica, Briefe 
Einl. Mag. ist. 5,33 ff. Vgl. „Unsere Zeit" 1888 u. 89, Heft 11. 
ß) Mag. ist. 1,190. 
«) Eb. 4,851. 
T) Cronice 1,234. 
8) Z. Bb. 2.114 f. 
•) Eb. 23. 



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— 8 — 

Gemaliu aufschlitzte, um zu sehen, ob sie wirklich schwanger 
sei (Albina Pindului 1,251), oder wenn Alecsander der Schreck- 
liche, vor dem keine schöne Frau sicher war, die übriggeblie- 
benen Bojaren einlud, in der Kirche ein Versöhnungsfest 
feierte, eine Bede über Nächstenliebe hielt und sie dann beim 
Mahle, 47 an der Zahl, nebst ihrem Gefolge niedermetzeln 
liess. Die Köpfe liess er aufschichten und zeigte sie seiner 
schönen, guten Gemalin, die ihm TSigs zuvor das Versprechen 
abgenommen, kein Blut mehr zu vei^essen. ') Kein Wunder, 
dass die Chroniken, wenn einmal ein Für^t seine Schuldigkeit 
thut, dies als besondere Gunst des Himmels preisen, wie bei 
Iliasch.^ 

Die meisten konnten aber nicht gut anders, weil sie, 
um den Tron zu erlangen und zu behaupten, Geld, Geld 
und wieder Geld ') brauchten, abgesehen von ihren persönlichen 
Bedürfnissen und Neigungen, die auf dasselbe hinauskamen. 

Freilich konnte auch ein armer Schlucker durch mäch- 
tige Freunde emporkommen, nicht nur bis an den Tron, son- 
dern sogar auf denselben, *) die Bojaren mochten murren so- 
viel sie wollten. ' 

Der Fürst von Ligne schildert daher sehr richtig: Die 
Frauen (sprechen griechisch und) verachten die Sprache der 
Bojaren. Diese selbst sprechen wenig, aus Furcht vor den 
Türken; sie sind gewohnt nur schlechte Nachrichten zu hören ' 
und daher trübsinnig. 50 Menschen, die sich täglich in diesem 
oder jenem Hause treffen, scheinen die verhängnisvolle Schnur 
zu erwarten, und alle Augenblicke hört man sie sagen: Hier 
ist mein Vater auf Befehl der Pforte, hier meine Schwester 
auf Befehl des Fürsten hingerichtet. *) Ergänzt wird diese 
Schilderung durch die eines Italieners:*) In der Walachei 
giebt es viele Rangstufen der Adligen, die fast alle rustici 
(soll wol heissen bäurisch) sind. In daemonibus (inbezug 



^) Const. Negrozzi 1,145 ff. Cron, 1, Anhang 10. 

2) Mag. ist, 1,351. 

3) Cron. 2,54: Gieb dem TOrken Geld und stich ihm die Augen aus. 
Aehnlich drastiBch 5,253. 

*) Cron. 2,188 f. 
5) Mag. ist. 3,366. 
») Eb. 57. 



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— 9 — 

auf d. D.) ist alles natürliche geblieben : Ehrgeiz, Anmassung 
und andre Kinder des Hochmuts. Die Armen sind notge- 
drungen heuchlerisch. — 

Der hier erwähnte Hochmut ist kein Gegensatz zu der 
Kriecherei gegenüber dem Fürsten, sondern nur die Folge 
davon. Der Fürst, der Pforte gegenüber rechtlos, behandelte 
die Adligen dem entsprechend und diese wieder die grossen- 
teils leibeigene Landbevölkerung, die sie aus reiner Unmensch- 
lichkeit marterten. Galt es gar das eigene teure Leben, so 
galt das eines Bauern selbstverständlich nichts. War gegen 
die Türken ein Verbrechen begangen, so musste dies gesühnt 
werden und der Beauftragte (natürlich Bojar) mit seinem 
Kopfe für die Ausfuhrung haften. Fand man den Täter nicht, 
so köpfte man den ersten besten. Sehr anschaulich schildert 
Bälcescii „die wirtschaftliche Lage der Landarbeiter in den 
Fürstentümern zu verschiedenen Zeiten."') Von den zahl- 
reichen durch Urkunden bestätigten Tatsachen fuhren wir 
nur eine an. Unter Grigori Ghica weigerten sich die Fröner 
endlich die unerschwinglichen Abgaben weiter zu entrichten 
und die 1749 festgesetzten 24 Frontage für die Herren weiter 
zu arbeiten. Als der Fürst dies erfuhr, setzte er durch Er- 
lass vom 1.1. 1766 die Zahl der Frontage auf 12 herab. 
Die Bojaren zeigten hierüber grosse Unzufriedenheit, doch 
wagten sie nicht dagegen aufzutreten, bis der Metropolit 
(Erzbischof) und 7 Vornehme sich als allgemeine Versamm- 
lung aufspielten und den Fürsten um Annahme folgenden 
Vorechlages angingen: Die Arbeiter sollen den Besitzern des 
Bodens, auf dem sie leben, von 10 Tagen einen fronen, auch 
von allem Ertrage ihrer Arbeit wie bisher den Zehnten geben. 
Dies würde keinerlei üble Folgen für sie haben, sondern 
vielmehr den Reichtum und das Glück des Landes und der 
Gesamtheit fordern. — 

Statt diesem menschenfreundlichen Antrage beizustimmen, 
bestätigte der Fürst den früheren durch Erlass vom 1. 4. 77. 
und infolgedessen sannen die Bojaren darauf, ihn zu ver- 
derben. Obgleich ihm dies nicht verborgen blieb, beharrte er 
bei seinem Entschluss, und erst am Tage vor seiner Ermor- 



1) Mag. ist 2,229 ff. 

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— 10 — 

düng verstand er sich dazu, die Zahl der Fron tage auf 14 
zu erhöhen — vergeblich und zu spät. ') 

Wenn der türkische Druck in dem entlegeneren Sieben- 
bürgen weniger fühlbar war, so befanden sich die dortigen 
Rumänen, insbesondere die auf dem Lande, keineswegs besser» 
s. Laurian : Geschichtliche Urkunden über die staatlichen und 
kirchlichen Verhältnisse der Rumänen in Siebenbürgen. ^) Auch 
hier nur eines oder das andere. 

Als die Ungarn während der Tronstreltigkeiten nach 
Bajasids Entsetzung durch Sultan Selim gegen die Türken 
rüsteten, gab Papst Leo X. allen Teilnehmern am Kriege 
vollen Ablass, und die Bauern strömten in Scharen zusammen,, 
um dem Drucke, der auf ihnen lastete, zu entgehen. Die 
Adligen, aus Furcht, das Land möchte unbearbeitet bleiben» 
untersagten schliesslich weiteren Zuzug, worauf der Führer 
Doja gegen sie zog und die, deren er habhaft werden konnte, 
aufs grausamste umbrachte, mit ihnen die Priester; die Frauen 
und Töchter wurden geschändet u. s. w. Als endlich der 
Aufstand in Strömen Blutes erstickt wa^, wurde der Greuel 
desselben durch die Rache noch weit übertroflfen. So liessen 
die Adligen den Doja bei langsamem Feuer braten, was 
er ohne Seufzer duldete, und zwangen seine Genossen, nach 
15tägigem Fasten sein Fleisch zu essen. Im ganzen sollen 
40000 Menschen umgekommen sein. Die übrigen sollten 
nichts besitzen als den Lohn ihrer Arbeit, selbst Auswanderung 
oder Plucht war den „servis glebae astrictis" untersagt, löl4. 
Infolge dieser Metzeleien, die in den endlosen Tronstreitig- 
keiten fortgesetzt wurden, verödete das Land so, dass 1535 
eine Hungersnot ausbrach, welche die Mütter zwang ihre 
Kinder zu verzehren.^) 

Hungersnot war übrigens auch in den Fürstentümern, die 
den fruchtbarsten Boden Europas haben, nichts seltenes, nur 
wurde sie hier gewöhnlich durch Heuschrecken und Dürre 
jherbeigefuhrt, umgekehrt hatte viel Regen die Pest zur Folge. 
Aber schlimmer als alle diese Landplagen waren die Griechen 



1) Eb. 243 f. 

2) Eb. 3,95. ff. Vgl. Gion, R. N. 38. 
») Eb. 186 ff. 



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1 



— 11 — 

aus dem Fanar zu Stambul, der als die Brutstätte aller Laster 
bekannt war. *) Näheres in dem Aufsatze : Rumänien und die 
Fanarioten, -) woraus wieder nur einzelnes hier Platz finden 
möge. 

Schon Michael der Grosse schloss 1595 einen Vertrag 
mit Sigismund, dem Fürsten von Siebenbürgen, wonach die 
Griechen (die seit 1453 die Halbirisel überschwemmten), nicht 
mehr in den Staatsdienst aufgenommen werden sollten. Aber 
schon sein zweiter Nachfolger Michnea brachte viele Griechen 
mit, die jede Regung des Unwillens über ihr blutsaugerisches 
Treiben blutig erstickten. Das war leicht, solange diese Re- 
gungen nur von wenigen ausgingen ; allmälich jedoch sahen 
die Rumänen ein, dass sie zusammenhalten müssten, sich 
ilirer Haut zu wehren, und zwangen so 1755 den Fürsten 
Constantin Gehan die meisten Griechen zu verjagen. Aber 
schon 1763 waren ihrer, die beim Sultan alles vermochten» 
wieder so viel ins Land gekommen und hatten solchen Hass 
gegen sich erregt, dass sie alle mit Constantin Mavrocordato 
vertrieben wurden. Doch blieb der Fürst am Ruder und 
sperrte aus Rache fast alle Bojaren ein. Ein Aufstand be- 
freite sie jedoch, und aus Furcht, in die Hände seines Volkes 
zu fallen, brachte der Fürst sich selbst um. Als sein Bruder 
und Nachfolger, Stefan Rakowitza, die Bojaren wieder vertrieb 
oder einkerkerte, brach ein neuer Aufstand aus, und er musste 
eine Verfügung erlassen, worin es u. a. hiess; Weil die Fremden 
dem Lande viel Unehre und Schaden bringen, soll kein Fremder 
mehr eine Einheimische heiraten noch Grundbesitz im Lande 
erwerben (1764)*). 

Die Erschütterung, welche die grosse französische Staats- 
umwälzung in ganz Europa verursachte, wurde auch in Rumä- 
nien verspürt, und die Bojaren hielten Rat, wie sie von den 
„fanariotischen Heuschrecken" loskommen möchten. Sie be- 
schlossen den Wornik Nikolae Dudescu an Bonaparte zu senden, 
ob dieser ihnen helfen möchte. Aber der ganze Adel des 
Landes besass nicht (mehr) so viel Geld, wie zur Reise 



1) Dens. 101 f, Arch: soc. §t, §i lit. d. Ja§i, Jahrg. 1. 

2) Mag. ist. 1,115. 

3) Mag. ist. 2,177 ff. 

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— 12 — 

nötig war. Sie wandten sich also an einen Südrumänen 
Bältaretz, der sich unter ihnen niedergelassen, und der sich 
nach langem Bitten dazu verstand, zu 30—40 v. H. jährlich 
das Nötige herbeizuschaflfen, wofüfr ihm der grosse Grundbe- 
sitz Dudescus verpfändet wurde. Nach weniger als 3 Jahren 
war er der Besitzer, indem er allmonatlich ein Gut unter 
den Hammer brachte und es leicht erstand, weil eben niemand 
sonst bares Geld hatte. So konnte er Güter, die heute 
40 000 Lei (Frank) jährlich einbringen, für 3—4000 kaufen. *) 
Die Pest hatte wenig Ärbeitslähige übrig gelassen, Kranken- 
häuser und Klöster lagen voller Sterbender; wer die Kraft 
besass, lebte lieber als Räuber, wie die Fanarioten es im 
grossen waren — kurz, schlimmer schien es nicht werden zu 
können. *) 

Da zeigte sich endlich nach 200 jähriger Nacht die Mor- 
genröte einer besseren Zukunft. Die Sendung Dudescus war 
wol die Ursache, dass Napoleon auf dem Zuge nach Egypten 
in die Balkanhalbinsel Sendlinge schickte, um die Schutzstaaten 
der Pforte gegen diese aufzuwiegeln; einer derselben, Rigas, 
wurde in Belgrad ermordet Sein Tod, die Wirkung der 
Ereignisse in Frankreich und dann der Freiheitskriege, die 
Berührung mit den russischen Heeren 1806 — 12,*) steigerten 
die Unzufriedenheit, die Pest unter Caragea, die infolge der 
Nachlässigkeit des nur auf sich bedachten Fürsten ebenso sprich- 
wörtlich verheerend wurde wie man noch lange sagte: Stehlen 
wie zur Zeit Carageas:*) dies schlug dem Fasse den Boden 
aus, und als der griechische Aufstand von 1821 losbrach, 
schloss Tudor Vladimirescu sich an.*) Sein ausgesprochenes 
Ziel war, nicht nur den Fanarioten, sondern auch den Leute- 
schindern, den Bojaren, ein Ende zu machen,*) weshalb er, 
obgleich der Heimtücke Ipsilantis erlegen, dem dankbaren 
Volke noch fortiebf) 



1) Ghica, Scris. S. 512 ff. 

2) Eb. 492. 

3) Kogalnicean Cron. I. Einl. 
*) Ghica Br. 29,37. 

^) Ausführliche Schilderung bei Ghica, Br. 85 ff. Tgl. Beldiman, s. u^ 

«) Kog. ebd. VII. 

7) Alecsandri, Poesie populäre, Doine. 



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— 13 — 

Dieser AufstiEfcDd steigerte das hauptsächlich durch die 
Siebenbürger (s. u.) inzwischen geweckte vaterländische Be- 
wusstsein bedeutend, auch wurde der fanariotischen Herr- 
^baft ein Ende gemacht ') Nach einigen Jahren der Ruhe» 
die dem verwüsteten Lande sehr nötig war, rückten am 7. 
Mai 182S die russischen Heere unter Wittgenstein über den 
Prut ins Land, worauf dieser den Grafen Pahlen zum Statt- 
halter ernannte. Mit dem Frieden zu Adrianopel war der 
türkische Eirifluss so gut wie gebrochen -^ aber an seine 
Stelle trat der russische. Das reglement organic von 1831 
gab dem Lande zwar die wichtigsten Rechte, Volksvertretung 
(jedoch mit Ausschluss der ländlichen Arbeiter) u. s. w., über 
deren Ausführung der russische Vertreter zu wachen hatte. 
Da er sich selbst aber nur darum kümmerte, soweit es ihm 
passte, und sogar die Fürsten — vom Volke nicht zu re- 
den — nach seiner Pfeife tanzen mussten, wurde 1848 die 
ganze I^errlichkeit über den Haufen geworfen. Mit Hilfe der 
Russen und Türken unterdrückten freiUch die Bojaren den 
Aufstand bald ; als beide sich jedoch wieder entzweiten, hatte 
Jßumänien den Vorteil, dass Russland 1856 im Pariser Frieden 
die ihm schon 1832 zugesicherte Unabhängigkeit anerkennen 
musste, statt seine Herrschaft, wie es gehofft, dauernd zu 
begründen und sich so den Weg zum — Heiligen Grabe offen 
zu halten.*) 1859 endlich erreichte das „Junge Rumänien-' 
die Vereinigung wenigstens der Moldau und Walachei, trotz 
des Widerstandes der ersterer und Nachbarmächte. 

In den folgenden Jahren wurde eine Verfassung ganz 
nach westeuropaischem Muster eingeführt: Aufhebung der 
clacä (Fron) ; wodurch die Lage der ländlichen Arbeiter je- 
doch nur wenig gebessert wurde, allgeiJa. Stimmrecht, Gleich- 
heit vor dem Gesetz u. s. w., ohne Rücksicht darauf, dass 
dies alles, dessen Entwicklung bei gebildeten Völkern Jahr- 
hunderte gedauert, einem ungebildeten nicht über Nacht auf- 
gepfropft werden konnte. Da viele Schwindler und Abenteurer, 
die in der unruhigen Zeit zur Macht gelangt waren, diese 
unerhört misbrauchten , musste Fürst Cuza 1866 abdanken. 



1) Die Verhandlungen s. in Beldimans Reisebericht, Gron. 3. 

2) Kogal. a. a. 0. 



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^ 14 - 

worauf Karl von Hohenzollem gewählt wurde und trotz der 
drohenden Haltung der Pforte annahm. Schliesslich jedoch 
wurde er anerkannt (1867) ausser von Russland, das 1877 
wieder nach dem „Heiligen Grabe" pilgern wollte, indessen 
abermals vergeblich, und das Königreich Rumänien bekam 
statt der gehofften Entschädigung nur die Erklärung seiner 
Unabhängigkeit, die es doch schon besessen. Dieser Undank 
und die beständigen Wühlereien Russlands, dem Rumänien 
ein Dorn im Auge ist, steigern die Erbitterung gegen jenes, 
weshalb es sehr geraten erscheint, dass Deutschland sich etwas 
mehr um Rumänien kümmert, welches uns im Kampfe gegen 
das Allslawentum ein nicht zu unterschätzender Bundesgenosse 
sein würde. *) "" 

Hier scheint es passend, wenigstens einige Worte über 
die rumänische Sprache oder vielmehr in detselben anzufügen, 
darunter die latein. Grundwörter, nur um zu zeigen, dass sie 
ihrem Grunde und Wesen nach lateinisch ist, lateinischer als 
selbst das Italienische, nicht slawisch: 

!feraiiul romäu descrie via^a sa a^a. Locuiese in o 
TerranuB ille romanas describit. vitam suam aeque sie. Locuisco in una 

casä de lenm ^i lut cu u^ä ^i ferestri, pe care o veghiazä un 
casade ligno sie 3) lato cumostio ostre sie fenegtris, per qualemvigilatunus 

cane. Intr' insä se aflä mese , scanne , un almar si altele 
canis. Inter ipsam se aflant mensae, scamna, unum armarium^) sie altera. 

Aläturea se intind eämpii late pe cari' mi cresce grau, secara 
Ad latera se intendunt campi lati per quales mihi creseit granum, secale 

orz ^i alte verde^e. Mai am in curte *) pruni , meri , perl 
hordeum sie altera virid it ia. Magis habeo in eohorte prunos, malps, piros 

un car cu patru boi, vaci, capre, oi, pe cari le mulg 
unum carrum cum quataor bobus, vaecas, eapras, oves, per quales mulgeo 



1) Gesehrieben 1890. Im Herbst 91 seheint sieh dieser Wunsch ja 
erfüllt zu haben. (Die Niederschrift war 1891 über in rum. Händen.) 

2) und. 

3) finden, span. hallo. 
*) Sehrank. 

6) Hof, cour. 



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— 15 — 

insumi. Afarä de aste sunt gaine si porumbi^e, a caror cairne 
pse. Ad foras de istis sunt gallmae sie columbae, qualium camem 

o mäDÜnc cu päne negra seu alba, unt, ') cas. Beau apadin fontana seu 
manduco cum pane nigro seu albo, uncto, caseo . Bibo aquam de in fontana seu 

lapte, la serbätori vinul cel bun din ^era. Imbracämintele 
lac(tem) illaad servatorias vinum ecce illud bonum de in terra- Imbracamenta 

^i schimburile mi le ^ese muierea, ca se mi acoper pelea in timp 
sie scambia texit mihi mulier, qua si mihi accoperiant pellem in tempore 

de varä si sä me incal^esc ierna. Pe fie -care duminica merg 
de yere sie me incalidiscant hibernis. Per fiat-qualem dominicam mergo 

la bisericä, ca se aud liturghia. 
illa ad basilieam, ut audiam liturgiam. 



1) Butter. 
^ damit. 

Zum Schlüsse sage ich allen, die mich bei diesem Werke 
unterstützt, mir Bücher oder Auskunft gegeben haben, meinen 
geziemenden Dank, besonders den Hohen Kultusministerien zu 
Berlin und Bukarest. Dank auch denen, welche Nachrichten 
darüber verölSentlicht und so bewirkt haben, dass es „diesseit 
wiejenseit" (der Karpaten) „mit unsagbarer Ungeduld" erwartet 
wird. Das Erscheinen ist verzögert einmal durch Herrn G. Bog- 
dans Krankheit, sodann durch den Setzerausstand. Die Er< 
Wartungen, die man an das Buch knüpft, lassen mich hoffen, 
dass ich die langjährige Arbeit — von den Ausgaben iür Bücher 
nicht zu reden — nicht ganz in den Wind geworfen und aus- 
nahmsweise einmal etwas nützliches gewirkt habe. Nützlich 
nicht für mich, dazu sini^naeine Wege zu unbetreten, aber 
doch für andere. 

Mögen die Kenner also das an dem Buche Brauchbare 
benutzen und fördern, mir die Mängel beseitigen helfen ; und 
möge es vor allem ein kräftiges Band werden zwischen mei- 
nem alten und, wenn ich so sagen darf, meinem neuen Va- 
terlande! ß. 



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Erster Zeitraum, bis um 1800. 

Das rumänische Schrifttum ohne vaterländische Färbung. 



I. Wissenschaftliches. 

Von der Bekehrung der Eumänen, also um 1000 an, war 
das Slawische die Sprache der Kirche und ihrer Diener, und 
wurde, weil es nur slawisch redende Lehrer gab, auch bald die 
Hofsprache und die des Adels : S. I. Bogdon, 0. 1. 22, Einführ. d. Slw. 

TFm so zäher hielt das so vollständig von seinen Beherr- 
schern geschiedene Volk an der Muttersprache fest, worin es die 
von den Eltern überlieferten Dichtungen *) wie Bräuche den 
Kindern vermachte, bis dieselbe im 16. Jahrhundert auch wieder 
in der Schrift zu Ehren kam, freilich durch den übermächtigen 
Einfluss des Slawischen, aus dem die ältesten rumänischen Werke 
übersetzt sind, noch vielfach entstellt.-) 

Seit 1453 flohen viele Griechen aus Stambul auch nach 
Kumänien, wo sie durch ihre Kenntnisse bald zu Ansehen und 
Einfluss gelangten, so dass sie nach und nach die Slawen und 
selbst die Eumänen aus der Umgebung des Fürsten und dem 
höhereu Kirchendienst verdrängten. Dass sie aber, um slawische 
Sprache und Herrschaft zu beseitigen, im vaterländischen Be- 
wusstsein der Eumänen einen Bundesgenossen gesucht und ge- 
funden, es daher geweckt und genährt hätten, wie ürechiä ent- 
deckt hat, ^) ißt nicht anzunehmen, denn sie mussten einsehen, 

1) Für diese umfang- und gehaltreiche Volksdichtung hat vorliegendes 
Werk leider keinen Baum, nur die wichtigsten Schriften können unten 
angefahrt werden. 

3) Lupul Antonescul Veacul al XVI. Buc. 90. S. 73 ff. Häjdeu, 
CuYinte den Betranf. I, If. 

3) Schitc de istoria literaturei romine. Buc. 85. S. 89, vgl. 78. 



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— 17 — 

6&BR *ie sich damit einen Feind enögen. So haben si^ auch, 
nach Yerdrängung des Slawischen, nicht das EumäniBche, iODdein 
das Griechische zur Sprache der Gebildeten gemacht, und Ter» 
Bucht ee ebenso dem Volke aufzudrängen. 

Eichtiger scheint vielmehr die Annahme, daes die Taterlän- 
äiEche Gesinnung, durch die Taten Stefans den GroBseu und 
ilichaels des Tapfern (e- o.) geweckt, wie bei Aleceandri di© 
Volkslieder über beide aeigen , und durch den Haas der Unter* 
drückten gegen die Fremdlinge, denen immer mehr Abenteurer 
und Gläubiger der Fürsten folgten, gekräftigt wurde. Bei allem 
Unglück aber, welches diese griechisch- türkischen Gauner über 
das Land gebracht, darf man nicht verkennen, dass die Griechen 
besonders anfangs, nicht nur durch Verdrängung der Slawischen« 
sondern auch durch die Mitteilung ihrer Kenntnisse den Eumänen 
sehr wichtige Dienste geleistet haben. Dies zu erweisen, genügt 
die Tatsache, dass der erste, der rumänische Bücher druckte» 
Coresi, griechischer Herkunft wur, wie viele, anfangs sogar die 
meisten seiner Nachfolger. Dass er sie aber rumänisch druckte, 
ist weder sein noch sonst eines Griechen Verdienst: das hatte 
sich vielmehr als nötig erwiesen, seit die Siebenbürger und 
Ungarn reformiert waren und versuchten die Eumänen gleich- 
falls zu bekehren. Um nun die kalvinischen Lehrbücher, die 
unter den Eumänen in ihrer Sprache verbreitet wurden, wider- 
legen zu können, musste eben auch die rechtgläubige Kirche 
sich des Eumänischen bedienen, nebenbei der siebenbürgischen 
oder ungarischen Druckereien, da diese in die Moldau erst 1640, 
einige Jahre früher in die W^alachei eingeführt» sind. ') 

So ist es im letzten Grund die deutsche Kirchenbesserung 
mit ihren der Volkssprache förderlichen Bestrebungen, welcher 
das rumänische Schrifttum seinen Ursprung verdankt.^) Diese 



1) Lupu A. a. a. 49. 

2) Xenopol lässt dies (Arhlva societatii stünt. si liter. din Ja§i, 
2. Jahrgang, S. 245 f.) nur für Siebenbürgen gelten; in den Fürsten- 
tümern spräche die mit den kirchlichen Uebersetzungen gleichzeitige 
der „Alexandria** dagegen. Da aber die älteste Alex. Handschrift erst 
von 1620 ist (Urechiä Schite 70), beweist dies gar nichts, oder doch 
nur, dass man, einmal ins Schreiben gekommen, auch an weltlichen 
Schriften Gefallen fand. Vom Druck derselben ist übrigens keine 
Rede, der rum. Katechismus ist nicht erst von 1643, sondern von 1548, 

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— IS — 

Tatsache sollte genügen den grundlosen Hass und noch grund- 
loseren Hochmut y den manche Kumanen gegenüber Deutschland 
an den Tag legen, herabzustimmen, — 



Im 16. Jahrhundert herrschen die Bibelübersetzungen vor, 
mit denen wir daher beginnen. 

Die älteste Bibelhandschrift ist ein Bruchstück, enthaltend 
einen Teil der Apostelgeschichte, den Brief des Jacobus und den 
ersten des Petrus ganz, vom 2. des Petrus den Anfang, gesclirie- 
ben im 15. Jahrhundert, verfasst aber wol spätestens 1200 — 1210, 
nach Sbiera, der das Werk in Lichtdruck herausgegeben.') Dens. 
8. 133 setzt es vor 1300. G. Cretu^) dagegen in das 16. Jahr- 
hundert, wohin es nach seiner Sprache gehört. S. Joan Bogdän, 
der die (in der gelehrten Welt geglaubten) Vermutungen Sbieras 
gründlich widerlegt.^ Im 9. Jahrhundert*) gab es noch kein 
Eumänisch. 

Fast ebensoweit gehen die Meinungen über Psaltirea dela 
Scheia auseinander. Bianu will erweisen, dass er 1482—85, viel- 
leicht Von derselben Hand wie der Cod, Vor. geschrieben ist. ^) 
Ob dieser Erweis gelingen wird, bleibt abzuwarten. 

Leviticus 26, 3 — 41 ist nach Haj den *) um 1560, nach der 
Sprache erst im 17. Jahrh.^) geschrieben. Dagegen alt ist das 
Londoner Evangeliar, schon 1574 von Kadu Gramaticul nach einer 
älteren Vorlage geschrieben, Ausführlich darüber Häjdeu.*) 

Die ersten erhaltenen rumänischen Drucke hat der Diakon 
Coresi herausgegeben, und zwar zuerst Tetrevanghelul 1560 f. 
in Kronstadt, neu 1889. 2. Eine Apostelgeschichte, nach Cre^u 
1577 in Kronstadt gedruckt und nicht von Coresi übersetzt 
3. Einen Pöalter, gedruckt in Kronstadt oder Sas Sebesch^) (rumä- 
nisch und k. slawisch) 1577, rumänisch wieder abgedruckt von 



1) Codicele Voronetian Criticä, Czern. 85. S. 267. 2) Cod. Vor. 
Bur. m, aus Tocil. Rev. Bd. 6, Heft 2, S. 145 ff. ») Conv. 1. 20, S. 77 ff. 
*j Wohin Urechiä das Werk versetzt, Scfaite din istoria literaturei rom. 
1. S. 70. ^) Psaltirea scheianä, in facsimile si transcriere, Buc. 1889, 
Band I, S. VILf. Bd. 2. ersch. 1892. 6) Cuvinte den Beträni I, S. 5. 
^) ^ilippide, introd. 80. ») Columnä lui Traian 1882 f. ») Lupul A. 
Vf acul XVI. Limba §i lit. Romänilor, Buc. 90, S. 6. Odobescu, 5cr. Bd! 1. 



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— 19 — 

der riunänificlien Akademie 1881. Er ist jedoch viel ülter uikd 
überarbeitet J) 4. Evanghelie cu iavä^äturä.l58Q. —1581; wurde 
zum erstenmal die Bibel zu Orestia gedruckt, übersetzt Yom 
(kalvinistischen) Bischof Michael Tordaschi, Stefan » HerCe, Efrem 
^can, Mose Feschtischel und Akirie. Vorhanden sind nur die 
beiden ersten Bücher Moses. ^) 

Aelter als die Bibelübersetzungen ist die Handschrift des 
Klosters Secul: die Unterweisungen des Jon Scärarul, aus dem 
Slawischen um 1500 von Varlaam.*^) Etwa ebenso alt ist die 
•cazänie oder omiliar (Predigten) Coresis (um 1580 gedruckt).*) 

Wenn auch nicht als sprachwissenschaftlicher Versuch, so 
doch als erster, rumänisch (nach polnischer Art) mit latei- 
jiisohen Buchstaben zu schreiben, sei Luka Stroicis Vaterunser (um 
»1573) erwähnt. Andere folgten seinem Beispiel.^) 

Hierher am passendsten noch die Handschrift Ton Mahaci» 
apokryfe bogomilische Texte enthaltend (Teufelaustreibung und 
dergleichen).*) Nach Hajdeu sind sie vom Popen Gregorie^ der 
1580 — 1619 in Mähaci, Siebenbürgen lebte, teils selbst übersetzt, 
teils zusammengetragen:'^) sie heissen auch Codex Sturzanus. 

Die Werke des 16. Jahrhunderts werden vollständig erwähnt 
mur ihres Alters wegen ; die späteren Uebersetzungen und Lehr- 
bücher haben hier keinen Baum, s. Bom. Eev. 5,634, Bens. 128 ff. 
ürechiä Kap. 23,25 — 33 u. Phil. Etwas selbständiger sind wol : 
Varlaams, Erzbischofs der Moldau (1 595 — 1675) : Bespunsuri la (Wi- 
derlegung des) catechismul calvinesc, (der natürlich nicht lutherisch 
ist, wie Dens. 139 meint), 1645,®) und Dositeius, Nachfolgers 
Varlaams: Despre transsubstan^ia^iune, ^) beide (ersteres bis auf 
-die Vorrede) verloren. Erhalten dagegen ist Varlaams, ebenfalls 
45ur Bechtfertigung der griechisch or. Rechtgläubigkeit geschrien 
benes Chiriacodromion *®) (Verzeichnis der Sonntagsevangelien mit 
Auslegung in bilderreicher Sprache) von ihm carte de inve^ätura 
Tomineascä genannt, 1643.**) 

Gleich Varlam suchte auch sein grösserer Nachfolger Dositei 
-die Rumänen zu erwecken und zu heben. Er lebte von vor 



1) Dens. 136. ^) Phil. 72f. 3) Lupul A. 6. Häjdeu, L. S. Buc. 
64. *) Dens. 135. ß) Lupu A. 566 f. «) Urechiä 67 f. 7) Cärtilo 
populäre ale Romanilor, S. XLI. «) Phil. 117, Dens. 142 f. ») Eb. 145. 
10) Dens. 142 f. ") Näheres Urechiä 140 ff. 151 ff. 

2* 

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- 20 - 

1680-^1711 und hat viele kirchliche Werke geschrieben; da» 
irichtigBte ist seine Psalterübersetzung in Versen, erschienen 1673, 
nach der polnischen Kochanowskis , ') das erste Ereeugnis der 
rumänischen Eunstdichtung, daher noch sehr mangelhaft. 

Den rein kirchlichen Werkeü schliessen sich folgende, zum. 
Teil auch erbauliche, wesentlich jedoch zur Sittenlehre gehörige an r 

Das älteste ist das „Lehrbuch für meinen Sohn'* (Carte de- 
inv^b'^a^urii catre fiul men Teodosie) des walachischen Fürsten 
Neagoe Basarab, der seinen Kunstsinn durch Erbauung des- 
Klöslers Argesch bewährte, verfasst angeblich 1515; so noch 
Urechiä -) In Wirklichkeit jedoch ist das Werk, wie die (nicht 
mehr biblische) Sprache zeigt, nicht viel älter als die Handschrift» 
die aus dem Jahre 1654 stammt und yielleicht aus dem griech. 
Urtext übersetzt ist. *) Besonders wird darin die fürstlicho Gross- 
mut empfohlen. Gedruckt Buc. 1843. 

„Geasornicul Domnilor*' (Fürstenuhr) Nicolae Costins ist eine 
Art Fürstenspiegel, wenig klar und übersichtlich, doch bei aller 
Schwerfälligkeit der Form sehr inhaltreich und von einer für 
jene Zeit erstaunlichen Gelehrsamkeit zeugend. Es enthält auch 
politische und sonstige Lehren, ist jedoch noch nicht gedruckt^) 

Etwas später schrieb Fürst Dimitrie Oantemir, geboren am 
26. 10. 1673. Er wurde sehr gut ausgebildet, verstand nament- 
lich viel Sprachen, wurde nach des Vaters Tode 1693 Fürst der 
Moldau, jedoch schon nach 3 Wochen abgesetzt, 1711 von der 
Pforte wieder ernannt, ging er beim Ausbruch des russischea 
Krieges zu Peter dem Grossen über und wurde von diesem für 
den Verlust des Trones durch Güter und Vorrechte entschädigt 
und vertrauter Bat des Zaren, als welcher er am 15. 8. 1723^ 
starb. Einer seiner Söhne ist der russische Satiriker Antioch 
Oantemir/) dem er an Begabung nachsteht. Phil. 222. 

Voo seinen Werken gehört hierher vom Jahre 1698 Divanul: 
seau gälceava in^eleptului cu lumea (Streit des Weisen mit der 
Welt) *), der selbstverständlich auf die mittelalterliche Disputatio 
corporis et animae zurückgeht. Herausgegeben von Sion, Buc. 1878.'') 



1) Eb. 155. Neu von Bianu, Buc. Akad. 1887, ürechiä 155, Rev. 
N. 1,261 ff. Näheres Nad. 457. Phil. u. St. Dinulescu, Vieata si scrierilo 
lui Dosoftein. 2) s. 246. s) Lupul A. 61 f., Philipp. 80ff. Nädejde, 
Ist. limb. §i Kt. rom. 451. *) Dens. 214 f. ß) Rev. n. 2,140. 6) piiü. 
192. Dens. 214« t) Revista pentruistorie usw. Tocüescus 5, 649 u. sonst. 

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— 21 — 

Als angewandte Sittenlehre kann man die Rechtswissenschaft 
bezeichnen. Das wesentlich römische *) Land- oder Volksrecht 
ist in fürstlichen Erlassen von 1571 an erhalten , wovon einige 
^druckt sind. ^) Der älteste Erlass stammt aus dem Jahre 1526.^) 
Die späteren Gesetzsammlungen (präyile) sind aus dem Griechi- 
schen, besonders den Basilikalen, übersetzt. S. Dens. 

Das Kirchenrecht insbesondere behandelt nach der Indrep- 
tarea legii der moldauische Erzbischof Georg II. 1723 in der 
wichtigen Schrift: Neatirnarea (Unabhängigkeit) Metropoliei 
MoldoYei. *) Ein ähnliciher Verteidiger der Landeskirche war sein 
J^achfolger Jakob L, der um 1752 das a^ezament sinodal (Synodal- 
ordnung) schrieb.^) Beide sonst unbekannt. 

Die rumänische Beredsamkeit wird zwar schon in sehr 
früher Zeit erwähnt, ^) indessen ist atizunehmen, dass sie bis um 
1650 in slawisches Gewand gekleidet war, '') wie die serbisch 
überlieferten Predigten, die ^amblac, Erzbischof der Moldau» in 
^er Hauptkirche zu Suceava vor Alexander dem Guten (1401 
bis 1433) hielt, rumänisch nach Melhisedec,^) wie Antim Ivirea- 
nuls Predice. ^^) facute la praznice mari. 

Der Nachruf an Stefan d. Gr. (starb 1504) ist erst um 
1800 verfasst.^) 

Aus der Sprachwissenschaft gehört hierher: der erste Ver- 
such einer Geschichte des Bumäniscben bei MironC ostin, *^) ebenso 
desselben versificarea romäna. '*) 1778 gab Jenakitza Vaca- 
rescu, Grossban der Walachei, der mit eine Sprachlehre seine: 
Prosodia heraus. ") 



GeschicMschreibuiig. 

Allgemeines. 

Wir kommen nunmehr zu den geschichtlichen Werken dieses 
Zeitraums, welche alles frühere, wenn nicht an umfang, so doch 
au Wichtigkeit übertreffen . Über ihre Quellen handelt Urechia. 

Hierher gehört das älteste (d. i. mit einiger Sicherheit zu 
bestimmende) schriftliche Denkmal, von 1523. '') Doch kommt 



1) Dens. 216 ff. 2) Lußul A. 7. S) Ur«Ai»; S. 6M. *) Nur Pop 1,57. 
») Eb. 58. 6) Urechia 62 ff. t) Lupu A. 27 f. bes. 30. ») Vi^ta si scrie- 
rüe lui Gr. f. Buc. 86, 5. Phil. 215ff. 8»>Anal. Acad. 1884, S. 9. Phil. 
.34. 9) Dens. 222, Urechia 64. io> CroÄicele 3,502f. n) Urechia 
119 ff. 12) Rev. n. 2,121 ff. i3) Urechia 6ö. 



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— 22 — 

es uns hier weniger auf diese sehr zahlreichen Urkunden oder 
Erlasse an, als auf die eigentlichen Geschichtswerke; eine gute, 
jetzt freilich nicht mehr vollständige Übersicht über die Quellen 
läiehe im Magazin istoric. ') 

Bis zum IG. Jahrhundert giebt es iiur kurze unzusammen- 
hängende Nachrichten über die wichtigsten und jedermann wahr- 
liehinbaren zeitgenössischen Ereignisse im Lande : Tronwechsel,. 
Bautefn (besonders von Klöstern) Kriegen, Landplagen wie Mis- 
wachs und Seuche und dergleichen. Namentlich geschah dies in 
den Klöstern, weil Mönch und Gelehrter damals so gut wie gleich 
bedeutend waren ; ^) auch mussten dort Urkunden und Verzeich- 
nisse der Fürsten wie sonstiger Stifter aufbewahrt werden,. 
Genaueres über diese Aufzeichnungen verdankt man den Nach- 
forschungen J. Bogdans, der in seinem neuesten Werke') ihrer 
sieben verschiedene nachweist, HJijdeus Vermutungen*) durchweg 
aus den- aufgefundenen Texten bestätigend, hie und da ergänzend. 
Da die Texte jedoch alle slawisch siüd, können wir uns mit dem 
auf diesem Gebiete grundlegenden Werke nicht näher beschäftigen. 
Einige Texte stammen aus dem 15. Jahrhundert, andere aus dem 
•16. Jahrh. Im Läufe des letzteren begannen sich allmälig diese 
Aufzeichnungen des Selbsterlebten zur eigentlichen Geschicht- 
schreibung zu entwickeln, welche tlie früheren Überlieferungen 
zusammenfasste und durch Hinzufügung des Selbstgeschautea 
bezw. des Selbstvernommenen ergänzte, wobei die bisherige Farb- 
losigkeit seit Urechie der Parteinahme für das Vaterland wich. 
Einige der späteren Chroniken berücksichtigen auch das Ausland,, 
während andere sich gleich den früheren auf die Heimat, Moldau,, 
bez, Walachei beschränken. 

Loa ganzen sind die Quellen gewissenhaft benutzt, wie die^ 
(vielfach*' erwiesene) fast wörtliche Übereinstimmung zeigt. 

Freilich fehlt es auch nicht an Widersprüchen und Irrtümern^ 
selbst bei den besten. Wissenschaftlichen Sinn (nach heutiger 
Auffassung) wird man nicht erwarten, aber auch mit der Unbe- 
fangenheit ist es schlecht bestellt: die Geistlichen wittern überall 



1) 1,3 ff. ^) Joan. Bogdan: Vechile Cronice moldovenesci päjia 
..li. Urechie, Buc. 91. S. 3. 3^ Eb. S. d. Uebersicht, S. 137ff. 
*) Unten S. 24. 



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— 23 — 

den Teufel, wie auch die übrigen isich im allgiemeinen als gute 
"HChristen bewähren, so wenn es heisst: Alle gute Gabe kommt 
von oben herab (aus dem Jak obusbriefe 1,17); wie man auch 
am Ende immer gesehen hat, dass die grössten Taten in det 
unglücklichsten Zeit geschehen sind. *) Zuweilen aber bricht 
doch die Hiobsstimmung durch : Solcher Guten (wie lliasch 
Voda, der sehr wohltätig war) giebt es leider nicht viel, Gott 
weiss warum. ^) 

Bei den Staatsmännern leidet die Unbefangenheit noch mehr 
dadurch , dass pie durchweg in dem Getriebe der (adligen) Pär- 
'teien standen , die beständig gegen einander wie gegen den 
Fürsten Hänke spannen, die oft genug zu Blutverg^iessen führten. 
Daher werden sie den Gegnern begreiflicherweise keineswegs 
immer gerecht. So anschaulich sie ferner dies Treiben • wie 
überhaupt die Geschichte ihres Landes schildern, so gering ist 
vielfach ihr Verständnis selbst für die wichtigsten Ereignisse, 
welche sie nicht unmittelbar berühren. So wird die Kirchen- 
besserung bei Constantin Capitanu fs. u.) mit der Bemerkung 
abgethan : Luter Marton , dem die Luteraner bei Wittenberg 
und an andern Orten noch anhangen, hat ausHäss gegen den 
Papst einen neuen Glauben aufgebracht.^) Dagegen wird näher 
beschrieben, wie ein türkischer „Imam" Türken zum Christentum 
bekehrt habe und dafür in Stambul hingerichtet sei.*) 

Im allgemeinen kann man Densuschian recht geben, wenn 
er urteilt, dass die Moldauer im ganzen besser unterrichtet sind 
als die Walachen, wol infolge ihrer näheren Beziehungen zu dem 
damals noch blühenden Polen. ^) Wenn er aber behauptet, dass 
die Sprache der Moldauer dafür ebenso allgemein mehr fremden 
Einfluss zeigte, *) so ist hier ein Unterschied zu machen, insbe- 
sondre inbezug auf türkische Lehnwörter. Diese finden sich im 
3. Band der Chroniken fast auf jeder Seite mehr oder minder 
zahlreich; in den beiden ersten (ebenfalls moldauischen) Bänden 
dagegen kann man 10, 20 Seiten hintereinander lesen, ohne nur 
eins zu finden. Neculcea z. B. erklärt tabie als ba^ca de 
pämint;'') im selben Bande wird cataroiu gebraucht, das am 
Bände durch das üblichere türkische dambla erklärt wird usw. 



1) Magazinist. 2,132. 2) Eb. 1,351. 3) Eb. 155. *) Eb. 170. s) S. 
150. «) S. 149. 7) Cron. 2,4C8. 



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— 24 — 

Auch die im Magazin ist. yeröffentlichten Chroniken haben 
zum Teil so wenig Fremdwörter wie die beiden ersten Bände 
Cogalniceanus, immer aber weniger als der dritte, zumal an seinem 
Ende. 

Die einzelnen Werice. 

Von den einzelnen Chroniken stehen die namenlosen besser 
für sich; sie dagegen einem früheren, die benannten einem 
späteren Zeitraum zuzuteilen iat ebenso unb^ründet wie sie 
naeh ihrer Wichtigkeit zu sondern, *) wie Densuschian thut. 

Manche sind verloren, so die Chronografia dela Yer^e^ und 
die Chronologia Jancului Vodä, die Balcescu erwähnt,') femer 
manche „Bücher und Überlieferungen**^ die ürechie benutzt hat.^) 
Die .lateinische Chronik, die derselbe anführt, geht uns wie die 
daneben erwähnte^) und Fremdsprachliches überhaupt nichts an; 
80 wenig wie die gefälschte Chronik Huruls. *) 

1. Als selbständiges Werk verloren ist die Chronik von 
Kadul Negru bis Badu dem Grossen, **) jedoch in einer grösseren 
erhalten. Siehe Nr. 5. 

2) Weiter herunter reicht „die alte moldauische Chronik," 
die sich in drei Teile zerlegt: 1) von 1362 — 1451, wo der 
Schreiber andere auszieht; 2) bis 1457, wo er Selbsterlebtes 
berichtet; 8) Fortsetzungen anderer, die in den Niederschriften, 
welche ürechie benutzt hat, bis 1564 gereicht haben werden, 
da er sie für spätere Zeit nicht mehr anführt. Erhalten nach 
Häjdeii ') in der polnischen Chronik von Putna. S, S. 22 Anm. 3. 

3) Bis £nde Juli 1597 reicht „das Leben Michaels des 
Tapfem", von dessen Kanzler beschrieben, das ins Polnische und 
aus diesem ins Latein übersetzt ist. ^ 

4. Zwischen 1667 und 1680 ist wenigstens zum Teil die 
ohne Grund "®) dem Spatar Milescu beigelegte Chronik geschrieben, 
die über die Fürstentümer zwar nichts neues beibringt, aber zum 
erstenmal die Si'idrumänen (in Makedonien) erwähnt.*') Offenbar 
von einem Geistlichen, siehe Cron. 3, 104, 116 usw. 



i) Dens- 153, ^) 188. 3) Mog. ist. 1,10. *) Cron. 1,129. 5) Dens. 
155. «) Ebd. 157 f. Phil. 64 f. 7) Dens. 154. 8)ArchiYa ist. a 
RomÄmei,Bd. S. ") Dens. 156. w) Urechia 200ff, wo sich Genaueres 
über Ms. fremdsprachliche Schriftwerke findet. Kog< legt aber nur 
ilai erste BrucLatüek dem M. (gest. um 1714) bei. ii) Dens. 170. 

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h^ 



— 25 — 

5. Von 1290 — 1689 reicht die sehr lehrreiche Arbeit, die 
zunächst ein älteres Bruchstück über die Zeit vor der zweiten 
Ansiedelang der Bumänen bringt, dann Nr. l (s. o.) mit £f^ 
weiterangen, dann das Leben Nifons yon Oavril und Neagoes 
Leben (s. u. Chronikschreiber 1 und 2). *) Ebenfalls offenbar 
von einem Qeistlichen. Daran schliesst sich: 6) Istoria Tierei 
Bomänesci de la annl 1689 incoace, die jedoch auch über West- 
europa berichtet, wenn auch kurz.') 

7. Bis 1690 reicht die Chronik von Fugarasch, die mit der 
Herrschaft des Augustus beginnt, von Densusehian ^) gefunden 
und gedruckt. 

8. Die Geschichte des Feldzuges in Morea 1715 ist von einem 
Teilnehmer verfasst, vielleicht vom Faharaik State Leurdeanul^ 
der mit gewesen ist.*) 

9. Ebenfalls nur kurz sind die ,,Geschichten der Walachei 
und Moldau*', aus mehreren Chroniken verkürit von, 1733*) und 

10. eine kleine Eeimchronik aus dem 18. Jahrhundert, nicht 
näher zu bestimmen.^) 

11. Ausführlicher ist wieder eine bald verkürzte, bald er- 
weiterte Bearbeitung der N. Mustea zugeschriebenen Chronik, 
aus der gegen Ende z. B. eine längere erbauliche Stelle ge- 
strichen ist. Sie reicht von 1662 — 1733.^) Die Sprache ist 
zuweilen nachlässig, s. Cron, 3,110. 

12. 1800 ist „die Begierang George Hangerliüs'* gesehrieben.'') 

13. Aus alten Handschriften endlich die 1858 f. gedruckte 
Istoria Moldo-Romaniei. ') Mehr Fhil. 159 ff. 

Als Chronikschreiber sind zu erwähnen: 

Gavril. So wird wenigstens in der Chronik, worin das 
Werk erhalten ist (s. o. Nr. 6) der Verfasser des Lebens des 
Patriarchen Nifon genannt, Beide lebten um 1500. Gavril war 
Abt auf dem Bei^e Athos, wo sein Werk auch geschrieben 
ist.^ 

Daran schliesst sich unmittelbar: „Leben und Taten des 
Fürsten Neagoe**. Die genaue Kenntnis der fürstlichen Familie 



1) Ebd. leOf., Pop 1,40. ») Mag. istor. ö,93ff. ») S. 153f. 
*) Dens. 188. ß) Eb. 189. «) Eb. 184. Cron. 3,99ff. 7) Deas. i^. 
8) Eb. 156. a) Eb. 155f. 



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Aitd . andere Gründe führen darauf, dass ein Glied derselben der 
(Verfasser ist, wenn nicht Neagoe. selbst, wie schon Engel 
vermutet. 

. . Nestor Ureehie, von spätestens 1550 bis .um 1625. 1592 
bid, 1594 ist er Grosslogofet, dann Statthalter, 1598 und wieder 
1612 Wornik, doch musste er nach Polen flüchten, von wo er 
1015 «urückkehrtfe. 1616 wurden seine Gattin und sein Sohn 
von den Türken gefangen ; er. selbst entkam und lebte von da 
an in der Zurückgezogenheit. Er war ein bedeutender Mann 
jund. spielte daher eine wichtige Bolle in der. Geschichte. Er 
schrieb nach Densuschiaou ^), der gegen die überlieferte Urheber- 
schaft des Sohnes Gr. Ureche (1600 — 1646) manche, wie e^ 
scheint, durchschlagende Gründe anführt: „Die Fürsten der 
Moldau und ihr Leben" von 1359 — 1594, wozu er viele heimische 
wie fremde Quellen benutzte. Seine durch Elostergründung 
bewährte Frömmigkeit, die Wunder und Zeichen glaubt, zeigt 
sich auch, hier, wenn er z. B. .ausruft: Sehet, wie Gott die 
Bösen straft ! -) Weiter erwähnt er , dass . die Edlen , die den 
Weiberschänder Petru ermordet hatten, sehr getadelt wären, und 
verteidigt sie damit, dass niemand seine Frau und Tochter ruhi^ 
könne schänden sehen , sie hätten eine Tat Gottes getan. ^) 
Ja, er findet es nicht in der Ordnung, dass die Häupter der 
Moldau Kläger, Richter und Vollstrecker des Urteils in einer 
Person wären, so dass die Niederen gegen ihre- "Grausamkeit 
•keinen Schutz >" fön den. *) 

Wenn man bedenkt , wie verschieden diese Ansichten von 
denen der Mehrzahl seiner Standesgenossen sind, wird man zu- 
geben, dass er sie an Charakter noch mehr libeitraf als an Be- 
gabung. Irrtümer wie die Herleitung des Nameps Walach voni 
römischen Hauptmann Flaccus tun letzterer keinen Abbruch. 
JSJäheres bei Urechiä 1 80 — 1 99. N«d 452, Phil. 1 19 ff. J. B, ob. S. 22. 
. . , Sein Werk ist erweitert und fortgesetzt durch : 

Logofet Eustratie, geboren vor 1600. Er schrieb wol 
.nicht nach 1632 *) sondern vor 1618;®) weil sein Söhn und 
Jb'oftfetzer Simon Dascal zwischen 1681 und 1620 schrieb,'') und 
zwar über Polen, Türken, Tataren und Despot.*) 

1) 162 ff. doch s. Sbiera. Gr. ürechia. Contribuiri petnru o biografia 
lui,Boc. 84. 2) Cron. 1,203. s) Eb.208. *) Eb. 220. 5) Urechia Seh. 99. 
•) So Dens. 168. 7) Eb. 166f. «) Cron. 1.403—413, 428-431. 



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— 27 — 

Hi^r folge glei<?h sein Fortsetzer , Eusträties blepöt (Enkel^ 
wie fes scheint) Mi'sftil diefr MÖhch, der zwfBcheii 16^0 und 1650 
schrieb.*) Die drei zuletzt genannten feiten diie Bumänen von 
einer Eäuberbande - her, welche der römische Kaiser den Ungarn 
unter. ¥lah gegen die Tataren zu Hilfe geschickt hätte* Hierauf 
gründet sich Miron Costins Vorwurf, - dass'' sie . alle drei es mit 
der Wahrheit nicht sehr genau genommen. 

Etwa gleichzeitig, nämlich in der ersten Häilfte des 16.. Jahr- 
hunderts lebte der walachische Mönch. Midiael Mocsai^lie), der 
eine kurze Chronik von Anfang der Welt, bia 1489 schrieb, um 
1620.2) i 

Um 1636 soll Petru Danovici . eine Chronik von Erschaf- 
fung der Welt bis 1624 geschrieben haben. ^) 

Von Radu dem Schwarzen (Negru) 12ö0-t1688 schreibt 
Constantin Capitanul (Filipescul) die beste Chronik der Walachei^ 
von 1665 an als Zeitgenosse, doch s. Magaz. «ist. 1^3 , wonach 
er dica Werk 1796 nur abgeschrieben hat.*) Als «eine Zeitge- 
nossen (um 1700) werdeu der lerodiakon Naum Clococeanul und 
Teodosie Sohn Stoians von Tunsch genannt, die geschichtliche 
Bruchstücke geliefert haben» *) auch Parv Kantacozin . und der 
Clucer Dumitrake.®) 

Constantin ifit fortgesetzt durch Radu Qreceanu, Qrosslogofet 
der Walachei, von 1688^—1707, der jedoch weder zuverlässig 
noch unparteiiach ist, *) vielmehr ein arger Schmeichler« Er hat 
auch die Zeitrechnung des Landes von Eadu den Schwarzen 
(1290) bis 1667, und „Stammbäume der »Bojaren*! geschrieben. 
Der Grosswornik Eadu Popescu setzte Greceanu bis um 1729 
fort, und zwar mit mehr Wahrheitsliebe.'') 

Um 1766 hat Logofet Radu Lupescu diese beiden (Chroniken) 
in eins gearbeitet*) 

Ungleich besser als über die leztgenannten sind wir über 
Miron Costin *) unterrichtet, den im Staate einfluösreichsten Mann 
seiner Zeit. Er wurde um 1628 geboren^ war 1674 Grosswornik, 
half 1678 den Fürsten A. Ruset stürzen, wurde' 1683 mit Duca 
.yodä von den Polen gefangen, und bjieb in deren Lande, wo. ör 



1) Nach Dens. 169. Vgl. Gron. l,377ff. a) Dens. 175f. 3) Eb. 
179. *) Ebenso Urechia 168 j der statt 1796 1769 hat und Greceanu 
für dm Verf. hält. Pop 1,58. "ß) Pop l,57f. «) Mag. ist. 1, Anfang. 
7) Dens. 177. ^ Phü. 161. »} Käd. 458, Phil. 122 ff. • ' 



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— 28 — 

Tielseitige Anregung empfing Zurückgekehrt, änsserte er sich 
freimütig über die Günstlingswirtsehaft Constantin Cantemirs, 
und als ein^ Verschwörung gegen diesen entdeckt wurde, Hessen 
' die Günstlinge ihn mit des Fürsten Willen enthaupten, als er 
eben seine Gattin begrub, 1692. — Er besass ausgedehnte 
Sprachkenntnisse, sowie die tiefsten Gedanken lud führt so die 
schon von Urechie (s. d.) begonnene pragmatische, die Ereignisse 
in ihrem Zusammenhange begreifende und darstellende Geschicht- 
schreibung weiter durch. Er blickt klar genug, die Herleitung 
des Namens Walach aus Flaccus für eine Fabel zu erklären. £r 
setzt ürechies Chronik von 1594—1662 fort und giebt als guter 
Ohrist, (obgleich er öfter nur des Schicksals Walten erkennt,) 
ähnliche Nutzanwendungen, auch Bibelstellen, so: Mit welchem 
Masse ihr messet, wird euch gemessen werden.*) Gleich 
Urechie betont er auch, aber nachdrücklicher, den lateinischen 
Ursprung aller Bumänen, er behandelt daher nicht nur die 
Moldauer, sondern auch die übrigen, mit Liebe, aber Unpartei- 
lichkeit; dieselbe verlässt ihn nur gegenüber Anders gläubigen. 

Ausser diesem Hauptwerke hat er noch geliefert: Buch 
über die erste Niederlassung der Moldauer. Er wollte auch die 
Zwischenzeit behandeln; doch scheint die unter seinem Namen 
vorhandene Arbeit hierüber, die lediglich auf Urechie fasst, seiner 
nicht recht würdig. Eine Chronik von Ungarn wird ihm eben- 
falls zugeschrieben. Eine polnische Dichtung, richtiger Beim 
Chronik über Land und Leute in der Moldau gehört nicht hier- 
her; seine rumänischen Dichtungen s. u.^) 

Sein Zeitgenosse war Jon Buburuzaiü aus Kronstadt, der 
zwischen 1660 und 1700 eine Weltgeschichte aus dem Griechi- 
schen übersetzt hat.*) 

Etwas später lebte V. Damian, dritter Logofet und Tudosie 
Dubau, Grosslogofet, welche, an Miron Costin anknüpfend, diesen, 
jedoch nicht sehr vollständig, von 1662 — 1708 fortsetaten. *) 

Niculae Costin,'') der älteste Sohn Mirons, trat in die Fuss- 
stapfen seines Vaters. Er wurde um 1660 geboren^ brachte es 
bis zum Hatman (General), musste jedoch 1699 in die Walachei 

1) Urechia 204 ff. C. lit. 19. 1041, Derselbe: Sämmtliche Werke 
M. Costins Ausgabe der Akademie Bd. 1,86, 2,88. ^) Cren. l,%b. 
8) C. Kt, 20,73 f. *) Familia 5, 433ff. C. lit. 19, Heft 11 und 12. 
«^j Dens. 179. ß) Eb. Pop 1.51 f Phil. 126. 7^ Eb. 125f 



L 



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— 29 ^ 

flüchten, von wo er 1701 in die Moldau zurückkehrte. Nach- 
dem er wiederholt abgedankt und wieder in den Dienst getreten^ 
wurde er 1711 Orosslogofet und starb 1712. Auf der polnischen 
Hochschule hat er sich eine noch umfassendere Bildung ange- 
eignet als sein Vater besass, dem er aber an Begabung nach-- 
steht') 

Er hat geschrieben : Von der ersten Niederlassung und rom 
Geschlechte der Moldauer (von Erschaffung der Welt an). — 
Die ihm von Oogiüniceanü ') zugeschriebene Chronik der Moldau^ 
von 1662—1711, gehört ihm aber höchstens von 1700 an.*) 
Endlich hat er noch Nachträge zu ürechie geschrieben.*) Die- 
Belben scheinen verschiedentlich nur andre Fassungen oder gar 
Überlieferungen desselben Stoffes, so enthält Anhang 10 bis auf 
die Schlussbemerkung ganz dasselbe wie Urechie, Kapitel 29. 

Die eben erwähnte Chronik ist in Wirklichkeit von Acsentie 
Uricariül (Geheimschreiber) verfasst, wenigstens zum grdssten 
Teile (bis 1710); ausserdem hat er eine über die zweite Regie- 
rung Alecsandrii Mavrocordats hinterlassen, von 1711 — 1716, 
jedoch dem Fürsten gegenüber so wenig unabhäungig von Eadu 
Greceanu.*) Nach Karls XII. Tode bemerkt er z. B. : So straft 
Gott die Hochmütigen.*) 

Es folgt die von einem Divanschreiber über 1662 — 1729 
aufgezeichnete Chronik, von 1704 an schildert er Selbsterlebtes. 
Der Name des Verfassers wird für unleserlich erklärt, '') Cogälni- 
ceanu schreibt das Werk dem Mustea zu.®) Er hat es voll- 
ständiger: im Mag. fehlt z. B. der Schluss des 2. Absatzes von 
Kapitel 20. Auch ein erbaulicher Abschnitt Seite Ö9 unten. 
Der Verfasser scheint ein Geistlicher zn sein, wenigstens fuhrt 
er den Sturz eines Fürsten darauf zurück, dass er die kirchlichen 
Feste nicht gefeiert; auch giebt er sonst Nutzanwendungen und 
Vorschriften, z. B. wie ein Fürst beschaffen sein solle. Cr. 3,33. 
Im übrigen hat er mehr andere, besonders den Neculcea, ausge- 
schrieben, als selbständig gearbeitet. Mustea ist nur Schreiber. 



1) Dens. 177 f. 2) Cron. 2, Anf. ») Dens. 178 fc *) Nach Cogal- 
nlöeann; Urechia will sie als Werke Mirons erweisen, C. lit. 19, 1042. 
^) Dens. 179 f, Urechia 166 f. der diese Chronik, welche von 1688— 1700 
reicht, die beste walachische nennt «) Cron. 2,l:19ff. ') Magaz. 
ist. 3.3 ff. 8) Cron. 3,3 bis 60, Zeile 2. Das folg. fehlt hn Magazin. 



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-^ 30 - 

Der Woraik der Walaehei, Nicolae Roset, schrieb 1727 
über Nicolae Mayrocordat ') 

Bimitrie Cantemir hat folgende geschichtliche Werke ver- 
fasst, in denen er, heftig wie er war, nicht, immer unpartei- 
isch blieb. 

1. Chronik dar Humanen (Gr. Romano -Moldo-Vlachilor), 
worin er (aus 1 53 Schriftstellern) die ununterbrochene Fortdauer 
der Rumänen- (Römer) in Bakien erweisen will. Doch hat er 
die wichtigsten Qudlen nicht benutzt, andere unvollständig oder 
unrichtig, und da seine Kenntnisse des Landes, nicht nur in der 
Vergangenheit, sondern selbst des zeitgenössischen unglaublich 
lückenhaft sind, hat das Werk geringen Wert, besonders auch 
wegen des grossen Mangels an Übersichtlichkeit; Sachen werden 
durcheinander geworfen, wiederholt usw. Das Werk heisst auch : 
Geschichte des alten und neuen Dakiens. ~) 

2. Ganz eigentümlich ist die istoria ieroglific^, worin er 
das staatliche, gesellschaftliche und häusliche Leben der Moldau 
wie der Walachei um 1700 schildert, mit seiuen Ränken und 
Reibungen, Verrat, Erpressung und all dem Elend, das daraus 
folgt. Die Auftretenden tragen Hehlnamen, besonders von Tieren, 
am Ende jedoch finden sich die wirklichen Namen. Durch Ein- 
setung dieser und sonstige Erläuterungen würde das jetzt wegen 
seiner Wiederholungen 'und Schwerfälligkeit fast ungeniessbare 
(von der Akademie herausgegebene) Werk sehr gewonnen 
haben. -) S. die Erläuterungen von Constantinescu Rim. 

3. Minder bedeutend sind „die Ereignisse der Gantacuzine" 
oder ,.GeBchichte der Bräncovene und der Gantaciizine.'' 

4. Als gewissermassen ein Ausschnitt aus dem folgenden 
möge hier gleich die . in diesem Abschnitte einzigartig da- 
stehende „Einführung in das Studium der osmanischen Musik,*' 
erwähnt werden, die bisher nicht gedruckt ist, (Cartea cinta^ 
rilor dupu musichia turceasca). 

5. Sorgfältig ist die lateinische „Geschichte der Osmanen'^ 
Die des osmanischen Reiches von Mohammed bis Osman — 
vor Osman gab es ja aber keine Osmanen — ist verloren. Jene 
ist 1876 von Hodosch in Bucurescht herausgegeben. ^) 

1) Mag ist. 1. Anf. ») Dens. 180 ff. Phil. 192ff. S) Revista pentru 
istorie ö,649. 



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— 31' — 

6. Wichtiger, aber als alle diese ist Aie latein verfasste 
,, Beschreibung des früheren und des heutigen Zustandes der 
der Moldau'^, heraiusg^ebeu von Papiil, Bucurescht 1872,- rumä- 
nisch schon 1851 vou Negruzzi. Einzige Quelle für vieles aus 
Völker- und Länderkunde. £r hat auch andres lateiu geschrie- 
ben» und das hat sein Eumänisch» dem er den lateinischen Sat£- 
ban aufdrängen will, verdorben. Seine russischen und türkischen 
Schriften können hier nicht Platz ünden. Wegen dieser aller- 
•dings mehr, ausgebreiteten (er verstand auch italienisch) als 
gründlichen Kenntnisse wurde er 1714 Mitgliied der Berliner 
Akademie. 

Weniger kenntnisreich, aber begabter, besonders für die 
Geschichtsschreibung, ist Jon Neculcea, um 1700 in der Moldau 
geboren. £r wurde von D. Kantemir , dessen rechte Hand er 
war, zum Hatman erhoben, und nach Peters des Grossen Nieder- 
lage (am Prut) begleitete er den Fürsten nach Russland, wo 
letzterer blieb. N. ging nach Polen zurück, durfte aber erst 
1719 heimkehren, worauf er seine beschlagnahmten Güter zurück- 
erhielt. Er lebte zurückgezogen, bis er 1731 von Grigorie 
Ghica zum Grossworuik des Oberlandes erhoben wurde. Als 
auf Qhica jedoch schon 1732 (3?) Goustantin Mavrocordat folgte, 
dankte er ab, weil er mit den räuberischen Griechen in dessen 
Umgebung nichts zu tun haben wollte. 1741 ward er noch- 
mals Womik und führte auch als solcher seine „Chronik der 
Moldau" bis 1743 fort, worauf er bald gestorben sein muss. . 

Im genannten Werke, das mit 1662 beginnt, setzt er Miron 
Costin fort, nächst dem er der bedeutendste Chronikschreiber des 
Landes ist, und den er in der Klarheit und Reinheit der Sprsche 
übertrifft. Besonders fallt seine Abneigung gegen türkische 
Wörter auf. S. S. 237. . 

Italienische Formen wie omenii ') sind vielleicht nur ver- 
schrieben, im andern Falle lassen sie auf Kenntnis dieser Sprache 
schüessen. Sein Scharfblick wie seine vaterländische Gesinnung 
zeigt sich besonders in seiner Abneigung gegen die fanariotischen 
Blutsauger; er zürnt über die Bevorzugung derselben, die überall 
obenan sitzen,*'^) und klagt im 10. Kapitel ergreifend über 
ihre Un Sittlichkeit, die das Land verdüjbe. Übrigens abe^ ist es 



1) Cron. 2,183. a) Eb. 402. 3) s. 184. 

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— 32 — 

mit der Klarheit seines Kopfes, die Densuschian rühmt, ') nicht 
allzuweit her, wenigstens ist er (wie freilich all seine zeitge- 
nössischen Landsleute) abergläubisch genug zu glauben, dass ein 
Muttergottesbild weint ^) — übrigens ein Glaube, den heute Bischof 
Melchisedec, Mitglied der Akademie, durch eigene Aussagen zu 
begründen sucht 8. Farn. 28,61ff. — Bis 1679 sdireibt N. nach 
andern Quellen, von da an aus eigener Anschauung. ' 

Fortgesetzt ist er durch den Spätar Jon Gänta, über den 
nichts weiter bekannt ist, als das er eine kurze Chronik über 
die Zeit von 1741 — 1679 geschrieben.*) 

Gheorgaki, zweiter Logofet, schrieb 1762 seine Condicar 
alte und neue Bräuche der hohen Fürsten, also eine Art Hof- 
ceremoniell, ^) nicht unwichtig, weil es zeigt, welche Rolle die 
Geistlichkeit bei Hofe spielte, ^) und wegen anderer gelegentlicher 
Bemerkungen über den damaligen 8tand des geistigen Lebens. 

Die Geschichte der Moldau von 1766 — 1780 beschrieb loan 
Cantacuzin. **) 

Jenake Cogalnicean ebenso von 1733 — 1774') wofür 1779 
verdruckt ist.*) Er wurde 1730 am 10. Oktober zu Jassi ge- 
boren, wo sein Vater Vasile Landeshauptmann war. Er trat in 
den Dienst des Hofes und lebte 1757—1761, 1769 — 1774 zu 
Stambul, wo er seine Chronik vollendet hat. Er starb 1795. 
Er ist der letzte eigentliche moldauische Chronist und steht 
seinen Vorgängern an Unabhängigkeitssinn, Scharfblick und 
Vaterlandsliebe nach. Selbst in der Sprache bemerkt man das 
Vorherrschen des griechischen Einflusses. Ausser dem grösseren 
Werke hat er zwei kleine Reimchroniken über die Ermordung 
des Fürsten Grigorie Ghica, die der Bojaren Bogdan und Jon 
Cuza geschrieben.*) 

Sein Zeitgenosse, der wackre moldauische Metropolit Jacob IL 
Stamati schrieb: „catalog cronologic al tutulor Domnilor Mol- 
dovei" (Verzeichnis aller moldauischen Fürsten).*®) S. Kogälnicean. 

Mihai Cantacuzinii schrieb 1787 den Stammbaum seines 
Geschlechts.*') 

Jenakitza Väcärescii, um 1740 geboren, folgte früh seinem 



1) Bens. 184. 2) Cron. 2,198. ^) Dens. 185. Cron. 3,133 ff. Phil. 
202, *) Cron. 3,299ff. ^ Eb. 300. «) Magaz. ist. 1. Anfang. 7) D^ng. 
185. 8) Pop 1,58. ö) Cron. 3,197ff. Phil. 202. w) Eb. 203. n) Eb. 160. 



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- 33 — 

Vater Stefan V. in die Verbannung nach Cypern. Unter Scarlat 
Ghica kehrte Stefan V. zurück, wurde jedoch von dem wreder 
zur Herrschaft gelangenden Racovitza vergiftet. Jenakitza wurde 
unter Alexander Ipsilant Spatar, half dieses Fürsten Gesetzbuch 
mit ausarbeiten und wurde von ihm öfter zu fremden Höfen 
gesandt. Er hat ausser der Sprachlehre usw. eine Chronik der 
türkischen Sultane geschrieben. Der erste Teil reicht bis 1730; 
der zweite, bis 1791, ist wichtiger, weil er darin' Selbsterlebtes 
schildert, 1788—1894 verfasst in Stambul, während einer 
Verbannung^ *) Das Werk enthält viele türkische (osmanische) 
Wörter; die darin befindlichen stihuri haben nur die Form, 
nicht den Geist von Sinngedichten. 

Etwas später lebte Bionisie Eclesiarchul von ßimnic, der 
(in Craiova) eine Chronik von 1764—1815 geschrieben hat, nach 
der Vorrede gemäss den Berichten älterer Zeitgenossen , die er 
sorgföltig, doch ohne besondere Kenntnisse oder Begabung, ge- 
sammelt hat. ^) Am wichtigsten sind darin die gelegentlichen 
Nachrichten über den Wert des Geldes, Preise der Waren usw., 
dergleichen sich anderswo nicht findet. Er hat auch Urkunden 
aus dem Slawischen übersetzt. 



IL Zur Dichtkunst. 

Zum Schluss des Zeitraums noch ein Überblick über die 
spärlichen Blüten der Kunst. 

Stefans Verse sind eigentlich ein Vorwärts ! ^) 

Dositei hat ausser dem Psalter, den besten Versen des Zeit- 
raums, in Form einer Widmung oder Huldigung einen Abriss 
des Lebens der moldauischen Fürsten u. a. geschrieben,*) auch 
ohne dichterischen Wert.*) Dasselbe gilt von den ersten rumä- 
nischen Hexametern, die der Student Michael Haliciu 1674 
zu Basel schrieb, um seinem Freunde Francisc Papai zur Doktor- 
prüfung Glück zu wünschen. ®) üngedruckt mehr. ') 

Auch Miron Costin hat einen Spruch an Dositei, einen über 
die Moldauer, ein Klaggedicht „Weltleben*' u. a. geschrieben.®) 

Jenakitza Väcärescu (1740 — 1799) bringt in seiner Sprach- 

1) Rev. N. 2,126. 2) Dens. 187f. s) Dens. 224. *) Urechia 
140ff. 5) Cron. 3.ö26ff. «) Dens. 224. 7) Dens. 225. s) Urechia 
ms. Conv. Iitl9. 1043, 20,75 flf. 

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— 34 — 

lehre als Proben einige seiner an akreon tischen Gedichte, welche 
diesfn Namen eher verdienen als das bisher Erwähnte 1787. 

Gegen Ausgang des Jahrhunderts trösteten Alezander (Alecu) 
und sein Sohn Nicolae Vacarescu ^) ihre Landsleute über die 
schwere Zeit; von Alecu sind einige Gedichte in einem Hefte 
von 1796 gesammelt. Das meiste ist ungedruckt. Seine 
Sprache klingt fanariotisch, siehe pervanea. ^) 

Leider scheint das Vermächtnis Jenakitzas vergessen zu 
sein, wenn er sagt : Euch, den späteren Vacareskern, lasse ich 
die Pflege der rumänischen Sprache und die Liebe zum Vater- 
lande. 

Inzwischen waren jedoch schon andere Männer aufgetreten, 
welche den Spuren dieses Predigers in der Wüste folgten und 
Beinen Euf so lange wiederholten, bis er Gehör fand. 

Dies zu schildern wird im wesentlichen die Aufgabe des 
nächsten Abschnittes sein. 

Der Vollständigkeit halber sei als einziges dem Gebiete der 
Lehrdichtung angehöriges Werk dieses Zeitraums noch die 
Satire erwähnt, die sich in Jenake Cogalniceanus Chronik (s. o.) 
Bd. 3,2700*. findet. 



Zweiter Zeitraum, von um 1800—1830. 

Die Pflanzer des vaterländischen Gedanicens und die Dichter 
der Übergangszeit 

Die Bahnbrecher und die Lage. 

Wenn wir den bisher behandelten Werken vaterländische 
Färbung abgesprochen haben, so sollte das nicht heissen, dass 
ihre Verfasser das Vaterland nicht geliebt hätten; vielmehr sind 
verschiedentlich Zeugnisse für das Gegenteil angeführt.') Aber 
selbst die Besten wie Costin und Neculcea begnügten sich, mit 
vereinzelten Ausnahmen wie Stamaii, das Unglück des Landes 
zu beklagen, da sie der Fremdherrschaft ohnmächtig gegenüber 
standen. 

Als jedoch Frankreich 1789 ff gezeigt hatte, was ein Volk 



1) lieber die Väcäresker s. A. Odobescu, Bd, 1 der Schrr. aj in 
,,Flnturele'', unübhch. ^) Zusammengestellt von Urechia, Schi^e, 97 ff. 



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— 35 — 

«einen Bedrückern gegenüber vermag, wenn es will, begannen 
auch die Humanen, unter denen viele Flüchtlinge und Sendlinge 
gelebt hatten,') diesem Beispiele zu folgen, soweit die Umstände 
es gestatteten, und zwar zunächst wieder die Siebenbürger. 
Für den unermedslichen Unterschied gegenüber dem vorigen 
.^ieitraume zeugt Fabians ,. Stimme der Zukunft*', aus der die 
'wichtigsten Stellen folgende sind : 

Warum scheint auch im Lenze die Welt mir wie ein Grab? 
<Da schallt der Buf vom Himmel dem Donner gleich herab: 
^O elend Land, wann wirst du der Zukunft eingedenk. 
Der herrlichen Bestimmung, die dir ward zum Geschenk ? 
'Weisst du nicht, was dir fehlet! — Der Wille: wolle nur, 
So tilgst du deine Dränger bis auf die letzte Spur. 
'Erweck' in deinen Söhnen den Glauben und den Mut, 
Dass Becht und Freiheit höher sie achten als ihr Blut, 
So werden sie noch siegen, wie Eom dereinst gesiegt. 
Und sehn, wie in der Bunde der Feinde Schar erliegt. . . 
Ihr, meines Volkes Dränger, schon ist das End* euch nah: 
Die jetzt erwacht ist, zittert vor der Homania ! 
-Millionen weis' erheben sich ihre Kinder all 
'^'^om Meer zur Teiss, vom Ister bis zum Karpaten wall ! 

Die letzte Zeile, worin zum erstenmal grossrumänische Pläne 
ausgesprochen werden, Michael der Tapfere (hatte keine) ist ein 
geflügeltes Wort geworden und wirkt als solches fort und fort. 

Ehe wir jedoch auf die Dichter, besonders die der Fürsten- 
tümer, eingehen, müssen wir einiger anderer Siebenbürger ge- 
denken, die ihnen durch ihre wissenschaftlichen Bestrebungen 
den Weg bahnten, vor allem aber der Umstände, unter, bezw. 
gemäss denen sie begannen die Saat des vaterländischen Ge- 
dankens auszustreuen. 

Seit etwa 1700 Hessen die katolischen Fürsten Sieben- 
bürgens, um ihre rumänischen Untertanen der morgenländischen 
Kirche zu entfremden, die kirchlichen Bücher rumänisch drucken, 
und durch weitgehende Versprechungen liess sich auch ein Teil 
zur Vereinigung mit der katolischen Kirche bewegen, was 



1) S. Bevista n. 3,243ff: Bueurescii in timpul revolutiunei 
francese. 

3* 

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— 36 — 

allerdings vielfach üble Folgeo für sie hatte. *) Andrerseits aber 
geschah es so, dass es seit ungeföhr 1750| bes. die Bischöfe 
I. Clainu und P. P. Aron **) rumänische Schulen errichteten, 
von denen die Wiedergeburt des Volkes ausging. Junge 
Bumänen wurden nach Born geschickt, um dort als Priester 
ausgebildet zu werden, doch begeisterten sie sich dabei auch 
an den Denkmälern des alten Born: voll von dessen Grösse 
kehrten sie zurück und begannen, zunächst den Ansprüchen der 
Ungarn und Sachsen gegenüber, die Bumänen als Bomanen zu 
erweisen. Sie taten dies einmal durch Bearbeitung ihrer Ge= 
schichte; sodann durch die der Sprache; da jedoch beide Fächer 
durch dieselben Männer und auch die Sprache geschichtlich' 
behandelt wurden, scheint eine Sonderung hier unzweckmässig. 

Der älteste dieser Kämpfer ist Samuil Micul,^) übersetzt 
Klein, 1745 zu Sadu bei Hermannstadt aus moldauischem Ge- 
schlechte geboren. Er studierte in Blasendorf und ging später 
nach Wien, wo er sich 6 Jahre lang weiter ausbildete. 1772 
zurückgekehrt, war er 1773 — 1783 wieder im Kloster St. Barbara, 
bis ihn der mehr Bargeld als die Wissenschaft liebende Erz- 
bischof J. Bob^) vertrieb, dessen Feindschaft ihm nach Sieben- 
bürgen folgte und ihn nirgends festen Fuss fassen liess. Erst 1803 
wurde ihm die Beaufsichtigung der in der Uni versitätsd nickerei 
zu Pest gedruckten Werke übertragen, er starb aber schon 1808 
in Schincais Armen, der sein Nachfolger wurde. 

Abgesehen von der Bibelübersetzung, Schulbüchern, die von 
jetzt an überhaupt nicht mehr erwähnt werden, und mehr als^ 
20 Werken über Gottesgelehrtheit hat er folgendes geschrieben: 
Istoria, lucrurile, si intimplärile Bomänilor; Istoria Domnilor 
^erei Bomanesci ( — 1724); Istoria domnilor t^erei Moldovei 
( — 1795); Istoria politicä si bisericeascä (a Bomtinilor din. 
Ardeal); Istoria bisericeascä (allg. K. Geschichte) I. Soborului din. 
Floren^a. Endlich noch: scurta cunoscin^ä a istoriei Bomä- 
nilor, *) anderes latein. Dreptul firei (Naturrecht) erschien 1800. 



1) S. Bämutz, Derept publ. 348 fif., in der Chronik und im Leben > 
Schincais von P. Ilarian, G. C. Vintu: Unirea Bomänilor din Trans: 
cu bis. rom. cat. ^^) Inceputul renai^terii nationale . . . Craiova 91. 
2) Philippide nennt ihn: Klein, S 174. Seine Schriften ebd. s) s. 
din scr. lui P. Maior. 1.323 f. *) Dens. 189 f. Bianu: Viata $i activi- 
tatea lui M, S. Micul, . . . Anal. Acad. r. Bd. 9, Beihe. 1,79. 



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— 37 — 

Ton den übrigen gen. Werken sind nur Bruchstücke vorhanden, 
doch wurden sie von den Zeitgenossen sehr geschätzt Als die 
erste wissenschaftliche rumänische Sprachlehre gelten endlich 
die (mit lateinischen Buchstaben gedruckten) Elementa linguae 
Daco-Romanae, Wien 1780« Auch hat er den Kuhm das grosse 
Ofener Wörterbuch wenigstens angefangen zu haben. Doch hat 
er die Vollendung des Werkes nicht erlebt. 

Dies übernahm als teuerstes Vermächtnis des Freundes Haupt - 
kämpfer der ,,Moses der Rumänen**, *) der als Petru Maior, 
genannt ist. Geboren 1753 (54?) zu' Gäpuschnl de Camp in 
Siebenbürgen als Sohn des Erzpriesters, studierte er zunächst in 
<ier Heimat, dann mit Schincai am Collegium de propaganda fide 
zu Rom, 1774—79. 

Heimgekehrt, wurde er zunächst Mönch zu Blasendorf, wo 
<'r früher gelernt, dann Geistlicher und Erzpriester zu Ghiurghiu. 
Doch wurde er wie Micul vom Bischof Bob verfolgt und trat 
'daher 1809 in die Stellung, die jener zuletzt inne gehabt, worin 
ir bis zu seinem am 14. Februar 1821 plötzlich erfolgten Tode 
verblieb. 

Seine wichtigsten Werke sind: Istorie pentru inceputul 
Romänilor in Dacia, Ofen 1812, wo natürlich gleich in den ersten 
AVorten der Vorrede die „Enkel der Weltbezwinger" auftauchen. 
Lexicon valachico — latino — hungarico — germanum, wobei 
ihn Vasile Colosi, Ivan Cornelie, Ivan Toodorovici und der Arzt 
Alexandru Teodori vorarbeiteten. So verdienstlich indessen das 
Werk für den damaligen Stand der Wissenschaft ist, überschritt 
hierin doch die vaterländische, richtiger römische Begeisterung 
•die Grenzen, welche die Wahrheit auch ihr steckt, wenn z. B. 
ceas Stunde, Zeit, statt von dem gleichlautenden und gleichbe- 
deutenden slawischen Wort von lat. caesura hergeleitet wird. 
Trotzdem oder vielleicht eben darum haben diese beiden Werke 
eine Wirkung geübt, wie kaum ein anderes., und nicht nur in 
Rumänien selbst, sondern auch ausserhalb, besonders in den 
Nachbarländern. Inzwischen ist jedoch trotz des Bärengebrülls 
der Gegner die Zugehörigkeit des Rumänischen zum romani- 
schen Sprachstamme hinlänglich mit bessern Gründen erwiesen, 



1) Marienescu, Viata ^i operele lui P. M. An. Ac, Reihe 2, Bd. 7, 
"Teü 2.32. 



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— 38 — 

ireshalb wir diesen ganzen Streit auf sich beruhen lassen.') 
Die Übertreibungen, die er in beiden Lagern-) hervorrief, erklären^ 
sich aus Übereifer und sind gerichtet; die Maiors nehmen ihm« 
nicht den Euhm, die geschichtliche Kritik in Rumänien begründet 
oder wenigstens eingeführt zu haben , ob auch keine voll- 
endete, besonders keine vorurteilslose. 

Ausserdem hat er eine Bumänische Kirchengeschichte, dsgl.. 
Bechtschreibung verfasst, worin er die Übertragung der slawi- 
schen Buchstaben in lateinische regelt, und z. B. qu statt c ein- 
führt; abgesehen von solchen Unmöglichkeiten ist jedoch seine 
Schreibweise vernünftiger als die Kleins und Schincais und ist 
deshalb auf Maiorescus (s. u.) Vorschlag im wesentlichen 
von der Akademie 1882 angenommen. Ferner eine (ungedruckte)- 
Sprachlehre und Predigten; seine (sprachlichen) Streitschriften 
sind lateinisch. 

Sein Freund, Georg Schincai, wurde 1754 am 28. Febr 
zu Schamschud in Siebenbürgen geboren. Nachdem er verschie- 
dene Schulen besucht, wurde er 1773 Lehrer der Dicht- und 
Bedekunst zu Blasendorf, wurde jedoch schon 1774 mit Maior 



1) Zumal da er so grundlos wir möglich ist, denn seine Ursache,- 
das sogenannte geschichtliche Eecht, hat nie einen Pfifferling gegolten 
(Ludwigs XIV. „dependances" wird man nicht dagegen anführen), 
gegenüber dem Bechte des glücklichen Besitzers, s. d. Völkerwanderung. 
Daher ist es völlig eins, ob die Bumänen ihr Land 1 oder 1000 Jahre 
inne haben, wie es eins ist, ob sie von der Bäuberbande der Sieben 
Hügel, von Dakern, von Bulgaren oder Slawen herstammen, in Wirk- 
lichkeit sind sie bekanntlich ein Mischvolk wie kaum ein zweites. 
Dies haben die hier Behandelten, von kaum berechtigtem Bömerstolz 
geblendet, völlig ausser acht gelassen und damit die grossartigste 
Wechselreiterei veranlasst, welche die Geschichte kennt. Indem näm- 
lich einer dem andern es bestätigte: Wir sind Traians Enkel (!), folg- 
lich Herren der Welt, mindestens der Balkanhalbinsel, uns „liegt die- 
Kultur im Blute", also haben wir sie im Osten zu verbreiten — was 
wunder, wenn schliesslich die faulen Wechsel auf die Vergangenheit 
in Kurs kamen, bis „die grossen Namen der Vergangenheit verächt- 
lich und banal wurden", wie selbst die Bevista Noua 4,204 gesteht, und 
endlich der Schwindel aufgedeckt ward. Man kann sagen, dass er 
in Verbindung mit der Landesheiligen Faulheit (Familia 22,300, vgl. 458. 
23,5 ; 26,327) das Volk um Jahrzehnte zurückgehalten hat. Nicht durch 
solche leeren Worte, sondern durch selbeigene Werke hat ein Volk 
seine Daseinsberechtigung zu erweisen. ^) Din scr. lui P. Maior, XX^ 



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— 39 - 

nach Hom geschickt. 1779 promoviert, setzte er seine Studien 
in Wien fort und arbeitete mit Micul die Elementa usw. aus. 
1782 — 94 war er zu Blasendorf Vorsteher der griechisch-kato- 
lischen Schulen Siebenbürgens, richtete etwa 300 Schulen ein 
und schrieb Lehrbücher. Wie Micul und Maior widersetzte er 
eich den römisch-katolischen Neuerungen des Bischofs Bob, 
wurde als Empörer angeklagt, abgesetzt und am 11. November 
1794 ins Gefäugnis geworfen. Weil man ihm jedoch keine 
Schuld nachweisen konnte, musste man ihn nach einem ganzen 
Jahre endlich wieder frei lassen, worauf er vergeblich in Wien 
Genugtuung suchte. Da er sein ganzes Vermögen verloren, 
wurde er Hauslehrer und führte dann ein unstetes Wanderleben, 
beständig mit seinem Hauptwerke, der Chronik aller Bumänen, 
beschäftigt, wofür er eine Menge Quellen, jedoch nicht immer 
mit ausreichendem Urteil, benutzt hat. Endlich, 1812, kehrte 
er naqh Blasendorf zurück, um das Werk 30 jähriger Arbeit der 
(ungarischen) Druckaufsichtsbehörde vorzulegen. Das Urteil 
lautete : „Das Werk ist des Feuers, der Verfassers des Galgens 
wert." — 1824 soll er nochmals in äussersterv Not nach 
Blasendorf gekommen sein, um sich mit Bob auszusöhnen und 
im Kloster Aufnahme zu finden — vergeblich. Niemand wusste, 
wo er ein Ende genommen; erst 1808 entdeckte mau, dass er 
am 2. November 1826 zu Sinea in Ungarn gestorben ist.*) 

Inzwischen ist seine „Cronica llominilor" 1853 in Jassi auf 
Veranlassung und Eoslen Grigorie Ghicas von Laurian gedruckt, 
neu vom Kultusministerium. -) Sie zeichnet sich — für den * 
damaligen Stand der Forschung — durch Gewissenhaftigkeit, 
Übersichtlichkeit und scharfsinnige Verknüpfung von Ursache 
und Folge aus, vor allem aber als die erste vaterländische 
Geschichte aller Bumänen von 8(5 — 1741. 

Ausser Lehrbüchern, darunter die erste (uugedruckte) Natur- 
geschichte, hat er noch Lehr- und Streitschriften, sowie eine 
lateinische „Elegie ', worin er sein Leben beschreibt, hinterlassen. 
Näheres Papiu Ilarian, Leben Seh s, Anal Acad. Reihe 1, Bd. 2. 
Diese „Giganten" (K. N. 1,46), dies „kolossale Dreigestirn für die 
Erweckung des Rumänentums"*^j sinkt bei näherer Betrachtung 

*) Phil. 178 f. 2) G. §incai din §inca, Cronica Eomanilor si a 
mal multor n^muri. 3 Bde. Buc* 86. ^) Din scr. lui F. M. XXXI. 



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— 40 — 

auf Mittelmass herab ; sie hätten von Hume, Gibbon, (Niebuhr) 
lernen können und müssen, wie man Geschichte schreibt. 

P. Jorgovici, geboren 1704 zu Varadia, wurde ebenso, 
weil er ein Wörterbnch mit „papiatischen" (lat.) Buchstaben ge- 
schrieben, 1 Jahr lang gefangen gebalten und seine Werke ver- 
brannt. Erhalten nur: Bemerkungen über die rumänische Sprache, 
1799. Gestorben am 21. März 18?8. M 

Joan Budai Deleanu, Sohn des Geistlichen im Dorfe 
Cigmeil, Siebenbürgen, brachte es um 1810 durch seine Gelehr- 
samkeit bis zum Kgl. Rate zu Lemberg. Seine geschichtlichen 
Schriften sind meist deutsch oder latein abgefasst, und unge- 
druckt, wie auch seine Sprachlehre temeiurile gram, rom.-) — was 
nicht schadet, weil er der äussersten Richtung der Lateiner angehört. 

Nach der Sprachlehre Micul-Schincais schrieb Molnar, 
geb. 1749 zu Sad bei Hermanstadt, eine solche für Deutsche, 
Wien 1788, ergänzte dieselbe durch eine retorica rominji 1798.^) 

Nach ihm wieder verfasste Radu Tempea seine Gramatica 
romäneasca, 1797 gedruckt.*) Endlich die Alexis, 1826.^) 

Derjenige aber, welcher die Ergebnisse der Arbeiten dieser 
und anderer , wie des latein schreibenden . Crischian (ung. 
Körösi), ®) vor allem das vaterländische Feuer, über die Karpaten 
trug, war Georg Lazar. Geboren 1779 auf dem Gute des 
sächsisclien Freiherrn Bruckenthal Avrig wurde er im Hause des- 
selben sorgfältig erzogen und dann sogar nach Wien geschickt, 
wo er sich mit verschiedenem, besonders jedoch mit der Gt)ttes- 
gelehrtheit, beschäftigte. Da er sich, 1814 heimgekehrt, mit dem 
rechtgläubigen Bischöfe Siebenbürgens, um dessen Stellung er 
sich beworben, nicht vertrug, ging er nach Kronstadt, von wo 
er sich als Hauslehrer der Kinder des Logofeten Bärcänescu mit 
der Gattin desselben nach der Walachei begab. 

Hier wurde der Logofet des Oberlandes Balacean auf ihn 
aufmerksam und von ihm veranlasst, durch die Schulbehörde 
beim Fürsten zu beantragen, dass das herrschende Griechisch 
im Unterricht durch die Landessprache ersetzt werde. 

Nach langen Kämpfen errang er endlich die Erlaubnis in 



1) Traian, 13. 7. 69. F. 6,1. 2) Cipr. Princ. de limba, 322, An. 
Ac. Reihe 1, Bd. 3,105, Phil. 185. 3) Phil. 188. Andre 89. Cipar. 
Princ. d. limba, 307. N. Densu§ianu', Revol. lui Horia, 268—277. 
*) Dens. 200. 5) Eb. 210. 6) Phü. 188. 

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— 41 — 

dem verfallenen Kloster St. Sava eine Schule für Gotteegelehrt- 
heit und (angewandte) Matcmatik, Feldmesskunst und dergl. zu 
eröffnen. Im August 1818 begann er seine Tätigkeit und über- 
setzte Wolfs Matematik, ja Kants Lehren , die er denen Con- 
■dillacs doch vorzog, trotz seiner sonstigen Vorliebe für Frankreich. 
Da die Schüler sich auszeichneten, schickte die Eegierung 
die Tüchtigsten nach Westeuropa, um sie zu (rumän.) Lehrern 
ausbilden zu lassen. 

Indessen war diese Verbreitung von Kenntnissen, und zwar 
in der Landessprache, sein geringeres Verdienst gegenüber der 
Verbreitung vaterländischen Geistes, der seinen Unterricht be- 
seelte. Freilich musste er selbst gesteho, dass die „Enkel Cäsars 
— als ob Prinzen in die Kolonien geschickt wären! — zur 
-Zeit den Tieren gleichen"; aber daran wären nur die Griechen 
schuld, gegen die er den Erzbischof Dionis anruft. Sein Auf- 
treten machte die Kegierung so bedenklich, dass sie ihn nach Aus^ 
bruch des Aufstandes von 1821 absetzte. Vornehme Gesinnungs- 
genossen suchten ihn zu halten, doch war er vor Gram und 
Überanstrengung erkrankt, er kehrte deshalb zu seinen Eltern 
nach Avrig zurück, wo er schon 1823 starb.') Wie Christus 
•den Lazar, so hat er Rumänien erweckt. 

In der Moldau wirkte gleichzeitig in ähnlicher Weise der 
-d. 1. März 1788 zu Hertza geborene Asachi,^) in Lemberg, 
Wien und Rom gebildet, der 1813 eine matematische Schule, 
1817 gar (in Verbindung mit derselben auf eigene Kosten im 
Hause C. Ghicas) eine rumänische Bühne gründete, doch musste 
auch er 1821 aus Jassi flüchten. 1827 zurückberufen, wurde 
er Vorsteher der Schulen, und war 1829-31 zu Bukurescht 
und Petersburg mit Conaki u. a. im Ausschusse für die Verfassung. 
T. Racocea, Bukowiner gab 1820 Crestomaticul romanesc 
heraus, erste rumänische Zeitschrift, ^) M. Boiagi 1813 die erste 
makedo-rumänische Sprachlehre.^) 

Trat bei den Genannten, soweit sie Geistliche waren, die 
^eigentliche Berufstätigkeit, auch wo sie sich schriftstellerisch 
äusserte, gegenüber der Pflege vaterländischen Geistes in den 



1) Manila, Crestomatia 12 ff. Gbica Br. 49 ff. Poenar: G. Lazar 
si scoala rom. An. Ac. 1. Bd. 4,111. ^) Dens. 236. Manliu, Crest 8ff. 
Rev. N. 1,3. Farn. 26, Heft 42 f S. Herkunft S. 516. s) f. 25, 
293 f. Popfiu 231. *) Eb. 



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— 42 — 

Hintergrund, so sind doch noch Geistliche zu nennen, bei denen» 
dies nicht der Fall war: die beiden Erzbischöfe dieses Zeit- 
raumes. 

Der walachische, Grigorie Micu lesen, 1765 zu Buku- 
rescht geboren, wurde 1823 Mitropolit und blieb es bis 1834,. 
&ich ebenso im Amte wie durch viele kirchliche Schriften aus- 
zeichnend; da sie jedoch, mit Ausnahme etwa von: Spi^ele 
neamurilor 27 nur übersetzt sind, scheint eine Aufzählung unnütz.*) 

Veniamin Costachi, geboren zu Rosiecii 1768, verlebte 
eine durch Wirren im Lande sehr bewegte Jugend; endlich ge- 
lang es ihm den Widerstand seiner Eltern zu überwinden und 
Mönch zu werden. 1803 wurde er Erzbischof der Moldau, bis 
1807, dann wieder von 1812—1842, wo er bei Nacht entfuhrt 
wurde, durch die Polizei M. Sturzas, der einen Bischof für Geld 
zum Nachfolger Costachis gemacht,-) wie er den Juden für Geld 
den Eintritt ins Land gestattete. Er starb am 18. Dezbr. 1846 
im Kloster Slatina. \ 

Auch er war ein Förderer des vaterländischen Gedankens 
wie sein Vorgänger Stamati; er hat 1816 das noch jetzt be- 
stehende Seniinar im Kloster Socola eingerichtet — die damala 
einzige Schule, wo rumänisch gelehrt wurde, wenn auch zunächst 
scholastisch,^) doch hat er aus Siebenbürgen tüchtigere Lehrer 
berufen und sogar manchen begabten Schüler auf eigene Kosten 
fremde Hochschulen besuchen lassen. Auch war er als Kedner 
ebenso begeistert wie als Rumäne*) und hat viej übersetzt. 

Andere Phil. 212 ff, vgl. A. Odobescu, Scrieri lit. .^i ist. Bd. 2.- 

Ehe wir ^u den Dichtern und damit zu den Fürstentümern 
übergehen, werden einige Worte auch über die Verhältnisse in 
letztern am Platze sein. 

Durch die französischen Sendlinge war man , wie gesagt, 
auf Frankreich aufmerksam geworden,*) und so konnten die 
Frauen der Bojaren, die grossenteils im Auslande gut erzogen 
waren, ihre Gatten bewegen, auch die Söhne fortzuschicken, und 
zwar nach Paris, damit sie dort ihr Volk befreien lernten. 
Denn bisher waren sie mit wenigen Ausnahmen, wie in der 

1) Phil. 215. 2) Tocilescu, ist. rom. 200. S) C. Negruzzi 1,4 ff. 
*) Rev. N. 1,297. Manliu, Crest, Iff. ß) Phil 205 ff. A. Vizanti: V.. 
Costache . . . epoca, viata si operele sale, Jassi 81. Nach Rev. N. 1.299 
geb. 1748. Rev. N. 3,358. 



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— 43 — 

Tracht, dem Antereu, so auch in den Anschauungen des Morgen- 
landes stecken geblieben und also unfähig die dichterisoheu- 
Träume und geistigen Bestrebungen ihrer Gattinen zu verstehen,, 
geschweige denn zu teilen.*) So zerschlug einer das' Klavier,, 
womit seine junge Frau Zuhörer ans Fenster lockte. Sie starb 
vor Gram und Zorn und wollte in den Brettern des Klaviers 
begraben sein, der Pope aber widersetzte sich dem, weil es „des 
Bösen Werkzeug** sei.^) Aus diesem Misverhältnis erwuchsen 
unzählige Streitigkeiten, welche der heilige Gerichtshof nach 
Kräften ausbeutete. Die Ehescheidungen wurden häufiger und 
häufiger: besonders seitdem die Jünglinge, die von ihren Müttern 
ins Ausland geschickt waren, heimkehrten, da der Biss zwischen, 
den alten und deA neuen Anschauungen durch ihre Heftigkeit. 
nur vertieft wurde. Insbesondere nach dem Aufstande von 1821 
war die Verwilderung so gross, dass Verführung an der Tages- 
ordnung war, und wenn der Held sich nicht ertappen und, 
wollend oder nicht, sofort trauen Hess, war Blütvergi essen die- 
Folge. Übrigens hatte Earagea nebst Söhnen hierzu ein wirk- 
sames Beispiel gegeben. "*) 

Also auch um das eheliche Glück war es trübe bestellt,, 
wie um das Vaterland, welche beiden für gewöhnlich das Men- 
schenherz füllen oder füllen sollten. An etwas aber muss das 
Herze hangen; und in Ermangelung eines Bessern hatte die da- 
malige rumänische Gesellschaft ihr Herz, abgesehen von dem 
allgeliebten Mammon, an gesellschaftliche Vorrechte und Eti- 
ketteregelu gehängt, die an Lächerlichkeit die unsrigen noch 
weit übertreffen und kaum hinter denen des spanischen Hofe» 
zurückstehen. *) 

Auf diesem Boden konnte keine vaterländische Kunst er- 

. wachsen ; der von den siebenbürgischen Erweckern gestreute 

Same musste erst Früchte tragen. Doch hat nach T. Burada ^) 

zwischen 1804 und 1812 in der Moldau eine rumänische Bühne 

bestanden; wo sich sonst höhere Bestrebungen fanden, richteten 

1} AI. Pr. 583 f. 2) Ghica Br. 42 f. 3) Ghlca Br. 40 ff. *) Nur 
einige Kleinigkeiten : das Vorrecht, einen besondem Bartscher zu haben, 
beim Treppensteigen sich unter den Arm greifen zu lassen, bei Hofe 
zu verkehren (teures Vergnügen!), ja selbst im Gotteshause neigten 
sich die Vornehmen den Heiligenbildern, bekamen sie das Abendmahl 
vor den andern. Ghica a. 0. ß) Fam. 27,429. 



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— 44 — 

sie sich grösstenteils auf die Fremden, so auch Asakis Bühne 
auf welcher Liebhaber aus der hohen Jassier Gesellschaft Myrtill 
und Chloe von Gessner-Florian, Voltaires Alzire u. a. spielten.*) 
Am Hofe * schlössen dieselben sich an die Fürstin Kalu, jüngste 
Tochter Karageas, die ihren 'Geschmack an Göthe und Schiller, 
Mozart und Beethoven gebildet hatte. 

In Ermangelung des Faust und Wallenstein musste sie sich 
jedoch begnügen mit Hilfe einiger jungen Griechen den Orest, 
die Söhne des Brutus, Idyllen von Florian und was sonst aus 
dem Französischen griechisch übersetzt war, aufzuführen. Später 
baute sie hierfür ein besonderes Haus, das jedoch 1825 ab- 
brannte; sie schickte Aristia nach Paris, um Talma zu studieren 
und liess endlich eine deutsche Schauspielergesellschaft kommen. 

Nach 1821 wurde Aristia bei Smaranda Ghica von 
'Gorgan Hauslehrer und richtete daselbst mit I. Vacarescu, der 
Britanniens, Hermione und Kegulus übersetzte, wieder eine 
Bühne ein, auf Her sogar rumänisch gesprochen wurde. Aber 
der russisch-türkische Krieg bereitete 1827 diesen Versuchen 
•ein jähes Ende.-) 

Dennoch sind sie bemerkenswert als erste Regungen auf 
<3iesem Gebiet ^ auch sind durch sie wenigstens Übersetzungen 
(französischer) Bühnenstücke veranlasst, u. a. des Geizigen von 
Moliere, die aufgeführt sind,'-*) und anderer, wie des Voltaireschen 
Orest von Beldiman. Aber auch die Henriade hat Pogor über- 
setzt,*) Baur-Lormian die Briefe Heloisens an Abälard, Konaki 
fiiehe unten. Mehr Conv. lit. 20, 959 ff. 

Im Verkehr mit den Flüchtlingen kam es, dass die Um- 
gangssprache zu den griechischen, türkischen, russischen auch 
noch eine Menge französischer Brocken aufnahm; ja, es wurde 
— und zwar im Ernst — ein Vers griechisch, einer rumänisch,*) 
dann auch französisch gedichtet.^) » S. C. Focas „Fran^ozitele."*) 

In dem richtigen Gefühle jedoch, dass Übersetzungen wie 
die erwähnten im Lande noch auf keine Leser zu rechnen 
hätten, und dass ihre ganze Stellung und Erziehung sie verhin- 
derten Voltaires usw. wahre Verdienste zu erkennen, geschweige 
•denn es ihm nachzutun, gaben die Genannten und andere junge 



1) Familia 25,21. ^) Ghica Br. 43 ff. 3) Alees. Pr. 594. *) Alecs. 
Teatru 103. ß) Ghica Br. 60. ß) Nachahmung des „Preciluses.*' 

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Ük-: ■ ^ ^ 



— 45 — 

Edelleute, wie Bälschuca, Biicßchaneecu, Taut *) jene Versuche 
auf und wandten sich der schäferlichen Liebesdichtung zu, indem 
sie ihre Ileanen usw. in Ständchen, welche oft mit Blutver- 
gieesen endeten, als Chloen, Delien und dgl. feierten. 

Seit 1821 nämlich spielten sie sich als cabadai (Kapitäne) 
auf, trugen, wo es irgend anging, Waffen, und richteten damit 
viel Unheil an.-) Weiteren Eindruck hatten jene Ereignisse 
nicht auf sie gemacht, Tudor wurde von den übrigen nicht nur nicht 
unterstützt, ..sondern sogar angefeindet, weil er die Kraft des 
Volkes gegen heimische wie fremde Unterdrücker in mächtigen. 
Aufrufen weckte. Kein Wunder, dass die Junker alles daran, 
setzten Herren des Volks zu bleiben, ob auch Knechte der- 
Türkeii. • 



Die Dichter. 

In diesen Anschauungen von den meisten seiner Standes - 
genossen ebenso verschieden wie im Grade der Begabung und^ 
besonders in der Sprachreinheit, kann doch als Hauptvertreter 
der bisher behandelten anakreontisch - schäferlichen Dichtung 
Konaki gelten; deshalb werde er hier etwas ausfuhrlicher behan- 
delt, zumal er zugleich den Übergang zur vaterländischen Dich- 
tung bildet. 

Freilich sind seine Gedichte erst 1856 von seiner Tochter 
herausgegeben ; doch waren sie wie die anderer schon vorher 
durch die Ständchen, die er vielen Schönen brachte, weit ver-^ 
breitet. Denn was Alecsandri a. a. 0. von den rumänischen 
Dichtem zu Anfang dieses Jahrhunderts im allgemeinen sagt,, 
dass sie nämlich nicht für die Öffentlichkeit geschrieben, sondern 
für sich selbst, höchstens für ihre Freunde, das gilt in ganz 
besonderem Masse von Konaki. Er war ein Staatsmann, der in 
seinen Mussestunden nebenbei dichtete — nur dass er im Unter- 
schied von andern nebenbei auch wirklich ein Dichter war.. 
So erklärt sich neben manchem Schönen die Menge des Unbe- 
deutenden in seinen Werken. 

Am 14. Oktober 1777 aus angesehenem Geschlechte geboren,, 
wurde er Alexander getauft, bald jedoch zur Erinnerung an. 



1) Alecs. Pr. 592 f 2) Eb. 45 ff. 

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— 46 — 

<einen früh verstorbenen Bruder Costache (Constantin) genannt 
und yon ausgewanderten Franzosen, besonders von Fleury ^le 
regicide** unterrichtet. Er verstand altslawisch, neugriechisch, 
türkisch, französisch, besonders aber latein und altgriechisch» für 
deren Werke er grosse Vorliebe hatte. Ausserdem war er mit 
-der französischen Aufklärung vertraut und endlich ein tüchtiger 
Matematiker. 1802 starb sein Vater, und nachdem er seine An*- 
gelegenheiten geordnet und sich im Staatsdienst ausgezeichnet, 
war er 1828 — 31 Mitglied des Vierer-Ausschusses für die Moldau, 
der die unter dem Namen des Organischen Reglements bekannte 
Verfassung ausarbeitete. Dann wurde K. an den Prut geschickt, 
dort die Grenze nach den Bestimmungen des Vertrages von Ad- 
rianopel zu regeln ; als er 1831 heimkehrte, fand er seine ihm 1828 
angetraute Gattin') auf dem Sterbelager; sie starb am 12. 
Oktober und hinterliess ihm nur eine Tochter, Katerina. Er 
beklagte sie tief und lange, da er diese Jugendliebe nicht eher 
hatte heimführen dürfen als bis seine ältere Schwester, die ihn 
selbst erzogen, gestorben war. Als Grosslogofet erwarb er sich 
besondere Verdienste bei der schwierigen Einführung der (neuen) 
Rechtspflege; dann übersetzte er das bürgerliche Recht, das 
griechisch abgefasst war. 1833 legte er jedoch sein Amt nieder, 
weil er sich mit dem General Mircovitsch nicht vertrug und 
blieb nur als Sachwalter tätig. Als 1834 statt seiner Michael 
Sturza gekrönt wurde, zog er sich von den Staatsgeschäften 
völlig zurück. Er starb am 4. Februar 1849. 

Die Gedichte, eigene und Übersetzungen, erschienen wie ge- 
sagt zuerst 1856, in 2. vermehrter Ausgabe, ebenfalls in Jassi, 
1888 mit einem dankenswerten Lebensabriss von der Hand des 
Enkels Vogoride-Konaki.-) 

Wie schon bemerkt, erheben sich viele, namentlich der 
Liebesgediohte — wol durchweg die früheren, zu Ständchen be- 
stimmten — kaum oder gar nicht über das Mittelmass, Afrodite 
und ihr ganzes Gefolge tanzen darin herum, dass einem bei 
•diesen Gespenstern ganz gruselig wird. Andere sind dagegen 
frischer, sinnlicher, so gleich der Schluss des erten Gedichtes, 



1) Smaranda Donici, Witwe seines Freundes P. Negre. ^) Siehe 
femer: Bianu, Rev. N. 1, Heft 4. I. N. Roman: Poesiile lui Konaki, 
C. lit. 22. 



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— 47 — 

liv^orin die Liebe als Kriegführer geschildert wird — im übrigen 
-eine frostige Allegorie, wie das folgende, „Carpina" ist schon 
besser; noch wärmer igt: „Eile, mein Herz, o eile!** S. 189; 
im folgenden endlich findet er die Sprache wahrer Leidenschaft, 
die man in einzelnen Ausdrücken (Z. 11) sogar etwas gezügelt 
^wünschen möchte. (S. 8. 208). 

Du liessest mich kosten in dieser Nacht 
Eines ganzen Jahrhunderts Wonne; usw. 

Der Schluss lautet: 

Und die ihr mir es bekräftigt habt, 

Ihr reizenden weichen Hände, 

Das holde Versprechen, dass sie nur mich 

Wird lieben bis au ihr Ende, 

Nur eines noch bitt* ich: zur letzten Ruh 

Drückt ihr mir die müden Augen einst zu ! 

Dies Gedicht allein stellt Eonaki hoch über seine Zeitge- 
^nossen; es finden sich aber eine ganze Eeihe nicht minder tief 
-empfundener, so: Was ist der Keiz? vor allem die an Zulniea, 
seine Gattin, und unter diesem besonders : „ Liebe aus Freund- 
schaft**, worin er schildert, wie er sie geliebt, auch als seines 
Freundes Weib, und wie ihm der Gedanke kam, dass er sie 
schon bei dessen Lebzeiten nehmen könne. Schön ist endlich 
«noch: ^Ferne von ihr**, S. 131. 

Bin ich di^ fern, wie ist das Herz mir schwer! 
Nichts freut mich, tot ist alles um mich her. 
In Wüsten wandl' ich, öd' und schauerlich, 
Das Leben ist kein Leben ohne dich. 
Kehrst du nicht bald zurück, dann wehe mir! 
Sehnsüchtig dein gedenkend, folg' ich dir. 
Verlier' ich deine Spur, mein Leib erschlafft, 
Find' ich sie wieder, kommt mir neue Kraft. 
Führ ich dein Nahen? Ja, mein Herz sagt's an, 
Es pocht, dass ich kaum stehen bleiben kann. 
J)u sprichst — und sieh! der Himmel öffnet sich; 
Reichst mir die Hand — und heiss durchrieselt's mich; 
. Umarmst mich — Blitze sprühen um uns her ; 
.Drückst mich ans Herz — ich sinke, trag's nicht mehr! 



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— 48 — 

Von den folgenden wären noch hervorzuheben : „Dreitägiger 
Zorn" und „Mit der Freundin". Der „Traum der Liebe" er- 
innert an den Eosenroman. Ungleich schöner als diese frostige 
Allegorie ist: Du bist der Tag, du bist die Nacht usw. 

Die übrigen sind sehr massig. Zuweilen aber trifft er auch 
in andern als Liebesgedichten eine tief und voll erklingende 
Saite, so: Tote Kinder, An ein sterbendes Kind, und vor allem 
in dem ergreifenden: An der Bahre (der Gattin). Ausserdem 
finden sich briefahnliche lehrhafte Gedichte, in denen der Ge- 
dankengehalt nicht immer für den trockenen Ton entschädigt, 
s. S. 213 ff. 

Demgemäss sind auch die Übersetzungen lehrhafter Art: 
Fopes Briefe, und Essayon Man u. a. In diesem Zuge zeigt sich die 
Einwirkung des Horaz, wenn man nicht lieber von einer Geistes- 
verwandtschaft reden will, für welche noch das beiden gemein- 
same Anakreontische (wenigstens in der Liebe) spricht. Freilich 
tritt daneben, z. B. im „Gestürzten Birnbaum" u. ai') auch ein 
elegischer Zug hervor, durch welchen der im übrigen ebenfalls 
vom herrschenden Griechentume stark beeinflusste Konaki mit 
seinem Volke zusammenhängt. Um ihn recht zu würdigen, darf 
man eben nicht vergessen , dass er in erster Linie Staatsmann 
war und zwar kein unbedeutender ; dem Bilde des Staatsmannes aber 
darf der Lorbeerkranz des Dichters nicht fehlen,-) trotz Nadejde.')' 

Hat Konaki seine Vaterlandsliebe mehr in Taten als in 
Versen offenbart, so hat Ion Vacärescu,*) Sohri Alecus (s. o.) 
sie auch in seinen Dichtungen ausgesprochen. Gegen 1800 ge- 
boren, hat er Lazar bei Einrichtung der Schule geholfen und. 
trat gleichzeitig als Schriftsteller auf. Im Sinne seines sieben- 
bürgischen Freundes schrieb er 1818 auf Wunsch des Fürsten 
Caragea für dessen bürgerliches Gesetzbuch statt der erwarteten. 
Schmeichelei für die Fanarioten die „Wahrheit** : 

O wäre, was uns lang geraubt, 
Uns wiederum zu eigen. 
Wer hübe da nicht stolz das Haupt, 
Das lang sich musste neigen ! 



1) Manliu, Ant. 11. 2) phü. 209. ») Istoria limbei §i litera- 
urei rem. Jassi 86,462. ^) Dens. 236. Phil. 219. A. Odobescu. Scr. Bd. 1. 



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— 49 — 

Der arme Rabe ^ürde dann 
Ein Adler wieder werden, 
Rumänien würde wiederum 
Berühmt und gross auf Erden. 

Später schrieb er seine Übersetzungen fiir Lazars Schüler' 
Ton seinen vaterländischen Gedichten sind noch hervorzuheben: 
Rumänischer Sang, Rat und Bitte, Michaels des Tapfern Stimme ; 
ja, hie und da verwetifdet er sogar volksmässige Anschauungen 
wie die Jelen (böse Elfen) , die er schildert , wie Shakspeare 
ähnlich die Elfen im Sommernachtstraum. Das ist für einen 
Grosslogofeten alles mögliche ; um so weniger wird man ihm einen 
Vorwurf daraus machen, dass er sich vom (neugriechischen) 
Geiste seiner Umgebung nicht ganz befreien konnte, selbst in 
der Sprache, gleich seinem Varter. Unter seinen Schäfer- oder 
Liebesdichtungen ist der (anakreontische),, Liebesfrühling'* auszu- 
zeichnen. . Ausser dem yon Maiorescu, Foesia Rom. 20 f. gelobten 
Anfange ist aber noch eine Nachahmung der Anakreonode hübsch, 
wo der Dichter den durchnässten Liebesgott aufnimmt nnd ihn lieb 
gewinnt.') Auch aus dem Italienischen hat er übersetzt. Er 
liess seine Gedichte 1830, 2. Ausgv 1848, zu Bukurescht drucken, 
auch eine Elegie „Eli«a**^) und starb 1863. 

Neben ihm ist sein Verwandter, der Ban Jenake II. V. zu 
nennen, von dessen Dichtungen nichts gedruckt ist.*'*) 

Barbu Paris Mamulean oder M u m u 1 e ä n zeigt gleichfalls diese 
Mischung von vaterländischer und Schäferstimmung. Geboren 
1794 zu Slatina, kam er schon als Kind nach Bukurescht und 
fand dort in dem gastfreien Bojaren Constantin Filipescu einen 
Gönner Im Umgang mit den zahlreicheu Gästen desselben er- 
setzte er den Mangel der Schulbildung und begann Madrigale 
und Liebesdichtungen zu schreiben. Als sein Gönner auf sein 
Gut Bucovul verbannt wurde, begleitete er ihn dorthin und 
dichtete mit gereifterer (auch religiöser) Erfahrung weiter; nach 
Filipescus Tode feierte er ihn als Vaterlandsfreund. 1817 schrieb 
er eine Ode zur Eröffnung der Schule Lazars und gab seine 
erste Gedichtsammlung heraus. Der Abscheu über die Greuel 



1) Manliu Ant. 3f. ^) Phil. 219. ^) Dens. 235. A. Odobescu 
Poetii Vacare^ti, Scr. lit. §i ist. Bd. 1. 

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- 50 — 

von 1821 flösste ihm ,, Klage und Schmerz des Vaterlandes" ein, 
worin er dieses klagen lässt: 

Mit offnen Armen nahm ich all 
Die Fremden auf, die zu mir kamen, 
Tat ihnen alles Gute an 
Und rief sie mit dem Kindernamen. 
Ich dachte, danken würden sie 
Mir noch einmal für meine Liebe, 
Doch fand ich auf die Öauer nichts, 
Als dass sie Räuber sind und Diebe. 

Das Gedicht gab er mit den mehr satirischen „Charakteren**^ 
1825 heraus, seine letzten und besten Dichtungen (mit denen 
von 1817) 1837, in welchem Jahre er auch starb.*) 

Er war kein grosser Dichter, benutzt die klassischen Götter 
zu viel, lässt z. B. in der „Nacht** Löwen und Tiger nachts 
schlafen und Gott loben ; doch hat er ganz hübsche Naturschilde- 
rungen und bezeichnet einen Fortschritt in der Form. 

Fabian nannte die Rumänen im Gedicht „Stimme der 
Zukunft": Söhne von Halbgöttern usw. 

Begabter ist der frühreife Vasile Cünlova, geboren 1809 
zu Tirgovischte , wo er au(h die Schule besucht hat. 17 Jahr 
alt, begann er griechische, dann rumänische Gedichte zu schrei- 
ben, die in Eliades Curierul Aufnahme fanden. „Auf der Scheide 
der alten und neuen Zeit stehend, hat er für seine neuen Ge- 
danken auch eine neue Sprache gefunden und eine unvergäng- 
liche Spur hinterlassen, so wenig er auch geschrieben". Es ist 
nur folgendes : Der betrübte Hirt, ein echtes Hirtengedicht, keine 
Schäferdichtung. Die Ruinen von Tirgowischte , worin er ein 
Vaterland wünscht, Widerhall einer Flöte, Abenddämmerung, 
Gebet; in diesen kann man ihn mit den elegischen Dichtungen 
Matthissons und Grays vergleichen. Endlich : Hero und Leander, 
Rumänischer Kriegsmarsch, 2) oder Ode an das rumänische Heer.'} 
Er starb 1831 nach kurzer Krankheit.*) 

Indessen ist gegenüber dem angeführten Urteile Densuschans 
zu bemerken, dass sich sowol hi6r (im Anfang) wie in den nicht 
minder berühmten ..Ruinen" neben bessern auch schrecklich 



1) Dens. 236. 2) Pop 1,91 f. 3) Dens. 237f. *) Odobesen a. 0. 

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— 51 — 

«lüchterne Stellen finden. Ihr dient uns zum Beispiel, dass das 
Festeste auf Erden vergeht. (!) 

Als Zeuge für den Einfluss, den Cärlova ausgeübt hat, sei 
<hier sein erster Nachahmer erwähnt. Alex. Hrisoverghi, 
geboren 1811 in Jassi, gestorben 1837 an einer Rückenmarks- 
iki-ankheit, die er sich durch wahnsinnige Verliebtheit in ein 
Tomehmes Mädchen zugezogen, welches ihm keine Quelle der 
Jiegeisterung verweigern wollte. 

Seine Gedichte, mit seinem Leben von C. Negruzzi und 
Sogalniceatiu herausgegeben, sind unbedeutend, seine Sinnge- 
dichte etwas besser.') Alecsandri nennt ihn neben Negruzzi 
(in dessen Leben), und auch sonst wird er gerühmt, weshalb er 
«erwähnt sein mag.-) Von seinen Schauspielen *) ist nichts bekannt. 

Hiermit gehen wir zu den erzählenden Dichtem über. 

Unter dem Hehlnamen Z i 1 o t Romanul, (rumänischer Eiferer) 
liat Fanutza *) eine teils in gebundener, teils in ungebundener Bede 
abgefasste Schrift hinterlassen, welche die Schicksale der Wala- 
chei von 1820 — 21 schildert, jedoch nicht der Keihenfolge 
der Tatsachen gemäss. Auf diese an sich kommt es dem Ver- 
fasser überhaupt weniger an, als darauf, seinem Abscheu uad 
Schmerze darüber Ausdruck zu geben. Er steht hierin unter 
'dem Einflüsse der vaterländisch gesinnten Siebenbürger. Gedruckt 
von Hajdeu*), C. Tr. 1882, und Tocilescus Rev. Bd. 5,55 ff.) Seine 
-Gedichte sind unbedeutend. Phil, nennt als Verf. St Moru, um 
1780 geboren, nach 1850 gestorben, dem er mehr zuschreibt. 

Sein Zeitgenosse, der Grosswornik Alexander Beldiman, 
geboren um 1750, gehört hierher nach seiner Reirochronik. 
Denn etwas anderes ist seine „Tragödie, oder richtiger, das 
traurige Schicksal der Moldau nach dem griechischen Aufstande 
1821"*') nicht. Wie Zilot, unterbricht auch er die Erzählung 
■durch leidenschaftliche Ausrufe, die ihm die geschilderten Greuel 
<3rpressen. Zunächst beschreibt er die Grausamkeit der Griechen 
gegen die Türken, worunter auch die Moldauer mit zu leiden 
haben, dann die Ankunft der Türken und ihre Kämpfe mit den 
Griechen, die schliesslich völlig unterliegen. Dann die Bitte 



1) Prosa 596, *) Manliu, Crest. 50 f. 3) Pop 2,308. *) briefl. 
^) Ultima er. rom. din ep. Fanar. de Z. R. Buc. 85. ß) Ersch. 1861, 
dann Cron. 3,335 ff. Nädejde bezweifelt 461 f, dass B. der Verfasser ist. 

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— 52 - 

Vornehmer, dem Lande keinen fanariotischen Fürsten mehr zti» 
geben, sondern einheimische, und die Erfüllung dieser Bitte. 
Er schliesst mit einem Ausblick in die roraussichtlich glänzende- 
Zukunft des Landes ; ja er erwähnt die Einigung, die er freilich 
kaum zu hoffen wagt, was man ihm allerdings damals nicht 
verdenken konnte. Dagegen wirft es kein günstiges Licht auf 
seine Fähigkeit oder seine Neigung gerecht zu urteilen, wenn er 
Tudor Vladimirescu einen Betrüger und Empörer nennt, 2211. 

, Die Schilderung ist lebendig, aber nichts weniger ais- 
dichterisch , wie die häufige Wendung zeigt : Nun wollen wir 
dazu übergehen, oder: Warte, Freund, was du noch sehen wirst! 
Vgl. noch vs, 3340 und endlich das liefgefühlte: Grosser Gott,, 
meine Feder ist zu schwach! Vs. 3^23. 

Wie schon der Herausgeber bemerkt, lässt auch die Form* 
zu wünschen übrig. Nicht zu reden von den Halbreimen, die 
sich fitatt der Vollreime bei den besten Dichtern finden, sind 
die Verse oft nicht richtig. An einzelnen Stellen scheint dies 
jedoch auf ungenauer Überlieferung oder Lesung zu beruhen. 

Ausserdem hat er über seine Keise nach Stambul zur 
Fürsten wähl ein Tagebuch hinterlassen.') 

In Täzläu, wo er 1824 eingekerkert war, hat er ein Gedicht 
geschrieben,^) worin er männlich mehr das Vaterland als sich 
selbst beklagt, den seine Liebe zu jenem ins Gefängnis gebracht. 
Im übrigen ist hieran, wie am obigen, mehr die Gesinnung als 
die Kunst zu loben; seine Begabung ist sehr massig, weshalh 
er mehr übersetzt hat. ^) Gestorben 1825. S. Manliu, Ant. 7. 
Waren diese drei genannten Werke mehr Chroniken, so ge- 
hören die folgenden der eigentlichen Dichtung an. 

Vasile Aaron,*) geboren um 1770, als Sohn eines Geist« 
liehen zu Glagovitz, lebte als Sachwalter zu Hermanstadt, wo er 
1822 starb. Er ist der erste namhafte Volksschriftsteller und 
schrieb : Christi Leiden (in 1 Gesängen), worin sich gelungene 
Bilder neben schwülstigen Stellen finden, siehe Judas' Ende. 
Ferner Pyramos und Tisbe, beide 1815 gedruckt, auch das hu- 
moristische Leonat und Dorofata. 1820 erschien das Frucht- 
bare Jahr, später Sofronim und Hariti, Narcis und Echo usw. 

1) Gron. 3,430 ff. 2) Eb. 463. s) Phn. 208. Rev. N. 2,81. *) Manliu. 
Crest. 30. Phil. 191. Dens. 252. Pumnul, Lept. r. 3, 3,382f. 



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— 53 — 

IRapörta din vis (Traiiixil)ericht). Seine Übersetzung der Äneit, 
-^urie 3 (verlorene) Elegien, ist noch nioht gedruckt, die Über- 
-Setzung der Hirtengedicbte Virgils xum Teil. 

Derselben Bichtung gebort loan Barac an. 1772 zu 
Kronstadt geboren, war er da8el4>st Lebrcr, zeitweilig auch Über- 
-Setzer und gab da« „6onntagsblatt'^ heraus, das erste sieben- 
«bürgische Blatt. Er schrieb oder übersetzte vielmehr das Volks- 
«märchen von Argir und Helena, zuerst 1801, darüber Gastet, lit. 
pop. 548 und Prof. Heinrich in Pest, Sitzung der Akademie vom 
7. Januar 1889, Dagg. R. Bev. 5,126, 412; Schott, WaL 
nilärchen 253. Ispir. Nr. 7. Das Werk, das eine ungeheure 
Verbreitung gefunden, und dessen Sprache von Alecsandri in 
-den Convorb. sehr gelobt ist, enthält jedoch geschraubte und selbst 
nüchterne Stellen, nicht zu reden von unpassenden klassischen 
Erinnerungen und den noch unpassenderen Wert herklagen des 
♦Helden. Übersetzt (holprig) Bom. B. 4,625 ff. Femer die Irr- 
fahrten des Odysseus in 7 -Gesängen, zum Teil 1879 gedruckt, 
l>eucalion und Pyrrha und anderes nach Ovid, 1001 Nacht usw. 
Seine (christliche) Zerstörung Jerusalems in 8 Gesängen ist 1821 
gedruckt Er ist 1848 gestorben.*) 

Ungleich, selbständiger,, ja der bedeutendste Dichter dieses 
Abschnittes ist Budai-Delean, Zeitgenoss der vorigen, in 
«einem „Zigeunerlager'', dem bisher einzigen komischen Helden- 
-^edichte Bumäniens. Der erhabene Ton sticht seltsam von dem 
niedrigen Stoffe ab. Der Inhalt ist vielfach eine ungewollte, 
aber um so wirksamere Satire auf die damaligen Zustände. 
Das Werk besteht ans 1^ Gesängen und ist zwischen 1800 und 
1821^) geschrieben. S. Ilarian, An. Ac, Beihe 1, Bd. 3,105. 

Inhalt: Wlad der Pföhler will die Zigeuner gegen die 
Türken schicken ; sie bitten sich aber eine Wache aus, und fin- 
•den im Kriegsrat, dass weit davon gut vorm Schuss ist. 

Inzwischen hat Satan Bomica und ihren Liebhaber Parp- 
angel' ins Zauberschloss entführt ; St. Spiridon rettet Bomica in 
ein Kloster und macht ein Kreuz, so dass Parp. aus dem seideneu 
Bett in eine Froschlache lallt. Dann bc^gegnet er Argir und 
legt iiessen Waffen an. Die Zigeuner, versuchsweise von als 
Türken verkleideten Bumänen überfallen^ ergeben sich. Die 



») Dens. 253, Pliil. 191. 2) Farn. 23,484 ff. Dens. Ceic. lit. 245 

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— 54 — 

wirklichen Türken kommen , und nach der Schlacht, an der 
Engel nnd Teufel teilnehmen, beraten die Zigeuner, welche 
nachts Ochsen besiegt, wie sie das (ihnen zufallende) Land zu- 
Tcrteilen hätten ; Ende . grosse Keilerei. Sprache und selbst 
Namen der Helden wirken oft mit überwältigender Komik. Er 
hat im Bitter Becicherec Cervantes vor Augen, gehabt, ebenso im 
Satan, der alles Unheil anstiftet, »bes. im Mönchiikloster, wo er 
4ls Mädchen Prügelei erregt; er kennt aber auch Homer, Virgil,. 
Ariost, Tasso u. a. 

Das Werk ist gedruckt nur in „Buciumul romin" 1877. — 

Indem wir nunmehr zur Lehrdichtung übergehen, beginnen« 
wir mit der Satire, der das letzterwähnte dem Inhalte nach zum. 
guten Teile angehörte, wie auch Mamuleans Dichtungen. Be- 
sonders aber ist hier Vasile Fabian Bob zu nennen (Fabiau 
Übersetzung von Bob.) 

Geboren am 1.3. Dezember 1795 in der Gemeinde Buschii- 
Bärgäului, Siebenbürgen, wurde er von Asaki 1820 als Lehrer 
nach Jassi berufen und trat 1828 in das neugegründete staat- 
liche Gymnasium über, wo ebenfalls in rumänischer Sprache- 
unterrichtet wurde. Er lehrte Matematik, die ^r auch als Feld- 
messer verwandte, Erdkunde und Latein. 1835 wurde er zur 
Akademie berufen, starb aber schon 1836. Er hat 1821. dea 
Zustand der Moldau geschildert, nicht nur im klassischen Ge- 
Bcl^roack, sondern sogar mit starker Anlehnung an Ovid, seineu 
Liebling. Später schrieb er die (unvollendete) Geografia cinti- 
rimului (Ortskunde des Kirchhofs), worin er nach Art Swifts 
das Jenseits beschreibt.') 

Abgesehen von den stihuri der Chroniken (s. o), ist hier 
. nur noch Dimitrie Cichindeal*) oder Tzichindeal *) zu nennen,, 
geboren um 1760 im Dorfe Becicherecul mic, Banat, 1812 zum 
Lehrer in Arad ernannt, zog er sich durch seine vaterländische 
Gesinnung Verfolgungen zu und kehrte deshalb als Geistlicher 
in seine Heimat zurück. Er starb zu Tetaesvar im Kranken- 
hause am 20. Januar 1818.*) Er veröffentlichte Pest 1814,. 
2. Ausg 38, Buc. : Filosoficesci ^i politicesci prin Fabule moral- 
nice inve^äturi (Fabeln mit Nutzanwendungen), welch letztere 



1) Dens. 267. 2j Pop iß^ sy Dens. 271. uud so stets. Nach 
Philipp 18G geb. nach 1775. *) Fam. 23,514 ff. 



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— 55 — 

durch ihren Gehalt im allgemeiueD und ihre Taterländische Ge- 
sinnung im besondem wesentlich dazu beigetragen haben, die 
Rumänen aufzurütteln, wie er selbst Fabel 1 54 sagt : „ich rede hier 
aus Liebe gegen Gott und sein heilig Wort, wie gegen mein 
heissgeliebtes Volk**. Vaterland und Volkstum, das Verhältniss 
SU den feindlichen Nachbarvölkern, soziale Fragen, endlich der 
Xampf gegen allerlei Laster, Vorurteil und Aberglauben sind 
seine leitenden Gesichtspunkte, die er mit ausgedehnter Belesen- 
heit behandelt. Ja, er weissagt nicht nur die Einigung der 
Fürstentümer, sondern sogar ihre Vereinigung mit den übrigen 
Humanen, und äussert S. 378 fast kommunistische Ansichten, 
wenn auch bescheiden. Ob die breitere Ausspinnung übrigens 
grade bei der Fabel eine Verbesserung ist, wie ürechiä ') meint, 
bleibt doch zweifelhaft. Übrigens ist das Werk, 38 von Eliade 
bevorwortet, eine Bearbeitung, teils nur Übersetzung, des 
serbischen von Obradovitch, der 1788 die Fabeln Äsops mit 
Nutzanwendungen herausgegeben hat. Jetzt selten, und dazu 
voller Irrtümer, wie J. Rusu nachgewiesen, weshalb dieser 1885 
eine neue Übersetzung geliefert hat'-) — Mehr Conv. l. 21,959 if. 



Dritter Zeitraum, 1830-1860. 

(französich-national.) 

FrOchte und AuswOchse des vaterländischen Geistes. 

A. Lyrische oder Gefühlsdichtung. 

Dieser Abschnitt unterscheidet sich von den vorigen grund- 
sätzlich dadurch, dass die jungen Rumänen, die nach West- 
europa geschickt waren, nun heimkehrten und begeistert von 
der neuen Bildung, welche sie. mitbrachten, dieselbe wie das ein- 
geimpfte römisch- rumänische Selbstgefühl auf alle Weise zu ver 
breiten suchten. Beeinflusst durch die Französische Romantik 
und Sprache, vereinzelt durch Deutsche oder Russen, schil- 
derten sie ihren Volksgeist, von dem früher nicht die Rede ge- 
wesen war — Deleanus Zigeuner sind keine Rumänen — kurz, 
sie. wurden national, und mancher widmete sich nun ganz der 
Schriftstellerei , während sie bisher nur nebenbei betrieben war. 

Da sich indessen nicht alles in Buchform veröffentlichen 

1) Eb. ö,542ff. 2) Eb. 21, N. 8. 47. Vulcans äkad. Antrittsrede, 10,4. 92. 

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66 — 

lässt, 80 bedurfte maa der Zeitschriften. Der unermüdliche 
Asaki ging auch hier in der Moldau voran: am 1. Juni 1829 
gründete er die Albina romäneascu (rum. Biene), fortgesetzt als 
„Vaterland**, worin er 33 Jahre lang die öffentliche Meinung 
des Landes zunächst bildete, dann leitete. Später kam hierzu 
das Blatt „Weltbild" u. a. 

Selbstverständlich musste er dazu eine eigene Druckerei 
anlegen und alle Schwierigkeiten eines ersten Anfangs überwin- 
den. Indessen liess er sich nicht abschrecken und gründete 
1836 in Jassi noch eine Musikschule, deren Zöglinge Bühnen- 
stücke von ihm aufführten. Kurz, er wirkte damals schöpferisch, 
belebend , •) bes. als eine Art Oberschulrat der Moldau unter 
Sturza.*) 

Doch hat von der Menge dessen, was er geschrieben, nur 
wenig dauernden Wert, Hier beschäftigt uns zunächst seine 
Stellung als Lyriker: er hat eine „Gedichtsammlung" 1836, 
dann noch 54 und 63 „Gedichte" veröffentlicht, wovon eine 
Probe genügen möge. Sie ist überschrieben : „Die Zeit flieht", 
was als Kehrreim verwandt ist. 

Eilends flieht die Zeit von hinnen - 
Bald schon bricht die Nacht herein: 
Lasst den Augenblick uns nützen, 
Lasst uns heut noch fröhlich sein! 

Die Anlehnung an Horaz, (Ode 2,14) ist deutlich. Auch 
andere Einflösse machen sich bei ihm geltend ; denn er verstand 
nicht nur latein, sondern auch italienisch, französisch, englisch, 
deutsch, polnisch und russisch. Als Staatsarchivar, von 1831 
an, hat er sich durch die Sammlung alter, auf dea Landes 
Becht bezüglicher Urkunden verdient gemacht. Er starb am 24. 
November 1869.*) 

C. Stamati, „der Schwan Bessarabiens", ist der einzige nam- 
hafte Dichter dieses Landes. Seine Verse, zumal die (selteneren) 
gereimten, sind rauh wie sein Wesen,, doch verfügt er über 
einige Gestaltungskraft. Seine Empfindung dagegen erscheint 



1) Ueberblick über seine Werke Fam. 26. 505. ^) Phil. 210. 
») Eb. 1871, nicht richtig, siehe Fam. 5,573. Nach 26,498 am 25. Noy. 
I. Negro. G. Asachi, viata, lucrärile §i scrier. sale. Piatra 1882. 



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— 57 — 

nicht selten gemacht, so wenn er der klagenden Taube sagt^ 
^r habe ihr den Täuber erschossen. Sie stirbt, darauf wird ihm 
wlie tötende Sehnsucht seiner Gattin gemeldet. M 

Was Asaki für die Moldau war, das war für die Walachei 

Joan BadUlescu gewöhnlich E 1 i a d e (fälschlich Heliade) genannt, 

welchen Namen er sich in der Jugend aus Begeisterung für die 

Hias beilegte (Albina Pindului 1,193). Nach Manliu, Crest. 20 

haben ihn seine (griech.) Lehrer so genannt. 1802 in Tirgo- 

Tischte geboren, wurde er durch Lazar ausgebildet, und schon 

mit 20 Jahren Lehrer an derselben Schule, später Nachfolger 

-des Meisters, dessen Werk er vollendete. Gleich ihm führte er 

^en erbittertsten Kampf gegen die Herrschaft des Fremden, 

(Bussischen), vor allem in der Sprache, gegen Unwissenheit, 

'Gleichgiltigkeit und den Hang zum Hergebrachten, welche diese 

Herrschaft stützten. 

So gleich in den Vorreden zu verschiedeDen Werken, zumal 
-aber in der zur „Bumäni sehen Sprachlehre'', 1828, worin er die 
überflüssigen Buchstaben des altslawischen Alfabets beseitigte, 
• und so ihre Zahl von 43 auf 27 verminderte. Dadurch hat er 
•der Einführung der lateinischen Buchstaben, die vorher unmög- 
lich schien, die Wege gebahnt. 

Am 1. April 1829 begann er den Curierul Bomanescu her- 
auszugeben, also noch 2 Monate vor Asakis Unternehmen, gleich- 
weichem er sich eine Druckerei gründen musste. Hiermit nicht 
zufrieden, gründete er mit Constantin Golescu eine Gesellschaft, 
welche die Volksbildung durch Schriften und eine Bühne haben, 
vor allem aber das Fanariotentum, das auch nach Vertreibung 
der Fürsten tatsächlich im Lande herrschte, durch zeitgemässe 
Massregeln beseitigen wollte. Nach Golescus Tode gründete er 
mit Cämpineanu die societate filarmonica 1 835. ^) Letzterer Ver- 
pflanzte die Bewegung auch nach Kronstadt, wo walachische 
Auswanderer eine geheime Gesellschaft gründeten. 

Hierdurch wurde die öffentliche Meinung gegen das Be- 
stehende allmälich so aufgereizt, dass die in ihren Vorrechten 
bedrohten Bojaren seit 1840 die Bewegung gewaltsam zu unter- 
drücken suchten, wobei ihnen die russische Schutzherrschaft zur 
Hand ging. Baduleseu liess sich jedoch nicht abschrecken, trat 



^) Manliu, Ant. 145. Bev. N. l,210ff. 2) 34 nach Conv. 1. 21,960. 

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— 58 ~ 

1848 an die Spitze des Aufstandee, bis dieser unterdrückt wurde, '>- 
worauf er sich vom öffentlichen Leben zurückzog, jedoch nach 
wie vor eifrig mit schriftstellerischen Arbeiten beschäftigt, und die 
Jüngern ermunternd: Schreibt nur Jungen, immerzu! 

Manche haben dies zu wörtlich befolgt; und auch er selbst 
ist so der fruchtbarste Schriftsteller des Landes geworden. 

Daher ist seine anfangs gute Schreibweise allmälich bis zu 
völliger Ungeniessbarkeit gesunken (italienisch). Überhaupt be- 
ruht seine wie Asakis Bedeutung weit mehr auf seiner volks- 
aufklär^nden, fortschrittfördemden Tätigkeit als auf dem innern 
Werte seiner Schriften; ihn über £minescu zu stellen^) ist heller 
Wal^nsinn. Gleich Asaki hat er wesentlich anderer Leute Ge- 
danken verbreitet, wenig Eigentümliches, das doch allein für 
die Kunst Wert hat Seine ^Nacht auf den Trümmern 
Tirgo^ischtes"' ist besser als die Cärlovas ; in wie scharfem Gegen- 
sätze aber seine Weltanschauung zu der Asakis steht, zeigen, 
folgende Worte „An Schiller^' ans dem Curs de poesie genersdä: 

Der Mensch, er war dein Feind, und das genügt : 
Bosheit verzeiht er, Guttat nicht im Tode: 
Tritt ihn mit Füssen; und er betet an, 
Erweis ihm Ehren; und er wird dich schmähen, 
Gieb ihm ein Vaterland ; er treibt dich aus, 
Gieb ihm die Wahrheit; er verleumdet dich. 

Gieb Licht dem Blinden; was dir fehlt, er sieht's, 
Dem Stummen Sprache; seine Zunge sticht dich. 
Gieb ihm die Zukunft; das Vergangne nimmt er, 
Heb ihm zum Himmel; in die Hölle stürzt er: 
Das ist die Sünde, der gefallne Mensch! 

Man sieht, dies ist nicht des leichten Horaz Schüler, son- 
dern der Lamartines, dessen „sterbenden Dichter" er übersetzt hat r. 
Und was sind diese Tage, die sich der Mensch erfleht? — 
Der eine gleich dem andern an ihm vorübergeht. 
Und was der eine brachte, der andre nimmt es mit: 
Arbeit und Kuh' und Schmerzen und Leid bei jedem Schritt 
Und auf der Zeiten Wogen seine Name steigt und sinkt^ 
Bis des Vergessen s Abgrund auf immer ihn verschlingt! 

1) Dens. 110. ^) Alecsandrcscul, Studiu asupra poieziei, Buc. 89 ^ 
(3. 19), worin sich mehr dgl. findet. 



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— 59 — 

Freilich hat auch Schiller gewarnt dem Ewighlinden des^ 
Lichtes Himmelsfackel zu leihen. Im ührigen ist er von der 
Eomantik heeinflusst, der ja Schiller im Grunde ebenfalls ange- 
hörte. Er starb am 27. April 1872.*) 

Viel weniger, und besser, schrieb Constantin Negrazzi, ge- 
boren 1807, 9 oder 8, was wahrscheinlicher ist,*) als einziger 
Sohn eines begüterten lebenslustigen Postelniks. Doch artete er 
mehr der früh verstorbenen Mutter nach, Ton welcher er auch 
den Hang zur Schwermut geerbt zu haben scheint 

Wie er (nach dem Griechischen) auch seine Muttersprache 
lesen lernte, beschreibt er selbst sehr ergötzlich in der ersten 
der „Jugend8Ünden'\') 

Diese Studien (klassisch und französich) wurden 1821 durch 
den griechischen Aufstand jäh unterbrochen, vor welchem Con- 
stantin mit dem Vater nach Kischineff in Bessarabien floh , wo 
dieser grosse Besitzungen hatte. Es fanden sich dort viele 
audere Vornehme ein, deren Frauen, ebenso schön wie hochge- 
bildet, mit jungen Männern die französischen Klassiker, selbst 
Comeilles Stücke, auch Meliere, aufführten. — Noch wichtiger 
aber als dieser anregende Umgang wurde für den lebhaften Jüng- 
ling die Bekanntschaft mit A. Puschkin, der ihn russisch lehrte und 
stark beeinflusst hat. Wahrscheinlich hat er ihn auch unmittelbar 
zum Schreiben veranlasst. Die Freundschaft wurde so eng, dass 
Negruzzi dem Zweikampfe beiwohnte, in welchem der grosse 
Eusse tödlich verwundet wurde. 

Eine gewisse Wahlverwandtschaft gründet sich wol auf die 
Schwermut; wenigstens scheint Puschkins Menschenverachtung 
mehr Kyron nachgeahmt als echt zu sein, was von seiner Schwer- 
mut so wenig gilt*>, wie von der Negruzzis, der ihr ein ganzes- 
Gedicht, das zweite des 2. Bandes widmet. Der Anfang erinnert 
an den der Verwandlungen Ovids, die Fortsetzung an Lamartine, 
besonders Meditation 2ö, fast wörtlich kehrt wieder ; le deuil de la 
nature Convient a la douleur et plait a mes egards. 

So erinnert auch er sich mit Vergnügen seiner Leiden,, 
schliesst mit Bach und Trauerweide eine etwas feuchte Brüder-^ 



1) Dens. 253 ff. Manliu, Crest. 17, Antol. 39. ^) Dens. 256, Conv. 
Ht 20, Nr. 4, Rev. N. 3 Nr. 9. Werke, Bucurescht 1873, L, 8. 57. 
h eb. Anf. ^) Vollständige Ausgabe der Gedichte. 2. Ausg. Petersbg. 
70, Bd. 1, S. 118, 132 usw. 



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— 60 — 

'-schafti lauscht der Nachtigal, worauf die Dunkelheit seinen trä- 
nenden Aligen sehr willkommen ist — wie selbstverständlich. 

Die lebhafte Befriedigung, die er im Frühling empfindet, 
wird im Herbst zur grausamen; weil Dame Natur sich dann 
entkleidet, was anzusehen ja ein zweifelhaftes Vergnügen sein mag. 

Am Kloster sieht er ein, dass wir zum Leiden geboren sind (rl 
'und er neigt sich am Orabe eines Arbeiters, der. sein Leben 
nicht mit Faulenzen hingebracht — wie der Dichter diesen Ta§, 
und wie auch Puschkin sich namentlich in den Jugendgediehten 
«►oft Faulpelz nennt. 

Der Mensch i6t aber nicht hierzu, auch nicht zum Leiden» 
-sondern zum Handeln geboren. 

Freilich trug zu dieser Schwermut wol bei, dass er nach 
des Vaters Tode, 1826, infolge von Prozessen die Güter ver- 
kaufen musste, weshalb er als diac in den Dienst der Regie- 
rung trat. 

Wie dies Gedicht Mangel an Selbstvertrauen zeigt, so das 
folgende „Eifersucht" Mangel an Vertrauen zu andern, und zwar 
»da, wo es gerade am nötigsten ist. 

Wesentlich in derselben Tonart geht es weiter, so weiss 
er gleich in Nr. 4 selbst nicht, was er will. Nr. 6 ist besser, 
scheint aber Volkslied aus Alecsandri, Anfang der Deinen. Nr.8 
ist eine Übersetzung des Schwarzen Schals, leider doppelt so lang' 
wodurch die furchtbare Wortknappheit des Russen verwässert 
wird. In 10 sollen die Tränen erfrischen (!) endlich 

11. Apolog überschrieben ist eine ziemlich alltägliche Behand- 
lung des horazischen AequEfm memento rebus in arduis Servare 
mentem, wofür als Begründung angeführt wird : Sehe jeder, wie er's 
treibe, und wer steht, dass er nicht falle,') da die Welt rund 
ist wie das kad des Glückes (Juli 57). Des Niederländers Toi- 
lens Gedicht: Het rad van avontuur (das Glücksrad) hat Negrnzii 
«icher nicht gekannt. 

Racovitza erklärt-) diese wenigen Gedichte für so gut, dass 



1) Ich benutze die Gelegenheit, die Quelle der Goetheschen Verse 
zu zeigen; sie finden sich in Deppings Romancero Castellano II. S. 448: 
'Qmen.hiea esta, na se müde; Wer sicher steht, der bleibt stehn, 

Que el mudar es cosa incierta, Das Wechseln ist bedenklich, 
^ue pocas veces se acierta. Nur selten wirds dir besser gehn. 



2} Convorb. lit. 20,307. 



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— Gi- 
er sie alle Torlesen möchte; er liest jedoch ausser Puschkins« 
Schwarzem Schal nur den Anfang von 7 vor, den Alecsandri^ 
als Zeugnis für Negruzzis vaterländische Gesinnung anführt. 
Weiter sagt Alccsandri nichts hierüber — sicher mit gutem. 
Grund, denn eben diese Vaterlandsliebe ist ihr einziger unbestreit- 
barer Vorzug. 

Ebenso wird Baco^itzas Lob der Übersetzungen „sie seien.) 
der Meislerhand des Urhebers würdig** etwas einzuschränken, 
sein. Nur nebenbei sei bemerkt, dass er Thomas Moor eineu 
englischen Schriftsteller nennt, „der mit dem berühmten Ossian 
Ähnlichkeit hat.** Ungefähr so ähnlich wie Nacht und Tag, In- 
dien und Irland. Als ob man aus dem einen Moore nicht ein. 
Dutzend Macphersons schnitzen könnte! 

Es sind 9 „Melodien" aus französischer Prosa rumänisch j 
übersetzt, und auch das nicht ganz genau, doch scheinen die Ab- 
weichungen dem Franzosen zur Last zu fallen. Die folgenden. 
Übersetzungen aus V. Hugo und Kantemir sind dagegen ebenso 
treu wie formvollendet; letalere zeugen ebenfalls von der Kühn- 
heit und dem Freisinn Negruzzis, womit er Adel und Geistlich- 
keit geisselte, doch hielt er sich, trotzdem M. Sturza ihm manches 
Unrecht zugefugt, auch, ebenso unbekümmert um die Gunst des 
Volkes wie um die des Fürsten, der Bewegung von 48 fern und 
})lieb ein treuer Anhänger des Bestehenden und besonders d6r 
Kirche bis zu »einem Tod, 25. August 1868. Seine eigentliche 
Bedeutung beruht jedoch, abgesehen von seinen Verdiensten um. 
die Sprache, in der erzählenden Dichtung. 

Auch des 1812 zu Tirgovischte geborenen Grigorie AI ex an- 
dres cu Stärke liegt nicht in der Gefuhlsdichtung , worin er 
Eliade und mit diesem Lamartine, auch Byron nachahmt. Die- 
oben angeführte Zeile Eliades findet sich in „1840" so: Was 
uns ein Jahr liess hoffen, das nimmt das nächste mit. £r 
schliesst mit einem (sehr kühnen) Rufe nach Freiheit. — Ebenso 
wiederholt er Verse aus Cärlovas „Ruinen von Tirgovischte" in 
„Vergangenheit im Kloster Dealului". Seine Sprache ist gut und 
volkstumlich — damals selten! — Dagegen lässt die Form. noch 
zu wünschen Schon auf der Schule zu Bucurescht zeichnete er 
sich, abgesehen von seiner Schüchternheit, durch seine Liebe zur 
Dichtung und durch sein fabelhaftes Gedächtnis aus. Er wusste 
u. a. den ganzen Anakrcon und Vacarescu auswendig, was er- 



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— 62 — 

letzterem erwies, als loan Ghica den Freund in sein väterliches 
Hans gebracht, wo Yacarescu und andere hervorragende Männer 
verkehrten: Eliade, die Brüder Gampinean u. s. w. Zunächst 
nahm jener den vielverheissenden Jüngling su sich, dann Major 
Campineanu, wo er in Gesellschaft seine Verse vortrug. 

Als die filharmonische Gesellschaft gegründet wurde, *) über- 
setzte er für sie die Alzira, Aristia Alfieris Saul, Eliade Voltaires 
Mahomet, die von Mitgliedern, Männern und Frauen, aufgeführt 
wurden. 

1842 unternahm er nach kurzer Dienstzeit im Heere mit 
loan Ghica, bei dessen Vater er wohnte, eine Reise ins Gebirge 
von Cozia bis Tismana, an Alt und Donau hin, von Turnu Se- 
verin bis Turnu Boschu. Er beschrieb nicht nur die Schönheiten 
der Gegend, sondern auch, mit einem Schwünge, 4er ihm sonst 
nicht eigen ist, was sein geistiges Auge in den Denkmälern der 
grossen Vergangenheit sah, so in Cozia den Schatten des ge- 
waltigen Mircea, den er dort aus dem Grabe aufsteigen sieht ; er 
winkt, und ein Heer ersteht um ihn; er ruft — die Sieben- 
bürger und Ungarn Vernehmen es und eilen herbei. Ist der 
Erzgerüstete ein Kreuzfahrer, Traian oder Mircea? 
Mircea! tönts vom Berge wieder; Mircea! wiederholt der Wald, 
Mircea, Mircea! Laut und lauter klingt es, rauscht's empor vom Alt; 
Eine Woge ruft's der andern, dass es tönt wie Heldenlieder, 
Und sie künden es der Donau, und sie trägt's zum Meere nieder. 

Freilich muss man auch hier etwas bessern, so heisst die 
zweite Zeile wörtlich : Diesen Namen hallen die Wogen wider — 
das Wort „diesen'' klingt nicht schön. Ebenso ist der Schluss 
des nächsten Verses matt. Dann fährt er fort: Aber der Nacht 
schwarzer Mantel breitet sich über die Berge — nach der „Stunde 
der Gespenster** kann man dies eigentlich nicht mehr sagen. 
Doch davon abgesehen, sind die Schauer der Nacht eindrucksToll 
geschildert. 

Adio la Tirgoviste, ähnlichen Inhalts, hat Alecsandri ver- 
anlasst (rumänisch) zu dichten. Er klagt hier über die Vergäng- 
lichkeit und heisst seine „zwecklosen Tage fliehen". Auch sonst 
findet man bei ihm diesen „Byronismus", der nach de la Vrancea') 
•empfunden, nicht nachgeahmt sein soll. 

1) Dens. 110. 2) Rev. N. 1. Heft 5. 

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— 63 — 

Noch ergreifender, auch formvollendeter ist „Der Mörder 
wider Willen", der im Kerker unschuldig schmachtet, weil er, 
sich von Wölfen verfolgt träumend, sie mit einem Steine er- 
schlagen wollte und dabei seiner Frau den Kopf zerschmet- 
tert hat (nach einem ähnlichen Ereignisse verfasst) 
-Gewissermassen als Gegenstück zum „Schatten Mirceas'^ 
schilderte er zu Tismana den Kampf dt^r Eumänen gegen die 
Ungarn in „Mondaufgang''; zu Drugaschan dichtete er „Die 
Gräber" u. a. 

1842 wurde er beim Fostelnik (Geheimen Civilkabinet) an- 
gestellt, von Bibescu, der ihm wol wollte, befördert, doch blieb 
er ehrlich und arm. Als endlich Cuza den Tron der Vereinigten 
Fürstentümer bestiegen, wurde er 1859 zum zeitweiligen Kultus- 
minister ernannt. 1860 wurde er als Mitglied des Uauptaus- 
schusses nach Forschani geschickt; dort aber befiel ihn eine 
Krankheit, die ihn fast ein Vierteljahrhundert nicht los liess, bis 
ihn am 25. November 1885 tu London der Tod erlöste. 

Seine Oden und Elegien sprechen hohe, edle Gesinnungen in 
oft schöner Form aus; freilich ist, wie gesagt, vielfach fremder^ 
Einfluss bemerkbar, besonders medita^ii haben nicht nur den 
Titel mit denen Lamartines gemein. Das beliebte „Mitternacht"* 
gesteht, dass er sich für keine Nachtigal erklärt, sich aber trotz- 
dem in die Einsamkeit zurückziehen will Dies b€(8chliesst er, 
„weil mein Leben nur noch eine Wüste*', auch in einem anderen 
•Gedicht: 

Nur der Erinnrung halbverwehte Schatten, 
Sie wirbeln mir vorbei im schnellen Flug, 
Wie Blätter, die der Sturm zurückverschlagea 
Nach langer Zeit zum Stamme, der sie trug. 

In: Nu, a ta moarte wünscht er nicht ihren Tod, nur, dass sie 
ihn in Kühe lasse. Hat sie ihm ersteren etwa angeboten? 

Seine „Gedichte** erschienen 1836, 1839 *) ; meditafii elegii usw. 
1863, Poesn diverse 1866. *) 

Ebenso alt ist Alecsandris Freund und Gesinnungsgenosse 
Corradini,*) der in Florenz und Frankreich studierte, 1830 am 
polnischen Aufstande teilnahm, dann Deutschland durchreiste und 



1) Nach C. lit. 21,964: 38. 2) Ghica, Brief 26. Dens. 272. 3) Rev. 
^. 2,447 ff. 



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— 64 — 

1841 zu Paris „Les chauts du Danube'' (schön) veröffentlichte. 
V. Hugo, den er verehrte, geschickt nachahmend. Von dort kam er nachr 
Jassi, wo er fiir die Freiheit weiter wirkte und schrieb, franzö- 
sisch, doch auch rumänisch. Indessen ist alles bis auf 2 Od^* 
und einen Aufsatz verloren. (Alecsandri, Prosa 570J. 

Als Dichter wenig begabt, sowol inbezug auf Inhalt wie auf> 
Form, ist Cesar Boliac, geboren 1813 und Schüler Eliades zu 
Bucurescht. Dieser veranlasste ihn auch, die militärische Lauf- 
bahn, der er sich, 17 Jahr alt, gewidmet, mit der des Schrift- 
stellers zu vertauschen. 

Seit 1833 erschienen in den Blättern Gedichte von ihm,, 
worin er die Sache der Fröner und der leibeigenen Zigeuner mit. 
mehr guter Gesinnung als Kunst führte. 1835 gab er seine 
„Werke" (Oden, Satiren und Volksüberlieferungen) heraus, 1842. 
„Meditationen, soziale Gedichte", 1847 „Neue Dichtungen", 1852* 
„Vaterländische Dichtungen". 

Eifriger Anhänger der von Ghica, Balcescu, Eoseti geführten, 
russenfeindlichen Bewegung, gründete er 1833 das Blatt „Curiosul", 
das jedoch schon nach vier Nummern verboten wurde. Doch; 
Hess er sich vom Satirenschreiben nicht abhalten, wurde wieder- 
holt eingesperrt, 1840 in das Kloster Poeana Merului verbannt, 
wo ein russischer Mönch ihm jeden Morgen aus den Gebeten 
des hl. Basilius vorlas, um ihn auf andere Gedanken zu bringen. *) 

Vergeblich: 1848 nahm er am Aufstande teil, wurde Wornik 
der Zwischenregierung, und nachdem die Bewegung unterdrückt' 
war, nach Siebenbürgen verbannt, wo er den „Verbannten" her- 
ausgab, um die dortigen Eumänen mit den Ungarn zu versöhnen. 
Zum Danke wurde er von den Ungarn eines Juwelendiebstahls 
beschuldigt , dessen er nicht fähig war. -) 1 849 ging er nach 
Stambul, 1850 nach Paris, wo er über Geschichte und Altertümer 
seines Landes schrieb. Nach dem Krimkriege 1856 heimgekehrt, 
gründete er das Blatt „Buciumul", das nach dem 2. Mai 1864 
(actul de emaneipa^iune, der Unabhängigkeitserklärung) unter- 
drückt, bald jedoch als Trompeta Carpa^ilor weitergeführt wurde. 
Hierin bediente er sich gewöhnlich der ungebundenen Kede, die 
im Gegensatze zu seinen Versen mustergiltig ist. Er starb l8vS0. 
Volkstümlich ist geworden sein „Denkst du daran?" Mit diesem 

1) Ghica. B. 665. ^) Amintiri din pribegie, Afacerea B. 

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— 65 — 

Kehrreim erzählt er der Geliebten die ganze Liebesgeschichte bis 
zum Treueschwure ; man begreift nicht recht, warum; wie es 
scheint, soll es keinen Zweifel an ihrem Gedächtnis ausdrücken. 
Als bloss rednerische Frage aber wirkt der Kehrreim ermüdend. *) 

In noch höherem Grade Politiker als Dichter ist Constantin 
A. Boseti, in reichem, vornehmem Hause geboren am 14. Juni 
18 16 zu Bucurescht. Nachdem er 1833—1836 dem Heere an- 
gehört, widmete er sich ganz der Schriftstellerei, übersetzte Ge- 
dichte und gab 1843 seine eigenen als „Stunden der Zufrieden- 
heit" heraus. 1837 zum Polizeipräfekten ernannt, trat er 1843 
aus dem Staatsdienste und ging nach Paris, von wo er als ein- 
gefleischter Fürstenfeind 1847 zurückkehrte. „Rusia" gegen die 
Fürsten u. Hussland. Als Mitglied des Bevolutionsausschusses die' 
Seele der Empörung von 1848, wurde er am 9. Juni verhaftet, 
vom Volke befreit und rettete grossmütig den Fürsten Bibescu. 

Nach Unterdrückung des Aufstandes und seines Blattes „Das 
rumänische Kind" wieder verhaftet, von seiner Gattin befreit, 
eilte er nach Paris, wo er seine Verbindungen erweiterte, bis er, 
nach dem Krimkriege heimgekehrt, in den Diwan für die Ver- 
einigung der Fürstentümer gewählt wurde. 

Weil seine Ansichten, wie gesagt, übertrieben waren, hat er 
nicht so viel erreicht wie z. B. Cogalniceanu ; doch hat er 1848 
und nachher (in Paris) erfolgreich für sein Volk gewirkt; ins- 
besondere war er im Gegensatz zu den meisten rumänischen 
Zeitungsschreibern ein Charakter, unbeschadet dessen, dass er 
schliesslich gemässigter wurde. 

Von seinen Gedichten sind hervorzuheben : Wer hat Schuld ? 
— Nicht die Ungetreue, sondern ihr Geschlecht. — Des Dichters 
Trost: „Hoch überm niedern Erdenleben ....." Neben diesem 
seltenen Adel der Gesinnung findet sich bei ihm aber auch ein 
gediegener Humor. So im „Hemd des Glücklichen", welchea des 
Königs Boten suchen. Sie finden indessen nur einen Glücklichen 
und der hat — kein Hemd. Auch seine Übersetzung des „Man* 
fred" ißt trotz mancher Härten lesbar. Neue Ausgabe 1885, 
Buc. als „Schriften aus der Jugend und der Verbannung", 1. Band: 
Gedichte und Übersetzungen, 2. Band : Politische Schriften. Er 
starb als Leiter des Rominul und Senator am 20. April 1885. ^) 



1) Dens. 249. ^ Rominul aus jenen Tagen. Farn. 21, ü24. 

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— 66 — 

Andreiu Mure seh an ist zu Bistritza Id Siebenbürgen am 
16. November 1S16 von freigelassenen Eltern geboren; doch ge- 
hörte das Geschlecht zu den £dlen des Landes. Schon in der 
Bürgerschule, dann im Gymnasium der Piaristen zeichnete er sich 
so aus, dass der Erzpriester Maior den Vater bewog ihn nach 
Blasendorf zu schicken, wo er Philosophie und Gottesgelehrtheit stu- 
dierte, bis 1838. 1839 wurde er am Eronstädter Gymnasium 
angestellt. Hier begann er in der ^^^zcta de Transilvania" Ge- 
dichte zu Teröffentlichen. Da die versprochene Besserung seiner 
Lage jedoch ausblieb, trat er 1850 in den Dienst der Begierung, 
wo er sich femer im Amte wie durch sonstige Tätigkeit, be- 
sonders für das „Blatt für Geist, Herz und Literatur^ aus- 
zeichnete. 

Nachdem er schon 1845 einen Grundriss der Erziehungs- 
lehre herausgegeben, liess er 1862 auf Anraten angesehener 
Männer eine Auswahl seiner Gedichte erscheinen (2. Aufl. 1881 
zu Hermannstadt), die von der Siebenbürger Gesellschaft für 
Schrifttum und Kultur preisgekrönt wurde. Dann fing er an 
den Tacitus zu übersetzen, starb jedoch am 12. Oktober 1863 an 
einer Nerveukrankheit , die ihn schon früher zeitweise des Yer' 
Standes beraubt hatte. 

Das preisgekrönte Werk enthält viele Verse, aber nur eiu 
einziges Gedicht, urteilt Maiorescu, ') nämlich 21 : 

Wach auf, Bumäne, hast du den Freiheitsruf vernommen 
In deinem Todesschlummer, drin dioh versenkt der Feind? 
Auf, nütze diese Stunde ! — Sie wird nicht wiederkommen — 
Und schaffe dir ein Schicksal, das deiner würdig scheint! 

Wie dies wirkte, dafür zeugt am besten, dass er unter 
Polizeiaufsicht gestellt wurde nnd keine Gedichte mehr veröffent- 
lichen durfte. 

Aber auch dies Gedicht ist, wie G. Bogdan in der Tribuna 
gezeigt hat, nicht vor Juni 1848 entstanden, also nur veranlasst 
durch die Volksbewegung, statt sie hervorzurufen. Femer ist 
jedoch 24 gelungen, besonders der Schluss; ebenso 14, das in- 
dessen nur eine Ausspinnung der 48. Höre bei Alecsandri ist. 
Dagegen wirkt wenig angenehm sein Schwanken zwischen Glauben 



1) Conv. lit. 1887, Heft 3. 

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— 67 — 

und Zweifel, und wenn er sich (36) Sohn der Natur nennt, so 
ist das Gegenteil davon richtig; er ist ein dichtender Eanzlist, 
der einmal in grosser Zeit glücklich zusammengefasst hat, was 
sein Volk und ihn bewegte. Im übrigen steht er dem eigent- 
lichen Volke fem. 

£& finden sich in fast jedem Gedichte ganz ungebräuchliche 
lateinische Wörter, besonders anstatt slawischer: oscila, S. 2, 
sperin^a (?) 8. 16 für speran^a; yolkstömlich aber ist immer 
noch nädejde, wie bocesc für lugesc, cacernic für piu usw. ^) 

Diesen Mann über Alecsandri zu stellen vermag nur Ver- 
schrobenheit oder blinder Hass. 

Dimitrie Gusti ist 1818 zu Jassi geboren, wo er 1837 zum 
Lehrer an der Bürgerschule, 1838 an der Akademie ernannt 
wurde. Von 1849 an wurde er so schnell befördert, dass er 
bald darauf Ministerialdirektor der Abteilung des Schulwesens 
wurde. 

Aber schon 1852 trat er aus dem Staatsdienst, gründete mit 
Codrescu eine Druckerei, besonders für Lehrbücher; 1867 — 1869 
war er Kultusminister. Gestorben 1887. 

1855 erschien sein „Buquetul poetic", woraus viel Gedichte 
in dem beliebten süsslichen Stil ins Volk gedrungen sind. 

Besser sind seine Kriegs- und Vaterland^ieder : „Zu den 
Waffen" (1878), ein wenig wortreich. „Zum Hundertjahrstage 
der Ermordung Gr. Ghicas" 1 877 ; endlich „Eumänien", „Wo die 
jugendliche Mutter Stolzen, mut'gen Sohn gebiert" — eine kleine 
Vorausnahme (des Stolzes usw.), doch mag es hingehen.^) 

Vereinzelt findet sich dieser Fehler (Schönrednerei in vater- 
ländischen Gedichten) auch bei dem bedeutendsten, jedenfalls viel- 
zeitigsten rumänischen Dichter : Vasilie Alecsandri, aus veno- 
tianischem Geschlecht, welches sich zur Zeit der Kreuzzüge in 
Stambul niederliess und von da weiter nach Berlad zog. Der 
Vater yerheiratete sich in Tirgul Ocnei mit einer Cozoni, gleich- 
falls italienischen Ursprungs, doch musste er bald (1821) vor 
Ipsilanti und den Türken ins Gebirge fliehen. 

Hier, zu Bäcau wurde am 21. Juli der erste Sohn geboren, 
der somit schon bei seiner Geburt heimatlos war. Der Vater, 
der auf sein Erbe zu Gunsten der Schwestern verzichtet, wurde 
beim Salzhandel bald reich genug die schöne Besitzung Mircescht 

1) Dens. 238. ^) Foaia FamiUei 1, 29 f. 

5* 

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in der Nähe des Prut zu kaufen, wo der Knabe in völliger Frei- 
heit aufwuchs. *) Wie lieb ihm dieser Aufenthalt war, zeigt »»der 
Mirceschter Wald". Fast. 21. 

Hier vom Mönch Gherman unterrichtet, wurde er bald (mit 
Millo) nach Jassi in eine Erziehnogsanstalt geschickt, von da 
1834 mit A. Sturza u. a. nach Paris, ^j 

Nachdem er von Professor Cotte, auf dessen früh verstor- 
bene Tochter er eine französische Elegie schrieb, vorbereitet war, 
bestand er die Baccalaurenprüfung und begann sich der Heil- 
kunde zu widmen. Doch besass er hierzu nicht die Nerven, las 
lieber im Botanischen Garten Chäteaubriands Amerikanische Heise 
und beneidete die Freunde, die, wie Ghica und Golescu in Paris 
oder Cogalniceanu in Berlin selbstgewählte Studien betreiben 
dürften. Als sein Vater ihn besuchte, führte er diesen in die 
Anatomie und erhielt sofort die Erlaubnis umzusatteln. Aber 
mit der Rechtswissenschaft ging es ebenso wenig wie mit dem 
Brücken- und Wegebau. Hier mit Glanz durchgefallen, schenkte 
er alle seine Bücher Negri und beschloss den Wissenschaften 
gänzlich zu entsagen. 

Cotte wies ihm dann seinen wahren Beruf, indem er, ihn 
genauer mit den Elassikern , auch den französischen , bekannt 
machte. Ausser > kleineren Sachen entstand schon damals die 
wirkungsvolle Ballade Zunarilla, ebenfalls französisch, jedoch nicht 
veröffentlicht. 

1839 endlich kehrte der angehende Dichter mit Negri und 
Docan über Florenz, Rom, Bologna, Genua, Venedig und Triest 
heim, nicht ohne reiche Ausbeute an Liedern und noch mehr 
Eindrücken, Hier verwertete er diese Eindrücke in der „Blumen- 
händlerin von Florenz'* (s. u. B) und in weiteren Gedichten, die 
im „Literarischen Dakien*', nach dessen Unterdrückung im „Wissen- 
schaftlichen und literarischen Blatte" erschienen. Dies gründete 
er in Gemeinschaft mit Panait Balsch, Cogalniceianu und J. Ghica, 
doch wurde der eigenüiche Titel „Fortschritt" gestrichen. 

Noch im selben Jahre (1844) begrüsst er die Aufhebung 
der Leibeigenschaft in seinem Blatte also: 
Dieser Tag ist's, meine Moldau, der dir ew'gen Ruhm verleiht, 
Da du auch dem Knecht erwiesen mitleidsvoll Gerechtigkeit. 



1) Ghica, Scr. 69 fF. 2) eb. 149 ff. 

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liöge 80 deia Arm, der heute bricht ein ungerechtes Joch, 
Jenes andre bald zerschmettern, das du trägst im Nacken nocht 

Das war sehr deutlich und trug gewiss mit zur baldigen 
IJnterdrüekung des Blattes bei. 

Die Gedichte erschienen gesammelt als „Lieder und Mai- 
glöckchen" (Doine ^i Läcrimioare , eigentlich Tränenblümchen) 
1853 , *) erstere im allgemeinen Nachklänge der Volksdichtung, 
Eäuber- und Liebesgedichte, Volksglaube und Sage, kurz un- 
persönlich. Die Lacr. schildern im wesentlichen sein Liebesglück und 
beklagen den Verlust seiner Braut, Elena Negri, der schönen 
Tochter C. Negris, welche vom Pferde gestürzt war.-) Auch 
wenn andre reden, blickt er durch, so 14 : „ich schwöre bei der 
Sonne'*, sagt kein Italiener. Echter ist der Fischer vom Bospor, 
10. — Angefügt sind die „Erinnerungen", der Schmerz um der 
Mutter Tod in 2 ist ebenso rührend wie 6 ergötzlich. 

Margaritarele (walachisch Maiglöckchen) im 2 Bande von 
1863 sollen nach Jorga') ein Anhang sein, der nichts neues 
bringt — während sich in Wirklichkeit der Gesichtskreis des 
Dichters, der inzwischen von Sewastopol (s. N. 21) bis Afrika ge- 
reist ist, sehr bedeutend erweitert hat (s. u.) 8 scheint das Beste, 
was er bisher gedichtet „Als der Sammlung seltenster und meist- 
^eschätzter Vorzug gilt ihre Wirklichkeitstreue, es ist nichts darin, 
was nicht von einem einfachen Landmädchen empfunden werden 
könnte.** Und insbesondere: „Wenn die jungen Mädchen anfangen 
von Liebe zu träumen, drücken sie dies so aus: 

Ich weiss nicht, warum das Herz mir so schwer, 

Ich weiss nicht, warum es sich sehnt so sehr; 

Ich hör' es flüstern in stiller Nacht, 

Wenn ich aus süssem Schlummer erwacht; 

Und wird es endlich im Osten licht, 

So lässt mich der Traum auch im Wachen nicht. 

Das sind die Seufzer einer Seele, die im andern zu leben 
wünscht*' *) 

Dagegen ist jedoch einzuwenden, dass diese Sehnsucht auch 
bei den jüngsten und — was damit keineswegs immer zusammen- 

1) Convorb. lit. 10, 63 steht 1835, verdruckt. 2) Rom. R. 6, 436. 
8) Rev. N. 3. 243. *) Convorb. lit 10,59. 



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trifft — unschuldigsten Mädchen schon irgend einen Gegenstand, 
sei er auch nur erträumt, zu haben 'p^egt, weil sie naturgemäss 
nur durch einen solchen geweckt werden kann. Daher singt 
Gretchen: 

Meine Kuh ist hin, mein Herz ist schwer usw. 
Daher ist Deine 20 „Der Wunsch der Rumänin", nämlich 
ein Kind, ungleich besser, wenigstens wahrer. 

In Wirklichkeit freilich wissen die rumänischen Landmädchen 
wie die anderer Länder sich diesen Wunsch zu erfüllen. *) Doch 
zeigen die Volkslieder hie und da auch eine rührende Zartheit 
und Schamhaftigkeit, die allerdings, wenigstens nach den her- 
kömmlichen Begriffen , für die Dichtung besser passen. So 
sind auch diese Lieder Alecsandris in der Jugend für die Jugend 
geschrieben, welcher, besonders der weiblichen, sie ihrer Beinheit 
und Zartheit wegen sehr zusagen; viele sind ganz in das Volk 
übergegangen: Gondoleta, Meine Liebste,' Serenade: Die du aus 
dem Himmel kämest. Um die Erde zu beglücken usw. Die 
Jäger und die Jägerin, wo die schöne Spinnerin meint, ein Blick 
ihrer Augen würde genügen, die ganze Jagdgesellschaft um den 
Verstand zu bringen, Bd. 3. Varia 16. Das mag Mädchen ent- 
zücken, doch braucht man gerade kein Knasterbart und Weiber- 
feind zu sein , um es übertrieben zu finden. Noch mehr gilt 
dies von andern, so der Serenade: 

Ich schwöre bei deinem Lächeln, 

Bei der himmlischen Stimme Klang, 

Dir opfr* ich meine Gefühle 

Mein ganzes Leben lang, 

mit dem Kehrreime: 

Komm süsser Trost, meines Lebens Gewinn, 

In heimlichem Schmerze sterbe ich hin! (Ebenda 14.) 

In dem vielbeliebten „Schönes Kind", das er schildert oder 
vielmehr benennt: Himmlische Erscheinung, goldener Zauber, 
Traum des Glückes, Engel der Herrlichkeit, Wunder usw. sehe 
ich nur einen Haufen Worte , der in schülerhafter Weise über 
die Leere der Empfindung hinwegzutäuschen sucht. 

Wenn man ferner neben „Trennung", Lacr. 7, Byrons „When 

1) Carra, Histoire de la Moldavie et de la Valachie, Jassy 1777. 

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we two parted" liest, fühlt man sich lebhaft yersucht, Alecsandri 
nur für einen höflichen Liebhaber und YerskünsÜer zu halten: 
so nichtssagend klingt diese „Glückliche Heise'' und »»Bitte um 
ein freundlich Angedenken", gegenüber jenen Layaströmen. 

Schön, weil männlicher, ist die Widmung der Lacrimioare: 

Du mir für immerdar in Nacht verloren, 
Des Lebens süsser Stern, Geliebte mein, 
Wie schienst du hell, da ich dich mir erkoren. 
Da auf der Welt nur du und ich allein! 

Ja, in dem Hirtengedichte Marioara Florioara, von der man 
nur nicht weiss, ob sie Mensch oder mehr ist, wird er sogar 
ziemlich sinnlich, in der Art Bolintineanus, der, obgleich jünger, 
auf ihn Einfluss gehabt zu haben scheint. 

Aber Alecsandri ist nicht nur der Sänger der Liebe und 
Beiner Heimat, so z. £. Suvenire 13 und 15; ebenso stark tritt 
in ihm der entgegengesetzte Zug hervor, der in die Feme, der 
ihm, wie er meint, durch seine Geburt auf der Flucht eingeimpft 
ist; mehr aber hat wol hierzu Eobinson in der Schule zu Jassi ') 
und später der „Pflanzengarten" zu Paris ^) beigetragen. Dieser 
Wanderlust giebt er in schönen Liedern Ausdruck, von denen 
die „Beisesehnsttcht", Suvenire 19, volkstümlich geworden ist 
Ausserdem siehe: 

Sehnsucht nach der See. 
Hoch am blauen Himmel seh' ich 
Windesschnell die Wolke fliehn; 
Wenn sie übers Meer hinzöge, 
Möcht' ich, möcht' ich mit ihr ziehn. 

Möchte wandern, wandern, wandern 
Ohne Rast, dem Geier gleich, 
Meine Augen schweifen lassen 
Durch der Lüfte weites Keich. 

Möchte sanften Seufzern lauschen. 
Die, wenn sonst kein Auge wacht, 
Auf vom Meere und vom Himmel 
Nieder wehn um Mittemacht. 



') Ghica Br. S. 75. 2) Convorb. Ut. 22, S. 164. 

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Aber es ist noch ein tieferer Zug zu erwähnen, wodurch 
Aleqsandri sich als wahren Dichter erweist ; er lässt sich durch 
den auch in Rumänien immer weiter um sich greifenden welt- 
schmerzlichen Zug zwar anfechten, aber nicht fortreissen und 
sich die gute Laune nicht verderben. 

So sagt er in der 3. Lacrimiore : es giebt Glücksstunden, die 
in des Lebens Wage Jahre von Schmerzen aufwiegen. Er braucht 
dies nicht aus Schiller entlehnt zu haben : Aber eine selige 
Stunde wiegt ein Jahr von Schmerzen auf, — so wenig wie dieser 
die Berner Liederhandschrift 389 kannte, in der es (Nr. 251) 
ganz ebenso heisst: 

Keli.bien dune soule höre les mals dun an rasuaige. 
Das ist eine allgemeine Wahrheit, für die nach Quellen zu 
suchen zwecklos ist. 
' Was aber Ale es. gross macht und ihn im Lande lange über 
allen Tadel erhoben hat, ist seine glühende Vaterlandsliebe. In 
den Doinen, die wesentlich Nachhall der Volksdichtung sind, ist 
sie freilich nur im Hass gegen die Tataren, 17, und in der 
Kampflust 21, erkennbar. In den Marg. dagegen entwickelt sie 
sich zum unverfälschten Volksdünkel, so gleich in 2, wo ein 
Reiter sämtliche in Dakien einbrechende Gepiden, Bulgaren, 
Lombarden (!) usw. niedermäht. Indessen gründet sich sein 
Stolz auf die Abstammung von Rom ; und da auch andere Völker 
von diesem unterworfen sind — wollte sagen, herstammen, lässt 
AI. auch sie gelten. Schüchtern in 20, kühner in 34 tritt das 
Volk oder der Bund der Lateiner auf: 

Bald wird sich das Lateinervolk 
Der Sonne gleich erheben 
Und schenkt den andern Völkern all 
Mit seinem Licht das Leben. 

Doch hat er auch lichtere Augenblicke; in 1 erkennt er, dass 
besagte Völkerlampe mit der eigenen Erleuchtung noch recht 
reichlich zu tun hat, deshalb erhebt er insbesondere die grosse 
„stets siegreiche" Nation, 40, die eben bei Solferino ziemlich 
billige Triumfe feierte. 

Das Ergebnis ist, dass Alecsandri, namentlich in der Sprache, 
seinen Vorgängern weit überlegen ist. Seine Empfindung ist 
jedoch im allgemeinen mehr zart als tief; zum grossen Dichter 



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fehlt ihm das Unmittelbare, Elementare der Leidenschaft, daher 
la9Ben namentlich seine volksmässigen Lieder, ganz abgesehen 
von der Sprache, die ihm viel verdankt, mit der er aber doch 
noch zu kämj^en hat , oft den Salondichter durchblicken ; er 
liebt mehr den leichten glänzenden Schaum als die bittere Tiefe. 
Deshalb hat er auch die Volkslieder, die er nach dem Tode der 
Mutter (1842)') in den Karpaten sammelte, geändert,^) ehe er 
sie von 1852 an veröffentlichte. Diese Sammlung ist vielleicht 
sein grösstes Verdienst. 

Als das von ihm gegründete Dlatt, wie früher das „litera- 
rische Dakien*" aufgehoben war, s. u. B., reiste er über Brussa 
und Athen nach Venedig, kehrte 1848 zurück, nahm am Auf- 
stände teil, wie er mit guter Laune beschrieben,^} musste das 
Land wieder verlassen, und wirkte in Paris erfolgreich für sein 
Vaterland. 1850 heimgekehrt wurde er gehindert die „Eevista 
üterarä" (gegen Cipar u. Gen.) herauszugeben, *) auch die Bominia 
liter. wurde schon nach 1 Jahre unterdrückt. Damals dichtete 
er die Hora unirei (Ganz Kumänien soll es sein), wodurch er 
der £inigung der Fürstentümer mächtig Vorschub leistete, und 
weshalb man ihn 1857 in den hierzu berufenen Ausschuss wählte. 
1859 war er gar kurze Zeit Minister des Auswärtigen. 

Nach des Vaters Tode (1855) liess er seine leibeigenen 
Zigeuner frei und veranlasste so 991 Grundbesitzer dasselbe zu 
tun, wodurch er sich aufs vorteilhafteste bekannt machte. Da 
die Leute jedoch mit ihrer Freiheit nichts anzufangen wussten. 
kehrten sie schon nach einigen Wochen, ganz heruntergekommen 
und des liberalen Schnapses gründlich satt, zurück. ^) 

Die Enttäuschung war unangenehm, aber heilsam, der 
Dichter überzeugte sich, dass es nicht anging, die westliche 
Bildung ohne weiteres nach Eumänien zu verpflanzen. Abge- 
sehen von diesem Irrtum jedoch, den er mit seinen Landsleuten 
teüte, hat er vor allen des Dichters Aufgabe erfüllt und so der 
Bildung des Westens die Wege gebahnt.*) 

Ebenso warm für das Vaterländische begeistert, wenn gleich 
von geringerer Begabung, ist George S i o n, aus ursprünglich tata- 



1) So Pop 1, nach andern 1846. ^) S. Zeitschrift für romanische 
Phüologie, 14, S. 235 fF. 3) Prosa S. 505 ff. *) Familia, 1890, S. 423. 
6) Ghica, Briefe, 82. «) Dens. 241, Conv. 1. 20, löOff. 



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— 74 — 

rischem Geschlecht 1822 zu Hirschora in der Moldau geboren. 
Mit 18 Jahren in den Gerichtsdienet eingetreten, war er auch 
ferner bemüht sich, besonderB in sprachlicher Hinsicht, weiter 
zu bilden, so dass er bald allen Vorgesetzten in dieser Beziehung 
unfehlbar erschien. Als er jedoch im Kronstädter ,;Blatte für 
Geist usw" ein harmloses Gedicht „Die Zukunft" verc^entlicht 
und darin russische Bedrückungen erwähnt hatte, wurde '«er ett- 
lassen. 

Dadurch wurden angesehene Männer auf ihn auftnerksam 
die ihn zfam Sekretär der Zollpächtergesellschaft machten. 1847 
pachtetiß er das Stammgut Hirschova, wurde aber infolge des 
Aufstandes 1848 von Stiirza verbannt; 1850 unter Ghica zum 
Staatsarchivar ernannt , begab er sich bald darauf nach Bncu- 
rescht, kämpfte 1859 — 1862 in der Revista Carpa^ilor für die 
Wiedergeburt des Vaterlandes, wofür er zum Mitglied der Aka- 
demie ernannt wurde, und lebte, nachdem das Blatt eingegangen, 
dort als Schriftsteller. 

' Von seinen Werken gehören hierher: Zufriedene Stünden, 
1843; Aus ttieinen Dichtungen, 1857. In die weitesten Kreise 
ist sein Gedicht „Die rumänische Sprache'^ gedrungen,über8etzt 
von Kotzebue, worin er die Muttersprache als die wolklingendste, 
wozu allerdings wegen a und 1 ein besonderer Geschmack gehört, 
empfiehlt, und „Rumäniens Stern" (die Unabhängigkeit), eben- 
falls schwungvoll. Seine übrigen Gedichte sind massig, oft nach 
Beranger, grossenteils alltägliche Liebesklagen, „Lizi^oarä", der 
er entsagt, ist von Maiorescu ') als Zofenausdruck bezeichnet, 
schliesslich ist er auch noch dem französelnden Zuge gefolgt.^) 

Im selben Jahre ist Alexandru P e 1 i m o n geboren, zu Bucu- 
rescht. Durch eigene Studien, ohne Lehrer, erwarb er sich eine 
mehr umfassende als gründliche Bildung. 1846 trat er als 
Schriftsteller auf und hat sich mehr und mehr zum Vielschreiber 
entwickelt; doch besass er Selbsterkenntnis genug, gleich sein 
erstes Werk „Flüchtige Gedichte" zu benennen. Ihnen folgten 
1847 „Gedichte", 1850 „Die Indianerhütte und verschiedene 
Dichtungen" usw., in denen mehr die freiheitliche Gesinnung als 
die Kunst zu loben ist. ^) 

Dasselbe gilt von Constantin D. Aricescu, geboren 1823 

1) Poes. Rom. 100. 2) Dens. 248. ^ Pop 1, 114. 

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— 75 — 

zu Cimpuluxig. Er gab 1842 eeine ersten dichterischen Versuche, 
die Eliade verbessert, heraus. 1847 gründete er in Gimpulung 
eine Bühne, wurde schon im Sommer Ministerialdirektor, schrieb 
1848 im „Fruncul Romen'' Gedichte über Freiheit, Gleichheit, 
Brüderlichkeit, und wirkte 1857 sehr eifrig für die Unterzeich^ 
nung der „4 Wünsche des Volkes". 

Da er sich um die Einigung der Fürstentümer Verdienste 
erworben, wurde er schliesslich Direktor der Staatsarchive. 

Er hat noch geschrieben „Lyra" 1858, „Trompete der Eini- 
gung" usw. •) 

Ebenfalls 1823 ist George Taut zu Botoschiani geboren, 
aus angesehenem Hause, das jedoch durch die Machthaber be« 
raubt wurde. Er trieb Landwirtschaft, wobei er sich auf Gustis 
Bat mit der Dichtkunst zu beschäftigen begann. 1862 erschienen 
seine in Blättern gedruckten „Gedichte'' gesammelt, 1864 „Neue 
Gedichte*'; doch sind seine geschichtlichen wie seine Bühnenstücke 
ohne Belang. Sein „Bominur* ist ins Volk gedrungen, weil auch 
er den „Erben Trajans** ausspielt, seine Hauptbedeutung beruht 
jedoch in den Satiren, siehe daher D. Er ist im August 1885 
zu Jassi im Elend gestorben.^) 

^ Von Rucareanü, geboren 1825 in Cimpulung, ist nicht viel 
mehr zu bemerken, als dass er sich von den Fesseln und Feh- 
lem des Beimes befreien will. ^ Bescheidene dichterische Ver- 
suche** erschienen 1873. Von Jugend einäugig, hat er sich, vom 
Hauslehrer erzogen, an griechischen, französischen und deutschen 
Mustern weiter gebildet, lebt unabhängig auf seinem Gute, wo 
er heftig und viel gegen die Misbräuche der Fremden schrieb 
und als grosser Jäger auch die Jagd geschildert hat, im „Kar- 
patenjäger." *) 

Begabter ist George B a r o n z i , nach griechischer Aussprache 
Varonzi, geboren 1825 auf einer der ionischen Inseln, doch in 
Bumänien erzogen und als Schriftsteller sehr tätig. Hierher ge- 
hören „Gedanken der Einsamkeit' und „Nachtgesänge" 1853, in 
denen sich ein mehr weiches als tiefes Gefühl ausspricht. 

Eins seiner besten Gedichte ist das zum Volksliede gewor- 
dene, worin er dem „verdammten Dämon" seine Untreue vor- 
wirft und schliesst: 



1) Pop 1, 116. Dens. 250. a) Farn. 21, 406, 439, 1, 46. 
3) Pop 1, 163. 

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— 76 — 

Und doch, dein teures Bildnis, schönheitsstralend, 
Steht mir vor Augen jetzt und immerdar; . 
Ich kann's nicht glauben, daps ich dich verloren, 
Die, auf der Erde mir das Liebste war. 
Du bist aus meinem Herzen fortgeflogen, 
Drum leuchtet mir fortan kein Hoffhungsstral. 
Du glaubst es nicht, wie sehr ich dir gewogen — 
Vielleicht doch, sähest du mich noch einmal! 

Wie man sieht, sind glatte Verse sein Hauptvorzug, der 
Inhalt, sowol in der (vorherrschenden) Liebesdichtung wie in 
der vaterländischen (Gebet eines Rumänen) bewegt sich in aus- 
gefahrenen Gleisen. *) 

Alle andern an ursprünglicher Begabung, Tiefe der Empfin- 
dung und Gestaltungskraft überragend, reiht Dimitrie Cosmad, 
nach seinem Geburtsorte Bolintin (eanu) genannt, sich den 
grossen Dichtern der Fremde würdig an. Er ist der erste, 
schöpferische Geist, der im Lande begegnet, mit allen Vorzügen 
und Fehlern eines solchen; letztere sind schuld, dass Alecsandri 
dessen Begabung geringer, aber sorgsam gepflegt ist, ihn 
auf andern Gebieten übertrifft. In der Gefühls- und beson- 
ders Liebesdichtung dagegen behauptet Bolintineanu den ersten 
Platz. Dies erhellt zur Genüge aus den Proben, die wir an 
anderm Orte von ihm gegeben,^) wobei die Heiterkeit, Anmut 
und reizende Sinnlichkeit besonders berücksichtigt ist. Aber 
Bolintineanu ist mehr als ein Anakreon; er ist zugleich ein 
Sänger und Verehrer des Urbildes wie wenige, wie besonders die 
30. Bosporblume zeigt: Idealul, oder wie es nach S. 506 wol 
heissen soll: Hialul, welches türkische Wort der Herausgeber 
nicht gekannt zu haben scheint. Er fahrt mit einem wunder- 
schönen Weibe, das sich als sein Urbild bezeichnet, auf dem 
Bospor; sie giebt sich ihm hin, entschwebt dann aber sogleich, 
und er schliesst: 

Und seit jener Stunde hat das Leben keinen. 
Keinen Reiz mehr für mich, möcht' ich nur noch weinen, 
Selbst der Bospor scheint mir nur ein schweigend Grab. 
Somit lässt sich Hayms Urteil über Hölderlin (die roman- 
tische Schule, S. 292) ganz auf Bolintinean anwenden: „Er 

1) eb. 122. 2) Um die Erde, 91. 

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— 77 — 

leidet um Unwiederbringliches. Er ist krank an der Trauer um 
das flüchtig gewordene Ideal, die Form (besser wol : der Aus* 
druck) seines Wesens, die ins Unendliche sich neu erzeugende 
Form der lyrischen Empfindung des Dichters ist die Elegie. 
Das Schwelgen im Ideal, das Scheitern des Ideals, die Trauer 
um das gescheiterte: das ist das Thema"" . . . 

Zur Erklärung dieses Gedichtes (vom entschwundenen Ur- 
bilde) kann u. a. Nr. 45 „Eückblick*" dienen , wo es gegen das 
£nde heisst: < 

Wer wird des Herzens tiefe Wunden heilen 

Wer -zeigt mir endlich noch den Weg zum Glück ? 

Auch dein geliebtes Herze bringt mir Armem, 

Was ich verloren, nicht zurück. 

Des Lebens Keif hat mir verwelkt die Seele; 

Die Lieder, die der Liebe ich geweiht. 

Siehst du durch sie von fern den Tod nicht schleichen? 

Ahnst du nicht all mein Herzeleid? 

Des Glaubens Flamme leiht der Liebe Flügel — 

Doch seine Glut ist mir erloschen lang ; 

Der Zweifel hat den letzten Stral ertötet: 

Da ist verstummt mein Liebessang, 

Nicht kann sich mit der Welt mein Herz befreunden, 

Wo kein verwandtes freundlich zu ihm spricht, 

Nach Glück und Frieden bin ich lang gewandert, 

Doch fand ich sie auf Erden nicht. — 

Soviel hier über die Bosporblumen , Bolintineanus Meister- 
stück; aber auch aus den Märchen, die den Schluss des ersten 
Bandes bilden, gehört noch manches hierher, so Nr. 9, das 
(romantische) Hörn , ') das sehr anmutige und formvollendete 
«Der Schmetterling", Nr. 23; er bittet das Veilchen um einen 
Kuss und erzählt ihm dafür, es sei eine Prinzessin gewesen. 

Den 2. Band eröffnen die „Makedonischen Gedichte'*, die 
des Dichters Urteilslosigkeit glänzend erweisen. Neben den 
reizendsten Sachen wie Nr. 6, Wettgesang der Hirten, Nr. 23, 
Gastmal, 2i, Cilia sich legend, 34, das Weib, 35,^) 30, 39, die 
Dänischen Weisen, 43, 46, 50 Schüchternheit — steht Nr. 2, wo 



1) a. a. 0. 104 ff. ^) Vgl, dazu Horaz, Oden 3, 28, Zeüe 41 ff, 

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— 78 — 

die erste sogenaante Baliade der Volkslieder Alecsandris keiaes* 
wegs glücklich auf ein Lamm angewandt ist, das ^nicht mehr 
leben will." Noch unpassender scheint die Anwendung dieses 
Volksliedes in 15, wo die Schafe dem Hirten melden, eine hohe 
Frau habe seine Geliebte entführt und bräutlich geschmückt. 
Für wen denn ? Doch nicht für den himmlischen Bräutigam ? 
Diese Auffassung hätte nur Sinn in Sprachen, wo der Tod 
männlich ist, denn er ist mit der Hochzeit und mit der hohen 
Frau gemeint. Und dies Gedicht wird in den übrigens baut 
durcheinander stehenden Anmerkungen als das schönste erklärt! 
Die oben erwähnte trübe Stimmung bricht auch hier zu- 
weilen durch, so 26: 

Unsere Väter sind gesessen 
Vor den vollen Gläsern hier. 
Doch mit bittem Wehmutstränen 
Füllen unsre Becher wir. 

Denn: to^i avem tot o menire (Nos omnes una manet nox). 
31 An ein Veilchen: 

Du hast doch in deiner Blüte 
Einen Tag die Flur geschmückt; 
Mich in meiner kurzen Jugend 
Hat kein Sonnenstral beglückt. 

Doch tröstet er sich 32 „Wer bin ich?" darüber, dass er 
nicht weiss, wohin und woher : 

Glaube, glaube nur und liebe, 
Dann wirst du mit frohem Blick 
Noch in deiner letzten Stunde 
Selig preisen dein Geschick. 

So auch 21 „Das weisse Haar." 

Oft nach jungen Mädchen wendet 
Sich noch jetzt mein graues Haupt, 
Und in Träumen wiegt sich's gerne : 
Alt ist nur, wer nichts mehr glaubt. 

Ähnlich 29, das an Horazens Si fractus illabatur orbis usw. 
anklingt. Das übrige ist jedoch durchweg ursprünglich, beson- 
ders schön 41 : 



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— 79 — 

Ach, ich wollt' es wäre Herbst, dass ich sehe Blätter fallen, 
Dass ich sehe Nebel wallen : Eine, eine — lasst mich weinen . , . 

Gegenüber der farbenfrohen Schilderung des Frühlings im 
Anfang wirkt der Schluss noch ergreifender. 

Die folgenden ^Träumereien" enthalten an erster Stelle das 
Gedicht: y,Ein junges Mädchen auf dem Totenbette'', (nach 
Chenier), wodurcli Bolintineanu seinen Ruf begründete. Die 
Klage ist allerdings ergreifend, aber der Schluss passt schlecht: 
Ich falle wie im Herbst das Blatt. Richtiger wäre: Es fiel ein 
Reif in der Frühlingsnacht, oder dgl. 

5 „Des Menschen Ziel*' zeigt die hohe Gesinnung , 7 „Der ' 
Engel Gebet" die Frömmigkeit des Dichters, Am Schluss^^ heisst es: 

Lass, o Herr, der Menschheit Flehen 
Nicht vergebens zu dir dringen! 
Rings noch herrschen Leid und Jammer . . . 
Was du willst, kannst du yollbringen. 

Aber immer trüber, wird seine Stimmung, wozu wol die 
Verbannung beitrug; den „Gesang aus dem Exil" hat Kotzebue 
in der rumänischen Yolkspoesie übersetzt — ein schönes Zeug- 
nis von Vaterlandsliebe. Während er noch in Nr. 3 auf das 
Morgenrot jenseit des Grabes hofft wie der verirrte Wanderer, 
will er in Nr. 12 „keinen Trost mehr*' ') und in 14 spricht er aus : 
Glück giebt es nicht (s. Bosporbl. 45), und weiter am Schlüsse: 

Und was ist mir gelegen an jenem frommen Liede, 

Mit dem man Kinder einwiegt, der Mär vom ew'gen Leben? 

Soll ich das Gute tuen, nur dass man's mir bezahle? 

nein, in meiner Seele glüht ein viel höher Streben! 

Aber in 21 „der Tod", seufzt er doch wieder: 

glücklich, wem den grausen Schlund des Todes 
Die Hoffnung ausfüllt auf ein Wiedersehn! 

Ähnlich 52, an einen Schatten (der ihn im Himmel er- 
wartet): 

Zeit, beeile deinen Lauf 

Und nimm mich mit auf deinen Wagen, 

Um mich zu ihr empor zu tragen 1 

1) a. a. 0. 104ff. 

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— 80 — 

Er ist des Lebens satt, wie er im folgenden „Trauer" sagt : 

Ach, in Schmerzen schwindet 

Unser Lebenslauf; 

Alle Freuden lösen 

Sich in Schmerzen auf! usw. 

Er gebraucht hier das Wort regres (vom franz. regretter), 
das Alecsandri III. S. 542 als pedantisch bezeichnet. In der 
Tat kann man kaum umhin, entsprechend progres. Rückschritt 
darunter zu verstehen. Alecsandri ist auf Bolintineanus Aus- 
jdrucksweise überhaupt nicht gut zu sprechen, siehe das Dic^ionar 
grotesc a. a. 0, 

„Verschiedenes" endlich, womit der 2. Band schliesst, bietet 
noch manches hübsche, so 6, wo er Tilia bittet, sich nicht allzu 
schön zu machen, und u. a. ihren durchsichtigen Strumpf 
schildert. Daneben aber auch Ernstes : 3 „An Gott'* : 

Ein Geschenk ist unser Leben ; 

Gott war nichts von dem uns schuldig. 

Was er gütig uns gegeben. 

8. „Das Recht des Stärkeren**, woran sich 9 „Jesus am 
Kreuze" schliesst, der uns erlösen wird. 

12. Die Worte: „So lässt des Raben Fittig sich nieder auf 
den Schnee" stimmen wol nur zufallig mit Byron überein : Like 
ravens wing upon the snow; doch kann Bolintineanu dies auch 
(übersetzt) gelesen oder gehört haben. 

Die Pappel (14) liebt er so, dass er sie nicht für des Für- 
sten Krone noch selbst für der Fürstin Küsse hingeben will. 
Aus Naturgefühl ? Das wäre etwas sehr stark , aber man sieht 
keinen andern Grund. Offenbar erblickt er in der alles über- 
ragenden, wegweisenden und jetzt entblätterten Pappel sein 
Ebenbild, und als solches ist sie ihm ans Herz gewachsen. 
Zwischen den Zeilen liest man, wie hoch er sich selbst schätzt, 
wenn ihm das Ebenbild so wert ist. 

Doch wir können uns auf das einzelne nicht weiter einlassen 
und wollen versuchen ein zusammenfassendes Urteil zu geben. 

Hölderlin an hohem Idealismus gleich, welcher beiden 
durch seinen Gegensatz zur Wirklichkeit das gleiche Schicksal 
bereitet hat, ist er, der Yielge wanderte, doch für die Eindrücke 
der Aussenwelt empfanglicher und schildert sie und die Empfin- 

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— 81 — 

düngen, welche sie ihm weckt, farbenreicher als der gedanken- 
reichere, ganz in seine Innenwelt versenkte Deutsche. • 

Das Wichtigste über des Dichters Leben ist folgendes: 
Geboren 1827 zu Bolintin in der Nähe von Bukurescht, wurde 
er, völlig mittellos, Schreiber im Ministerium des Innern , zog 
aber schon 1843 durch das „Mädchen auf dem Sterbebette*' 
die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich. Die Vaterländische 
Gesellschaft nahm sich seiner an und sandte ihn 1846 nach 
Paris. Aber kaum hatte er begonnen , die Lücken seiner Bil- 
dung auszufüllen, so kehrte er 1848 zurück, wurde wegen 
Teilnahme am Aufstande verbannt und begab sich über Stambul 
auf 2 Jahre wieder nach Frankreich. 1852 wurden in der, 
Moldau Zeichenlisten für eine Herausgabe seiner Werke ausge- 
legt, so dass sein Freund G. Sion die „Gesänge und Klagen" 
herausgeben konnte. Sie erschienen schon 1855 von neuem 
als „Gedichte" ; im selben Jahre bot Fürst Ghica ihm den Lehr- 
stuhl für rumänisches Schrifttum an , aber die Pforte verbot 
ihm den Eintritt in die Moldau. Er bereiste also Vorderasien 
von Stambul, wo er , zumal von geistreichen Frauen wie Luise 
Gropler, schon sehr gefeiert wurde. Als er einer derselben, 
Sascha, der Gattin seines (ebenfalls yerbannten) Freundes Joan 
Ghica „Eabie** vorgelesen, veranlasste diese ihn entzückt, mehr 
dgl. als „Blumen des Bospor" zu dichten ; also verdankt auch 
Bolintineanu, wie fast alle Dichter, sein Bestes einer Frau. *) 

Die Siege der Verbündeten im Erimkriege erlaubten ihm 
endlich heimzukehren,^) und von der Gunst des Volkes 'getragen, 
stieg er unter A. Cuza schnell zum Minister des Aus«ern und 
des Kultus empor. Als solcher gab er viele folgenreiche An- 
regungen, so die zu einer Akademie ; doch fehlte es ihm an 
Einsicht und Menschenkenntnis sie durchzuführen, weshalb er 
1866 von heuchlerischen Freunden gestürzt wurde. Diese Er- 
fahrungen, sowie Not und Krankheit, die ihn zwangen von der 
Schriftstellerei zu leben , entfremdeten ihn der Kunst und ver- 
düsterten seinen Geist immer mehr. 1871 wurde sein Elend 
in der Kammer zur Sprache gebracht, jedoch mit den Worten 
erledigt: ,,Was soll man tun?'* 

Eine Weile noch lebte er bei seinem Freunde Alecsandru 



1) Poesii, 1, 50L 2) eb. 499: 1859. eb. VIII.: 1857. 



6 

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— 82 — 

Zane, (1848 mit verbannt, schrieb über römisch-dakische Alter- 
tümer: Siebenbürgische Wachstafeln, Albina Pindului 1,109, Ab- 
kürzungen römischer Inschriften, eb. Nr. 7 ff.) ; dann musste er 
ins Krankenhaus Panteleimon geschafft werden, und hier starb 
er „wie der letzte Tagelöhner" am 20. August 1872 an Läh- 
mung, nachdem er schon längere Zeit ohne Bewusstsein zuge- 
bracht. Nur wenige Freunde gaben ihm das Geleit, als seine 
Verwandten ihn nach Bolintin heimholten, wo er beerdigt wurde. 
Erst nach Jahren ist ihm anf Veranlassung Chitzus ein Denk- 
mal gesetzt. ') 

Die „Gedichte" sind seitdem wiederholt bei Socec in Bu- 
curescht von 1877 an erschienen, unter sorgfaltiger Aufsicht 
G. Sions, wie es auf dem Titelblatte heisst. Dann hätten aber 
Gedichte nicht ganz oder teilweise doppelt gedruckt zu werden 
brauchen. So ist Band 1,154 = 2,296; 1,478 = 2,310; ja 
1,150 = 1,406, wo es nur in der Inhaltsangabe fehlt, und 
1,405 ist Bruchstück aus 1,475.^) 

Ebenfalls begabt , wenn auch im geringeren Grade , ist 
Cretzeanu, geboren 1829 zu Bucurescht. Er wurde im 
Kloster St. Sava ausgebildet und 1848 von der Zwischenregie- 
rung nach Paris geschickt, um dort seine Studien zu vollenden. 
Er erwählte die Rechtswissenschaft und vergleichende Schrift- 
tumsgeschichte, führte dies auch zu Ende, obgleich ihm die 
Unterstützung des Staates bald entzogen wurde. Schon dort 
veröffentlichte er Gedichte über des Vaterlandes Einheit und 
Freiheit. 

1853 heimkehrend, gründete er 1854 mit andern das bald 
unterdrückte Blatt „Vaterland", 1857 die „Eintracht'*, welche das 
Einigungswerk sehr förderte, und wurde im selbigen Jahre 
Staatsanwatt. 1859 in die Gesetzgebende Versammlung gewählt, 
wurde er auch zeitweiliger Justizminister, später Kultusminister, 
dann wieder Mitglied des Kassationshofes, dem er schon früher 
angehört. Er hat mit andern die Revista rominä gegründet 
und auch sonst für Blätter geschrieben, bis er 1887 starb. 

Gesammelt erschienen seine „Melodii intime" 1855, er 
singt darin, Freiheit, Gerechtigkeit, Liebe zu den Menschen 
wie zum Vaterlande, und besonders ergreifend das „Heimweh", 



1) Pantheon rom. I. ^) Dens. 244f. Sion, Vorr. der Poesii, 
Manliu, Gr. 107. Ant. 119. 



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— 83 — 

das ihn in der „mystischen Dämmerstunde*' überfallt und ihm 
das ferne Vaterland verzaubert. Am Schiasse heisst es: 

O lasst mich ziehn, o lasst mich heim! 
Wie bitter ist der Fremde Brot! 
Die fremde Luft erdrückt mich schier; 
Ich werde sterben — nur nicht hier! 

Vergleiche Herweghs : Er ist so kalt, der fremde Sonnen- 
ichein usw. Ähnlich das ,,Lied der Fremde*' und das ,,Lebe* 
iJTol an die Karpaten**: 

Ein Abend war es im November; 
Der Mond schien hell herab auf mich, 
Da zog ich über die Karpaten 
Und weinte, weinte bitterlich. 

Zu mir herauf aus fernem Tale 
Der Flöte Klageweise drang; 
Im Grunde rauschte die Prahova, 
Des Geiers Schrei vom Felsen klang. 

Es fand sich alles zu einander: 
Das Mondlicht glänzt' im Wasserfall, 
Es fand zum Geier sich das Weibchen, 
Zum Flötenklang der Widerhall. 

Nur ich ging einsam, da der Freunde 
Mich keiner auf den Weg gebracht — 
So sagt* ich weinend den Karpaten 
Und meiner Heimat Gute Nacht. 

Das Lied ist schön, doch würde es noch unmittelbarer 
wirken, wenn es in die Gegenwart versetzt wäre. Männlich- 
liraftvoll ist „eine Nacht in den Karpaten" : 

Rumänien soll frei sein! Drum lasst nicht ab vom Streit, 
So lang ihr lebt! Zur Ruhe ist noch im Grabe Zeit! 

Auch „die Gondel** ist ergreifend: Ein Paar geniesst der 
Liebe, worauf er das Brot zum Kentern bringt mit den 

.Worten; . 

6* 

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~ 84 — 

Nichts kann uns die Welt mehr bieten 
Najch der Liebe Hochgenu&s! 
So umschlungen lass uns sterben — 
Liebste komm, den letzten Kuss ! 

Also wie Kellers „Romeo und Julie auf dem Dorfe", nur 
yermisst man hier irgend welche Begründung dieses Schrittes 
sehr. ') 

Dagegen ist Teodor Georgescu, geboren 1832 zu Bu- 
curescht, mehr als Musiker denn als Dichter ausgezeichnet. 
Namentlich ist seine Sprache geradezu liederlich : „f5armanta 
damicela z. B. (Omagiul demicellihommage a mdmselle) könnte 
als sehr wirksame Verspottung der Französelei gelten. Den- 
noch trifft er hin und wieder Herzenstöne, so wenn er die 
Liebende, welche an der Tür des Liebsten harrt, sagen lässt: 

So lang' ich Mädchen, lebt' ich wie im Schlummer, 
Ich wandelte im Traume durch die Welt; 
Jetzt bin ich w^ach, doch Liebeslust und -kummer 
Mich jetzt in noch viel festern Banden hält. 

Ebenso wahr schildert er des Mannes Empfindung: 

Oft irrt dein Name über meine Lippen, 
Sehnsüchtig ruf ich dich — du hörst mich nicht; 
Ich möchte zu dir eilen, doch mein Hochmut, 
Er flüstert wieder, du begehrst mich nicht. 

Hübsch ist auch „Waldfahrt". „Die Sehnsucht" ist sehr 
leidenschaftlich; „DerLiebesschwur** ist eigentlich eine Werbung» 
Er redet viel von Göttinnen, Engeln und Sternen, die mit der 
Liebe nichts zu tun haben , die aber nach geheiligter Über- 
lieferung zu einem Liebesgedichte gehören. In diesem süss- 
lichen Tone ist Heines Einfluss sehr bemerklich: „Ich leide** 
ist nur eine Übersetzung von „Ach wüssten's die Blumen, die 
kleinen." 2) 

Im selben Jahre wurde Radu J o n e s c u ebenfalls zu Bucu- 
rescht geboren, und nachdem er die Schule zu St. Sava be- 
sucht, von Gönnern nach Paris geschickt, wo er sich mit Welt- 
weisheit und Schrifttums Wissenschaft beschäftigte. 



1) Manliu Ant. 157. Dens. 249. Con. lit. 21,567. 2) Pop. 2,296ff. 

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— 85 — 

Heimgekehrt, kämpfte er nachdrücklich für den Fortstchritt. 
Doch erlahmte sein Geist hald, und er starb schon Ende De- 
zember 1873 in Bucnrescht. 

Seine früher in' Blättern erschienenen Gedichte, im InhaH 
wie in der Sprache denen des vorigen ähnlich, hat er als 
cinturi intime ISÖ'i herausgegeben. In „dem Jahr 1853** er- 
klärt er: unsre Herzen, die schon längst verdorrt — womit 
seine Dichtung gerichtet ist. ') 

Ein gleiches Schicksal hatte der begabtere Nicolae Nico- 
leanu, geboren nicht zu Craiova, sondern zu Cemat, Sieben- 
bürgen,^) 9. 3. 1833, wurde er wegen seiner Begabung von Mit- 
bürgern nach Paris geschickt, von wo er jedoch bald zurück- 
kehren musste. Er brachte es bis zum Archivdirektor, aber 
schon 1868 wurden seine Geisteskräfte gelähmt , und er starb 
1871, fast von allen vergessen. Seine „Gedichte** seit 50, er- 
schienen 1865, 88 neu. Es sind wenige, aber besser als die 
Jonescus und ebenso elegisch, zum Teil düster, ja bitter, be- 
sonders über die Selbstsucht der Menschen , vor allem der 
Juden (La Moldova), die ihm wie Depuratzianu völlig fremd war? 
vgl. der Alte, die wahren Erwählten, ein Leid. So war ihm 
auch die Liebe zum Weibe eine Art Religion und die Ent- 
täuschung, die er hier erlebte, (s. das schöne („O ilusiune perduta *s 
scheint zu seinem Ende beigetragen zu haben. Doch war ^r 
voii Anfang an nervös und unbeständig.. Rührend ist 
ferner „Ein Opfer** (der Liebe), worin nur neu, dass das 
Kreuz der Armut Zeichen sein soll, umgekehrt „der Schmerz 
in der Brust der Enterbten ewiger Reichtum**. In „Sehnsucht 
und Schmerz** erhebt er sich über das Leid des einzelnen, zu 
dem des Vaterlandes. Auch hier muss der „Enterbte** ein- 
sehen, dass das Vaterland im Himmel, und die Freiheit nur 
im Grab, und dass die Grösse nur im Himmel, und die Tugend nur 
irii Grab. Selten hat er lichte Stunden : 

Ist ein blosser Traum das Leben, 
Kannst du dem, was dir beschieden, 
Nimmermehr entgehn hienieden — 
Wozu stets in Ängsten schweben? 
Lasst die vollen Becher schäumen, 
Bis zum Ende lasst uns träumen ! 



1) Pop 1,139. 2) Dens. 250. • : \ 

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— 86 — 

Auch er hat mehr französische Wörter als nötig , -wie- 
Jonescu. Seine Sprache ist oft hart ') 

Alexandru Sihleanu, gehören 1834 zu Bucurescht , ist 
1852 — 1855 in Paris ausgebildet und kehrte voii Kraft und 
Feuer heim, aber schon am 14. März 1857 rafite ihn eine 
tükische Krankheit in wenigen Tagen hin. Noch im selbe» 
Jahre wurden seine ^armonii intime" herausgegeben, 2. Auf- 
lage 1871. 

Auch ihm ist ein elegischer Zug eigen, so im „Fremden''» 
der Volkslied geworden ist. Per Schluss lautete 

Die Blume, die dem Stamme ward entrissen,' 
Auch an der Jungfrau Busen welkt sie hin; 
So welk* auch ich, mag nichts von Freuden wissen. 
Weil ich der Heimat, ach? so ferne bin. 

Gedenk* ich dein, o Mutter in der Ferne, 
Umdüstern trübe Wolken mir den Sinn; 
O komm, ein tröstend Wörtlein hört' ich gerne. 
Weil ich hier, ach! so ganz verlassen bin. 

Schön ist auch das Sonett: Siehst du den Strom? 
siehst du die Binse darin? Jener ist mein Leben, diese meine 
Seele, die in das öde Meer hinausgeschwemmt wird. Vergleiche 
den Wanderer von P. Soutso, Rangabe und Sanders, neugriech. 
Literaturgesch. 129. 

Diese Verse sind melodisch wie die Bolintineanus. Ein gleich 
tiefes Naturgefuhl spricht sich in Herbst und Wiedersehen aus. 

Doch ist er auch kraftvoller Töne fähig, so in „An das 
Vaterland**: 

Nun reiss vom Antlitz dir den Trauerschleier, 
Mein Vaterland, mit Bitternis genährt! usw. 

In andern Gedichten herrscht eine lebhafte Sinnlichkeit. ') 
Hier sei gleich erwähnt, dass er auch Romanzen, „der Nach- 
zehrer**, Strigoiul, und Balladen „Heide und Christ", aus den 
Türkenkriegen, verfasst hat. „Cismegiul" (Garten in Bucurescht), 
ist satirisch gefärbt. Alles das, wie auch seine Sprache zeigt^ 
dass er das Zeug zu einem grossen Dichter hatte. 



1) Velescu , Rev. n. 1, 441 der N. s frühere Gedichte neu heraus- 
gegeben hat ^) Manliu, Ant. 160. 



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— 87 — 

Gleichfalls jung starb der 1834 zu Bucurescht geborene Nicolae 
Georgescu ; *) er trat in das Heer und nahm 18Ö8 als Haupt- 
mann seinen Abschied. Wegen seiner Elegien, besonders aber als 
Stegreifdichter ausgezeichnet, starb er nach schwerer, lahger 
Krankheit 1866, worauf 1867 seine ,, Herbstblätter" erschienen. 

Ganz hübsch ist z. B. „unsere Nachbarin**, das auch von 
Bolintineanu gerühmt ist: 

Seh' ich, Nachbarin, du hold«, 

So gedankenvoll dich stehn. 

Fleh* ich: Herr, lass mich sie küssen, 

Und in Wonne dann vergehn. 

Im Traume bietet Gott ihm alles Wünschenswerte;« er 
aber bleibt bei seiner ersten Bitte. Ebenso hübsch ist »1^6 
Rosen und der Schmetterling**. Die Blumen klagen bei der 
Sonne über des Schmetterlings Küsse, worauf dieser erklärt, 
er wolle sich künftig mit einer begnügen , welche die Blätter 
erhebt. Alle Rosen tun dies und bekommen Dornen, sich zu 
wehren. Doch ist er auch ergreifender Töne fähig, so in der 
^Nonne**, die als junge Mutter zugleich Gatten und Kind 
verloren. 

Ebenso jung (1865) ist Alexandru Deparatzeanü^) 
(Daräpatzean) ') verstorben, der um 1835 zu Depara^i geboren, 
zu seiner Ausbildung Deutschland besuchte und dann, auf sein 
Gut heimgekehrt, eine Zeit lang Unterpräfekt war. Seiner Be- 
gabung und vornehmen Gesinnung wegen wurde er unter Cuza 
zum Abgeordneten gewählt. In „Sehnsucht und Liebe**, 1861 
erschienen, singt er diese beiden wie das Landleben, noch 
schwungvoller aber das Vaterland , dem er zur Auferstehung 
Glück wünscht und den Rat giebt, die Neider mit seinem 
Überflusse zu sättigen: 

Noch soll der Feind, der früher dich hat zertreten schier, 
Als Gottgleich dich erkennen: auf, lass sie unter dir! 

Doch weiss er, dass auch in seinem Lande nicht alles ist, wie 
es sein soll ; er hasst die Welt, besonders die Städte, wo jeder 
Henker oder Opfer sein muss, wo der Menschheit Leib von 



1) Pop 154. 2j eb. 156. 3) Dens. 250, verdruckt. 

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— 88 — 

Tausenden von Raubtieren zerfleischt wird, dass der Weise sicli 
davon abwenden muss (Frühling auf dem Lande). Ähnlich in: 
Nihil novi sub sole und besonders „In fine" und „Negrii**. 

So ist er der Dichter der Enttäuschung wie Eminescu, 
mit dessen erster Satire der „Pilger** grosse Ähnlichkeit hat : 

Doch Trümmerwerk und Schmutz nur ist dein Buch; 

Lies nur, zu sehen, ob von unsrem Elend 

Des Schicksals Rad mehr übrig lässt als Schmutz! 

Rührend ist: Die Mutter, welche den Kindern das letzte 
Brot teilt ; als diese fragen, was ihr bleibt, antwortet sie : Ihr ! 
Düstere Bilder ruft ihm auch der „Abbruch** eines Gebäudes 
wach. Nicht minder gefühlstief als gedankenreich, hat er noch 
stärker als die Liebe zur Natur und zu den „Enterbten** die 
zum Weibe empfunden und entsprechend ausgedrückt. Ver- 
gleiche „Cum a iubit D.** von D. Zamfircscu, doch ist er öfter 
zu wortreich und seine anfangs gute Sprache wird schliesslich 
(französisch) schlechter. *) 

A. M, Marienescü, geboren 1836 zu Lipova im Banat, 
studierte in Wien und Pest die Rechte, hat seit 55 in verschiedenen 
Blättern Gedichte veröffentlicht, darunter der ,, Rumäne*' mit 
dem Kehrreim : es giebt kein Land, kein Volk, keine Sprache, 
kurz nichts wie wir, das berühmte Geschlecht des Väterchen 
Traian, dessen Sprache ihm über die seinige geht. *) In Wirk- 
lichkeit ist er wie seinesgleichen, die als Auswüchse Jiier 
nicht Platz haben, die verkörperte Mittelmässigkeit. 

Ganz unbestimmbaren Alters sind Joan Catina, dessen 
Freiheitslieder 1848 viel gesungen wurden, gestorben zwischen 
1850 und 1860,*) und andere, von denen Sammlungen wie Do- 
rul, Docul tinerimei und die Blätter unter viel Mittelgut einzelnes 
gelungene enthalten. 

B. Erzählende Dichtung. 

Indem wir nun zur erzählenden Dichtung übergehen, be- 
gegnet uns zunächst Asaki, der 1856 „Die Zigeuner**, Idylle 
mit Liedern , und 1867 „Geschichtliche Novellen Bumäiuens*^, 
nicht Tolkstümlich genug, ausserdem in seinen Kalendern von 



1) Fam. 21,543 ff. ^ Pop 2,183. 3) Dens. 250. brieflicL 
Der jetzige J. C. in Buc. (Fam. 25, 502, Eev. N. ist ein anderer. 



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— 89 — 

1840 — 1867 manches hierhergehörige herausgegeben hat, doch 
ohne besondere Eigenart. 

Bedeutender auf diesen Gebiete ist A. Pann, der sich un- 
mittelbar an die zu Ende des vorigen Zeitraums Genannten als 
der wol fruchtbarste und gelesenste eigentliche Volksschriftsteller 
des Landes anschliesst. 

Geboren 1797 zu Slidven in Bulgarien als Sohn eines (ru- 
mänischen) Kesselflickers, wurde er 1812 nebst den Seinigen von 
den Bussen gefangen und als Spielmann in das Heer eingestellt^ 
wo er zu griechisch, türkisch und rumänisch auch russisch lernte. 
Doch wurde er 1826 fahnenflüchtig und liess sich als Eirchen- 
sänger und Musiklehrer in Kronstadt, wo er Barac kennen lernte, 
1828 in Bucurescht nieder. 1830 gab er „Die Sternengesänge** 
heraus, so genannt nach dem Sterne (der Weisen aus dem Morgen- 
lande), den die Sänger dieser Lieder mit sich führten. Durch 
den Erfolg des Buches ermuntert, begann er nun im ganzen 
Lande Lieder, Märchen uiid Sprüchwörter zu sammeln, ohne dar- 
über seine erspriessliche Lehrtätigkeit aufzugeben. 1847 be- 
gründete er eine eigene Druckerei, aus welcher er eine Menge 
volkstümlicher, musikalischer und kirchlicher Schriften hervor- 
gehen liess, bis er am 3. November 1854 starb, nach Bev. N. 4 
am 4. November. 

Abgesehen von der Übersetzung des (griechischen) lerotokrit 
gehört hierher „Der kluge Arghir**, „ßezetoare la ^ara", (ländliche 
Unterhaltung), „Die Streiche Nastratin Hogeas** (des türkischen 
Eulen spiegeis) und anderes aus seinen „Kalendern**. 

Der Inhalt gehört also grösstenteils dem Volke an, in Verse 
gebracht hat er ihn dagegen selbst. Dass er dabei den Volkston 
getroffen, zeigt der Erfolg. *) 

Diese Pflege des Volkstümlichen ist sein grosses und (ab- 
gesehen von der Musik) einziges Verdienst. Schöpferische Be- 
gabung fehlt ihm, und auch sein Formtalent ist nur massig. 

Ein ausführliches Verzeichnis seiner Werke R. N. 2, 361 ff. 

Ebenfalls gegen Ende des vorigen Jahrhunderts ist Con-* 
stantin Stamati geboren, Njeffe des Moldauer Erzbischofs 
Jacob St. Er hat in seinem Ciuber-Vodu volkstümliche Über- 
lieferungen verwebt.^) 



1) Dens. 269. Alecsandri Prosa 465. Manliu A. 235. ») Dens 
S. 258. A. C. Hurmuzaki, An. Acad. 3,91. 



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— 90 — 

Ferner hat er verfasst : Der Heide und seine Töchter r 
Sie bitten den Vater, der sich dem Bösen verschrieben, los. 
Das Märchen der Märchen 1841 ; Wunsch oder Traunogesicht 
1866. Seine Werke in Muza Romineascä 1868. Seine Prosa- 
ist schwach; er starb 1869.*) 

Eli ade hat eine unvollendete Mihaida (1848), eine No- 
vellensammlung (1847) u. a. hinterlassen. Besonders gelungen 
und echt volkstümlich ist sein Sburätorul (Alp) der die mann- 
bar gewordene Jungfrau plagt (vergleiche Romeo und Julia), 
was sie ihrer Mutter klagt. 

Constantin Aristia, griechischer Herkunft, ebenfalls zu 
Anfang des Jahrhunderts geboren, war 1821 unter Ipsilanti 
in den Fürstentümern tätig und blieb daselbst. £r unterstützte 
Campineanu bei der Gründung einer Bühne, übersetzte und 
spielte besonders Alfieris „Saul*'. 1848 Hauptmann der Natio- 
nalgarde, wurde er verbannt; 1850 heimberufen, wurde er 
Professor des Griechischen zu St. Sava und schrieb das- 
schmeichlerische „Prin^ul romin. Stande epice**, worin er sich 
selbst neben den Klassikern krönen lässt. 

Alecsandri hat diesen Schluss mit der Fabel vom Frosch 
und vom Ochsen abgefertigt, nachdem er das Ganze als Flick> 
werk zusammengeborgter Redensarten eingehend gekennzeichnet.^) 
Besser ist die Übersetzung von 6 Gesängen der Ilias, worin 
er kühne Wortzusammensetzungen bildete. 

Ebenfalls im Anfange des Jahrhunderts geboren ist A. Russo, 
(Rusu) Moldauer, erzogen in der Schweiz, wo er freiheitliche 
Gedichte schrieb (französisch). Um 1839 heimgekehrt, setzte 
er dies auf dem väterlichen Gute fort, sammelte auch Volks- 
lieder, doch ist alles verloren, bis auf sezetorile la ^ara, Rom. 
lit. 1851. 1843 wurde er Richter, obgleich er diesen Beruf 
nicht liebte. 1846 in der Heimat , 1848 in Ungarn einge- 
kerkert, verlor er die gute Laune nicht, schrieb geschichtliche 
Aufsätze, starb aber schon 1859. 

Wir kommen nun zu Constantin N e g r u z z i , und zwar zu 
seinen „Jugendsünden'' (Band 1 der Werke). 

Über die erste „Jugenderinnerung*', eine ergötzliche lehr- 
reiche Schilderung der damaligen Schulverhältnisse, müssen wir 
hinweggehen , um die folgenden etwas eingehender behandeln 

1) Brieflich; nach Manliu Ant. 143 u. &. 1870 (?). 2) Prosa 456' 

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- 91 — 

zu können. Sie sind nach der Reihenfolge ihrer Entstehung 
gedruckt und mögen auch so besprochen werden. 

Zoe, nach einer Begebenheit des Jahres 1827 verfasst, hat 
folgenden Inhalt: Die Heldin, schön, leidenschaftlich, aber 
ohne Erziehung und alleinstehend, erschiesst sich, nachdem 
Jancti, der ihr die Ehre geraubt, sie verlassen. 

Nach acht Monaten starb Jancu an Gehirnentzündung. 
Der Arzt fügte dieser Nachricht die Worte hinzu: ,,Er glaubte 
beständig Schüsse zu hören und ein blutiges Weib zu sehen, 
das ihn umarmen wollte. So seltsame Einbildungen erzeugt 
die Entartung des Gehirns. Das hätte eine hübsche Schrift 
gegeben, aber die Verwandten liessen die Leiche nicht unter- 
suchen". • 

Mit diesem milden Lächeln über die Kurzsichtigkeit des 
Menschen und der Ärzte insbesondere entlässt uns N., nachdem 
er uns hat wissen lassen, dass der Treubruch seine Sühne 
gefunden. 

Diese Erzählung erinnert in der Tat an Merimee, sowol 
die leichte Ironie hier und anderswo , wie gegen Ende : So 
musste der Sarg stillstehen, bis die Eitelkeit vorübergegangen 
war — als auch in dem fast geschäftsmässig kohlen Ton, wo- 
runter er zuweilen sein warmes Herz birgt; siehe Zoes 
Selbstmord. 

Diese Kühle wirkt um so ergreifender, fast grausam 
nach den unmittelbar vorhergehenden Abschiedszeilen an Jancu, 
dem sie ihren eigenen Tod verzeiht, nicht aber den ihres 
Kindes. In Merimees, „Le vase etrusque'* wird der Tod Saint- 
Olairs ebenso trocken unmittelbar nach dem so zart und warm 
geschilderten Stelldichein mitgeteilt. 

Höher jedoch noch als diese Vorzüge der Sprache und 
Form ist der sittliche Grundgedanke der Erzählung zu schätzen, 
in welcher die ausgleichende Gerechtigkeit so streng gewahrt 
wird wie nur in den besten Trauerspielen, während Merimee 
es mit derselben bekanntlich nicht immer so genau nimmt. In 
der Tat hätte man an „Zoe" nichts weiter auszusetzen, als dass 
die Vergangenheit der Heldin in der Form der Vorvergangen- 
heit nachgeholt wird. Vorher hiess es: sie war, und nun auf 
einmal : sie war gewesen. Man weiss, dass die grössten Dichter 
sich dies erlauben, vereinzelt selbst Homer: aber dies kann 



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' — 92 — 

trotzdem nur als ein Notbehelf, und zwar als ein recht un- 
dichterischer gelten , denn die Erzählung verliert so alle An- 
schaulichkeit , es ist fast, wie wenn der Vorbang — nämlich 
die inzwischen verstrichene Zeit — niedergelassen wird. Es 
war gewesen , und fürs Gewesene giebt der Jude bekanntlich 
nichts. Will man etwas nachtragen, so lege man es Personen 
in den Mund, *) was freilich schwieriger ist als dieser kühne 
Sprung von einer Zeitstufe zur andern. Zum Glück hat N. 
die Vorvergangenheit nicht seitenlang gebraucht, wie es g-e- 
wisse deutsche Schriftstellerinnen — vielleicht infolge einer 
Wahlverwandschaft mit dem Plusquamperfectum — lieben; 
sondern er geht wie Homer in der Schilderung des Bogens 
des Pandaros gleich in di^ einfache Vergangenheit über — 
allerdings mit dem sehr störenden : Hier eine Probe von Zoes 
Leidenschaft. 

Leider hat N., die Reihenfolge der Erzählungen als richtig 
vorausgesetzt, sich auf der Höhe „Zoes** nicht zu behaupten 
vermocht, wie das folgende „Wettrennen" zeigt 

Racovitza urteilt, dies Tagebuch sei mit scharfem Stift, 
mit viel Eleganz, und vielem Herzen geschrieben, und zieht das 
Wettrennen dem von Zola in „Nana'* beschriebenen . vor. ^) 
Das Urteil ist ziemlich richtig; nur müsste man sagen: zu viel 
Herz, so dass der Verstand und, was schlimmer ist, die Männ- 
lichkeit darunter leidet. Da auch Alecsandri diese Erzählung 
ebenso hoch stellt wie ,Zoe^ ist dies Urteil etwas näher zu 
begründen. 

Einem jungen Mädchen wie Zoe, das auf dem Lande ohne 
Weltkenntnis aufgewachsen ist, verzeiht man es, wenn es sich 
einem so vollendeten Lumpen hingiebt, wie Jancu im Grunde 
ist. • Wenn aber ein 26 jähriger gebildeter Mann sich von einer 
Frau B. nicht losreissen kann., so ist das eine bedauernswerte 
Schwäche; wenn er daneben einem unschuldigen Mädchen 
Liebe heuchelt, so ist das unverzeihlich. Hätte N. irgend 
einen andern so dargestellt , so würde niemand etwas darin 
finden ; dass er ganz unzweifelhaft sich selbst mit dieser wenig 

1) So z. B. Homer beim Stabe des Achill. Lessing hätte den Unter- 
schied zwischen dieser und der folgenden Homerstelle Laokoon XVI. 
bemerken können, dass nämlich jene Stelle musterhaft ist, diese 
nicht. 2) Conv. 1. 20, 289 ff. 



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— 93 — 

schmeichelhaften Schilderung meint, zeigt, wie widerstandslos 
er sich der Lehre Puschkin-Onegins ergeben, gleich denen er 

,,Wie Ritter Harold finster schmachtend 
Hinschreitet durch die schöne Welt,** 

ohne eigentlich zu wissen , wonach er schmachtet und was er 
überhaupt will , siehe seinen Entschluss ins Kloster zu gehen, 
der, wie die ganze Gestalt, lebhaft an Rene erinnert. Auch 
Onegin 1,34 kehrt bei N. wieder. 

Dann folgt ein kleines Sitten-, richtiger Unsittenbild, genau 
nach Pariser Muster, wie die Gesellschaft, die es zeichnet^ 
vielleicht nur übersetzt:*) „Andern ist es ebenso gegangen!'* 
sagt der Held, als er seine Freunde von der Tugend seiner 
Frau überzeugen will und einen Liebhaber bei ihr findet. 

Das folgende, Todiricä, ist eine gelungene satirische Be- 
arbeitung des Märchens vom Schmiede von Jüterbok. Der 
Held prellt nicht nur den Teufel um 12 Seelen (darunter den 
„Gedanken** von. Räubern, sondern bringt sie sogar durch seine 
Unverfrorenheit mit sich in den Himmel. Infolgedessen wurde 
das Blatt „Fortschritt" unterdrückt und Negruzzi verbannt. 
Nach Nadejde^) in seinem „Contimpuranul** Merimees „Fede- 
rigo**. Die Ähnlichkeit ist allerdings gross. 

Hiergegen fällt das letzte, „Die rumänischen Blumen**, 
merklich ab ; es enthält den Briefwechsel zweier Blumenfreunde» 
der damit schliesst, dass Negruzzi zur Hochzeit der beiden 
geladen wird. Die Sage vom Vergissmeinnicht im letzten Briefe 
ist das Beste. 

Es folgen die „Geschichtlichen Bruchstücke**. Durch 
Eliades Briefe veranlasst, begann er die Geschichte der Moldau 
aus Chroniken (Cron. 2. 181. Cogäln.) und den Schriften Can- 
temirs zu erforschen. Die erste Frucht dieser Studien war der 
„Junker Purice**, das erste rumänische Gedicht, das einen 
vaterländischen grossen Stoff behandelte , und das daher ge- 
waltigen Eindruck machte, sowol auf die Leser als auch auf 
die übrigen Schriftsteller, welcher Eindruck heute noch spür- 
bar ist. Wir müssen uns daher etwas näher mit der Dichtung 
beschäftigen. 



1) Näd. 465. 2) Doch s. Fam. 26, 151, ganz wie Todiricä. 

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— 94 — 
Der Anfang ist idyllisch: 

Fröhlich über grünen Saaten steigt die Lerche himmelan, 
TJnd mit süssen Liedern kündet sie des Lenzes Rückkehr an. 
Friedlich geht der Bauer wieder langsam hinter seinem Pflug. 
Pflügt den blutgetränkten Boden, der so lang nicht Früchte trug. 
Doch schon hat der Sohn der Moldau l&ngst vergessen alle Leiden; 
Liebeslieder singt der Hirte sQJhnsuchtsTolI auf grünen Weiden. 
Weh! er hat noch keine Ahnung, dass der Feind, den er geschlagen. 
Wieder will des Krieges Fackel in die schöne Moldau tragen! 

Diese Verse nennt Alecsandri bezaubernd, Racovitza er- 
klärt ihre klassische Schönheit der grössten Dichter für würdig, 
als die er — Virgil und Lamartine nennt. Wir finden diese 
Ausdrücke übertrieben. Es scheint mehr noch als die 3 ersten 
Verspaare der geschickte Übergang im letzten lobenswert. 
Denn nun geht es gleich mitten in die Sache hinein : 

Hroiot, der ungarischs Führer, besiegt den moldauischen 
Parcalab. Im letzten Augenblick kommt Stefan diesem zu 
Hilfe, und damit erreicht die kraftvolle Schilderung, die vorher 
zuweilen etwas ermüdet, ihren Höhepunkt, wie Alecsandri ganz 
fichtig bemerkt. Die Ungarn frohlocken schon siegestrunken, 
aber zugleich giebt Stefan seine Anordnungen, hält eine Anrede, 
die nur in anbetracht der sehr bedenklichen Lage des Parcalab 
noch etwas kürzer sein könnte^ und lässt angreifen: 

Wie ein Felsblock, niederstürzend von dem steilen Bergeshang, 
Tötet, niederknickt, zerschmettert seine ganze Bahn enüang; 
Häuser stürzen; Felder, Wiesen wühlt er auf; nicht Mensch noch Tier 
Widersteht; gleich einer Mücke ist zermalmt der stärkste Stier. 
Endlich trifft er graue Eichen, die sich mit dem Sturm gemessen 
Seit Jahrhunderten, von Menschen, von der Zeit fast selbst vergessen. 
Und in ihren Riesenarmen fangen sie den Stürmer auf — 
Mag ein Zweig, ein Ast auch brechen — hemmen seinen Todeslauf. 
Gegen ihre zähe Stärke nützt sein ungestümes Rasen 
Nichts —^ er prallt zurück und wühlt sich tief ein in den grünen Rasen. 
Und das Volk, das in dem Tale drunten starr vor Schrecken stand, 
Lobt den Herrn, der sie errettet von dem Tod mit starker Hand. — 
Oder wie ein Räuber nächtlich reitet hin durch Wald und Feld, 
Oierig hinter seiner Beute, der er lang schon nachgestellt; 
Froh, wie hinter Wolkenschleiem er die Sterne sieht erbleichen, 
Weil er so Gein ahnungsloses Opfer leichter kann beschleichen. 
Endlich^ wie er es erreicht hat, ausholt schon zum Todesstreiche — 
Da, da plötzlich vor ihm krachend fährt der Blitz in eine Eiche. 



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— 95 — 

Schnaubend springt das Ross beiseite, und der Räuber fasst erschrocken 
Seinen Hals mit beiden H&nden, während seine Pulse stocken. 
So erschrak Hroiot der Riuber, als er Stefans Heldenscharen 
Kaom ersah, die Gfcbon von früher nur zu wol bekannt ihm waren. 

Diese Stelle ist nicht nur Virgüs , sondern ohne Zweifel 
Homers wQrdig und das Beste, was Negruzzi gedichtet. Denn 
nicht in der geschickten Anordnung des Stoffes und in seiner 
Behandlung, noch gar in der vollendeten Sprache zeigt sich 
der Dichter als solcher — alles das kann man lernen — son- 
dern den Dichter macht die Gestaltungskraft, die Fähigkeit, 
uns die Dinge und Ereignisse vor Augen zu malen ; und das 
geschieht eben vorzüglich durch Vergleiche wie diese, bei 
denen die Begeisterung für den Gegenstand N. weit über seine 
gewöhnliche Leistungsfähigkeit hinausgehoben hat. Man muss 
sich daher wundern, dass Racovitza statt dieser Stelle die un- 
mittelbar vorhergehende Ansprache Stefans aufgenommen hat, 
die doch z. B. der Friedrichs des Grossen vor Leuthen an 
zündender Wirkung bedeutend nachsteht und an Heinrich IV 
erinnert. 

Vor diesem Ansturm wollen die Ungarn fliehen ; Hroiot 
aber mahnt sie Stefan zu töten. Sie stiirzen also verzweifelt 
auf des Helden Begleiter ein, erschiessen ihm sogar dss Pferd 
unter dem Leibe, aber die Umgebung harrt aus, und Stefan 
besteigt das Ross des Junkers Purice, der dem an Wuchs 
kleinen Helden als Fussbank dient. Dem erneuten Angriff 
weichen die Ungarn, und Stefan kommt gerade dazu, den 
Führer der Grenzwache sterben zu sehen, der ihm seine Gattin 
und Tochter anempfiehlt. Purice tötet Hroiot, bringt Stefan 
dessen Kopf, wird zur Erinnerung von Stefan Movila (Hügel) 
umgetauft — Purice ist rumänisch pulex — und bekommt die 
Tochter des Parcalab nebst fünf Gütern und Dörfern als 
Mitgifc. 

Das Gedicht ist von echt ritterlicher Frömmigkeit und 
Vaterlandsliebe durchweht; Rührendes ttnd Erschütterndes wech- 
seln miteinander bie zu dem völlig befriedigenden Ausgange, 
gegen welchen die Sprache freilich merklich sinkt. 

Nach diesem bedeutendsten, ja bahnbrechenden Werke 
Negruzzis können die folgenden nicht näher besprochen werden, 
da ihr Verdienst wesentlich in der allerdings geschickten, teils» 



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— 96 — 

besonders in Lapuschnean, ergänzenden und ergreifenden Wieder- 
gabe der Chroniken besteht. Ausserdem nahmen sie gegen 
das Ende so ab, dass das letzte eigentlich nur Tagebuchblätter 
sind. Über die (32, zum Teil ziemlich langen) Briefe, den 
Schluss des Bandes, müssen wir uns begnügen zu sagen, das» 
sie ein Zeugnis für Negruzzis verständige Ansichten von der 
Sprache, sowie kulturgeschichtlich wertvoll sind. Der 8. ent- 
hält eine wirklich gediegene Volkssage von der Herkunft der 
Zigeuner und offenbart nochmals Negruzzis ganze Erzählerkunst. 

Boliac gab 1852 zu Paris mit seinen vaterländischen 
Gedichten auch „Fürst Tudor Vladimirescu" heraus , wovon 
jedoch dasselbe gilt, dass er nämlich dem Gegenstande, der in 
jeder Beziehung eines grossen Dichters würdig wäre, sich nicht 
gewachsen gezeigt hat. 

Gleichfalls volkstümlich , doch vielseitiger war Nicolae 
Filimon, geboren zu Bucurescht 18t9. Er war als richtiger 
fahrender Schüler, d. h. er hat keine Schule besucht, stets im 
Gefolge A. Pans, der damals mit Nänescu und Chiosea Sohn 
in den Gärten der Stadt die Bojarensöhne, bzw. ihre Geliebten 
mit neuen Liedern versah, und wusste stets, wo es das beste 
Essen und Trinken gab. Stimmbegabt, wurde er Kirchensänger,. 
Schauspielrecensent , trat dann in das Kultusministerium und 
wurde Archivdirektor. Er hat seine Reise durch Süddeutsch- 
land und Norditalien teils langweilig, teils geistreich beschrieben, 
und damit sein Glück gemacht, auch gute Theaterkritiken für 
den „National*' 1858 flf. geliefert. 

Seine Hauptwerke sind jedoch die erzählenden „Mateo 
Cipriani**, gleich dem früheren „Frederic Staps" ein freiheit- 
schwärmender Werther, „Bergamo", Donizettis Leben, „Slujni- 
carii*', Vorstadtsgigerl, 1861, und vor allem „Ciocoii vechi ^i 
noüi" (Alte und neue Emporkömmlinge), 1863, worin er zwar 
kein Kunstwerk, aber doch einen sehr wertvollen Beitrag für 
die zeitgenössische Kulturgeschichte hinterlassen hat. Für die 
kunstlose Anlage entschädigt die lebhafte Schilderung, die feine 
Ironie und der Mangel jedes fremden Einflusses. Nur in einigen 
Nebenpersonen und am Schlüsse tritt der Zug zum Roman- 
tischen wieder hervor: Dinu, der seinen Brotherrn Tiizluc um 
sein Vermögen und (damit) um seine Geliebte gebracht, wird 
entlarvt, verurteilt und zugleich mit seinem im Wahnsinn ge- 

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- 97 — 

storbenen Opfer begraben. Filimon starb plötzlich 1865 an 
einem Brustleiden. *) Er schildert einseitig, Begabung schwach.^) 

Alecsandri hat in diesem Zeiträume wenig erwähnenswertes. 
Neumond, Pope Andrii usw. sind nur Nachahmungen oder Bear- 
beitungen volkstümlicher Stoffe; wegen der Form zu loben ist 
Groza (Schrecken), dessen Tod niemand beweint. Da tritt ein 
Greis zur Leiche, berichtet eine Woltat des Grausamen, und 
das Volk ruft: Gott verzeihe ihm! Auf die Widersprüche hier 
und anderswo hat Nädejde hingewiesen.*) Auch Marioara 
Fiorioara gehört eigentlich hierher > wie Banul Maracinä u. a. 
siehe A. 

Doch können wir uns bei den einzelnen Gedichten nicht 
länger aufhalten, sondern müssen uns den Erzählungen in un- 
gebundener Rede zuwenden. 

Die erste, 1840 in der Dacia Hterarä erschienen, ist die 
„Blumenhändlerin von Florenz^', als welche sich eine vor- 
nehme, von einem eifersüchtigen Alten bewachte Florentinerin 
verkleidet, die ihren (halbverrückten) Maler nach manchen 
Abenteuern auch bekommt. Die Sprache ist noch steif und 
schleppend, vielfach hohle Redensarten. Rev. N. 4, 281. 

Höher steht schon „die Geschichte eines Dukatens"*, welche 
dieser einer türkischen Para (Kupfermünze) erzählt. Besonders 
ergreifend ist das Schicksal der schönen Zigeunerin Zamfira, 
die verkauft, von ihrem Geliebten aus der Gewalt des nichts-, 
nutzigen Herrn befreit und von diesem aufgespürt wird, wo- 
rauf jener ihn erschlägt. Als er gehängt ist, wird Zamfira 
wahnsinnig. 

Im selben Jahre (1844) ist die folgende Schilderung Jassis 
geschrieben , worin der Dichter (wie Negruzzi im 29. Briefe) 
das Überhandnehmen der Fremden , besonders der .luden , be- 
klagt. Das Froschlied am Ende ist nicht minder ergötzlich als 
die Ode an den „perspiring frog" in den Pickwickiern. 

Eine Ergänzung hierzu bildet das folgende : Ein Salon in 
Jassi , worin die Frauen sehr reizend geschildert sind ; die 
Männer kommen zum Teil desto schlechter weg, besonders L. 
und V. im 3. Auftritte , die sich versprechen , bei den Tänze- 



1) Ghica, Briefe ^1. ^ S. Nädejde 471. s) s. 468. 

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— 98 — 

rinnen für einander ein gutes Wort einzulegen und sich dafür 
gegenseitig schlecht machen, doch werden sie durchschaut. — 
Das Ganze, übrigens Bruchstück, hat von der Bühnendichtung 
nur die Form, nicht das Wesen, denn es enthält mehr Schilde- 
rung als Handlung. 

Ebenfalls 1844 ist „Eine Gebirgsreise" erschienen, 1845 
„Borsec** (Bad) , 1848 „Balta-albä**, wo ein junger Franzose 
die adligen Schönen splitternackt mit den Männern baden sieht. 
Am Abend sieht er sie in den kostbarsten Kleidern auf dem 
Ball im Cäsino, und hört sie das beste Pariser Französisch 
reden, so dass er zu träumen glaubt. (Deutsch in der Wiener 
N. Freien Presse, April 1888) 

Fast ebenso anziehend ist die folgende Beschreibung der 
(1853 unternommenen) „Reise nach Afrika*". Endlich „Ein Er- 
lebnis aus dem Jahre 1848*', worin er seine Teilnahme am 
Aufstände schilderte, sich hier wie überall als scharfen Beob- 
achter und flotten Erzähler erweisend, dem die gute Laune in 
der Wüste so wenig ausgeht wie auf dem Grunde der See. 
Näheres Eingehen würde zu weit führen. 

P e 1 i m o n hat 1848 „die Schlacht bei Cälugareni** (in Versen), 
)854 die komische Heldendichtung „Tandalida*" herausgegeben, 
„Reiseeindrücke aus Rumänien** 1859, „Taten der Helden^, 
„Gedichtsammlung** 1857, „Traian in Dakien**, erz. Dichtung, 
1860, auch Romane, „Die Räuber und der Pilger** 1853, „Der 
Arme und der Reiche** 1856. Auch G. Sion hat Reiseerinne- 
rungen aus Bessarabien 1857, u. a. hierher gehörige ver- 
öffentlicht. 

Bolintinean dagegen erfordert auch als erzählender 
Dichter eine nähere Besprechung , obgleich er hier nicht so 
uneingeschränktes Lob verdient wie oben. Der Grund ist eben, 
dass er ver allem Gefühlsdichter ist, daher leiht er seinen Em- 
pfindungen öfter an Stellen Ausdruck, wohin sie nicht gehören, 
sofern die Handlung dadurch unterbrochen und die Wirkung 
des erzählenden Gedichtes als solchen beeinträchtigt wird. 
Ganz unerhört ist dies z. B. im Aprodul Purice der Fall, wo 
in 8 Zeilen die Lage geschildert wird ; dann redet Stefan über 



1) Prosa, Bacur. 1876. 

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— 99 — 

^ie Vergänglichkeit des Menschen wie ganzer Völker 28 Zeilen, 
Endlich der Schluss: 

Spricht es. steigt zu Ross und schlägt den Feind, 
Doch Purice hiess seitdem Moviiä. 

'Derselbe beiläufig, den Negruzzi behandelt hatte. Doch ist 
Bolintinean zu entschuldigen, da selbst Alecsandri den grossen 
'Stefan in\ „Roten Walde'* eine noch bedeutendere Zungenfertig- 
ke\t entwickeln lässt. 

Solche rumänischen Grosstaten bilden den Hauptinhalt des 
•ersten Abschnittes , der „Legindc istorice'* oder Balladen. So 
:sehr diese aber dazu beigetragen, die vaterländische Gesinnung 
dm Volke zu beleben, so kühl lassen sie uns im ganzen, ob- 
gleich ich manches schöne darin gefunden und übersetzt habe, 
-wofür hier jedoch kein Raum ist: Marioara, Maria Putoianea, 
•die Fürstin, das Mädchen Ton Cozia (Heldenweiber), Michael 
'beim Waldhüter usw. Viele davon werden gesungen, soweit es 
flumätien giebt. ^) 

Ausser diesen sind noch hervorzuheben : Schwester Anna, 
«die eingemauert wird , weil sie ein Kind verhext haben soll ; 
Daniel der Einsiedler, der den kampfesmuden Stefan an seine 
Pflicht erinnert (Leben Stefans S. 85), wie der deutsche Abt 
König Heinrich ; Miron Costin , der am Sterbebette seiner 
Schwester ermordet wird; Bogdan in Polen, dem die Prinzess 
Elisabeth geopfert werden soll. Als er ans Tor pocht, tritt sie 
ihm entgegen und sagt, ^ie habe sich aus Liebe zu einem 
•andern vergiftet; die Macht des Gesanges, die den allzu eifer- 
süchtigen Fürsten bewegt seiner Gattin zu verzeihen , die ein 
Ritter knieend um — eine Hofdame gebeten, u. a. 

Am Ende folgt ein umfangreiches Gedicht: Andrei (in der 
Albina .Pindului 1, 124 als Einnahme von Rustschuk etwas 
anders erschienen), das näheres Eingehen verdient. 

L 

Andrei liebt die schöne Maria und verabschiedet sich von 
ihr, um sich im Kriege einen Namen zu erwerben; er be- 
schwört sie , ihm treu zu bleiben , sie beruhigt ihn , und er 
geht. — 



1) Fam. 1, 17 f. Hier und sonst steht als Geburt^ahr 26. 

7* 

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— 100 — ' 

Der Pascha ruht in der belagerten Stadt am Busen einer 
Sklavin , eine Freundin fragt seine schöne Tochter Bulbula, 
was ihr fehle. Sie aber darf es nicht sagen,* denn sie ist in 
Andrei verliebt^ der sie, die gefangen war, ihrem Vater ritter- 
lich wieder zugesandt hat. 

II. 

Plötzlich wird Nikopolis angegriffen, wobei uns der Dichter 
belehrt, dass der Krieg ihm lieber sei als Geiz und Verräterei. 
Nachdem er so neue Kräfte gesammelt, schildert er die Er- 
stürmung der Stadt, wobei der Pascha neben seinen Söhnen 
nUt; seine Geliebte wird gefangen. Da erinnert sich Andrei 
der Bulbula, eilt zum Harem und findet ihn in Flammen, seine 
Bewohneriunen daneben barfuss im Schnee stehend. Dann 
folgt ein feuriges Lob der , Krone der Schöpfung' — nur müsste 
sie etwas weniger flatterhaft sein. Andrei, der seltene Vogel,, 
weiss dies noch nicht, kehrt berühmt und glücklich heim, be- 
gleitet von einem treuen Neger, und begiebt sich, nachdem er 
seine Mutter begrüsst , zu Maria. Als er laute Musik )iört, 
fürchtet er, sie sei tot — da sieht er sie am Arm eines andern 
Sein Haar erbleicht, er tritt ein und fragt, warum sie ihn ver- 
kauft; sie erwidert, sie kenne ihn nicht, da fällt er tot zu 
Boden. Der Uochzeitszug Marias begegnet seiner Leiche, wel- 
cher der junge Neger folgt, der an seinem Grabe tot gefunden 
wird, es ist — Bulbula. — Abgesehen von den hier unpassen- 
den Gefühlsergüssen wunderschön, wie die besten Troubadour- 
mären, mit denen die Dichtung einige Ähnlichkeit hat — nur 
wird ein siegreicher Feldherr schwerlich so leicht sterben. 

Deir folgende Abschnitt, „die Bosporblumen", bietet auch 
in den erzählenden Gedichten das Beste, was der Dichter ge- 
leistet, doch stört auch hier zuweilen übel angebrachte Red- 
seligkeit, wie in ,,Leili** die Klage über die Unterdrücker. 

Meisterstücke sind dagegen Rabie, Mehrube, Kis Kulessi 
(Mädchenturm, vgl. Dornröschen) Gulfar, Fatme. 

Auch in den „Märchen*' am Ende dieses Bandes finden 
sich noch gelungene Balladen, so die ergreifende Sage von 
Mihnea und der Alten , wie er denn unter dieser Überschrift 
alles mögliche durcheinanderwirft, s. A. Die eigentlichen Mär- 
chen sind am wenigsten gelungen, weil dem Dichter seine be- 
deutende Eigenart hier, wo nur schlichte Wiedergabe gefordert 



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— 101 — 

wird, im Wege stand. So redet er gleich im „Lorbeermäd- 
chen** von einer ,. blonden Königin der Nacht*', und meint 
den Mond ; trotz einem Arkadier — geradezu eine Geschmack- 
losigkeit. 

Aus dem 2. Bande gehört hierher besonders „Zioara**, 
siehe „um die Erde**, S. 99 und Rangabe und Sanders, a. a. O. 
Seite 121. 

Lazarescu hat einen politischen Roman „Stroe Corbea- 
nul** geschrieben. V. A. Urechia, *) Missail, Aricescu, Baronzi 
o. a. vieles, das jedoch hier nicht Raum hat. 



c, Bflhnendichtuiig. 

Die Anfänge des rumänischen Schauspiels haben wir im 
vorigen Abschnitte schon erwähnt, und bemerkt, dass Asaki 
auch hier voranging. Er hat verfasst oder überarbeitet „La- 
peirus** (Kotzebues 37), ,,Norma** (Bellinis 38), „der verlorene 
Sohn** und „der Erzieher** (39), dann noch vaterländische 
Schauspiele: „Elena Dragosch**, „Petru Raresch'*, „Buts Turm**, 
Voikitza, Melodram. 

1836 bewilligte M. Sturza dem Jassier Konservatorium 
für Musik und Schauspielkunst eine Unterstützung, so dass 
23. 2. 37 die erste Vorstellung gegeben werden konnte. Doch 
wurde die Unterstützung noch im selben Jahre eingezogen, 
wobei es trotz einer von 30 Bojaren unterzeichneten Ein- 
gabe blieb. ^) 

Der walachische Asaki, Eliade, hat nur übersetzt: Byrons 
„Marino Falieri** 1838, „Don Juan** 1847 und „Speronaro** 1847. 

Aber diese Bemühungen konnten keinen rechten Erfolg 
haben, 1) weil die gewählten Stücke für den damaligen Stand 
der Durchschnittsbildung zu hoch waren, 2) was damit zusam- 
menhängt, weil es an geeigneten Kräften zur Darstellung und 
Verwaltung fehlte. Beides fand sich in seltener Weise in 
Millo vereinigt, der in dieser Beziehung der Gründer der rumä- 
nischen Bühne geworden ist, weshalb wir ihn zunächst be- 
sprechen wollen. 



1) Pop 1, 223. 2) Burada: Cercetäri asupra Consefvatoriului 
dm Ja^i 36-38. Jassi, 88. 



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— 102 — 

Matei Millo, getiorcn in der Moldau 18 13 als Sohn eine» 
Bojaren erster Klasse, trat auf Wunsch der Verwandten 1830 
in das Ministerium ein. Doch hielt er es in der Kanzleiluft nicht 
aus und ging nach Paris, vfo er 11 Jahre die Bühnen und 
Schauspieler studierte. Heimgekehrt, wollte er das Gelernte* 
auf der Jassier Bühne verwerten, aber sein Oheim, der Minister 
war, gestattete ihm nach langen Bemühungen nur die Leitung 
zu übernehmen, die er 2 Jahre führte. Endlich jedoch konnte 
er dem innern Drange nicht mehr widerstehen und trat, allen 
Vorurteilen trotzend, auf. Da seine Verwandten jedoch das. 
Haus mit ihren Dienern füllten, welche den Beifall auf Befehl 
niederzischten, ging er nach Bucurescht, wo er mit kurzen 
Unterbrechungen bis 1868 spielte, zuweilen noch jetzt (1891), 
stets zum grössten Vergnügen der Hörer, weil er der erste 
war, der sich ihren Anschauungen und ihrem Geschmacke') an- 
zupassen wusste. 

Nach Alecsandri^) hätte er dies schon um 18S5 getan, 
indem er eine Bühne eingerichtet und darauf seine Erstlings- 
stückc „Der romantische Dichter** und „Postelnic Sandu Gurcä*^' 
aufführte. Da Iseine Mitspieler, junge Schreiber und dgl. von 
Musik nichts verstanden, gab er die Oper, mit welcher Asaki 
sich abquälte, auf, auch die Übersetzungen, worin der Bettler 
dieselbe geschraubte Sprache redete wie der Fürst und z. B. 
die Liebhaberin sich freut ein Hühnchen (poulet-LiebesbrieO zu 
bekommen. ') Dgl. bot den Zuschauern Carageali, der mit einer 
Gesellschaft von Bucurescht nach Jassi gekommen war und ^er 
Chemiker T. Stamali , der strebsame Kanzlisten zur Schau- 
spielkunst an- oder verleitete. Dass es dabei auf Zeit- und 
Ortswidrigkeiten wie Schiesspulver im Altertum, Wettrennen 
auf den Kanälen Venedigs nicht ankam, versteht sich von 
selbst. Dem gegenüber bot Millo, der jetzt seine Denkwürdig- 
keiten niederschreibt, 6 Bde.,*) zunächst die einfachsten und 
volkstümlichsten Sachen , wie sie sowohl für seine Zuschauer,, 
als auch für die Mitspieler, die anfangs buchstäblich die Wände 
(Schiebwände) einrannten, passten, und suchte so jene wie 
diese allmälich zu heben. Er selbst hat ausser den Genannten* 



1) Darüber V. G. Mortzun in Cestii teatrale, GontimporanuU 
Jahrg. 5. ^) Teatru 1, Vff. «) eb. XI. *) Farn. 28. 2ö4. 



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— 103 — 

und vielen andern, die nicht veröffentlicht sind, noch verfasst: 
„Nicschorescu**, „Bettler Tuzu**, „Kiritza auf der Wiener Aus- 
stellung'*, „Baba Harca" usw. Es fehlt ihnen freilich Stil, Ver- 
wicklung und Charaktere, doch sind sie witzig und möglich.') 
Auch werden Gebr. Foureaux 1832 und Conservator filarmonic 
in der Moldau erwähnt, jedoch als belanglos ;^) vgl. C. Negruzzis 
Schilderung Farn. 22j 257. S. u. Campimana. 

Becht in Zug kamdie Sache freilich erst, als die Regie- 
rung um 1840 C. Negruzzi, Alecsandri und M. Kogälniceanu 
zu einem Ausschuss für die rumänische Bühne ernannte — 
ohne sich im übrigen weiter um sie zu kümmern. Die drei 
bemühten sich also zunächst eine leidliche Ausstattung zu be- 
schaffen, damit Waldstücke nicht mehr auf Strassen aufgeführt 
zu werden brauchten ^), sie gründeten eine Schule für die be- 
gabteren Schauspieler, wo sie Näherinnen und dgl. das Beneh- 
men von Herzoginnen beizubringen suchten usw.; sie schrieben 
endlich Stücke , die dem Verständnisse der Spieler und der 
Hörer angemessen waren. 

So verfasste C. Negruzzi ausser dem verlorenen „Boket, 
Vater und Sohn** *) zwei erhaltene : 2 Bauern und 5 Hammel : 
Erstere wetten letztere, die der verliert, dessen Frau untreu 
ist. Sie horchen, werden von ihren Frauen genasführt und zur 
Abbitte gezwungen. — Die Muse von Burdujeni, ein alter 
Blaustrumpf, entlässt einen alten, treuen Liebhaber, um eine 
bessere Partie zu machen, wird jedoch von einem Schauspieler 
gröblich genarrt. Ebenfalls ohne Kunsiwert. 

Boliac schrieb 1836 das erste rumänische Schauspiel 
,,Matilde**, nicht besser als seine Gedichte. 

M. Kogälniceanu hat als Mitglied des erwähnten Aus- 
schusses für die Bühne geschrieben, und zwar „der glückliche 
Blinde**, welches Stück freilich verloren ist. 

Nicolae Istrati ist 1818 in der Moldau geboren, wo er 
sich auch selbst ausgebildet hat. — Er schrieb das Drama in 
Versen „Mihul*' (1850), das schöne lyrische Stellen enthält, 
und 1860 „Babilonia romineascä'* farsä filologicä. ^) 

Im selben Jahre ist Dr. Barasch zu Brody geboren; der 



i)Nädejde471.Rev.N. 3,205. 2)Eb. 3) AI. Teatru Xü f. *) eb. VI. 
«) Pop 1, 196. 



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— 104 — 

ausser naturwissenschaftlichen Werken und Zeitschriften sowie 
dem „Israelital romin*' „Debora", Melodram in 4 Aufzügen, 
verfasst hat (1858). ') 

Alle diese aber kommen kaum in Betracht gegen Alec- 
sandri, den fruchtbarsten und nach der Meinung seiner Lands- 
leute begabtesten Bühnendichter Rumäniens. Auch von ihm 
sind die Erstlingsstücke, die er im erwähnten Ausschusse ge- 
schrieben, verloren: „Der Freimaurer von Hirläu** und „Be- 
amter und Schneiderin*'. Das meiste und jedenfalls Wertvollste 
ist jedoch in den 4 Bänden erhalten, die 1875 in Bueurescht 
erschienen sind. 

Im Anfange des ersten teilt er einige Briefe mit, welche 
es ermöglichen die nach Arten geschiedenen und seitsanier* 
w^eise nicht nach der Reihenfolge ihrer Entstehung gedruckten 
(s. Böse Elfen) Stücke zu ordnen. Im ersten Briefe schildert 
er zunächst, mit welchem Mistrauen die aus Westeuropa heim- 
gekehrten „Bonjuristi, duelgii oder pantalonari**, angesehen 
wurden. So hiessen sie, weil sie mit „Guten Tag** grüssten, 
statt „küsse die Fusssohlen**, weil sie geringschätzige Behand- 
lung mit Forderungen erwiderten und so die Lehren von 
Gleichheit und Brüderlichkeit betätigten, was gegenüber der 
fanario tischen Wilkür und Klassenherrschaft vor allem not tat. 
Diese wird nebst den Juden im 2. Briefe weiter geschildert 
und gezeigt, welche Fülle von lächerlichen Zügen und Gestalten 
das Land damals bot. 

Im 3. Briefe (1844) kündigt er dann an, dass er zwei der 
dem Ganzen schädlichsten Züge aufs Korn genommen: l) die 
fremdäüchtige Verachtung alles Heimischen; 2) die Unter- 
drückung der öffentlichen Meinung. Ersteres, Fehler des Volkes, 
jedoch der oberen Klassen in ,,Jorg von Sadagura*'; letzteres, 
F<*bler der Regierung, in „Jassi im Carneval**. 

Der Inhalt des ersten ist kurz folgender: 1) Jörg heim- 
kehrend , klagt über den Mangel an Bildung und Kochkunst, 
2) kommt schliesslich ins Schuldgefängnis, 3) wird Hanswurst 
und infolge seiner Geistesgegenwart wieder zu Gnaden ange- 
nommen. 

Eigentlich ist der Verlorne das nicht wert, muss man sagen. 



1) Eb. 110. 

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— 105 — 

Im übrigen ist das Stück schon ziemlich geschickt angelegt; 
nur das Selbstgespräch im Anfang des 2. A. erinnert allzusehr 
an Earipides' Anfänge. ,,Jorg** wurde so beliebt, dass der 
Held sprichwörtlich geworden, nämlich als Verächter des Vater- 
landes und Lump überhaupt. Man scheint demnach seiner 
Besserung nicht zu trauen; und in der Tat ist dieselbe nur 
oberflächlich mehr aufgepfropft als aus dem Charakter heraus- 
gewachsen. Um diesen aus solcher Erniedrigung aufzurütteln, 
bedurfte es eines sehr kräftigen Mittels, und ein solches bot sich 
in der Erwähnung seiner Geliebten am Ende. Alecsandri bat 
sich jedoch dies Mittel völlig entgehen lassen, so dass der 
Charakter des Helden oder seine Entwickelung als verfehlt 
gelten muss. 

In diesem Gefühle scheint der Dichter , dem Jörg der 
Deutschen, „Baron** Klein Schwabe beigegeben zu haben, der 
sich als Gaukler ganz wol befindet, und für den die zweifel- 
hafte Gahitza, deren Jörg bald satt wird, gut genug ist. Aber 
ein Lump wird dadurch nicht besser, dass es noch grössere 
Lumpen giebt. 

Befriedigender wirkt „Jassi im Karnewal", ein Karnewais- 
scherz, worin einer den andern narrt, die Polizei lächerlich ge- 
macht und am Ende bloss gestellt wird , auch buchstäblich, 
nämlich bei der allgemeinen Abnahme der Masken. 

Dieser Schluss ist sehr wirkungsvoll. Die Rolle Tarsitzas 
erinnert hier etwas an die „Muse von Burdujeni" bei Negruzzi; 
die Gestalten aber sind äusserst gelungen, sowol die Vertreter 
der alten Zeit : das würdige Ehepaar , der Maulheld von Poli- 
zisten und der ehrliche Provinzler Vadrä, als die jungen Liebes- 
paare ; besonders Kati ist ebenso fesch wie ihre Freundin 
Marghiolitza schüchtern und mädchenhaft. 

Somit wurde der Hauptzweck des Lustspiels, die Unter- 
haltung der Hörer, ebenso voUkomnien erreicht, wie der poli- 
tische Zweck im besondern. Bei Alecus Liede verliess ein^. 
hohe Person entrüstet das Haus, die Polizei wollte die Vor- 
stellung unterbrechen, wagte es jedoch gegenüber der drohen- 
den Haltung der „Bonjuristi" nicht, sondern wich so tapfer 
wie Sabiutza, und die öffentliche Meinung behauptete das Feld. 

Noch im selben Jahre aufgeführt und also auch wol ver- 
fasst ist der Schwank „die Gläubiger". Die Schauspielerin 



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— 106 — 

Aglaia sperrt die Gläubiger ihres Geliebten in dessen WohnaD§^ 
ein, mit dem Versprechen sie zu bezahlen; denn sie hat einen 
alten Anbeter dorthin bestellt. Als dieser kommt, bezahlt er 
alles, in der Meinung, es seien Aglaias Schulden, worauf die 
beiden aus der Vorstellung heimkehren und ihm, als er sein 
Geld wieder verlangt, den Liebesbrief zeigen. Damit seine 
Frau nichts erfährt, macht er gute Miene zum bösen Spiel und 
erhält ihn zurück. Besonders ergötzlich wirkt das Sprachen- 
gewirr der Gläubiger: deutsch, französisch, armenisch und 
russisch. 

Wol noch im selben Jahre verfasst, wenigstens 1845 auf- 
geführt ist die „M^ette'\ das erste der Vaudcvilles, die den 
2. Band füllen. Es ist dieselbe Geschichte, die Prosa S. 222 ff. 
erzählt wird, nur ausgeführter (durch Hinzufügung der Base 
und Nicus), die sich ebenfalls bekommen, nachdem der yoq 
seiner Gattin Genarrte und Bekehrte jenen fast erwürgt hat. 

Hier ist die Un Wahrscheinlichkeit, dass die Gatten einander 
nicht gleich an der Stimme erkennen, noch grösser als im 
vorigen Stücke, weil der Mann hier ja auf Streiche seiner Frau 
gefasst sein musste. Waren dort die Jungen günstiger ge- 
schildert als die Alten, so hier die Frau gegenüber dem Manne 
der nur ausgelacht wird. Freilich ist dies das Klügste, was 
sie tun kann, aber dazu ist die Sache (Treubruch) eigentlich 
zu ernst. 

Im 4. Briefe, Anfang 1847 in Palermo geschrieben, kün- 
digt er dem Freunde an, dass er zur Erheiterung der leidenden 
Frau N. eilends ein Stück „der Stein im Hause"' verfasst habe, 
das diese herzlose Bezeichnung der unverheirateten Töchter 
geissein sollte. „Der Stein im Hause'' ist nur eine Burleske. 
Die oft wiederholten Verwechselungen sind auch hier nicht 
recht glaublich; am Ende von 14 muss Marg. leise sprechen, 
sonst hört Leonil sie. Nicu , der sogar seine Liebeserklärung 
auswendig lernen muss, erinnert an Moliere. Das ist zu dick 
aufgetragen; ein solcher kann nicht heiraten. Der kuppelnde 
Arzt ist natürlich ein Deutscher. 

Scharf, aber im Grunde richtig, nennt die Rev. N. 3, 293 ff., 
nachdem sie die früheren Stücke als Hanswurstiaden bezeichnet» 
dies einfach Unsinn. 



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— 107 — 

Im 5. Briefe kündigt Alecsandri den vollständigen Erfolg 
der „Bauernhochzeit*' an , die zum besten der Armen am 
3. Februar 1848 aufgeführt wurde. 

Das Stuck ist sehr unbedeutend. Seinen Erfolg ver- 
dankte es einmal der kläglichen Rolle, welche der verhasste 
Grieche spielt (weshalb Alecsandri hier seinen deutschen Leib< 
hund nicht gebraucht); vielleicht aber noch mehr dem umstände» 
dass die schönsten und vornehmsten Fräulein in der male- 
rischen Brautjungferntracht mitwirkten. 

Wenige Wochen darauf brach die Empörung aus, die 
Alecsandri der Feder längere Zeit fern hielt. Aber schon 1860 
wurde „Kiritza in Jassi** aufgeführt 

1. Aufzug. Eiritza lernt unterwegs 2 Glucksritter kennen 
und überlässt ihnen ihre Töchter, die sie in Jassi besser ver- 
heiraten will. Sie erzählt dies ihrer Freundin Afin , die dort 
„zufällig'* einen Polizisten getroffen, der aufmerksam zuhört. 

2. Aufzug. Eiritza bereitet sich und die Töchter zum Ball 
und weist Afins Warnungen betreffs der Glucksritter ab. Diese 
stöbern inzwischen Ausweise über die Mitgift auf, und da sie 
ihnen genügt, erklären sie sich, mit Kiritzas Segen. 

3. Aufzug. Kiritza kommt zum Ball (bei der Afin) zu früh, 
wird ins Teater geschickt; ihr Söhnchen Gulitza lässt 'sich in- 
zwischen von der schnoddrigen Lulutza Aün aufs grausamste 
verspotten. Ihr scharfer' Blick bemerkt auch, dass die beiden 
eben erklärten Verlobten falsch spielen, worauf der Hausfreund 
Polizeivorsteher sie verhaftet. Eiritza wird ohnmächtig, ihr 
Gatte kommt, erweckt sie mit einer Ohrfeige und schleppt 
sie heim. 

Auch hier sind die Farben, namentlich bei der Heldin, 
deren Halbbildung und Grossmannssucht sprichwörtlich wurde, 
zu stark aufgetragen. Wen das aber nicht stört, der wird an 
dem Stücke grosses Gefallen finden; es hat sich daher lange 
als bühnenwirksam bewährt, bis auf die letzte Zeit, wo es keine 
Kiritza mehr giebt. 

Nadejde wirft S. 469 Alecsandri vor, er habe hier wie im 
Jörg die „bonjuri^ti'" schlecht gemacht. Im Jörg trifft dies 
zu, er hat eben in Paris nur das Schlechte gelernt. Von den 
beiden Glücksrittern aber ist nicht gesagt, dass sie in der 
Fremde gewesen (soviel ich mich entsinne, habe es nicht zur 



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— 108 — 

Hand); gegen diese Behauptung spricht aber auch Jassi 
im Kam. 

1851 wurde „Zwei Tote lebendig" aufgeführt, nur eine, 
besonders Im Anfang (s, d. Selbstgespräch) nicht verbessernde, 
jedoch im ganzen den Verhältnissen entsprechende und um 
mehr oder minder gute Witze bereicherte Umarbeitung von 
„L'homme blase** Duverts und Lausannes, auf welche wir hier 
nicht weiter einzugehen haben. 

Wir gehen also gleich zur Fortsetzung des vorigen über, 
,»Eiritza in der Provinz**, 1852 aufgeführt, 

1. Aufzug. Eiritza zeigt sich hier noch mehr als Haus- 
drache, steht in einem bedenklich nahen Verhältnis zum Haus- 
lehrer und wird fast toll vor Freude, als sie erfahrt, dass ihr 
Gatte Ispravnik geworden. Lulu Afin, welche sie als Waise 
bei sich aufgenommen, um sie sich zur Schwiegertochter zu 
erziehen, lacht den Gulitza aus und vergnügt sich dann mifc 
ihrem Leon, den Kiritza hinauswerfen will. 

2. Aufzug. Leon kommt verkleidet, um den bestechlichen 
Ispravnik zu ersetzen, erklärt Kiritza seine Liebe, bekommt ihr 
Bild, und beredet Lulu dann mit ihm zu entfliehen. Kiritza 
kommt, wird wütend, er erinnert sie kühl an ihr Bild; Lulu 
stellt sich wahnsinnig; muss aber trotzdem Gulitzas einstudierte 
Liebeserklärung anhören und lässt ihn Gehorsam schwören 
und üben, während Leon sich von der Amtsführung des Haus- 
herrn überzeugt. Als sie mit Gulitza verlobt wird , kommt er 
als Frau wieder und offenbart sich dann. 

Von diesem Stücke gilt dasselbe wie vom ersteren: die 
Charaktere sind flott und durchweg komisch, aber nicht selten 
an das Niedrig-komische streifend, so H. 7 das stete: „Hast 
du gesehen?*' und 13 die Prügelei. Mit der Verwicklung, 
der Anlage der Handlung dagegen hat es sich Alecsandri auch 
hier zu leicht gemacht. 

1852 wurde auch Kir Zuliaridi aufgeführt, im wesent- 
lichen wieder Bearbeitung, und zwar von „Le tigre de Ben- 
gale** von E. Brisebare und Marc-Michel. Doch hat Alecsandri 
hier die lobenswerte Änderung vorgenommen , den Ehebruch 
Aurelies zu streichen und dafür der Afrodite eine Schwester 
zu geben. 

Wir reihen hieran am besten den ersten Band, der in den 



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— 109 — 

Fünfziger und Anfang der Sechziger entstanden ist, wie sieh 
aus dem 8. Briefe ergiebt; eine Jahreszahl tragen nur wenige. 

Der Band zerfällt in 3 Abteilungen, die auch wir geison- 
dert bebandeln wollen: 1) Can^onete comice oder Einzelge- 
spräche; in allen kommen mehr oder weniger gute Witie vor, 
denn sie sind genau nach der Natur geschildert. Für die 
Kunst haben sie keinen Wert, um so mehr för die Kulturge- 
schichte, wie Alecsandri dies auch im Briefe ausspricht. 

Die 2. Abteilung „Sccnete" enthält 1) den „Kuchen- 
händier'', dem jemand zu Kunden verhilft, indem er ausstreut, 
Stan sei zum Minister bestellt, denn „keine Dummheit ist so 
gross, dass sie nicht Gläubige fände'* — mehr wahr als schmeichel- 
haft für die Hörer. 2) ,«Die Marketenderin'' schildert« wie die 
Heldin beim Einmarsch in Bessarabien einen Liebhaber abblitzen 
lässt, um mit Offizieren schön zu tun. 3) ,yPacalä und Tandale ' 
endlich, die berühmten Märchenhelden (s. C. Negruzzi, Brief 12). 
Letzterer ist gegen die Vereinigung der Fürstentümer, weil 
dies eine Zurücksetzung seines Jassi wäre; doch lässt er sich 
vom ersteren eine» bessern belehren. * 

Die 3. Abteilung enthält Operetten, deren erste „Die 
Katzentreppe'' 1850 aufgeführt ist. 

Zu der schönen Witwe Anica, deren Trauerjahr nächstena 
endigt, kommt ihr Vetter Ghitza, nochmals um sie zu werben, 
begegnet auf der Hintertreppe dem ihr heimlich vermalten Mag- 
dian und muss zum Schaden noch den Spott nehmen. 

Auch hier ist manches zu toll, besonders Ghitzas Unver- 
stand, den auch seine Verliebtheit nicht ganz entschuldigt. 

Im „Neumond", in Musik gesetzt von Ciprian Porumbescu^ 
wird Leon, der die Tochter des Ispravnik entfuhrt, von Lands- 
leuten aufgenommen, vom Vater verfolgt, von einem Trunkenen 
verraten, da kommt ein Brief, nicht er habe unterschlagen, 
sondern des Ispravniks Sohn. Leon liest diesen Brief dem 
Ispravnik vor, da dieser seine Brille verloren, und droht ihn 
laut vorzulesen, wenn er ihm nicht seine Tochter gäbe, was 
jener dann tut. 

Die Arien, besonders im 4. Auftritte, sind sehr opernhaft^ 
durchaus nicht volkstümlich, was sie wol sein sollen. 

„Grundsitzer Hartzä" stört die schöne Liebeserklärung 
«eines Nachbarn Bursuflescu (Schwülster), worüber dessen Ge- 



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— 110 — 

liebte erbost den Ankauf des Nachbargütchens fordert Er tut 
es, und als er Mariuca das Leinen beschmutzt, wird er von 
ihr darin eingewickelt, Ton. Hartzä verlacht, zieht das Messer, 
das jener als seins bezeichnet, Mariuca aber beim Gartendieb- 
dtahl verloren. £r muss seinen Grundsitz daher für 500 Frank 
ablassen. Doch bekommt Mariuca das Messer durch Tarsitza 
wieder, da sie diese mit einem andern hatte liebeln sehen und 
das Burs. zu offenbaren drohte. Als letzterer die 500 zahlen 
will, fordert Hartzä, das Messer zeigend, 10500 und giebt 
Tarsitza Winke , so dass ihr Liebhaber dies und noch ' einen 
Weinberg herausrücken muss. ^ 

Auch hier ist die Komik sehr,h in und wieder zu kräftig, 
Tarsitza ist eine neue Auflage der Gahitza aus Jörg von 
Sadagura. 

An dieses Dorfstück schliessen sich passend die beiden 
anderen „Cinel-Ciner' oder das Rätsel, spielt 58. Junge Mäd- 
eben vornehmer Herkunft spielen mit einem hübschen Burschen ; 
der alte Sandu findet dies unpassend und erlaubt ihm sich eine 
Frau unter ihnen zu wählen, lässt auch gleich den Geistlichen 
kommen. Graur, dem die Wahl schwer wird, giebt ein Rätsel 
auf; wer es löst, solle ihn haben. Florica tut es und erlöst 
•die Herrschaften, die anfangen sich ungemütlich zu fühlen. 

Ganz hübsch, bis auf Sandus Selbstgespräch im 2. Auf- 
tritte, wieder im Stile des Euripides, wie im Anfang von Hartzä 
und öfter. 

Das folgende „Die bösen Elfen'", spielt 1860. 

Die jungen Frauen des Dorfes verschwören sich gegen 
ihre unsoliden Männer, die sich zur Arbeit für zu gut halten, 
weil der neue Ortsverwalter und Schulmeister Galuscus ihnen: 
gesagt, sie seien Enkel des Kaisers Traian. 

Susanne bestellt ihn in Weiberkleidern, um seine Verliebt- 
heit zu narren, nachts zu sich, ebenso den Präfekten, als dieser 
gekommen, um im Namen der Freiheit das Gefängnis bauen zu 
lassen. Nachbarinnen aber hören das, wollen sie überraschen; 
auch die Bauern ziehen aus um die Elfen zu fangen und be- 
kommen die beiden Verkleideten ins Netz. Da kommt Nach- 
richt, der Präfekt sei abgesetzt, und die Bauern ziehen zur 
Schenke. 

Hier ist also auch ihm das politische Geschwätz, zumal 



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— 111 — 

von Traians Enkeln, zu viel geworden, weshalb die beiden bei 
ihrer Werbung, besonders aber in der Verkleidung so lächer- 
lich wie möglich gemacht werden und der ländlichen Unschuld 
glänzend unterliegen. 

Ebenfalls gegen Ende der Fünfziger ist der 4. Band 
„Drame*' yerfasst, das erste 1858. ,.Cetatea Neam^ului'* wird 
'von 18 Rumänen gegen Sobieskis ganzes Heer verteidigt, muss 
sich jedoch ergeben, als das Pulver verbraucht ist. Sobieski 
will sie töten, lässt sich jedoch an sein Wort erinnern. 

Das Ganze ist die Tatsache , welche Negruzzi erzählt , in 
Ciesprächsform gebracht, weiter nichts. 

Um so bedeutender ist das folgende: „Die ländlichen 
Blutsauger^, aber nur eine (uneingestandene) Einbürgerung von 
L'usurier de village. *) 

Jani ist in seiner Art sehr gelungen, ein Schurke in grossem 
Stil, der uns , zumal gegenüber dem erbärmlichen Moise , der 
noch einen Rest von Gewissen besitzt, eine gewisse Achtung 
abnötigt. Während dieser jammert, dass Gavril sie entdecken 
möchte, ersticht ihn Jani einfach, er nimmt die Mariuca , weil - 
sie reicher ist als die Zimmermanns witwe — kurz, er ist über 
alle menschlichen Regungen hinaus, Geiz, Herrschsucht und Neid 
beherrschen ihn ausschliesslich. 

Obgleich der Aufbau schwach ist, die Lösung im letzten 
Augenblick schablonenhaft, hat das Stück doch wenigstens 
etwas künstlerischen Wert, den ihm Rcv^ N. a. a. O. völlig 
abspricht. 

Ebenfalls 1860 spielt das letzte Stück ,,Der verschwende- 
rische Geizhals*', worin die Städter nicht viel besser weg- 
kommen als im vorigen der Grieche und der Jude. 

Antohi enterbt seinen Pflegesohn Polidor, weil dieser sich 
^betrinkt, während er jenen nebenan im Sterben glaubt, bringt 
das Seine in liederlicher Gesellschaft durch und fällt dann in 
einem Zweikampfe, den er für Polidor ausficht. 

Auch hier wie im vorigen liegt die Einheit nur im Helden, 
fiicht in der Handlung, doch entschädigt die vorzügliche Cha- 
rakterzeichnung, worin alle Hauptvertreter der damaligen Ge- 
sellschaft ihr Fett bekommen, ganz besonders aber die Ver- 



1) Nädejde 470. 

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— 112 — 

treter der Freiheit, Gleichheit usw., die damals allerdings, der 
Abschaum aus allen Ländern, nach Rumänien strömten. Der 
einzige Lichtpunkt ist Mascha, die Tochter des russischen 
Eisenfressers, von der man nur nicht begreift, wie sie einen so 
vollendeten Lumpen wiä Polidor nehmen kann, der aus seinen 
Gattenrechten ein Teilhabergeschsft machen will, wie Rufinescu 
dies getan. Man kann ihr da nicht verdenken, dass sie sich 
von dem auch etwas leichtsinnigen aber doch anständigeren 
Duducescu entführen lässt. 

Auf dies Stüök bezieht sich wohl besonders Eminescus 
herber Tadel, Famil. 6 , 25 ff. Alecsandri aber musste auf 
seine Hörer Rücksicht nehmen, und suchte sie durch Vorführung 
ihrer Schwächen zu bessern, was seine Mängel entschuldigt. 

Aus diesem Sumpfe versetzt uns auf lichte Höhen „Con- 
cina** ohne Jahreszahl, aber wohl auch um 1860 entstanden. 

Die Prinzessin verteidigt ihrem alten Freunde, dem Doktor» 
gegenüber dem Fortschritt und insbesondere dessen Tochter, 
die sich heimlich vermalt hat. Als er seufzt: „Warum gleicht 
Lina nicht Ihnen!** erzählt sie ihm, wie sie ungefragt 
einem Greise verheiratet, diesen bald verloren und 19 Jahr 
alt in Neapel mit einem hübschen Sänger eine nächtliche See- 
fahrt unternommen. An dem Liede erkennt der Doktor seine 
damalige Begleiterin, will sie umarmen, sie aber weist ihn an 
Lina, die eben eingetreten, mit den Worten: „In unserm Alter 
darf man nur noch seine Kinder umarmen !** 

Ein kleines Kabinetstück , von elegischem Hauche über- 
weht, wie eine Herbstlandschaft von Mariensommer. 

ßei den übrigen Dichtern dieses Zeitraums müssen wir 
uns um so kürzer fassen, denn sie kommen gegen Alecsandri 
kaum inbetracht. 

A. Russo hat 1846 „Jigni^erul Vadrä** vertasst, worin ein 
Bauer singt: Von Fokscham bis Dorohoi — Nichts im Lande 
als Ciocoi (Schufte). Deshalb wurde Russo und selbst die 
Schauspieler eingesperrt. 

Pelimon hat „den Sohn des Abgesetzten** 1851, den „Hof 
des Fürsten Vasile** und „die moldauische Schauspielerin** 1852 
velrfasst; „Ketli oder die Heimkehr in die Schweiz** 1852 ist 
Bearbeitung. Sion hat manches Französische übersetzt , auch 



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— 113 — 

aoch Lüstspiele verfasst , so 69 „Moralischer Einfluss'*, *) '{des 
Ministers , durch welchen Optimescu nicht gewählt wird , was 
seine Fran wünscht. Sie hat dem Bürgermeister ihren Schmuck 
gegeben ; er entfährt ihr dafür ihre überspannte Nichte.) Hierin 
ist die Komik derb, die eitle Zinca aber ist gut. Taut schrieb 
„Hilfe zur rechten Zeit", 63; Aricescu in den Fünfzigern; 
^Neaga rea** (böse Schmollende), „der Freiwerber** u. a. ' 

VasileManiu, geb. 18. 12. 1824 als Sohn eines Orosskaufmanns 
zo Lngosch im Banat, studierte in Pest und gründete dort eine 
scbonwissenschaftliehe Gesellschaft. 47 ging er nach Bucu- 
rescht, nahm an der Bewegung von 48 teil und musste sich 
nach Siebenburgen zurückziehen. Hier trat er tapfer für die 
Rechte der Rumänen gegen die Ungarn ein und setzte dies 
auch fort, nachdem er Sachwalter in Bucurescht geworden. 

Er hat ausser politischen Streitschriften und Aufsätzen 
wozu auch istor. crit. despre originea Rom., 3 Bde, gehört, 
ein beklatschtes, aber schwaches Trauerspiel verfasst: Amelia 
oder das Opfer der Liebe.*) 

Baronzi hat ausser Übersetzungen auch ein eigenes Schau- 
spiel geschrieben: Mateiu Basarab, 58. 

G. Läzärescuhat verfasst: Georgiu, VaudeTitle, und Sanuto, 
Schauspiel 1851, Maler Maxim, Melodr. 58. 



D. Lehrdichtung. 

1. Fabeln. 

Indem wir zur Lehrdichtung übergehen, beginnen wir mit 
der Fabel , die vielfach behandelt ist , meist natürlich nur ge- 
sammelt oder übersetzt. So von Asachi, dessen Fabeln freilich erst 
1862 erschienen sind. Die meisten sind bekannt, hübsch ist z. B. 
^Glocke und Klöppel". „Die Welt*' ist keine Fabel, sondern 
Allegorie. ') 

So auch von P an „Wanderer und Eichel" u. s. w. Doch 
hat er auch eigene, mindestens solche, die wir anderswo nicht 
gefunden, so vom „alten Pferde^, das mit einer bunten Decke 
den Laufpass bekommt; der Löwe hält es für ein Untier und 
flieht. Die Nutzanwendung ist die: Glaubt nicht an Gespenster! 



1) Albina Pindului 1, 34. 79 als: Deputat. §i Candidat. 77: La 
Plevna. ^) Farn. 8, 1. 3) eb. 7, 457. 

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- 11* -^ 

, Noch alUäglicber ist die : Geschichte von den beiden 
Lehrern, von denen nur der strengere etwas erreicht. 

Dergleichen scheint er selbst verfa^^t zu haben ;> wenigstens 
steht es ganz auf einer Stufe mit den cintari niprale, die er 
den „Sterngesängen** angefügt hat, und worin er z. B. die. Liebe 
mit einer Blume auf dem Tische vergleicht, auch ist <ier unter- 
schied gegenüber den witzigen, oft beissenden Sprichwörtern, 
weiche die „Poveiitea vorbei** noch enth&lt, unverkennbar. 
.Wenn auch viele, von diesen sich mit denei^ anderer, zumal der 
Nachbarvölker berühren, wie wir an einigen Beispielen gezeigt. *) 
so ist doch die Mehrzahl echt rumänisch, weshalb Alecsaadri 
dieses Werk, 3 bändig, wiederholt gedruckt, als Pans Haupt- 
leistung bezeichnet.*) , 

1798 ist George Saulescuin der Moldau geboren. Er hat 
ausser Lehrbüchern 1835 auch „Fabein und Allegorien** heraus- 
gegeben,') auch die falsche Chronik Uurus „entdeckt", , die er 
Alelieicht selbst verfasst hat^), gestorben um 1880. 

G. St am atis Fabeln sind gut, „das gestrandete Bpot** ist 
vielleicht durch Schillers Sinnspruch: „In den Ozean : treibt** 
u. s. w. veranlasst; vorzüglich sind die „Gänse**, die sich auf ihre 
Ahnen, die Kapitolsretter, berufen, aber doch nur Gänse sind. 

1806 ist Alexandru Donici in Bessarabien geboren, Daqh 
dem Brauche der Zeit in Russland erzogen, doch wurde er 
kein williges Werkzeug für. die Eroberungspläne desselben, wie 
so viele andere Bojaren. ' Er war Beisitzer, später Vorsitzender 
des Appellationsgerichtshofes zu Jassi, wo er 66 starb. 

Er hiat 91 Fabeln geschrieben, in denen jedoch gleichfalls 
das Neue nicht besonders geistreich und das Geistreiche nicht 
neu ist, das meiste nach Krylof; dazu ist die Sprache z. T. 
•schleppend , Folge seiner Erziehung. Hübsch ist die Fabel 
vom Eichhörnchen, dem der Löwe für seine treuen Dienste 
einen Wagen voll Nüsse verspricht. Doch bekommt der treue 
iMener sie erst, nachdem er altersschwach und zahnlos ent- 
lassenist. Andere hat er geändert: die Knaben und diel^uss; 
der Affe' und die Katzen -usw., ahdere endlich einfach übersetzt : 



1) Zeitschrift fOr roman. Philologie 15, 111. a) Prosa 474. 3) 0. 
lit. 81, 96&. *) Dens; 157. ' ^ 



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— 115 — 

Füchy imd Trauben^ Richter Wolf^ der sterbende: L5w« tu a. 
die -all^ uralt sind. 

Ausserdem hat Donici Puschkins ^Zig^euner*" und mit ^C 
Negruzzi Kantemirs Satiren übersetzt.*} 

' Letiterer hat von Kantemir auch Fabeln übersetzt, die Pop 
«Ttämlich .als ursprünglich ausgiebt, ^) was hier beiläufig be^ 
merkt sei. 

Auch B älaee 8 cu hat recht hübsche Fabeln herausgegeben, 
4845 leihen Band, enthaltendes Lustspiel: Eine gute Erziehtin^, 
<tediehte, Sinnsprüche und Fabeln ; doch leistet er nur in Humor 
und. Satire 'etifras. So die Fabel vom Esel und Affen, Tom 
Bauern, der einen Fisch kauft und ihn am Schwänze beriecht. 
Vom Fischer an den Kopf verwiesen» erwidert er, er wolle 
nicht wissen, ob der Karpfen überhaupt rieche, sondern ob über- 
haupt noch etwas gutes daran sei. 

Koch besser ist folgendes Sinngedicht: 

Wie steht die bescheidene Rede : 

Dumm seist du, dir schön zu Qesicht! 

Du ftagst es und willst «s nicht glauben/ 

Ich glaub' es und sag' es dir nicht. i' 

i ■ ■ ■ » . • . 

In einem später erschienenen Bande findet sich das scharf 

satirische: Mach mich, Väterchen, dir. gleich, worin ein Bauer 
seinem Sohne die „Wunder** Buknreschts zeigt.') 

A 1 e X a n d r e 8 c u steht im Ruf, die besten Fabeln geschrieben 
^u haben. Out sind allerdings „Hund und Esel,** mit welchem 
sich der Vertreter Russlands getroffen fühlte, „Ochs und Kali>**, 
„Das Maultier**, das, sich der Mutter rühmt, „Das befreite 
.Schweif**, das für die Freiheit dankt, wenn es seine Nahrung 
nicht nehmen darf, wo es sie findet und wenn die andern 
nicht gleichfalls frei werden. Wie hier die Freiheit, so ver- 
spottet er die Gleichheit (der Emporkömmlinge) in „Hund und 
Köter*'. Jener will mit Löwen, nicht aber mit diesem Brüder- 
schaft schliessen. Das Beste aber ist nur übersetzt: Katze 
und Mäuse, das auf die Landesverräter gemünze Beil und 
Wald (Phädrus, Fabeln, Anhang 5) und der zärtliche Esel (die 
Dummen und Schmeichler, ebenda 10, von Burman). 

~i)rPop 1, 186. Manliu, ant. 52, C. Negruzzi, Brief 31 ^) 1, 191. 
3) Äöv. K. 4, 122ff, C. at. 8, Heft 7. Manliu, Ant. 156. ; 

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— 116 — 

.Ganz bübseh ist aucb ^die Qänse des lieben GottM*^: 
Ein Junge will Herrgott sein, man gebt mit ihm zur Kirche, 
da die Gaosebirtin mitgeht, moss er als lieber Gott selbst die 
Gänse hüten, wodurch er geheilt wird. 

uA.ucb Gretzeanu hat Fabeln geschrieben. ErgotzUöh ist 
die yöm «^gehörnten Hasen **, der einpackt, als der Bär alle 
Hörnerträger verbannt: Gewaltherrschern sei n}cht zu trauen. 
• Alexis an dri hat einige Fabeln verfasst, so Bd. 1 Suvenire 
7, .8. Bd. 9, Varia, 10, 17 sind nur übersetzt; 9 ist .eine 
giftige SaUre auf den rumänischen Landtag, Suyen. Z6 ebenfalls 
mehr satirisch, 6 humoristisch. S. Schrattenthal: V. A . ;;., Lpzg. 
.85, nach P. Dulf: AI. müködese a romän irodalom teren Klaus. 81. 

2. Satiren. 

Wir gehen nun zu den eigentlichen Satiren über ;• im 
weiteren Sinne gehören ja auch die Fabeln dazu. 

Eliade hat eine satirische Allegorie ,^Mäciesul*' verfasst» 
aus Anlass des Sieges der Kammer über den Fürsten Bibescu 
und dessen Schützling, den Russen Trandalilof, der 5000 
russische Bergarbeiter einführen wollte, 49, worin der West- 
sturm den Weissdorn (Russen) davonweht. ') Satire §i fabule 84 
Buc' Äiich seine Tandälida enthält neben Persönlichem wirk- 
liche Satire. Das gleiche gilt von vielen Schriften A. Pans 
und C. Negruzzis Todirica. *^* 

Alexandrescu hat ausser politisch-satirischen Fabeln auch 
literarische Satiren verfasst, die zum Teil recht giftig sind. 
'So der „ß rief an Voltaire", an dessen Schlüsse er die rumäni- 
schen Dichter durchhechelt. Ähnlich bitter ist „das Bekennt- 
nis eines . Abtrünnigen** und „Adio**. Der „Brief an A B II** 
und die ^Satire meines Geistes'* wenden sich ebenso scharf 
gegen gesellschaftliche Schäden. 

t)ie rein politische Satire hat CA. Roseti eingeführt, der 
einen Band derselben herausgegeben. •) 

Istrati richtete seine „Satiren*' ebenfalls gegen unwiirdige, 
eigennützige Staats- und Kirchenbeanite; man kann auch, sein 
„runiänisches Babel** hierherziehen. 

1) Ohica, Br. 692- Dim. A. Sturza, Rev. N. 1. 241 ff. s. Farn. 8, 
227 ff, 17,562L ^) Bolintineanu, Albina Pindului 1, 91. 



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— 117 — 

Das« auch Alecsandri besonders in seinen Lustspielen 

«ine starke satirische Ader 2eigt, haben wir oben gesehen. > v 

In vorzüglich Tolksttimlichem Tone sind Täuts Satiren ge- 

lialten, besonders R^spopa , Egumenul, AristocratnL (^Junker 

und Pfaffen*") und ,,Bin ich nicht civilisiert?** Es schliesst: 

Schreie Freiheit stets und Gleichheit, 

Doch von Herzen komtat^s mir nicht, 

Weil der Stimme meines Herzens 

Lumpengleichheit widerspricht. 

Sammle Stimmen, dass zum Landtag 

Man mich nächstens deputiert; 

(Hab' ich dann doch Grund zu gähnen!) 

Bin ich nicht civilisiert? 

■ > 

Bin im Kartenspielen Meister. 

Und zum Trotz der ganzen Welt 
Setz' ich kühn ai^ jede Karte^ 
Wenn man's nicht für möglich halt. 
Hab' die Gläubiger nach Noten 
Manchesmal schon angeschmiert ; 
Sie bezahlen! — Kein Gedanke! 
Bin ich nicht civilisiert? 

Gut ist auch ,,I\feine Brille** (die alles verschönert). ') 
Ungefähr gleich ak ist D. Däscälescu, der 56 seine humo- 
ristisch-satirischen ».Briefe aus dem Tzintzarenlande** (in Versen) 
jlierausgab. ^) 

Baronzis ^Satiren ** erschienen dagegen erst 1867. Haben 
die Erfahrungen, welche Bolintineanu als Minister .^ind nach 
seinem Sturze machte, den eigentlichen Dichter in ihm fast 
getötet , so haben sie dagegen den Satiriker in ihm . erst recht 
«rweckt Freilich tragen auch diese späteren die Spuren der 
atemlosen Hast, in welcher er schliesslich schreiben musste; 
«s sind entweder gereimte Leitartikel, oder sie haften an Per- 
sönlichkeiten und Kleini|^eitQn, so die in den Blättern nEume- 
niden**, ^ Bolin tineaden 66, und ^Mänaden**. Besser shid die 
früheren aus der „Nemesis**, 1861, besonders die .^Nachrichten 
aus der Hölle** und die «Sachwalter** (Rechtsverdreher).*) . » 



1) Fam. 15, 365. ^ Dens. S. 268. 3) pam. 8, 428i 

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— 118 — 

• Auch Oräschan, geboren 88» hat ebenso gesellschaftliche 
wie staatliche Misstande gegeisselt, so dass- im Gegensalse ib 
BolintineaBU' seine übrigen Leistungen, Gedichte »Frühlings- 
bluten*"/ 54, hiergegen zurücktreten. So ersehienen 57 voä 
ihm: „Die Taufe Filfisons in Balta*Limto% »Die Reue Filfiions*'^ 
„Drei Märchenprinzen*', „Der Ideenmarkt^; auch „die Geheim- 
nisse der Vorstädte** kann man . hierherziehen. Dann gab er 
Witzblätter heraus : „Der Tzintzar**, „Spiridusch**, „Nikipercea**» 
„Dornen**, „Asmodi** und den „Kamm**, 68 gab er „Talmesch- 
Palmesch** (ChariTari, bunte Schüssel) heraus und arbeitete 
dann auch an ernsten Blättern mit wie „Rominia^. Neue Ausg. 
in 3 Bdn. 90, in welchem Jahre er auch starb. 

Denselben Zweck verfolgte Niculeanu im „Satyrul*', de» 
er 66 mit leitete. Seine Satire ist bitter. 



E Wissenschaftliches. 

Staatswissenschaft. 

Wir schliessen an die durchweg politische Satire die 
Politiker. 

Der vorzüglichste Redner und trotz aller Verfolgungen nie 
entmutigte Verteidiger der Rechte seines Landes und Volkes» 
daheim wie in Paris und London, war Joan Gämpineano. 

1831 folgte er dem Rufe zur Fahne, wurde bald Major 
und erlangte solches Ansehen, dass er allein zu Plojescht einen 
Aufstand des hungernden Volkes stillte. Er wurde dafür 
Ministerialdirektor und 88 nach seines Bruders Constäntin Tode 
Herr des bedeutenden Vermögens, das er als Gründer und 
Haupt der „IPhilharmonischen Gesellschaft*' zu Bucürescjit zum 
Nutzen des vaterländischen Gedankens und Schrifttums und der 
Bühne verwandte, indem er, der nie ein Buch geschrieben, dife 
anderer drucken liess und Anfänger sonstwie förderte. Beson- 
ders aber seine Reden gegen die Übergriffe der russischen 
Schutzherrschaft in der Allgemeinen Versammlung (Landtag) 
von 85 — ^39 begeisterten das ganze Land. 

48 schien seihe Sendung erfüllt; die abermalige Unter- 
drückung des Landes; die Verbannung seiner Freunde und vor 



J) Pop Ij Ul. 

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— IIÖ — 

alliexn der Tod seiner Gattin (an der Cholera) wafen für ihn 
jedoch Schläge, von denen er sich nicht mehr erholt hat. 
Zwar lebte er noch bis 68 ; aber sein Geist war gestört. *) 

Etwas jünger ist Simeon Barnnti(iu), geb. 21. 6. a. Stils 
1808 zu Bocscha-rominä in Siebenbürgen als Sohn des Schul- 
meisters. Er studierte in Blasendorf Gottesgelehrtheit , wurde 
31 dort Lehrer und führte Rumänisch als Unterrichtssprache 
(sin. 85 trat er irl das Konsistoriam , wurde nach 3 «fahren 
wieder Lehrer, aber vom Bischof Lemeni zu Unrecht abgesetzt. 
Er Hess sich nicht entmutigen und studierte in Hermanstadt 
die Rechte. 48, als niemand wusste, wohin, schlug er eine 
Versammlung vor. Als er am Thomassonntage in Blasendorf 
ankam, spannte sich die begeisterte Menge vor seinen Wagen, 
er aber meinte, sie hätten lange genug das Joch getragen und 
brachte das Entzücken so auf den Gipfel. *) 

Als auf sein und Pumnuls Betreiben die Nationalversamm- 
lung am 14. 5. zusammentrat, hielt er die denkwürdige Rede, worin 
er, auf die früheren Mishandlungen durch die Ungarn und be- 
scmders die Kirchenunion zurückweisend, statt der geforderten 
Vereinigung Siebenbürgens mit Ungarn die Einigung aller Ru- 
mänen vorschlug, die auch angenommen wurde vom „S. P. 
Q. Daco-roman'* (nach Sallust). Begeistert und begeisternd 
ist der Abschnitt über die Freiheit und Gleichheit der Völker, 
deren jedes sein Volkstum vor allem zu wahren habe; dass 
aber Siebenbürgen den Rumänen gehöre, S. 362,^) ist nicht 
wahr : vor ihnen hatten es andere, nach ihnen die Ungarn, die 
es den Sachsen gegeben haben. 

Ob übrigens seine Hörer ihn ganz verstanden haben, muss 
man wegen fed, deve, postula, senipitern usw. bezweifeln. 
Schön ist cäritate (qualitatem). 

Und diese Rede gilt nicht nur Densusöhian als die wol bedeu- 
tendste und folgenreichste von allen! Wo bleibt Wilberforce? 

Nachdem er noch in Wien und Pavia die Rechte studiert, 
Hess er sich 55 an der Hochschule zu Jassi nieder, wo er bis 
63 lehrte. Am 28. 5. 64 starb er in seiner Höimat. Erst 67 
erschien sein „Öffentliches Recht der Rumänen**,*) worin die 



1) Ghica Briefe 615, vgl. 689, briefl. 2) pam. 25, 314, 344. Amicul 
Farn. 14, Anfang. s) Dereptu publicu alu Romaniloru, Ja§i. 



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— 120 — 

nationale Ausachliesslichkeit zur Verranntheit ausg^ebildet ist, 
so dass er darin zu folgenden Forderungen kommt: 1) Das 
Christentum muss, weil fremd, duich das römische Heidentum 
ersetzt werden. 2) Der Grund und Boden muss gleichmasu^ 
verteilt werden. 3) Ein fremder Fürst ist gefahrlich» daher zu 
entfernen, wenn auch nur ein Rumäne es will, (vgl. das liberum 
Veto des polnischen Adels, das Polen zu Grunde gerichtet). 
4) Statt dessen muss Rumänien Freistaat werden, mit gewählten 
Behörden. 5) Fremde dürfen keinen Grundbesitz erwerben, 
sondern sind auszuweisen, wenn es nötig erscheint. 

Verständiger ist Joan Maioreseu, Vater T. M. s. 1811 zu 
Bucerdea bei Blasendorf geboren, 47 zum Schulrat ernannt, 
48 zum Frankfurter Parlamente geschickt ^ wo er vorschlug* 
Ungarn und Rumänien (bis zur Teiss) selbständig zu machen. 
Er gab das Kaiserliche Gesetzblatt zu Wien heraus und wurde 
wieder Schulrat in Bucurescht, starb 4. 9. 64. Er hat in Blättern 
den latein. Ursprung und die Rechte der Rumänen verteidigt, 
ausserdemverfassf : Entwicklung der Rechte der Donaufiirstentümer 
nach 56 (57). Der Stand des Unterrichtswesens 59/60 u. a. ^) 

Ebenfalls Siebenbürger ist George B a r i t z (i u) ,^) geboren 
am 24. 5. n. 1812 zu Jucul de jos als Sohn des Geistlichen. 
Auch er widmete sich der Gottetgelehrtheit in Klausenburg 
und wurde 35 daselbst zum Lehrer ernannt; doch wurde er 
schon 36 nach Kronstadt berufen, wo er blieb. 

Um den Rumänen in ihrem Rassenkampfe gegen Sachsen 
und Ungarn Gelegenheit zu schaffen sich zu äussern, gründete 
er Anfang 38 *) die „Gazeta de Transilvaniä" und das „Blatt 
für Geist, Herz und Schriftleben** 38 — 50, worin er unentwegt 
für die Rechte seines Volkes eintrat , so dass er einer der 
Führer der rumänischen Bewegung in Österreich wurde. 1848 
nahm er an der Bewegung hervorragenden Anteil und war 
Mitglied des Hermanstädter Ausschusses, bis Bem einrückte, 
fast sein ganzes Vermögen in Beschlag nahm und sein Leben 
bedrohte. Da flüchtete er nach Rumänien , wurde jedoch von 
Russen aufgegriffen und nach Cernowitz geschickt, wo er durch 
die Hurmuzaki« befreit wurde. Dann bereiste er, weil ihm die 
Leitung seines Blattes von der Regierung 50 untersagt war, 



') Gion Rev. N. 2, 401. a) Farn. 1, 93f. 3) Pop 2, 143: 1538. 

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— 121 — 

als Leiter einer Papierfabrik Frankreich, Belgien und die 
Schweiz und schrieb dabei iür die Gaeeta. Nachdem 60 die 
•österreichische Verfassung gegeben ^ar, verlangte er für. die 
Bomänen Gleichberechtigung, berief und leitete 61 die „Sieben- 
bürger Vereinigung**, welche die Wünsche der Rumänen aus- 
sprach. Dieselben fasste er in einem Memorandum zusammen und 
Tertrat s» mit Erfolg auf dem Reichstage von 68 wie später 
Im Kaiserlichen Senate. Ungleich minder bedeutend ist er als 
Schriftsteller, ja er hasste Grössen wie Schaguna. Ausser 
■Zeitschriften oiid einem Worterbuche hat er die Geschichte der 
-Grenzerregimenter herausgegeben, und ^Ausgewählte Kapitel 
41US der Geschichte Siebenbürgens**, 3 Bde. (Pär^i alese din 
ist. TransiWaniei 1. Bd. über 1683—1848, ersch. 89, Bd. 2. 
48—60, Bd. 8. 1860—83, über die Kämpfe der Rumänen mit 
•den Ungarn, ersch. Hermanstadt 91). Viele Tatsachen, dankens- 
wert, aber in schlechtem Stil und mit wenig Geist. 

t^onst. Negri, 1812—76, hat daheim und in der Fremde 
für die Vereinigung der Fürstentümer gewirkt, besonders da- 
durch, dass er auf seinem an der Grenze gelegenen Gute die 
Meinungsverschiedenheiten der jungen Moldauer und Walachen 
ausglich. Begeistert sind seine Reden;') seine ,, Venezianischen 
Nächte** (Reiseeindrücke), Gedichte usw. sind, mehr wegen der 
guten Sprache und Gesinnung, als wegen ihres Gehaltes 
zu loben. Die beschreibenden und volksmässigen besser«^) 

Roseti schrieb in Paris einen ,, Aufruf an alle Parteien**, 
nVerteidigung des rumänischen Aüfstandes**, den „Bauernkate- 
•chismus**, politische Gespräche und Briefe. Heimgekehrt, 
gründete er „Rominur', der grossen Einfluss gewann, so dass R. 
die Seele des Liberalismus und Minister wurde ; doch verhehlt^ 
er nicht, dass er das Königreich nur als notwendigen Übergang 
^nsah. Er war Freund dejr Juden, bis er die in der Moldau 
kennen lernte ; mit Bratianu, ') Golescu, Ghica (s. d.) Türkenfreund. 
8, Victor Pop, geboren 1821 im Bezirk Cetatea de^ 
Peatira,*) hat ganz wie die oben Genannten als Geistlicher, 
Lehrer und Schriftsteller für seine siebenbürgischen Landsleute 
gekämpft, sowol im ungarischen Reichstage als in Blättern, 



1) Manliu, Cr. 48 ff. gut auch Fabeln. 2) Papadopul C. Rev. N. 
2, 321ff. C. lit. 18 282. ^ Politiker, nicht Schriftst. *) Pop 2, 166. 



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— 122 — 

d«r „Eihtracbt'* 61 , und dem „Volksfreund" 68—70. Jenes 
war das erste, das mit lateinischen Buchstaben gedruckt wurde, 
fortgefühtt von A. Roman. ^) Wie diese far SiebenbGrgen , so 
wirkten George , geboren 18 , und Alexandru H ut m uz a k i , 
geboren 25 , far ihre Bukowina, unterstütxt t von Eudoxius. 
Sie gründeten die Societate pentru cultura ^\ literatura romma 
und gaben 4S die Bucovina deutsch und rumänisch heraus. 
Ai starb 71, O. B2. 

Endlich George Ml ss»il, geboren in der Moldau unli 34. 

Untrennbar von der Politik fst die Volkswirtschaflslehre. 

Die Absicht Tudor Vladimirescus, die Besitzverhältniste zu 
ändern, nahm Teodor Diamant wieder auf, auch nach dem 
Stande seines Vaters Mektupci genannt und Zlätauz (Gold- 
mund) geheissen , weil er beständig fromme und gute Worte 
im Munde führte. Obgleich er nichts verfasst hat, ist er der 
Begründer der Boziali«tischen Bewegung in Rumänien und daher 
nicht zu übergehen. 

Im Anfange des Jahrhunderts geboren und früh verwaist, 
begab er sich 28 mit einer Unterstützung nach München, unter- 
richtete und folgte endlich seinen Landsleuten nach Paris. 
Die dort grade herrschende Begeisterung für St. Simon ergriff 
ihn aufs tiefste, nach P^re Enfantin hat er die meisten Anhänger 
geworben , und er • kehrte nach Rumänien zurück , um es in 
Falansterien oder Arbeitsgesellschaften einzuteilen, doch wurde 
ein Versuch mit dem Gute Scaeni von der Regierung verhin- 
dert, wonach er bald starb.*) 

Joan Ghica nennt ihn seinen Freund und Lehrer, wird' 
also jünger sein. Er ist 1817 in Bucnrescht geboren und er- 
zogen, worauf er 3 Jahre lang die Uauptgewerbeschule zu 
Paris besuchte,' wo er mit Diamant auch Fouriers Vorträge 
hörte. 41 heimgekehrt , trat er unter seinem Oheim, dem 
Fürsten Alexander Ghicä, in den Staatsdienst, Zeichnete sich 
als Mitkämpfer Campineanus im Landtage aus und ging 4S nach 
Jassi, um an der Hochschule Matematik und Volkswirtschafts- 
lehre vorzutragen. Mit Alecsoiidri und KogSlniceanu gründete 
er den „Fortschritt", kehrte jedoch bald nach Bucurescht zu* 



1) eb. 1, 173. 2j Ghica, Briefe 311. 

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— 128 -^ 

rück, war 46 wiedei^ in Paris, *)^ wo er der ,»Ge$ell5cha,ft ru- 
mänischer Studenten^ vorstand, heiratete 47,^) wurde einer der 
Fuhrer der Nationalen und 48 von diesen am 17; 5. ^als Ver- 
trauensmann naeh Stambul geschickt') Die Pforte ernannte 
ihn zum Bei Ton Samos, März 54,^) wo er die Seeräuber, 
welche die Schiffe der. gegen Russland Verbündeten schädigten, 
vernichten sollte, was ihm bis 55 auch gelang.^) Im Frühjahr 
56 kehrte er nach Stambul zurück, wo er für die Fürstenwahl 
in der Moldau Vorschläge machte». Nachdem Vogoride geifählt 
war, ging er nach Bucurescht zurück, war dreimal dort, einmal 
auch in Jassi Ministerpräsident, lebte dann längere Zeit zurück- 
gezogen,, bis er um 80 als Gesandter nach London ging* 

Ausser dem Blatte „Opiniunea constitufionala^ 65 hat er 
herausgegeben ^^eorganisarea RomiDiei** 1 , ^ Volkswirtschaft- 
liche Gespräche*' 66 — ^78, „Taschenbuch des Ingenieurs** 78, 
und besonders seine ^Briefe", 84, richtiger Briefwechsel mit Alec- 
sandri, der S. 342 der zweiten Ausgabe die Darstellungsgabe 
Ghicas mit Recht rühmt. In der Tat, so lehrreich die volks- 
wirtschaftlichen Aufsätze, besonders Brief 20 „Die Juden*', sind, 
noch anziehender erweisen sich die übrigen Briefe, in denen 
er, einem der edelsten Geschlechter des Landes entsprossen, 
dessen erster Beamter er wied erholt gewesen,aus dem reichen 
Schatze seiner Erinnerungen Verhältnisse und Menschen aufs 
anschaulichste schildert, einerlei, ob heimisch oder fremd, aus 
der Gegenwart oder aus seiner Jugendzeit Ebenso in „Amintiri 
din pribegie dupu i84ä,'' Rev. n. 1, 161 ff. 

Er ist beiläufig ein Vetter Elena Ghicas, deren Begabung 
selbst Humboldt bewunderte. Als Dora d'Istria hat sie, 27 ge- 
boren, u. a. „die deutsche Schweiz und die Besteigung des 
Mönchs '*56, 58 n Mönchsleben in der morgenlähdischen Kirche**, und 
bes. 60 „Die Frauen im Morgenlande^ geschildert, jedoch nicht 
in ihrer Muttersprache, weshalb sie eigentlich nicht hierher 
gehört, gest. 17. 11. 88 zu Florenz.*). Rum. von Pcretz, 1878. 

Von G u s t i s Werken ist hier zu nennen : die Bevölkerung 
der Moldau und ihre Landwirtschaft 1859/60** ; auch Pelimons 
„Jüdischer Wucherer, Moldau, Bukowina** 68, Tendenzromän. 



1) eb. 683. 2) eb. 698. 3) eb. 721, 362. *) eb. 374. 
») eb. 422. 6) Fam. 24, Nr. 47, Rev. N.. 2, 161. 



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— 124 — 

Vincenz Babe8ch(in), ebenfalls 1822 geb., machte sich, 
vielseitig gebildet, als Abgeordneter in Wien und Schulvor- 
Steher um die Batiater Rumänen verdient, was ihm den Hass 
der Ungarn eintrug. Er hat in Blättern verschiedene Studien 
über Volkswirtschaft veröffentlicht *) • 

' Wissenschaftlicher sind D. F. Martzianus (geboren 
1829 zu Ponor in Siebenbürgen) Schriften. 48 ging er mit 
der Bildung der Landwehr voran , wurde gefangen , entkam, 
studierte von 53 — 57 zu Hermansladt und Wien die Rechte 
und wurde heimgekehrt Begründer der rumänischen Statistik, 
der er sich bis zu seinem Tode, Juni 65, widmete. Er hat 
geschrieben: Stndii sistematiCe in economia politicä 58, Colo- 
ni^tii germani ^i Rominia 60, Anale statistice ^i ecönomice alc 
Rominiei 60 — 65.*) 

Geschichtswissenschaften. 

An die Staatswissenschaft schliesst sieb die Geschichte^ 
die nach der Erweckung des vaterländischen Sinnes eifrige 
Pflege fand, so gleich von Asaki, jedoch weniger wissen- 
schaftlich. 

Dasselbe gilt von Eli ad es: Scrisori din exil ersch. 91 yi. a.^) 

Noch ins vorige Jahrhundert reicht auch Petru Poenar 
zurück» geboren 1799 zu Craiova. Schüler Lasars, ging' er nacii 
Tudors Tode 21 nach Deutschland, Frankreich und England. 
31 zurückgekehrt, erwarb er sich grosse Verdienste durch 
Neueinrichtung der Schulen, nach westeuropäischem Muster, 
schrieb dazu Lehrbücher und ^G. Lazar und die rumänische 
Schule^' seine akademische Antrittsrede 72. Gest. 75. 

S. Odobescu, P. Poenar, via^a §i activitatea lui. Buc. 88. 

Aron Florian, geboren in Siebenbürgen 1805, studierte zu 
Pest bis 27, war bis 30 Lehrer in Golescht, dann, in Craiova, 
von 33 — 47 in Bucurescht, wo er dem Geschichtsunterricht 
eine sittliche Weihe gab. Wegen Teilnahme am Aufstande 
flüchtete er 49 — 57 nach Siebenbürgen, worauf er zurückkehrte. 
Gestorben 24. 7. 87. Ausser Zeitschriften und Lehrbüchern, 
auch kirchlichen , hat er , in guter Sprache , verfasst : Istoria 



1) Fam. 24. N. 47. 2) Pop i, 178. 3) pam. 8, 226, 17,562. 

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— 126 — 

priDcipatului ^^! rom. 85. Was er über die vaterländische 
Geschichte schreibt, ist etwas übertriebeor ^) 

Constantin Kretzulescu, einflassreicher Staatsmann, iSW 
bis 21. 3. 84, hat ausser Kleinigkeiten MSumariu al istoriei 
Dniversale a culturei**, Buc. 68, geschrieben, das erste Werk 
dieser Art, 78 politische „Cugetäri*'. Rev. N. 3, 401 ff. 

1810 wurde A. Tr. Laurian als Sohn des Geistlichen tu 
Fofeldea in Siebenbürgen geboren, studierte Matematik, Natur- 
lehre, Himmelskunde, Sprachen und Staats Wissenschaft bis 42, 
vo er Lehrer zu Bucurescht wurde, 47 Schulrat. 48 nach 
Siebcnbütgen berufen, überrieichte ' er dem Kaiser Ferdinand in 
Tirol mit die Bittschrift der Rumänen , wurde dafür von den 
Ungarn' in Hermanstadt am 6. 8. eingesperrt, aber am 18. voia 
Volke befreit. 49 überreichte er Franz Josef mit andern unter 
Sä^unas Führung noch eine Bittschrift der Nationalitäten au Ohnütz, 
vorauf im März die Gleichberechtigung aller Völkerschaften ausge^ 
Bprochen wurde. 51 zum Oberschulrat der Moldau ernannt, wurde 
er 55 von der Regierang nach Wien, von da durch Westeuropa ge- 
sandt, 59 in Bucurescht Oberschulaufseher und Professor, 67 Akade-^ 
miker und endlich Lehrer des jetzigen Königs. Er starb 80. '> 

Er hat über romische, besonders aber über rumänische- 
Geschichte, die er beide als e in e ansieht (!), nicht immer mit aus- 
reichender Sachkenntnis geschrieben, und mit Balcescu das. 
Magazin istoric al Dacier 45 — 48 herausgegeben , worin sich. 
das Beste von ihm findet. ^ 

Eudoxius Hurmuzaki, ') geboren 1812 auf dem Güt^ CernaucäJ^ 
studierte in Wien, Hess sich 48 in die Naiionälgarde dnreihen 
und trat östr. Staatsmännern näher. 49 nach Kremsier ins^ 
Amt berufen und mit Übersetzung des bürgerlichen und Straf- 
gesetzbuchs sowie der Erlasse beauftragt, arbeitete er seit So- 
mit am Wörterbuche der rechtswissenschaftliclien Eunstausdrücke 
und erreichte durch das Gesuch , das er 49 dem Kaiser über* 
gab, dass die Bukowina zum selbständigen Kronlanide erhoben 
wurde. Landeshauptmann derselben, durchforschte er schliess- 
lich die Wiener Archive für sein Hauptwerk: Fragmente zur 
Geschichte der Rumänen , wofür er an . 3009:\QrkuQdiQQ vooi 



1) Manliu Cr, 64, Fam! 23, HJ. .2) Rev. N. 2,41. j s) Kiich der 
Vorrede des letzten Bandes. 

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— 126 — 

18. — 19. Jahrhundert las. Der letzte Band , 175^— 1818 ist 
77 schon erschienen; und vwar deutsch, das übrige seither 
anchr rumänisch ; 82 — ^89 in 9 starken Bänden. Auch schrieb 
er für das Blatt seiner Brüder und hat aoch geschichtliche 
Arbeiten fainterlasseo. Er starb März 1874. •) Über ihn und 
seine Brüder s. Rom. Rev. 7, 174 ff, seine Werke Farn. 
^14, 92, über George H., gest. 1. 13 82, Farn. 18, 133. 

Boliac hat durch seine Schrin; ^MänSstirile inchinate% 
deren Verkommenheit er aus eigener Anschauung schildert,^ mit 
zur Auflösung der Klöster (djt^rch Kogälniceanu) beigetragen. 
In andern Aufsätzen hat er, wie im Gedichte Silau. a. doch besser» 
für den rumänischen Landmann und die Armen geschrieben. ^) 

Am 6. 9., 1817 ist Michael Kogälniceanu geboren, defr^ia 
Berlin (36) und Paris studiert hat £r lehrte kurze Zeit an 
der Batilischen Akademie zu Jassi, dann aber« verbannt wegen 
Angriffs auf die Sitten (er hatte bürgerliche Rechte gegen 
Mönchsübergriffe verteidigt^ , Alecs. Prosa 558) bereiste er wieder 
Deutschland und Frankreich, um Stoff für die ^Geschichte 
Rumäniens^ zu samnieln. 40 begründete er ^Dacia literarä*" 
und wArhiva romineasca*' bis 45, 43 mit Alecsandri den ^Fort- 
schritt**,, 56 den „Stern der Donau **, worin er eifrig die Einigung 
der Fürstentümer verfocht, weshalb er 57 mit in den Diwan 
hierfür gewählt wurde. Sein Einfluss lenkte die Wahl ton den 
einander befehdenden Oroisbojaren auf den tüchtigen Obersten 
A. Cuza, auch in Bucurescht. 66 wurde er erster Minister, 
gründete die Universität Jassi und wurde auch nach der 
Einigung der Fürstentümer, zu welcher er ebenso wesentlich 
beigetragen ^) wie zur Erlangung der Unabhängigkeit auf dem 
Berliner Kohgress, wiederhoK liierzu berufen. Bas grösste Ver- 
dienst erwarb er sich in dieser Stellung durch die Verstaat- 
lichung der Klöster und den „Staatsstreich**, den «act de 
emancipa^iune** vom 14. n. 5. 64, wodurch die Vorrechte der 
auf Cuza .eifersüchtigen Bojaren aufgehoben und die Bauern 



1) 10 (22). 2. Farn. ») ManUu Gr. 100 ff. B. storb März 81. ») Er 
liesB duröh eine Frau den Briefwechsel des «nf seine Selbständigkeit eifer- 
süchtigen mold. Fürsten Vogoride mit Osterreich entwenden, und ver- 
<>ffentlichte ihn. ^ Die Folge waren neue Wahlen und neue Männer, die 
nkiht mehr gegen, sondern fftr die* Vereinigung stimmten. ' 



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— 127 ^ 

ohne Blutvergiessen in den Besitz des bifher für andere be^ 
bauten Landes gesetzt, «timmberechtigt« wa^enfähig vnd zur Schule 
geschickt wqrdcn. Er ist auch Vorsitzi^ndcr der rumämschen 
Akademie gewesen pnd starb 2* 7. 9l. , , . s 

Er hat viel geschrieben und herausgegeben,.. d$s meiste 
jedoch in diesem Zeitraum, weshalb auch sein Wirken im folgenr 
den hier erwähnt „wird: ,4Das Tagebuch :Gr.:Sturzas^3S, ^Ge- 
schichte der Walachei, der Moldau usw.** 37, wEinführung in 
die vaterländische Geschichte*", die sich nicht besonders über 
solche Reden hinaushebt, 43, (nicht 44, wie Pop), u, a. Sein 
Hauptwerk aber sind die „Geschicbtsquelleji , der Moldau** 
45 — 52, mit;den rumänischeni^hronikenCintas und J» Cogalniceanus 
(seines Ahnen) 46, 2. Aufl. 73, 3 Bände, nicht treu') mit 
Lebensbeschreibungen, Tabellen usw., wodurch er neben Hurmu- 
zaki das Quellenstudium begriindete. Ebenso wichtig, sind seine 
politischen Schriften: „Wünsche der Liberalen ;4n der Moldau-' 
48, M Verteidigung des Ministeriums y,o;n 30. 4. 60**, ^^ Verbesse- 
rung des Loses der Landleute^ 62^ : worüber .auch seine letzte 
Rede (IS. ,4 91) handelt; Eutknechtung der Zigeuner, Tilgung 
der Vorrechte der ^Bojaren, Verselbständigung der Landleute. 
Im Anfang erzählte er aus seiner. Jugend, utid/hatfe den Mut 
zu gestehen, dass er, ohne den seit 48, im Lan4e qicbts w|chr 
tiges geschehen ist y Mein Bestem Deutsch,land verdankt , bes. 
^seiner zweiteo^ Mutter, der Berliner Universität**.*) , 

Laurians Mitarbeiter Nie u Balce«cu, .Qhicas bester 
Fround, las schpn als Scbüler die rumänischen Gesehichtsquellea, 
wovon im Unterricht überhaupt keine Rede . war. Pie früheren 
Heldentaten des Volkes erzählte er dann den Soldaten, wie er 
denn mit Vorlii^be kriegsgeschichtliche Werke ksw 22 Jahre 
alt (er war !i9 geboretn) lau er^den Freundea eine A|*beit über 
„die bewaffnete Macht bei den. Jtumiinen** vor, ebensosehr eiiie 
Aufforderung,.. die friihere Macht wieder herzustellen, als eine 
Darotellung ^derfselben^ Qbica übergab sie Kogalniceanu , der 
sie IQ ihrem ,, wissenschaftlichen , und literarischen. Blatte** ver- 
öffentlichte. Dann vereinigte B. sich mit, Laurian und schrieb 
wertvolle Aufsatze für das Magazin is^toriic. 40^) las er bei 



2) Farn. 13, 362. ^) Farn. 27, Nr. 26. B. B. 7, 452, 8. Festnr. 
• Akademie zu ihrem 25. Jahrestage. ^) Nach Rev. N. 4, 208 erst 1847. 



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— 128 — 

d[em Münzenkenner General Mavni den ^ Gesang Ruminiens** 
(nicht in Versen, doch begeisterte Ergüsse über verschiedene 
Zeiträume der rumänischen Geschichte), vor, den er bei einem 
Mönche gefunden hätte, indessen hatte er es selbst hinge- 
schrieben und oft geändert. Eben damals, 46, hatte er auf 
einer Forschungsreise Alecu Rusu durch C. N. Filipescu näher 
kennen gelernt, und Rusu ist nach Alecsandri') der Verfasser. 
— Da aber Alecsandri die frantösische Niederschrift Russo» 
niemand gezeigt hat, Russo ausserdem so gut wie nichts ge- 
schrieben, endlich der teleologische Gedankengehalt derselbe 
ist wie in den andern Werken Balcescus, der alle Leiden der 
Völker als von Gott verhängte Strafe ansieht und sein Volk 
hier wie in der armata rorn. aufrütteln will, erklärt Jorga Bäl- 
cesca als Verfasser.') 

Schon 43 hatte er mit G. Ghica und dem Hauptmann Teil 
den Geheimbund „Brüderlichkeit** zur Rettung und Hebung de« 
Vaterlandes gegründet, der bei Todesstrafe unbedingten Gehor- 
sam und Geheimnis forderte. 

46 wurden er und Voinicesu IT. Sekretäre Jancu Vacarescus» 
Vorsitzenden der neugegründeten „Literarischen Gesellschaft", 
der auch die Moldauer Alecsandri, Negruzzi und Cogalniceanu 
angehörten. Als jedoch die Misbräuche überhand nahmen 
<Bibescus und seiner Gemalin doppelte Scheidung usw.), wäh- 
rend in ganz- Europa der Ruf nach Freiheit , Verfassung und 
so fort immer lauter wurde, drang die Politik auch in die 
Literarische Gesellschaft ein, und obgleich dort dem Hofe 
Nahestehende verkehrten, tadelte man offen, was zu tadeln war. 

Nach 46 begab er sich nach Paris, um dort Stofi für die 
Geschichte seiner Heimat zu sammeln; kehrte jedoch schon im 
Winter 47 auf 48 zurück, und während die Bojaren Ostern 
Bibescu beglückwünschten, dass die Ruhe nicht gestört sei, 
war alles zum Aufstande bereit, bis auf den Aufruf, den Bal- 
cescu verfasst Er wurde dafür mit Alecu GoTescu und J. 
Ghica mit unumschränkter Gewalt in den Ausschuss gewählt 
Nachdem Waffen beschafft waren, ging er nach Telega und 
Piojescht, Ghica nach Giurgiu, um mit Teil den Aufstand auf 
Ostern festzusetzen ; auf Lamartines Bitten wartete man jedoch, 



*) Conv. 1. 6, Heft 12. «) Rev. N. 4, 209 ff. ^ 

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— 129 — 

bis dessen Bevollmächtigter Dr. Mandl kam. Im Mai wurde 
auch Eliade, (der jedoch bald ein erbitterter Feind wurde), 
nach einer Besprechung mit J. Ghica zu den Versammlungen 
zugelassen, worauf die Regierung Verhaftungen, auch J. Ghicas, 
anordnete ; aber schon nach wenigen Tagen kam Dr. Mandl, der 
riet, sich zunächst mit der Pforte zu verständigen. Ghica wurde 
abgeschickt; gleich darauf wurden Roseti, der an seine Stelle 
in den Ausschuss getreten war, u. a. verhaftet, was den Aus- 
bruch der Empörung veranlasste. 

Eigennutz, Uneinigkeit und Unentschlossenheit unter den 
Führern führten jedoch ihre baldige Unterdrückung herbei, und 
infolge derselben wurde auch Balcescu verbannt, kämpfte mit 
in Siebenbürgen, beschrieb dies als „Aufstand der Siebenburger 
Rumänen von 48'', schlug sich von da nach Frankreich durch, 
arbeitete in Paris weiter an seiner wegen rumänischen Grossen- 
wahns wissenschaftlich fast wertlosen Geschichte Michaels des 
Grossen, und zwar so angestrengt, dass er sich ein Brustleiden 
zuzog, dem er lü. 11. 1852 zu Palermo erlag, nicht 58, wie 
Ghica. *) Odobescu hat 77 im Auftrage der Akademie seine Schriften 
mit Vorwort und Anmeikungen herausgegeben, Tocilescn schrieb : 
Via^, timpul ^i operile lui B. Vergleiche Xenopol, Conv. 1. 14, 
41 ff., Ist. Rom. Bd. S. Seine Sprache verdient, zumal gegen- 
über der Laurians usw. alles Lob, inhaltlich dagegen ist auch 
„Michael" weit mehr eine Verherrlichung als eine Geschichte 
des Helden. Aleotandri hat ihn im „Sterbenden Balcescu" ver- 
herrlicht (s. Prosa 551).') 

Aricescu hat „die Geschichte Cimpulungs'', 55 und 56, 
,,Rumänien unter Bibescu'S 62, „Die Häupter des Aufstandes 
von 48", 66, den geheimen Briefwechsel derselben 74 und im 
selben Jahre „Tudor. Vladimirescu'' herausgegeben. 

Maniu hat verfasst: ^Krit Geschichte über den Ursprung 
der Rumänen*' 57, eigentlich politische Streitschrift. Zur 
Geschichtsforschung üb. d. R. 84, auch deutsch. Bolintineanus 
„Leben Stefaos*' 2. Ausg. 70 und dgl. ist deklamatorisch •ge- 
schrieben, wissenschaftlich wertlos. 

AI. Papiu Ilarian wurde als Sohn eines ausgezeichneten 
Geistlichen, der 48 den Tod fand, 28 zu Bezdead in Sieben- 



1) Briefe 718. ») Rev. n. 4, 201 ff. 

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— 130 — 

bürgen geboren und schrieb schon aU Student zu Kiausenburg 
4$ — 47 die „Morgenröte'', die er unter seinesgleichen vorlas, 
so die vaterländische Gesinnung pflegend. Eine Probe in 
N. Popeas „Memorialul lui Schaguna''. Deshalb wol wurde er 
am 15. 5. 4S in den Ausschuss, im September in den Friedens- 
ausschuss berufen , .studierte 50 — 55 in Wien und Padua, 
brachte es zum Justiz^ninister, und war von 66 als Sach- 
vralter, zugleich als Schriftsteller so tätig, dass er geistiger 
Lähmung verfiel und 75 in die Irrenanstalt zu Hermanstadt 
gebracht werden musste, wo er 11 23 10 77 starb. 

Er schrieb (lateinernd) : „Geschichte der Rumänen des oberen 
Dakiens" 51 — 52 als Student, „Die constit, Unabhängigkeit 
Siebenbürgens'' 61 , „Sammlung geschichtlicher Denkmale für 
die Rumänen, 3 Bde, 62—65, mit Erklärungen,, bedeutend 
9,Leben Schincais" Buc. 69, den er nach E. Quinet einen der 
Schöpfer der- grossen Schule des 19. Jahrhunderts nennt: er 
liabe ftir Rumänien getan, was noch heute mehreren hoch- 
mütigen Völkern fehle, — die gegenseitige Lobhudelei oder 
„Lateiner''. Schincai, der in Bulgaren, Rumänen, Petschenegen, 
ja in Obotriten usw. Rumänen „entdeckt" — und Giesebrecht, 
der sich solcher Taten freilich nicht rühmen kann. Befühmt 
ist die Denkschrift, welche er dem Fürsten Cuza übergab: über 
die endgiltigen Zwecke einer jeden rumänischen Politik: 
Dacoromania. ') 

ürechiä hat „D. rum. Chroniker" und ^Erklärungen" zu 
denselben herausgegeben, ferner über „Geschichte und Schrift- 
tum der Rumänen" Vorträge gehalten und veröffentlicht, auch 
Miron Costin, Opere complete, kritische Ausgabe, Buc. 88, 
mit gelehrter Einleitung. 

Missail hat verfasst: „Die Ereignisse Von .1821", „Der 
Verrat Bessarabiens*', „Joan Cimpineanu", „Ursprung der rumän. 
Gesetzgebung", „Die Zeit Vasilie Lupus und Matei Basarabs**, 
^Oamenii mari ai Romäniei" und die .„Vergangenheit der Bu- 
mfinen unter allen Gesichtspunkten", das jedoch noch unvol- 
lendet ist, wie die „Neuere Geschichte der Rumänen", von 
28—^66, u. a. ohne bes. wissenachaftlichen Wert. 



1) Bianu, Rev. n. 1, 361. Fam. 13, 525. 

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— 131 — 

Sehrifttumswissenschaft. 
Den Übergang von der Weltgeschichte im allgemeinen zur 
Oeschichte des Schrifttums bilden zwei wertvolle Einzelschriften : 
„Über die rumänischen Druckereien** 38 *), des Dr. V. Pop, der 
in Siebenhurgen wahrend der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts 
lebte, und die „Bibliografia cronologicä rom/* 65 und TSDimitrie 
Jarcus, der 1817 'zu Slatina geboren, sich nach harter Jugend 
vielseitig ausgebildet und allerlei Übersetzungen und Lehrbücher 
verfasst hat. Gest. 18. f. 79.') 

In den ,. rumänischen Druckereien" findet sich auch einiges 
über das Schrifttum, wie schon früher in der „Beschreibung 
-der Moldau"' von Kantemir und bei P. Maior, in der „Geschichte** 
lind sonst. Gesondert jedoch hat dieses Gebiet und was damit 
"zusammenhängt (Kunstlehrc) erst später Bearbeiter gefunden, 
von denen Eliade der älteste ist. Er hat 31 gramatica poesiei 
und 48 eine literatura critica herausgegeben. 

Ihm folgt T. Cipariu; als Sohn des* Geistlichen zu 
Pänäde in Siebenbürgen 1805 geboren, studierte er in Blasen- 
dorf und wurde 26 dort Lehrer, 42 Priester, 48—49 Mitglied 
<]es Nationalausschusses , 50 nach Wien entsandt und von 54 
an Qymnasialvorsteher zu Blasendorf. Auf wissenschaftliehen 
Reisen eignete er sich viele Sprachen an und wurde manchfach 
ausgezeichnet, aber auch angefeindet. Er starb 3. 9. 1887 als 
{erstgewählter auswärtiger) Akademiker. 

Hierher gehört seine Poetica metrica fi versifica^iune 59.^) 
C. Negruzzi redet im 17. Briefe über Volks- und Kunst- 
dichtung. Im 4. gicbt er Erinnerungen an Scavinski, vor den 
Übersetzungen aus Kantemir einen Lebensabriss desselben. 
' J. Ghicas Briefe sind oben gewürdigt und oft benutzt.- 
Weit fruchtbarer ist Aron Pumnul. 27. 11. 1818 zu Cuciu- 
!ata geboren, studierte er in Wien 43—46 Gottesgelehrtheit, 
aber auch Geschichte und besonders das heimische Schrifttum. 
47 Lehrer in Blasendorf, musste er 48 , in den Nationalaüs- 
schuss gewählt , vor ungarischen Mördern fliehen und wurde 
49 Lehrer des Rumänischen in Cernowitz, der erste und larige 
der einzige in der Bukowina. 



») Pop 21, 280; nach Dens. 201: 1837. 2) Pop i, 106. 3) Fäm 
23, 410. Rev. n. 1, 46. C. lit. 21, 646. 



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— 132 — 

Er hat hier belebend gewirkt: Dichtkunst, Verslehre und 
Redekunst gelehrt, auch Geschichte des rumänischen Staates 
und Schrifttums; sein Hauptwerk aber ist Lepturarial romin 
62—65, dessen 6 Bände zu füllen er freilich Proben auch aus 
den mittelmässigsten Schriftstellern aufnehmen musste , um sie 
fast ohne Unterschied als hervorragende Männer zu bezeichnen. 
Er gebrauchte eine lautgetreue Rechtschreibung und starb am 
24. 1. n. 66; am 16.7. 88 wurde sein Grabdenkmal eingeweiht V). 

Filimons Schauspielkritiken galten als die besten, ja einzig 
in ihrer Art — verhältnismässig. 

Ungleich richtiger als Negruzzi hat Alecsandri (Prosa 151) 
t,Die Rumänen und ihre Dichtungen ** beurteilt, ebenso Aristias 
Prin^ul romin eb. 429 und in dem folgenden „Verzeichnis von 
Kleinigkeiten^ mancherlei aus Handschriften mitgeteilt, endlich 
A. Pan gewürdigt. Daran schliessen sich die Lebensbeschrei- 
bungen Balcescus, Filipescus, Russos, Coradinis, C. Negruzzis, 
und Mcrimees. Sion schrieb über „Rum. Dichter" in Rev. Carp. 

Lazärescus Kritiken zeichnen sich ebenso durch Unab- 
hängigkeit wie durch Schärfe aus. 

Besonders tätig aber ist auf diesem Gebiete V. A. Urechia 
gewesen ; er hat geschrieben : Scanne de literatura romina, 
Despre literatura desfrinata, Despre fabula in genere si in special 
despre ^ichindeal, Fam. 5, 543 ff., Despre satira romina. Doch war 
er so von der Unübertrefflichkeit des Rumänischen eingenommen» 
dass er meint, Vacarescu habe GÖthe verbessert. 

Sprachwissenschaft. 

Indem wir uns nun zur Sprachwissenschaft wenden, und 
mit den gemässigteren Lateinern beginnen, tritt uns zuerst 
wieder der vielseitige Eliade entgegen mit dem Paralelism intre 
limba romina ^i italiana, 41 , wodurch er sich die Sprache 
verdarb, und vocabular de vorbe curat romine §i straine 42, 
endlich ortografia romina 70. 

Wissenschaftlicher ist Cipariu : Estract de ortografia romina 
cu litere latine 41 — 42. Limba rominä dupe dialecte ^i monu- 



>) Jon al lui Sbiera: „Aron Pumnul, voci asupra vietii $i insem- 
nätatii lui, Cemowitz 1889", u. R. Rev, 7, 409 ff. Panteonul Rom. 1, 61. 
Fam. 25, 337, 441. Lugosian, Rev. n. 2, 281 ff. 



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— 183 — 

meAte vechi 54. Analeete literare 58, Gramatica limbei romine, 
Analiticä 69f ., Sintar 77 von der Ak. hsg. und nicht nur preisge- 
krönt, sondern sogar den besten Leistungen auf diesem Gebiet 
g^leichgestellt. In Wahrheit aber verdankt Cipariu das beste 
jenen „hervorragendsten Leistungen'', und seine eigene Arbeit 
ist nichts weniger als vollkommen, ja sie steht auf einem ganz 
falschen Standpunkt, da sie auf die Sprache des eher papa 
Traian «u viel, fast mehr Rücksicht nimmt als auf die eigene. 
Doch bleibt ihm das Verdienst die Sprache in ihrer Entwickelung 
studiert zu haben. Alte Formen Hessen sich freilich nicht 
mehr beleben, was neben der Verlateinerung des Wortschatzes 
«ein Hauptziel war. Ausserdem hat er das archiv pentru filo- 
logie §i istorie 67—73 herausgegeben. 

Wenn gleich weniger eingehend, hat sieh doch auch C. 
!Negruzzi ebenso mit den übrigen romanischen Sprachen beschäf- 
tigt, wie namentlich sein 16. Brief zeigt. Im 18. erklärt er 
^anz richtig, dass die Sprache der Siebenbürger oder Liberalen, 
wie er sagt, vielleicht besser ist, aber nicht rumänisch. Joan 
Maiorescu hat das erste Vocabular isriano-romin geschrieben, 
erschien 74 in C. lit., auch Abhandlungen. 

A. T. Laurian hat sein tentamen criticum in originem 
linguae roman. 40 über, z. T. in einer Sprache geschrieben, 
<lie nicht nur nicht rumänisch, sondern überhaupt niemals dage* 
wesen ist ; den Einwand, dass man seine Sprache nicht versteht, 
würdigt er als böswillig keiner Antwort. Siehe die Einleitung. 
Sehr gut! Auf demselben Standpunkt, will sagen auf dem 
Kopfe, stehen sein (akademisches) Dic^ionarul limbei romine 
71 — 76 und sein glosar de vorbe sträine in limbarom. 71, die 
er mit Maxim (gest. 77) als Entwurf herausgegeben. Zum Glücke 
überzeugte Odobescu die Akademie, dass sie mit dgl. keine Ehre 
einlegen würde, und diese stand davon ab. 59—61 die instruc^lunea 
publica, ebenfalls mit Maxim. Sie sind die Sündenböcke, mit 
denen die Schule Cipars ihren Standpunkt als den geschichtlich- 
lateinischen und allein berechtigten gegenüber den „Anarchisten'* 
(der Neuen Richtung) verteidigt. 

Diesen Ausschreitungen des fragwürdigen Stolzes auf die 
römischen Ahnen gegenüber, der die Sprache verdarb, hat auch 
Alecsandri sich sehr nachdrücklich ausgesprochen im Dic^ionar 
grotesc, Prosa 527, worin er sich über allerlei Sprachwidrig-: 



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— 134 — 

keiten und schliesslich selbst über das Rumänentnm lustig^ 
maclit. 

Was jenes ^.geschichtlich'* — lateinisch besagt, zeigt z. B. 
Laurians poplu statt plop (populus.) Mehr haben wir oben 
an einigen Proben von Bamutz gesehen. £r stellt in seiner 
apärare principiuloi romanitatei in limba die Frage: Solleiv 
wir /den Verteidigern des Fremden folgen oder uns mit denei> 
verbünden (alia, rein ital.), welche unsere Sprache reioigea 
wollen? — . 

Das ist die übliche Verleumdung der „allein Wissenschaft- 
liehen*' gegenüber der „Neuen Richtung". Diese verteidigt aber 
nicht das Fremde, spndern die Volkssprache. Noch grössere 
Verdrehungen enthalten die folgenden „Grundtatsachen**. Die 
Rumänen haben sich nie mit andern Völkern vermischt^), son- 
dern sie aufgesogen, wie das Meer die Flüsse. — * Wenn die 
Rumänen sich nie vermischt haben , weshalb ist ihre Sprache 
dann so reinigungsbedürftig, dass Bärnutz im selben Atem 
roman durch das slawische rimlean erklären muss? Und dieser 
Mann gilt als Genie! s. o. 

Volkskunde. 

Die Volkskunde hat als eine der jüngsten Wissenschaften 
in Rumänien vorläufig fast nur Stoffsammlungen aufzuweisen^ 
zu denen man D. Jarcus Rominul glume^ (Schwanke) 1857 — 
1874 rechnen kann*). 

Voran ging hier jedoch Alecsandri, der die selbstgesam- 
melten, nur etwas überarbeiteten Volkslieder von 52 an, 2. Ausg. 
66 — 67, veröffentlichte und dazu dankenswerte Anmerkungen 
gab. Sein erwähnter Aufsatz kann als Beilrag zur Volksseelen - 
künde gelten. 

Hierher kann man auch Bolintineanus „Reise zu den Ru- 
mänen Makedoniens und des Atosberges*' 62 ziehen, die neben 
Schilderungen auch Sprachproben und Statistik bietet. 

Die Nordrumänen hat Joan Silviu Sälägianu behandelt, 
geboren 1834 im Comitat Satu-Mare, studierte Gottesgelehrtheit 
in Berlin, Philosophie in Pest und wurde Mitte Seqhziger 
Lehrer in Beiusch, 66 hat er eine Abhandlung über die Volks- 



>) Maiorescu, C. lit. 21. ^ Hier finde ich täglich fast die Hälft» 
aller Gesichter und Namen nichtrumänisch. 



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— 136 — 

trachten Siebenbürgens, des BanaU, Crischanas und von Mara- 
Moresch verfasst. 69 auch ein Handbuch der Erdkunde des 
neuen Dakiens. ') 

Missails „Rum. Sittenbilder** können ebenfalls hierher gerech« 
net werden. Beide letztern von geringem Werte. 

Gottesgelehrtheit. 

Wir kämen endlich zu den Kirchenschriftstellern, unter 
denen man noch weniger Selbständigkeit bemerkt als bei den 
andern „Gelehrten". 

Gleich der erste, Jon Pralea war Hans in allen Gassen, 
starb 1847 zu Jassi^). 

Neofit Scrlban, geboren 1803 zu Burdujeni, schrieb u. a«: 
„Die Notwendigkeit der Geistlichen im Staate usw.'). 

Bedeutend dagegen ist Andrei Barön Schaguna,^) am 1. 1. 
1800 zu Mischkoltz in Ungarn geboren und erzogen, lernte erst 
im 15. Jahre beim Oheim Grabowski rumänisch, studierte die 
Rechte und erreichte trotz aller Hindernisse 48 sein Ziel, Erz- 
bischof in Hermanstadt zu werden, als welcher er die rumänische 
Kirche Ungarns und Siebenbürgens begründete, sie vom serbi- 
schen Erzbistum unabhängig machend, und ihr im Statut organic 
1868 eine dauerhafte Verfassung gebend, welche den öster- 
reichischen Rumänen Halt und Zusammenhang verleiht. Neben 
diesem Hauptverdienste wird er gerühmt als Verfasser des 
Kanonischen Rechtes der rechtgläubigen Kirche (54, 2. Ausg. 81) 
und kirchlicher Lehrbücher. Er starb 16. Juni 1873. S. Popea. 

Samuil Andreiewitsch Morariu, geboren zu Mitocul Drago- 
mirnei, Bukowina 26. 11. 1807, seit 43 Prediger in Ceahor, 
seit 62 im Konsistorium zu Cernowitz , seit 80 Erzbischof der 
Bukowina und Dalmatiens , als welcher er sich grosse Ver- 
dienste um die Hebung des Kirchen- und Schulwesens er- 
worben, hat Predigten, kirchliche Lehrbücher und Kalender 
herausgegeben *). 

Melhisedec Stefanescu, geboren 15. 2. 1823 zu Gorcina, 
studierte zu Kiew 48 — 51, war Lehrer in Jassi und wurde 64 
Bischof. Bemerkenswert ist seine Schrift über die Sekte der 



») Marki, Bihari romän irök. 152. 2) Pop. 2, 241. 3) eb. 56. 
*) C. lit. 14,5ff. 5) Farn. 16, 201. 23, 578, 25, 305. R. Rev. 7. 301ff. 



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— 136 — 

LipoWener, Via^a ^i scrier. lui G. Tzamblac, 84, und seine „Ge- 
schichte der Diözese Roman". Ausserdem hat er die „Chronik 
von Husch", H9, Kirchen- und Lehrbücher und „Opier für die 
Einigung der Fürstentümer" 56 herausgegeben.*) Despre icoa- 
nele miraculvase din munte Athos, B. Ac. 83, Tgl. S. oben 32, 
Z. 5. Gest. 28. 5. n. 92. 

Kenner des Slawischen, erklärt er Tirnova aus dem (nicht 
vorhandenen) Turris nova, tm ausdrücklich abweisend (!). 



Vierter Zeitraum. 1860—1890. 

Auftreten der neuen Richtung. 

1. Die N. R. und ihre Anhänger. 
Indem wir nun in den letzten Zeitraum eintreten, der bis 
zur Gegenwart reicht, versteht sich, dass sich eben deshalb 
hierüber noch kein abschliessendes Urteil fallen lässt, so wenig 
wie man , im Strome schwimmend, bemerkt , ob derselbe eine 
Biegung macht; das sieht man nur wenn man sich darüber 
erhebt. Da jedoch einmal gegen 1890 die Neue Richtung, 
welche uns hiei: zum erstenmal entgegentritt, auch in der Re- 
gierung, ^) wie im Schrifttum schon lange, zur Herrschaft ge- 
langt ist, da ferner Eminescu und nun auch Alecsandri ge- 
storben sind, wird man mit diesem Jahre einen gewissen Ab- 
schluss machen dürfen , den Zeitraum kann man : das Auftreten 
der Kritik oder, um beim Bilde von der Saat zu bleiben, „Die 
Gärtner** überschreiben. — Es versteht sich, dass der im vorigen 
Zeitraum fast allein herrschende französische Einfluss noch fort- 
dauert, aber er ist doch durch die Hauptvertreter der Neuen 
Richtung, welche sich deutsche Gründlichkeit und Bildung an- 
geeignet haben , wesentlich beschränkt. So wenig man ferner 
gegen französische Beeinflussung des Inhaltes einwenden kann, 
so verhängnisvoll wurde sie der Sprache, so dass J. Negruzzi^ 
diese Richtung trotz oder wegen ihrer Gedankenlosigkeit als 
die beiweitem gefährlichste erklärt, weil ihre Vertreter, in Frank- 
reich erzogen, ihre Muttersprache verlernt hatten, ein schlechtes 

1) Farn. 26, 1, 28, 241. ^} Geschr. 90. Sehr zu bedauern ist, dass 
sie als Partei (Anf. 92) vorläuflg vom polit. Schauplatz abgetreten ist, 
womit die von ihr geplanten Verbesserungen begraben sein werden. Um 
so mehr freut mich, dass das Gerücht, die Gonv. lit. würden Ostern em- 
gehen, sich nicht bestätigt. 3) Conv. 1. 1877. 



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— 137 — 

Französisch sprachen und dies, Wörter wie Satzbau, auch in 
das Rumänische einführten. Diese Herrlein glaubten sich näm- 
lich, damit ihren Abgottern ähnlich machen zu können, nannten 
Bucurescht. Klein* Paris und brachten sogar das Wort auf: 
Wenn Paris niest, hat Bucurescht den Schnupfen')- Zwei 
Seelen und ein' Gedanke, Zwei Nasen und ein Hatzie ! 

Warum auch nicht? Paris ist bekanntlich die Weltseele, 
die Franzosen unbesiegbar; und bewundernswert ist die — 
Kunst, womit die rumänischen Blätter diese Behauptung auch 
1870 — 71 aufrecht erhalten haben. Ich habe nicht viel aus 
jener Zeit, jedoch etwas; Namen stehen zur Verfügung. 

IMese Blätter, sehr angesehen, haben nur nach französischen 
Quellen berichtet,- wonach das deutsche Heer nicht einmal, 
sondern wer weiss wie oft vernichtet und so „die lateinische 
Ehre'* gerettet wurde. — Und dabei wundern sich diese Leute, 
dass die Rumänen lieber deutsche, ungarische usw. Zeitungen lesen ! 
Der Leser wird es nicht übel nehmen, dass er so nebenbei 
die rumänische Durchschnittspresse kennen gelernt, die anders 
hier nicht Raum gehabt hätte. Entsprechende Urteile finden 
sich in Ghicas Briefen und sonst ^), ebenso über die Vornehmen, 
denen die Sprache des Volkes, von dem sie leben, und das sie 
misbandeln '), nicht gut genug ist. Deshalb schreiben die Frauen 
noch jetzt französisch, wie E. Väcärescu*), die begabte und 
schöne Julia Häjdeu, *) u. a. C. Syl?a ist eine deutsche Dichterin, 
keine rumänische, gehört also ebenfalls nicht hierher. 

Diese Nachäflfung und Vergötterung Frankreichs, welche 
aus dem raffinierten Mordversuch einer Französin schliesst, 
dass diese den deutschen Frauen überlegen sind, diese Selbst- 
vergleichung mit der grande nation erwuchs so allmälich zu 
einem Volksdünkel, der dem französischen Chauvinismus wenig 
nachgab und ausser sich oder allenfalls der übrigen „Lateinerei'' 
nichts gelten lassen wollte. So schreiend indes der Gegensatz 
war, in welchem dieser Dünkel zu den Leistungen im grossen 
und ganzen stand, bedurfte es doch Scharfblickes und noch 
mehr Mutes diesen Gegensatz aufzudecken. 

>) Rev, N. 3, 3Ö9, vgl. Farn. 26, 9. a) Conv. 1. 16, 167ff. Farn. 
25, 300, Popfiu, Poes. §i Prosa, 234, Maior. Cr. 21, 353, Pogor. s. u. 
«) Rev. N. 1, 197. *) Farn. 27, 445ff. &) Foaia iL Nr. 48f. Rev. 
K 1. 401 ff. 



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— 138 — 

Beides besitzt in hervorragendem Masse (wie schon aus* 
seinem Napoleonskopfe zu erseheD) Titu Maiorescu, Sohn Jon 
M. s., (s. o.); und dadurch, dass er diese Eigenschaften benutzte, 
benutzte mit jen^rSchonun^s- und Rücksichtslosigkeit, ohne welche 
die Mittelmässigkeit nicht zu besiegen ist, dadurch ist er zum 
Gründer der „Neuen Richtung** geworden und verdient deshalb 
als der rum. Lessing an erster Stelle besprochen zu werden. 
Besonders deshalb, weil jene Arbeit, obzwar auf sphr verschie- 
dene Gebiete gerichtet^ doch so durchaus ein Ganzes ist, dass 
eine Trennung untunlich erscheint. 

Er wurde 1840 *) zu Craiova geboren ; in Wien, Berlin und 
Paris ausgebildet, wurde er in Jassi Lehrer, dann Professor, 
als welcher er von Anfang 63 an durch öffentliche Vorträge 
begeisterte, bis er infolge seiner Erwählung zum Abgeordneten 
des Lehramtes enthoben wurde und nach Bucurescht ging, 71. 
Hier war er 74 — 76 Kultusminister, führte viele Verbesserungen 
des Unterrichts ein, wurde dann als ausserordentlicher Gesandter 
nach Berlin geschickt und war heimgekehrt einer der Führer 
der Konservativen. 

Dass dies Wort jedoch keineswegs soviel heisst wie Alten- 
zeiter, ergiebt sich aus seinen Schriften, weniger aus seiner Ver- 
teidigung der Volkssprache gegen die Lateiner und Genossen, 
oder der ersten „rumänischen Rechtschreibung** 66 , worin 
der Gegenstand zum erstenmale streng wissenschaftlich behan- 
delt wird und die Gegner, Cipariu eingerechnet, demgemäss 
fallen wie Fliegen, obgleich schon dies zu lesen ein Genuss ist. 

Bedeutend erhöht aber wird dieser Genuss in den folgen- 
den Observari polemice» wo er die masslosen Erwiderungen als 
gebildeter Mann beantwortet — oder auch nicht Er verliert 
dabei, keinen Augenblick die Besonnenheit; die Erklärung, dass 
nicht nur Zeitungen, sondern selbst Zeitschriften Sprachriehtig- 
keit für überflüssig halten, befremdet ihn zwar, doch treibt sie 
ihn alsbald an hierfür einen Grund zu suchen. 

Er hat vorher festgestellt , dass die Meinung der eigenen 
Trefflichkeit, welche auf der ersten Stufe dem Fremden noch 
eine gewisse Überlegenheit zugestand und es nachahmte, auf 
der zweiten Stufe die eigenen Leistungen schon denen der 



J) 40 nach Amicul Fam. 8, Nr. 11; nicht 39. Farn. 19, 233. 

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— 139 — 

Kulturvölker gewachsen, auf der dritten Stufe endlich allen 
andern überlegen glaubte, und zwar auf jedem Gebiete. 

Dies erklärt sich dadurch, dass die europSasche Bildung, 
das Werk vieler Jahrhunderte, von jungen Leuten halbverdaut 
den. bis dahin grösstenteils fast oder ganz ungebildeten Ru« 
mänen übergegossen wurde. In grösster Eile wurde alles nach- 
geäfft, bis zur Akademie und Kunstausstellung voll bemalter 
Leinwand -^ nur fehlten für jenen die Gelehrten, für diese die 
Künstler usw., ja das eigentliche Volk, der Bauer, hat von 
alledem nur Lasten, keinen Vorteil, weil ihm das alled fremd, 
daher unverständlich ist. Kurz und gut, das ganze öffentliche 
Leben beruht auf Schein und Unwahrheit. 

Daher muss i. die Mittelmässigkeit (wie sie sich oben 
als herrschend erwiesen) nicht mehr belobt, sondern bekämpft 
werden ; 2. muss — was auf jenes hinauskommt — die hoble 
Porm entweder beseitigt oder mit neuem Inhalt gefüllt werden. 

Um dies zu erreichen, gründete er die Gesellschaft „Juni* 
mea^ (Jugend), der sich bald die besten Köpfe zuwandten; 
und in den Convorbiri literare wurde 1. März 67 ein Blatt 
§^e8chaffen, worin der Kampf binnen weniger Jahre siegreich 
ausgefochten und den „Enkeln Traians'' ihre Eitelkeit *) gehörig 
vorgehalten wurde; denn was rumänisch ist, braucht darum 
noch nicht gut zu sein'). Gleich 67 schrieb der Meister „Die 
rumänische Dichtung*^, worin letzteres weiter ausgeführt ist'). 
Alle Erwiderungen dienten nur dazu, seine Überlegenheit auch 
auf diesem Gebiet in ein um so helleres Licht zu setzen; 68 
schrieb er gegen die Schule Barnutzus, s. d. 69 die wuch- 
tigen observari polemice. 73 die be^ia de cuvinte (Wort- 
trunkenheit), worin er den Gegnern die unglaublichste, unter 
schwülstigen Redensarten verdeckte Unwissenheit nachweist, 
74 die Sammlung der Critice, wo den erwähnten noch „Die 
neue Richtung** beigefugt wurde, worin er den „Alten^ ins 
Gesicht erklärt: Ihr habt keine Kunstform, und werdet daher 
morgen vergessen sein! Ihr wollt uns niederlügen, aber die Wahr- 
heit wird siegen!') Wenn freilich ein Kultusminister oder dgl. 
fragt, wer Pestalozzi ist — dann hört es auf. Dann eine Denk- 
lehre (logica) 2. Ausgabe 1886, wozu er, der schärfste Denker, 



Maiorescu, Critice 330. *) eb. 297. ») eb. 414. 

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— 140 — 

und vfSLS hierbei ebenfalls in Betracht kommt, der beste Kenner 
des Deutschen unter den Rumänen, jedenfalls besonders geeignet 
ist. dO sind die Übersetzungen aus Schopenhauer erschienen, 
92 die 2. vermehrte Ausgabe der Critice, die ich zu meinem 
grössten Leidwesen nicht mehr benutzen konnte, nur Bd. 1. 

Doch hätte er trotz aller Begabung sein Ziel nicht er- 
reichen können, dass nämlich der Schriftsteller sowol fähig als 
Willens sein müsse die Wahrheit zu sagen, wenn er nicht je 
länger je mehr Männer gefunden, welche ihm bei dieser Wieder- 
geburt des öffentlichen Lebens halfen, zunächst durch Vortrage, 
dann in den „Conyorfoiri literare*', die vom 1. 4. 1885 an in 
Bucurescht erscheinen. 

Obgleich die bisher gepflegte Mittelmässigkeit in der 
„Neuen Richtung** nicht geduldet wurde, viele ihrer Ange- 
hörigen wirklich begabt sind, müssen wir uns hier kurz fassen, 
weil die meisten noch leben, also noch nicht abschliessend 
beurteilt werden können*). 

A. Gefühlsdichtung. 
Vor allen ist hier V.Alecsandri zu nennen, dessen 
Herz jung genug geblieben war, mit den Jungen zu empfinden 
und zu arbeiten um Sprache (und Rechtschreibung) von den 
Fesseln der Schulmeisterei zu befreien^). Es lässt sich denken, 
dass der Anschluss des schon damals berühmtesten Dichters die 
Sache wesentlich förderte. Von 68 an erschienen in den Conv. 
lit., 75 mit Varia und Legende als 3. Band, seine Pastellbilder, 
welche Maiorescu*) eine Reihe von grösstenteils lyrischen 
Dichtungen nennt. Dagegen ist zu bemerken, dass die meisten 
schildern, häufig jedoch sind darin Ausbrüche der Empfindung. 
AI. scheint bemerkt zu haben, dass ihm zum eigentlichen Ge- 
fühlsdichter das Beste fehlt, nämlich die Tiefe, und wie unten 
in Übereinstimmung mit Jorga^) gezeigt wird, auch die dem 
Kunstdichter nötige Durchbildung. Daher diese auf der Grenze 
der erzählenden Dichtung stehende Sammlung, deren Stücke 
von einander zu trennen nicht rätlich scheint; denn sie sind, 
wie Maiorescu fortfahrt, „alle von so reinem und mächtigem 



') S. Slavici „Die Rumänen", am Ende. *) C. lit. 24, 590 f. 
3) Mai, Grit. 440. *) eb. 349. s) Rev. n. 3, 249. 



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— 141 — 

Naturgefühl beseelt, und in so vollendeter Sprache, däss sie 
der unvergleichlich grösste Schmuck der rum., eine Zierde der 
Dichtung überhaupt sind.^ 

Letzteres gewiss, doch scheinen uns Bolintineanus und in 
anderer Art Eminescus beste Gedichte diesen mindestens eben- 
bürtig. Indessen ist über den Geschmack bekanntlich nicht 
zu streiten: und wenn Alecsandri kein flammend<ir Feuerberg 
ist wie jener, kein erstarrter, lavagepanzerter, wie dieser, so ist 
er ein lieblich bewaldeter, rebenumrankter , wo Mensch, Tier 
und selbst Pflanze voll Leben und Lebensfreude sind. Welcher 
der höchste, kann nur der entscheiden, der mit ihnen auf 
mindestens gleicher Höhe steht; wir sehen von unserm Stand- 
punkt aus kaum einen Unterschied. 

Hauptgegenstand der Pasteluri (bis Nr. 30) ist das Land- 
leben : Tages- und Jahreszeiten, Naturerscheinungen, Landarbeit. 
Die letzten enthalten einige Bilder aus der Fremde. 

Vollendet sind die Landschaftsbilder: Frühling, an dem er 
ein kindliches Vergnügen findet, mit dem Schlüsse: 

Das ist der Frühling, voller Grün den Busen, 
Er bringt uns* Hoffnung, Liebe, Leben wieder; 
£3 tauscht der Himmel mit der Erde Küsse 
Durch goldne Stralen aus und frohe Lieder. 

Ebenso froh schliesst „Winter**: 

Da hört er auf zu schnein; die liebe Sonne 
Bricht durch und flimmert auf dem weissen Meer, 
Ein Schlitten fliegt darüber wie ein SchifQein, 
Die Schellen klingeln lustig zu mir her. 

Auch die trübe Stimmung ist im „Herbstausgang** schön 
ausgedrückt; doch scheint der Schluss hier etwas nüchtern: 
Der Mensch wird grüblerisch und ruckt ans Feuer. 

Wunderhübsch ist dagegen wieder die träumerische Wald- 
einsamkeit geschildert im „Ufer des Siret**, welches schliesst: 

Und die Gedanken schweifen fort in die weite Welt 
Mit dieses Baches Wellen dahin durch W^d und Feld; 
Das Laub nur rauscht, es murmelt der Bach; ein Eidechslein 
Blickt zu mir her und streckt sich im warmen Sonnenschein. 



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— 142 — 

Auch das Waldkonzert ist so anmutig, dass man ihm seine 
Länge nicht tum Vorwurf machen kann, desgleichen der Mir- 
ceschter Wald: 

Meiner Heimat Waldesschatten, nimmermehr vergess' ich dein! 
Nur möchte man bezweifeln, ob der Geier der Lerche 
wirklich ^^freadig** lauschte, wahrscheinlich denkt und fühlt er 
weniger platonisch. Ebenso ist es nicht denkrichtig, Kaschmir 
neben Asien zu nennen (12), s. Varia 1. 

Doch auch der volkstümliche Zug fehlt nicht, siehe das 
reizende „Rodica", der die Schnitter das Wasser austrinken, 
und ihr Korn über den Kopf schütten, wie es Hochzeitsbrauch 
ist. Von der Schwere der Feldarbeit merkt man nirgends etwas. 
Deutlicher ist diese liebenswürdige Schalkhaftigkeit in 2!), 
dem verliebten, und 27, dem dichtenden Weidmann, womit er 
wol sich selbst meint. 

Auch Form und Ausdruck lassen nur wenig zu wünschen 
übrig. So ist es nicht dichterisch, „die Nacht wie ein Trost- 
gedauke'* (13), denn Sichtbares kann nicht durch Unsichtbares 
veranschaulicht werden. Vgl. dagg. Kinkels: Es heilt die 
Nacht des Tages Wunden usw. 23 Ende sind die „Wasser- 
rosen** wol fleischern — undeutlich. 

„Varia" sind durchweg nur Gelegenheitsgedichte. 7. 11. 18 
(am Schluss nicht recht verständlich) in Art der Pastelle. 

Nach 4 sitzet Stefan , der 99 als Gesandte unverletzliche 
Tataren auf einmal köpfen liess und den hundersten ohne Nase 
und Ohren heimschickte, „zur Rechten Gottes", nach 5 soll 
er, der erbitterste Feind der Walachen, von ihrer Vereinigung 
mit den Moldauern geträumt haben (!). In 15 nennt er Frank- 
reich „das heilige Opfer", weil es für seine Unverschämtheit 
die verdiente Züchtigung bekommen hat, und vergisst die Haupt- 
ähnlichkeit zwischen ihm und dem Rheine, dass nämlich beide 
durch den. Sturz gesunken sind. Fr. ist nicht „auf goldener 
Brücke über das vom Feinde bereitete (!) Verderben hinwegge- 
schritten**, am wenigsten ,",erh2^ben'* — unsereiner wenigstens 
entdeckt in der Commune, den Kammerskandalen, den „Siegen" 
in Tonkin nnd der Schweifwedelei vor Russland davon nichts. 
Die Fabeln dagegen sind gelungen. 

Der Ausdruck lasst oft zu wünschen übrig : 1 1 ist die 
Bukowina eine Blume, von der Sonne gefallen (!), alle Schätze 



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— 143 — 

sind ihm nichts gegen eines Weibes Schatten und dgl. Blöd- 
sinn, von avalan^H 15 zu schweigen. 

Im einzelnen noch höher zu stellen ist der 3. (urspr. 4.) 
Band der Gedichte, 1880; im einzelnen, sagen wir, denn gleich 
gegen das erste müssen wir zu Ehren derWahrheit ent- 
schieden Einspruch erheben. Denn es giebt keinen „Gesang 
des lateinischen Volkes'*, weil es kein lateinisches Volk giebt, 
sondern wesentlich nur Iberer, Gallier, Daker usw., denen das 
Latein von ihren Bezwingern aufgedrängt ist. Die Vertreter 
der „Ginta Latina'* haben in ihrer Begeisterung dies Gedicht 
preisgekrönt '), worin sie als Herrgott auf Erden bezeichnet wird, 
sie, welche „den Stern auf der Stirn und Licht hinter sich 
^essend'' den andern Völkern stets vorangeht. Ginte latina 
^eht also entweder den Krebsgang, oder ihr Kopf ist so hohl, 
dass der Stern hindurchscheint. Wir lassen ihren Anbetern die 
Entscheidung und die grossen Worte; wir lieben mehr die 
grossen Taten. 

Wenn wir aber diesen Dünkel abweisen, so hindert uns 
das nicht anzuerkennen, dass AI. in diesem Bande sonst Vor- 
zügliches geleistet hat, so: Sehnsucht nach Tannen; auch 
Balkan und Karpaten und andre der Kriegslieder sind kraft- 
voller als frühere seiner Gedichte; man sieht, die grosse Zeit 
hat ihn gehoben. Meist aber haben diese als Qelegenheits- 
oder Zweckgedichte geringeren Kunstwert, und dasselbe gilt 
von den „Varia'*, die der Blandusiaquelle (s. u. C), beigefügt 
sind, obgleich er hier seine Liebe zu Rumänen wie Romanen, 
oder wie er fälschlich sagt: Lateinern, begeistert verkündigt. 
Leider hatten die letzteren für den „Lateinerbund** nur in' der 
Provence Verständnis ; sonst fühlte er sich überall völlig fremd 
<S. 210). Näheres Eingehen, auch auf das seither in Conv. lit. 
Erschienene, müssen und können wir uns ersparen. AI. starb 
am 22. 8. 90 und wurde mit fürstlichen Ehren bestattet. 
Seinem Andenken ist gewidmet: „Lui V. A. iubire ^i admira- 
^iune**, Bac. 90, Proben und die bei seinem Tode über ihn 
ausgesprochenen Urteile usw. enthaltend. Am besten Maio- 
rcscu*). 

Viele Übersetzungen aus ihm enthalten die rumänischen 



Telegraful Rom. 26. Nr. 58. *) Conv. 1. 20, 9. 

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— 144 — 

Dichtungen von C. Sylva und M. Kreninitx, auf welches bekannte 
Werk hier ein für allemal hingewiesen sei. 

Wenn. auch kein Alecsandri, ist doch Vasile Po^or, geb. 
1833 zu Jassi, ebenfalls einer der bedeutendsten Anhänger der 
, Jugend", die er mit begründet hat Er studierte in Paris 
Rechte und Schrifttum, trat jedoch erst 70 in den Staatsdienst» 
als er zum Minister berufen war, um nach wenigen Wochen 
abzudanken. 72 in die Kammer gewählt, gestand er dort, er 
lese keine rumänischen Zeitungen, weil er nichts daraus lernen 
könnte. Er hat wenig selbst gedichtet, so die egyptische Sfinx, 
dagegen viel und gut aus dem Latein, Französischen und Deut- 
schen übersetzt, selbst Faust (gemeinschaftlich mit Scheletti).. 
^iganul nach Richepin ist eigentlich Rückerts Chidher. 

Dasselbe gilt von A. Na um, geboren zu Roman 1835» 
der in Paris die schönen Wissenscha.ften studierte, 66 Schul- 
aufseher, 74 Schulvorsteber wurde. 

Seine Gedichte, erschienen 90: 1. Bd. „Versuri", 1. Bd. 
„Traduceri in versuri'* Ja^i, zeichnen sich ebenso durch ihreSprache 
wie durch Gedankenreichtum aus, so „In memoriam", wo er 
nach einer glänzenden Schilderung der Meerenge von Grbcahar 
den „dort'' begrabenen Helden friedlichen Schlummer wünscht. 
Der Gegensatz zwischen dem schnaubenden Dampfer und den 
Grosstaten grauer Vorzeit, unter denen übrigens auch die der 
Goten hätten erwähnt werden können, wirkt sehr überraschend ; 
nur das verbindende „dort*' ist zu unbestimmt. Unmittelbar 
vorher steht Tanger, er meint aber Spanien. 

Dieselbe gefestete Männlichkeit zeigt sich in „An Leo- 
pardi'S worin er wol der sehr beliebten Nachahmung desselben 
Schranken setzen wollte. So warm er darin den „Sänger des 
Todes*' anerkennt, fragt er doch: Hattest du statt zu fluchen 
Trost gespendet, wie viel Schmerzen hättest ;du lindem können ? 
— Er erkennt also hier richtig gegenüber all den -Rittern von 
der Dachtraufe, dass die Dichtung ein weltlich Evangeliiun ist: 
eine Freudenbotschaft, keine Trauerkunde. 

Leider ist diese Sümmung selten; die meisten Gedichte 
kann man nach seinem vielleicht besten „Aegri somnia*' -nennen. 
Er schildert darin begeistert Rom, Athen, Prometeus am 
Kaukas, Polen, nicht unwürdig der Klage Byrons : O Rome my 
country, city of the soul! usw. Besonders gelungen sind die 



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— 146 — 

Panathenäcn; nur stören hier Wörter wie cortegiu und dre 
nichtsnutzigen lateinischen Formen : peplam, Sunium und dergl. 
Er schliesst : Du Griechenland glaubtest an Unsterblichkeit, wir 
Totgebomen, Hoffnungslosen, an die Vernichtung. Das Game 
ist wie Hora naor^ilor ein Hoheslied der Vergänglichkeit, ähn- 
lich dem Shelleys. Mit diesem teilt er die Begeisterung für 
das klassische Altertum, welcher die reizenden „Elegien** (im 
Sinne der Alten) nach Properz und TibuU zu verdanken sind. 
Siehe z. B. Batil caträ Lidia. Auch hat er hübsche Schilde- 
rungen (Riul curge). Im übrigen ist sein Pessimism ebenso 
entschieden, jedoch minder tiefgründig als der Eminescus, der 
ebenfalls singt : Ideal perdut in noaptea unei lumi ce nu mai 
este, wie Naum in „Idealul**, dessen nur zu seltene Erschei- 
nungin Praxiteles, Vergil und bei den neueren Völkern erschwung- 
voll feiert, um mit der Bitte zu schliessen , auch Rumänien, 
dem Spätling, eine Blüte zu gönnen. 

An dieser Bescheidenheit hätte sich Alecsandri ein Beispiel 
nehmen können. 

Im übrigen hat Naum gleich Pogor viel und gut übersetzt : 
Lamartine, Musset, Chenier, Ponsard, Mistral, Gautier und 
Hugo. «) 

Ebenfalls Mitbegründer der Neuen Richtung ist der gleich- 
alte Nieu Ganea, der auch 86 einen Band Gedichte heraus- 
gegeben hat. Er ist geboren um 35 zu Fälticeni, und war Bürger- 
meister von Jassi. Er ist ein Papagei-Pessimist, siehe den 
Schluss von „Aus der Vergangenheit", das der „Heimkehr*' 
des Norwegers Vinje^) im Stoffe ebenso ähnlich wie in der 
Behandlung entgegengesetzt ist. Er ist bedeutender als Er- 
zähler, siehe daher B. ') 

Gleichfalls ein Mitbegründer der „Jugend'* ist Nicolae 
Scheletti, geboren 1836 zu Husch. Als Kadett in Potsdam 
ausgebildet, war er schon 69 Oberst, als ihn eine Gehirnkrank* 
heit ergriff, welcher er in Wien am 20. 6. 72 erlag. 

Er hat einiges aus Lamartine, mehr aus dem Deutschen: 
Göthe, Schiller, Ubland, Claudius und Heine, übersetzt, welcher 
letztere auch auf seine eigenen Gedichte starken Einfluss ge- 



») N. Jorga in Lupta, Manliu, a. 184 f. *) Um die Erde, S. 216. 
*) Pop 2, 84. 

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— 146 — 

übt hat. Daher sind sie von 6. Scheletti, seinem Bruder, *) in 
Musik gesetzt, sehr beliebt geworden, obgleich man sie nnr 
als gute Durchschnittsware bezeichnen kann. Ihre Zartheit 
wird süsslich, die Empfindung anempfunden, so: Widmung an 
Frl. R. T.; auch der Mond nebst Sternen (,, Siehst du den 
Stern?" = Peine Liebe) spielt natürlich eine Rolle: ^Era o 
Junä"; beim „Abschied* seufzt er:* ich werde beständig weinen, 
denn ich habe keine Hoffnung ausser dir. Dass sie ein Engel 
ist, versteht sich: ^Ich liebe dich, du Süsse**, mit dem Schlüsse: 
du bist das Urbild, das ich geträumt. 

Dies aber ist so zart, dass es entflieht, wenn man es 
nennt, es soll vielmehr im tiefsten Grunde des Dichterherzens 
ruhen, und nur seinen Widerschein darf man sehen. Dass er 
jedoch auch anderer Töne fähig, zeigt seine „Widmung an 
Ossian*', ein Widerhall von diesem, und seine vaterländischen 
Gedichte. So sieht er nachts auf den Mauern von Cetatea 
Neam^ului die Schatten der früheren Helden, die trauernd auf 
das geknechtete Vaterland hinabblicken. „Bauer und Bojar^ 
zeigt ein Herz für jenen.*) 

Zwischen 42 und 43 ist Jacob Negruzzi, Sohn C. N. s. 
zu Jassi geboren, von 52 — 63 in Berlin, grosser Fechter, bis 
er 61 schwer verwundet und fleissig wurde. Auch er schildert 
in seinen Poesii, 1872, sein Urbild und glaubt es endlich im Leben 
gefunden zu haben ; als er sieht, dass es ihn nicht haben will, 
wird ihm das Leben zur Last. Er bricht den „Schwur", näm- 
lich sie zu fliehen, sofort. Er singt, teils schmachtend, teils 
geistreich, Nr. 7 und 15, wo er meint, ein anderer wird mit 
weniger Liebe und mehr Verstand sein Ziel erreichen. 18 lehnt 
er wie sein Vorbild Heine „unbeweglich" am Mäste, während das 
Schiff hin- und hergeschleudert wird. Am Ende einige hübsche 
Seebilder, auch 39, 44, 51 sind gelungen. 

41 wird nach 6. Schelettis Weise viel gesungen: er wartet 
auf den Mond, der ein sterblicher zu sein scheint, was er 
immerhin deutlicher hätte ausdrücken können. 

Auch er ist einer der Gründer der neuen Richtung, deren 
Blatt er seit Anfang (1. 3. 67) leitet, und worin diese Gedichte 
zuerst gedruckt sind. Nach Läzäriciu u. a. geb. 36 ; unrichtig. ') 

i) Rev. N. 3. 41 ff. *) Fam. 17,288. ') Farn. 26, 73 f. 

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— 147 — 

Sehr schwarzseherisch und ungleich massig in seinen Leist- 
ungen ist Dimitrie Petrino, aus edlem Geschlecht 1846') in 
-der Bukowina geboren, deren Lieblingsdtchter er seit 60 wurde, 
besonders durch den „Bukowiner Reigen**, der wie die „Bitte** 
•die Liebe zum Weibe und zum Vaterlande feiert. Ein Oheim 
Termaehte ihm eine Million fl., die zur Hälfte sein Vater, zur 
Hälfte er selbst binnen kurzem durchbrachte. Diese Aus-^ 
Schweifungen brachten ihn an den Rand des Grabes, doch ge- 
nas er, freilich ertaubt. Gegen den Willen der Eltern hatte er 
die schöne Freiin. ton Bruckenthal geheiratet, trieb aber in Odessa 
und Wiep, wo. er, grossjährig geworden, sein Erbteil erlangte, 
<iie Verschwendung so arg, dass seine Gattin vor Kummer die 
galoppierende Schwindsucht bekam und vor Ablauf eines Jahres 
starb. Dieser selbstverschuldete Verlust raubte ihm allen 
Lebensmut und entlockte ihm in den „Grabesblumen**, 1869, 
rührende Klänge. Es folgten „Lichter und Schatten**. 1870 zu 
Cemowitz. 75 begab er sich nach Jassi, wurde Vorsteher der 
Staatsbücherei, machte sich schon in einigen Jahren unmöglich 
und starb 29. 4. 78 in Bucurescht. 

Von seinen jugendlich überschwenglichen Liebesgedichten, 
die Heines Einfiuss verraten — er hat in Wien studiert — sind 
viele auch in Rumänien volkstümlich geworden, so : 
Ich frug: was ist die Poesie? Gott sprach darauf: Das ist Marie. 
Oder gar: 

Fühlst du, wenn ich dich sehe, 
Nicht, was mich zieht zu dir? 
O lass mich's dir gestehen : 
Der Herrgott bist du mir. 
Die Fortsetzung ist noch unmännlicher. Geradezu lächerlich 
wirkt: „Traurig welkes Biätttein*" mit dem Schlüsse: Dieses 
Leid hat keine Grenzen. — Solcher Jammer ist nicht .dichte- 
rischer als das Gequiek eines gestochenen Schweines; und 
weno Heifne dies so sehr gefordert hat, muss man das .seiner 
Eitelkeit und seinem Geschäftssinne zu gut halten. . > 

Es erscheint daher der Entschluss, die „ Nach tigal**, viel- 
mehr gutr schäferlich Filomela an seiner Stelle heilige:.(0 Lieder 
singen zu lassen, sehr vernünftig. • 

>) Sion giebt Rev. N. 4. 46flf, 1845 als Geburtsjahr an, was nach 
seiner Darstellung richtig scheint, nicht 1838, wie Pop. u. al 

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— 148 — 

Etwas besser sind „der SchutzengeV* und „Unschuldig 
Töglein*', welches ihr seinen Tod melden soll. 

Wunderhübsch sind dagegen andere, so „Codrul verde" und : 

Dass ich dich liebe, weiss ein jeder, 
Der mich nur sieht von ungefähr, 
An meinen Tranen, meinem Lächeln: 
Es kommt von deinen Blicken her. 

Ich lächle, dass die Tranen keiner 
Erblickt, die heimlich ich geweint, 
Doch jeder siebtes an meinen Augen, 
So fröhlich auch mein Antlitz scheint. 

Sie wissen's alle, gross und klein, 
Dass ich dich liebe, dich allein. 
Ebenso : Heimlich gieb mir einen Kuss ! 

Aber dieser selbe Dichter singt in dem „Seufzern" : 
Schlaf ist alles, Nacht das Leben, 
Und die Sonne scheint nicht mehr. 
Und in dem grässlichen ,, Fluche** : 
Je4erzeit und allerorten 

"V^ar der Himmel feindlich mir (dem verluderten Erben einer 

Million 
Nachdem er eine ganze Seite lang alles, ob gut, ob 
schlecht verflucht, schliesst er: 

Und in meinem Todesfluche 
Sterb' ich, ein Verfluchter, dann! 
Wie er darauf gar die Verwesung schildert , wollen wir 
dem Leser ersparen. Zu bedauern ist, dass eine solche Be- 
gabung 80 (im Alkohol usw.) verkümmern musste. 

Noch kurz vor seinem Tode erregte er grosses Aufsehen 
durch seine (irredentische) Rede bei der Gedächtnisfeier am 
Grabe des Fürsten G. Ghica (dem Ostreich die Bukowina ab- 
genommen hat.)*) 

Begabt ist auch Michail Cornea, als Sohn eines ehe- 
maligen Ministers zu Jassi 38 geboren. Nachdem er in Paris 

') Maiorescu Grit. 394. 

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— 149 — 

die Rechte studiert, heiratete er zu Haus und liess sich nach 
zweijährigem Aufenthalt in Italien zu Jassi als Sachwalter nie- 
der, jetzt in Buc. 

' Bis etwa 70, wo er auch französische Gedichte heraussah, hat 
er der Neuen Richtung angehört und in den Conv. lit. rumä- 
nische veröffentlicht, in denen er jedoch mit seiner unglück- 
lichen Liebe geradezu unerlaubt schön tut. So fragt er auf 
den Hinweis : 

Sieh, wie so manche andre dir hold entgegen lacht! 

Da wirst schon eine finden, die wieder froh dich macht ! 

Wol kann mir eine bringen der Liebe Sonnenschein; 

Doch kann ich je mit andern so unglückselig sein? 
Trotz dieser trostlosen Stimmung ist jedoch z. B „Eine Träne** 
sehr hübsch und kunstvoll, sofern er darin seine Jugendträumc; 
von Glück und mit denselben Reimworten seine Enttäuschungen 
beschreibt. 

Man begreift, dass dies Gedicht, freilich verstümmelt, zum 
Volksliede geworden ist. ') 

Teodor Scherbanescu ist geboren um 39 zu Tecuci. 
In Paris ausgebildet, trat er 59 ins Heer, gab jedoch 71 den 
Dienst auf. Erst 68 begann er Zeugnisse einer Jugendliebe in 
der Bucureschter „Biene des Pindus" zu veröffentlichen , von 
denen besonders „Lächeln und Tränen^' sofort Aufmerksamkeit 
erregte. Sein „Walzer" aber hat ihn im ganzen Lande bekannt 
gemacht. Ein Paar tanzt, das Mädchen will trotz aller War- 
nungen nicht aufhören, bis sie tot umsinkt, worauf er den 
Verstand verliert. Nichts besonderes. Ergreifend ist sein 
,, Schrei*', worin er vor Schmerz die Erde auf Gott schleudern 
möchte. Ganz reizend dagegen ist „Zwei Glückliche'* welche 
die ganze Nacht beisammen sitzen, aber schliesslich trotz alles 
Glückes doch — gähnen. In der Tat weiss er nicht nur der 
damals noch ungeformten Sprache einen Zauber zu verleihen, 
welcher an Bolintineanu . erinnert , sondern er ist ausserdeni 
noch reich an schönen Bildern und geistvollen, zuweilen jedoch 
etwas gesuchten Gegenüberstellungen. So im Eco de resboiu, 
Zimbiri ^i lacrime und am Schlüsse des Schattens: 

») Pop 2, 98. 

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— 150 — 

Es scheint, mir hat es so beschieden 
Ein bösgesinnter Schicksalsstern: 
Dass ich dich fliehe, bist du nahe. 
Und dich ersehne, bist du fern. 

Dies ist daher, leicht geändert, Volkslied geworden ; ebenso 
„Scheiden*', mit dem schönen Eingange: 

Seit sie von mir geschieden, 
Die liebliche Gestalt, 
Halt stets der Sehnsucht Geier 
Die Brust mir fest umkrallt. 

Desgleichen das sehr . schwärmerische : Wo bist du? Aber 
er weiss sogar der Sternenliebe eine neue Wendung abzuge- 
winnen: Selbst die Sterne suchen dich. Ja, „Zum Himooel 
blick' ich auf verwundert" schliesst: 

Es hat das All nur einen Himmel, 

Ich hab' in deinen Augen zwei. 
Besonders schön, weil von solchen Oberschwänglichkeiten 
frei, sind : Sehnsucht, die Träne, Wolke und Leid : Beide speien 
Verderben, aber indem sie sich auflösen, beleben sie neu. End- 
lich das reizende : 

Wisst, was das Vöglein im Lence singt? 
Was haucht das Blättlein, wenns niedersinkt? 
„O liebt!" singt Vöglein im grünen Wald; 
Es haucht das Blättlein: „Ihr sterbt ja bald!"*) 

Josif Vulcan, geboren 41 zu Hollod, studierte in Pest 
die Rechte, wurde jedoch 74 Leiter der iM von ihm gegrün- 
deten „Familia", seit 79 in Grosswardein,^) die bisher aufrecht 
erhalten zu haben sein grösstes Verdienst ist. Er veröffentlicht 
darin viel eigenes; das Beste sind seine leichten, geistreichen 
Plaudereien im „Salon". — Anfangs Feind der N. Richtung, folgt 
CT ihr seit 80 inbezug auf die Sprache •) und hat so wesent- 
lich zum Siege derselben über die nordrnm. Lateiner beigetragen. 
Seine Dichtergabe aber ist gering, er leistet nur als sati- 
rischer und Gelegenheitsdichter etwas, so zu Alecsandris 
und Eminescus Tod. Seine cintece de amor sind Heine und 

i)Man.,Ant.208ff. »)MarkiS.,Bih.rom.irök,85ff. 3) Farn. 22, 373. 

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— 151 — 

Petöfi romanisch: Poesii 1866. Reifer ist Lira mea 82. Im 
Heimatsdorfe wäre recht hühsch, wenn er nicht mit dem Worte 
himmlisch so unerlaubten Misbrauch triebe. Beim Eintritt in 
des Lebens Herbst zeigt eine gefestete Männlichkeit, die gegen 
über dem steten Geheul der Pessimisten sehr angenehm wirkt. 
Vertrau dir selbst, Eumäne! sucht sie auch andern einzu- 
pflanzen , ebenso sagt er „dem rumänischen Volke'' derb die 
Wahrheit. Würdig singt er auch das Glück, welches seine 
schöne Frau ihm giebt; die (früheren) Liebesgedichte dagegen 
sind bis auf Stumme Liebe kaum geniessbar. In den Balladen 
stören die „Halbgötter'' und Spielereien wie einsilbige Zeilen 
S. 61 f. Amiros S. 203 und dgl. gehört nicht in Verse. — 
Wenn es nächstens in Ungarn ein rumänisches Schauspielhaus 
giebt, ist das sein Verdienst. Doch s. Maiorescu, Crit.^ 1, 333. 
Begabter ist Maria Suciu, geboren 1842 zu Fekete-Tot 
als Tochter des Oberpfarrers Boczko de Sebenyi, Gattin des 
Erzpriesters Suciu. Ebenso schön wie lebhaft, wurde sie 1891 
menschenscheu und musste am 1. 6. nach Pest in das Irren- 
baus gebracht werden, wo sie am 10. 9. n. starb. Sie ist die 
erste Frau, welche rumänische Verse veröffentlicht hat, und 
übertrifft alle altern nordrumänischen Schriftsteller männlichen Ge- 
schlechts an Tiefe und Zartheit der Empfindung, wie an Herr- 
schaft über Sprache (bei ihr zum erstenmal nicht latein.) und 
Vers, verdient daher hier einen Ehrenplatz. 

Denkst du daran, wie du mir einst geschworen, 
Da weinend meine Liebe du erfleht: 
Dich will ich lieben, die ich mir erkoren, 
Bis mir des Lebens Sonne niedergeht! — 

Ich glaubte dir; ich war noch jung und rein. 
Noch kannt' ich nicht der Liebe Qual und Pein. 
Jetzt bin ich nur, da ich's erfahren habe, 
Die Weide noch an meiner Jugend Grabe. 

Befremdlich ist bei der Frau die stete Sehnsucht nach dem 
Geliebten und Trauer um vergangenes Liebesglück, s bes. 
Herbstlied. Sie bleibt hier fast stets wie M. Poni, oft auch V. 
Miclea ein junges Mädchen; doch gilt ihre Sehnsucht auch 
der früheren Grösse ihres Vaterlandes. Ihre „Deine" sind teils 



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— 152 — 

echt volkstümlich, teils durch „himmlisches Lächeln" und dgl. 
entstellt. *) 

Ebenfalls ohne bedeutende Eigenart, aber als Übersetzer 
sehr tüchtig ist Stefan Virgolici, geboren 1843 zu Birla.d 
und 67-^71 auf Staatskosten in Madrid ausgebildet, worauf er 
in Jassi Lehrer wurde. Er hat u. a. Schillers Glocke und sonst, 
Byron, Cervantes, Ovid, Tartufe übersetzt. ^) 

Etwa gleichalt ist Samson B odnares cu, Bukowiner,. der 
67 — 70 von der ,, Jugend'* nach Berlin geschickt wurde. Jetzt 
Leiter des Lyceums zu Pomirla. 

In seinen Gedichten herrscht vielfach eine fast allzu grosse 
Weichheit der Empfindung; so „Im Garten", wo er im Liebes- 
auge (Pfauenauge) einen Gruss von der Liebsten zu empfangen, 
glaubt; so „In dürren Ästen, wo er auf einem welken Blatte 
„Vergänglichkeit'' liest, in „Hab das Ruder losgelassen'*, in 
„Wandrer auf des Lebens Wogen" und dem ähnlichen ,,Voiia 
Meere", wo er keinen Frieden findet, im Gedanken an die Öde 
und das Nichts. Etwas kräftiger ist „mein Geschick", schön 
die „Erinnerung an Rügen". Gedichte und Dramen, 84. Als 
Probe das letztgenannte: 

lieber steile Kreidefelsen ragt der Buchenwald empor. 
Still dem ewigen Liede lauschend, das die See ihm rauscht ins Ohr. 
Plötzlich regt sich^s im Gezweige, welke Bl&tter rascheln sacht — 
Siehe ! eines Hünen Schatten, der aus langem Schlaf erwacht. 
Eben tritt er aus dem Walde, steigt zum Königsstuhl hinan, 
Setzt sich oben hin und schauet in die weite Runde dann. 
Ja, es sind dieselben Klippen, überragt vom Buchenwald, 
Drunten schäumt wie einst die Woge, deren Lied ins Ohr ihm schallt, 
(Alles, alles noch wie damals, als er hier den Wald durchstreift, 
Und im Boot mit den Genossen übers blaue Meer geschweift!) 
Nur die Seinen sieht er nimmer, ob er spät auch noch so weit: 
Unter Felsenblöcken schlummern sie den Schlaf der Ewigkeit. 

( ) ist Zusatz. 

Nicolae B eldiceanu, geboren 26. 10. -44, dichtete nach 
Art Alecsandris. Zu rühmen sind besonders : Der Lautenspieler, 



') Von L. Suciu, vgl. Marki S., Bihari romän irök, Grosswardein 
1880, S. 122, Natiunea, vom 26. 9. 1891. *) Pop 2, 236. Grit. 360. 



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— 153 — 

auch Mo.^ä (Feier für die Toten ohne Angehörigen). Später 
ahmte er Eminescu nach: Der Totenkopf, Reihen der Unglück- 
lichen ; Pulvis et umbra sumus '). ^ 

£in echter Dichter ist J. Lapedat; geboren bei Herman* 
Stadt 1845, der in Paris ausgebildet, Lehrer in Kronstadt i^ar, 
aber schon 25. 3. a. 78 starb. Incercäri in liter. und As. situfi^iunii. 

Von 67 an hat er in Blättern Gedichte veröffentlicht, die 
er 78 in einem Bande herausgegeben, Das meiste ist freilich 
Mittelgut ; auch in den bessern sinkt der Ausdruck , so klingt 
das y,Weh'* in „An den Engel der Freiheit" etwas sonderbar^ 
doch ist die Gesinnung gross. Es beginnt; 
Freiheitsengel, höre das brünstige Gebet 
Des Volkes, das im Staube vor dir hier kniet .und fleht! 

Ähnlich in „An mein Vaterland*'; „An die Mutter" ist tief 
empfunden, weniger seine Liebesgedichte. Ferner aber sind 
hervorzuheben, „Unser Gott" und „Die Stimme der Ahnen"; 
das Märchen „Goldhaar'' und „Der Fürstin Taschentuch", 
Ballade (uhlandisch). 

Er ist einer der ersten, welche unter den Nordrumänen 
der Neuen Richtung gefolgt sind, starb jedoch zu früb^ 
als dass er sich hätte voll entwickeln können. Fam. 14, 208 ff. 

Miron P o m p i 1 i u , ursprönglich Moses Popovici, geboren 
als Sohn des Popen 1847 zu Schtei, war Lehrer in Jassi, jetzV 
nervenkrank. ^) Er singt oft ergreifend die Liebe zur Mutter, Dor 
de mama, Mama cea oarbä, lubirea de mama; zur Heimat, 
so in Valea Binsului und Revedere; die Freiheil:: Der Ver- 
urteilte in den Karpaten; Vaterland: An einen abtrünnigen 
Rumänen u. a. Auch trifft er den Volkston ganz gut. 

Seine Liebesgedichte dagegen sind .alltäglich; Engel mit 
himmlischem Haar (!) oder gar himmlischer Engel. „Seine 
Liebe" wagt er nicht zu gestehen, und dgl. Schülerleistungen. 
Seine Übersetzungen (Platen u. a.) sind gut 

Dimitrie C. Ollanescu, geboren 21. 3. 1849, hat in 
den Conv. lit. Gedichte veröffentlicht, Seine Haremsgedichte 
erinnern an die Blumen des Bospor gleichen Inhalts; anderes 
ist volkstümlich geworden, so: Ein stummer Schmerz. Auch 
übersetzt er viel und gut aus dem Latein und Romanischen, 

1) Briefl. 2) ßriefl. Marki S. a. 0. 88. 

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— 154 — 

bes. Horaz, vollständig 1S91, Buc. Jetzt rumänischer Ge- 
sandter in Athen. *) Er hat auch Lustspiele verfasst : Pribea^al 
4]nd das beklatschte Pe malul girlei 79. C. lit. 26,97 Novelle. 

Wir kommen nun zu Mihail Eminescu, so genannt von 
J. Vulcan, *) ursprünglich Eminovici, der uns besonders inte- 
ressiert, weil er gegenüber der herrschenden französischen 
Bildung deutsche Gedanken in Rumänien zur Geltung gebracht 
hat. Er ist als der bedeutendste Dichter des Landes bezeichnet, 
so von Vlähutzä; doch wollen wir nicht darüber streiten, ob 
er, eine blitzdurchzuckte Oewitternacht, vor Alecsandri, der ihm 
gegenüber ein sonniger Maimorgen ist, den Vorzug verdient. 
Maiorescu äussert sich über ihn gleich bei seinem Auftreten : ^) 

Ganz eigenartig, Kind der gegenwärtigen IJbergangszeit, 
blasiert, etwas grelle Gegenüberstellungen liebend, Gedanken- 
dichter fast über die Massen und noch so wenig entwickelt, 
dass es einem schwer wird , ihn gleich nach Alecsandri zu 
nennen — aber doch ein Dichter, ein Dichter im vollsten Sinne 
des Wortes ist M. Eminescu. 

Das öffentliche Urteil hat diese hohe Meinung glänzend 
bestätigt; denn die 61 Gedichte haben in den letzten 4 Jahren 
5 Auflagen erlebt, ein auch bei uns seltener, in Rumänien 
unerhörter Erfolg. Bd. 2: Prosa §i Versuri, Mor^un, Jassi 90, 
Bd. 3: Stratele superpuse, 4 : Culegere de artieole d'ale lui E. 1891. 

Der Dichter ist nach C. L 26,184 am 13./ 15. 1. 1850 in 
Botoscheni (nicht 1849 wie Pop*) geboren. Er besuchte 
die Schulen zu Cernowitz und Blasendorf, trat 68 in 
Pascalis Schauspielergesellschaft ein, zunächst als Vorsager, 
bis er in kleinen Rollen auftrat. 70 kehrte er in das Eltern- 
haus zurück und wurde vom Vater nach Wien, nach schwerer 
Krankheit von der „Jugend*' nach Berlin gesandt, wo er seine 
Studien vollendete. 74 heimgekehrt, wurde er Bücherwart, 
dann Schulaufseher zu Jassi, 76 entlassen, rieb sich als Leiter 
des „Timpur* auf und starb schon am 3./15. 6. 1889 an Ge- 
hirnerweichung in der Irrenanstalt des Dr. Sutzu bei Bucurescht. 

Wie schon erwähnt, ist er Alecsandris Gegenfüssler, auch 
in der Schätzung deutschen Wesens. Unter seinen Büchern 



») Briefl. 2) Tribuns 6, Nr. 159, 166 ff. Rev. N. 2. 250, Rom. R. 5, 
407. Fam. 25, 281, 371, 540ff. 21, 14. ^) critice 351. *) 2, 111. briefl. 



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— 165 ~ 

fanden sieh viele deutsche; er hat nicht nur eine Sanskrit- 
grammatik, sondern sogar eine Kantiibersetzung hinterlassen. 

Schon seit 65 Teröffentliohte er Gedichte, seit 70 in den 
ConT. lit. , wo „Venus und Madonna'* Aufsehen erregte. Er 
wendet sich darin ernüchtert von einer zweifelhaften Schönheit 
ab, die er sich zum Urbiide verklärt hat ; als sie jedoch weint, 
ist er bereit wieder ihr Sklave zu werden. 

Doch wir wollen und können nicht jedes Gedicht bespre- 
chen, sondern nur die Grundrichtungen derselben angeben. 
Von Haus aus ist Eminescu ein Vollblutromantiker ; und er 
wäre es vielleicht geblieben, wenn er im Anfange dieses Jahr- 
hunderts gelebt hätte. So heisst es in Nr. 48: 
Die Vöglein sind müde 
Und gehen zur Ruh: 
So schlummre in Frieden, 
Geliebte, auch du! 
Es schweigen die Wälder, 
Der Born rauscht sacht; 
Es schlummern die Blumen; 
Schlaf du auch, gut* Nacht! 
Leis kräuselt die Fläche 

Des Teiches der Wind; ^ 

Der Schwan geht zu Neste, 
Schlaf du auch, mein Kind! 
Es hebt sich aus Nebeln 
Der Vollmond so sacht* 
Ein Traum und ein Zauber 
Ist alles — Gut Nacht! 
Klingt das nicht ganz wie Eichendorfis: 
Wo die Wälder säuseln so sacht. 
Wo die Brunnen verschlafen rauschen 
In der prächtigen Sommernacht? — 
Auch sonst finden sich Anklänge an das Deutsche, so in 
Nr. 10 ^O bleib *", an Rückerts „Aus der Jugendzeit**. Nr. 1 
„Einsamkeit** erinnert an Lenau, Nr. 2 besonders an desselben 
„In eines Urwalds Grausen 
Beim stillen Dämmerschein . 
Mit der Geliebten hausen. 
Allein, allein, allein!** 



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— 156 — 

47 klingt „Über Hüger' das romantische Waldhorn , in 
dessen Verhallen man das Hinsterben der Liebe wahrzunehmen 
glaubt. Ähnlieh elegiseh sind 20, 33 Todesgedanken und 52 : 
Letzter Wunsch, zwischen Waid und See möchte er seine letzte 
Ruhestatt finden — beim Vollmond, versteht sich. 

Dieser , dem. sanften Gemüte des Dichters wahlrerwandt, 
begleitet ihn überall, selbst Egiptens Geschichte sieht er beim 
Mondschein am Nilufer an sich vorüberziehen (25), Leider ist 
dies Gedicht zu lang, doch wollen wir wenigstens seine Schilde* 
rung einer andern Totenstadt hören (21): 

Verstummt ist längst Venedigs lautes Treiben, 

Zerstreut hat sich des Volkes bunte Menge ; 

Auf Marmortreppen, ausgelegte Gänge 

Scheint heil der Mond, sich spiegelnd in den Scheiben. 

Der Meergott möchte sich die Zeit vertreiben, 

Er zieht, der ewig junge, hin durch enge 

Kanäle, schluchzend dumpfe Klaggesänge, 

Dass seine Braut nicht jung ihm konnte bleiben. 

So friedhofsstill! Kein Mensch mehr, scheint es, wacht. 

San Marco, Priester aus der Vorzeit Tagen. 

Verkündet eben düster Mitternacht. 

Mir ist, als wollte er ins Ohr mir sagen: 

Hin zu den Toten fuhr Venedigs Pracht ; 

Sie stehn nicht auf, drum lass das eitle Klagen! 

Doch liebt er mehr als die Fremde die Heimat, und hier 
zieht es ihn, wie er auch im letzten Wunsche noch ausspricht, 
vor allem zu Wasser und Wald. Die Reize dieser beiden 
schildert er in einer Reihe wunderhübscher, zum Teil echt 
volkstümlicher Lieder. 5, 12: Die Nixe oder Elfe, besonders 
schön; 14, 38: Waldmärchen, 49: Wiedersehen, vgl. Uhlands : 
O Berg und o grüner Wald, 
Wie seid ihr so jung geblieben. 
Und ich bin worden so alt! 
51 endlich „Von dem Dniestr bis zur Teiss**, (Schlagwort) 
spricht grossrumänischc Gedanken in einer Form aus, die auch 
der Bauer versteht: die welche den Fremden lieben, werden 
an den Galgen gewünscht. 

Da fallt es wie ein elektrischer Stral in die romantische 



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— 157 — 

Mondnacht: Elfen und N^xen verschwinden, und einsam steht 
der Dichter in der entgötterten Natur, auf der bleiehen Lippe 
da« alte Wort von der Eitelkeit der Eitelkeiten in der neuesten 
Fassung, nach Schopenhauer. So gleich in 6, Schwermut» 
worin er zunächst Matthissons „AbendlandschaA;*' etwas realisti- 
scher (Kalkgetüncht) wieder giebt. Dann schliesst er: 

Der Glaube, der in Kirchen die Bilder aufgestellt. 

Hat mir auch vorgesungen von einer Märchenwelt. 

Doch in des Lebens Wogen, in Ungemach und Streit 

Sind Schatten nur geblieben von all der Herrlichkeit 

Im müden Hirne such' ich nach Licht — es flackert, stirbt. 

Und nur noch herbstlich trübe ein heisres Heimchen zirpt,. 

(wie vorher „im alternden Gemäuer*'), 
Ich lege auf das Herze, das müde, mir die Hand, 
Doch ach! es klopft nur weiter; dem Wurm gleich in der W^and. 
Und blick' ich auf mein Leben zurück, mir ist im Grund, 
Als ob es mir erzählte ein teilnahmsloser Mund, 
Als war' ich nie gewesen — wer ist's, der zu mir spricht? 
Dass ich darüber lache ihm in das Angesicht, 
Wie über fremde Schmerzen — was geht es mich denn an. 
Was er erzählt; ich bin ja schon längst ein toter Mann! 

Nr. 7. Bitte eines Dakers übertrifft Göthes Prometeu» 
und selbst Lermontoffs „ Dank'" ' (Für alles dank* ich; gieb nur, 
dass ich dir, nicht lange, Vater, mehr zu danken habe!) an 
Trotz und Bitterkeit bei weitem; 

W^enn ich im Sterben liege, wer dann den Stein wird heben, 
Ins Angesicht mich werfen, schenk' ihnti das ew'ge Leben! 
Nur so kann ich dir danken, o Herr, wie's Recht und Pflicht^ 
Dass du das Gluck mir gäbest, zu schRun der Sonne Licht! 
Nicht beug' ich dir die Kniee, zu flehn um deinen Segen, 
Zum Hasse nur, zum Fluche nur möcht' ich dieh bewegen. 

Womöglich noch bitterer ist 23 „Mortua est**. Er fragt, 
warum sie sterben musste, warum sie entschwand, „ein Traum,, 
die Schwinge in Leid getaucht^ (vgl. Lenau), und schliesst: 

War' hierin Sinn,' Gott würde der Gottesleugner« lieben — 
Doch nein, auf deiner Stirne ist nichts von Gott geschrieben« 



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— 158 — 

In „Mitternacht** 3t » scheint ihm: der Wage Ziing^lein 
steht unhevregiich zwischen Tod und Leben. 

Also er weiss nicht, ob er lieber leben oder sterben wtli. 
39, ^Kaiser und Bettler** schildert den Gegensatz zwischen 
Reich und Arm und fordert mit flammensprtihender Beredsam- 
keit auf die M§n^aQsame und ungerechte Ordnung zu zer- 
schmettern, welche die Welt in Elende und Reiche teilt.** Wol 
das SchwungvolliBte, was er gedichtet Er schliesst: 
Und weisst du, was das Leben? 
Nichts als des Todes Traum. 
Da muss man doch fragen: Wozu so viel Lärm um einen 
Traum? und Longfellow recht geben: 

Ernst und wirklich ist das Leben, 
Kein vergänglich Traumgesicht! 
Auch ist es nicht immer so gewesen, dass der eine als Bettler, 
der andere als Kaiser geboren wird; daher ist es nicht not- 
wendig, dass es immer so sein wird. Denn die Menschheit ist 
nicht stets dieselbe, sondern sie kommt vom Flecke. 
So singt auch Eminescu in 36: 

„Vor unsrer Nacht geht her der Morgen, 
Der Tod ist selber nur ein Traum** 
und schliesst: 

Des Augenblickes Wandelbilder, 
Draus sich des Lebens Kette flicht, 
Sie bleiben dennoch unverändert 
In des Gedankens ew'gem Licht. 
Ein solcher lichter Augenblick begegnet uns auch am 
Schlüsse von 29, das sonst ein herzzerreissender Verzweiflungs- 
schrei ist: n^ngel und Dämon*'. Ein begeisterter Kämpfer für 
die Menschheit muss sich selber sagen , dass er umsonst ge- 
rungen. Ein Engel (Liebe oder vielmehr ein ihn liebendes 
Fürstenkind) tröstet ihn in seiner letzten Stunde, so dass er 
sich mit dem Himmel, gegen den er sich empört hatte, ver- 
söhnt. 

Gherea tut sehr unrecht diese Gestalt gegenüber Pro- 
meteus als widerspruchsvoll und erbärmlich darzustellen. Denn 
Prometeus ist kein Mensch wie dieser, der seinerseits nicHt 
widerspruchsvoller ist als Faust, Heine, kurz als die Menschen 
überhaupt. » j 

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— 159 — 

Noch kunstvoller ist die Glosse 4\, die beginnt: 

Rinnt die Zeit wie Meeresflut 
All isfs neu und alles alt; 
Was ist böse, was ist gut? 
Frage nicht: wo ist ein Halt? 
Hoffe nicht und furchte nicht. 
Denn was Welle ist, entwallt; 
Wende nicht das Angesicht, 
Bleibe gegen alles kalt. 

Nachdem er diese Zeilen geistreich glossiert, giebt er sie 
als glänzende Bestätigung in umgekehrter Reihenfolge. 

Aber so künstlerisch die Form dieses und ähnlicher Ge- 
dichte ist, so zweifelhaft ist der Gehalt. Es ist das Evangelium 
der Hoffnungslosen , von) übelsten Einfluss auf unreife Köpfe, 
indem es das bischen Tatkraft lähmt, das sie etwa haben und 
so gut gebrauchen könnten. 

Doch ist und bleibt diese greisenhafte Enttauschungslehre 
— mag sie durch Erfahrungen noch so begründet sein — dem 
warmherzigen Dichter etwas Fremdes, nicht in seinem Wesen 
Begründetes. Zeugen sind seine Liebeslieder , die , aus dem 
innersten Kerne der Persönlichkeit hervorquellend, diesen Zug 
kaum kennen, und deshalb das Schönste sind, bei ihm wie bei 
jedem andern Dichter. Eines ist in „Um die Erde'' (S. 114) 
übersetzt, eines oder das andere möge hier wenigstens noch 
folgen. Ziemlich jugendlich ist 3: 

Und pocht im Wind der Pappel Zweig 

So leis ans Fenster an, 

Ist mir, als hätt* ich dich im Sinn, 

Und kämst du leis heran. 

Wenn in den klaren Bergessee 

Die Sterne niederschaun, 

Ist ntiir, als schwände all mein Weh, 

Der Finsternisse Graun. 

Und tritt aus dunklem Wolkenflor 

Der Mond heraus so sacht, 

Ist mir, als trätest du hervor, 

Erleuchtend meine Nacht. 



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— 160 — 
Reifer, doch fast ebenso zart ist 45: 

80 lang auch noch die Zeit darüber gehe. 

Ich weiss gewiss, stets heisser lieb' ich sie, 

In ihrem ganzen holden Wesen sehe 

Ich ein „ich weiss nicht was", „ich weiss nicht wie** 

Ihr Auge blickt mich an so sonnenheiter. 
Wie ich's im ganzen Leben sah noch nie — 
Obgleich sie nur ein Weib ist, sonst nichts weiter, 
Ist sie doch anders; ich weiss §elbst nicht wie. 

Drum sitz* ich bei ihr, les* in ihren Blicken, 
Ist mir es gleich, ob sie mir schweigt, ob spricht : 
Füllt ihrer Stimme Klang mich mit Entzücken, 
Hat auch ihr Schweigen, was, ich weiss es nicht. 

Und seit sie mich in ihren Bann geschlossen. 

Geh ich denselben Weg ohn* Unterlass; 

In ihrer Reize Zauber, lichtumflossen. 

Liegt ein, ich weiss nicht wie, ich weiss nicht was. 

Man sieht, seine Begriffe von seiner Geliebten sind eben 
so unklar und romantisch , wie die vom Leben mit ihr. Er 
erwähnt nur Äusserlichkeiten ; was für eine Seele er sich 
wünscht,, scheint er selbst nicht zu wissen: deshalb findet er 
keine, und schliesst mit Luceaferul, siehe B. Über seine 
Frauengestalten siehe Conv. lit. 25, H47f. 

Es folgen die Sonette an »das Wunder mit den grossen 
Augen und den kühlen Händen^, „für immer verlören, für 
immer geliebt**, V. Miclea, die ihn wie so manchen andern ge- 
Basführt hat; er war übrigens ebenso unbeständig. 

An dieselbe ist wol Nr. 9 gerichtet: 

Gedenk* ich unser, wie es war vor Zeiten, 
Seh* ich das nächtlich eisbedeckte Meer; 
Kein Sternlein scheint vom grauen Himmel her. 
Den Mond nur seh* ich matt durch Wolken gleiten. 
Ein Vöglein seh' ich flattern halb, halb schreiten, 
Die müden Schwingen tragen es nicht mehr; 
Indes sein Gatte mit der andern Heer 
Sich schon verliert in ungemessnen Weiten. 



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— 161 — 

Mit mattem Blicke schaut es hinterdrein: 

Ihm ist nicht wol, nicht wehe mehr; im Sterben 

Denkt's einmal noch an Lenz und Sonnenschein. — 

Stets ferner schwebst du, fast schon ausser Sicht, 

Da seh' ich sich den Osten golden förben, 

Und du verlierst dich fern im ew'gen Licht. 

Dieses Bild zeugt von einer Dichterkraft ersten Ranges, 
und er hat nicht wenige solcher Gedichte. — Nachdem sich 
jedoch Eminescu von ihrer Untreue überzeugt, wird in andern 
die hier herrschende Ergebung durch eine Bitterkeit unterdrückt, 
die sich z. B. im folgenden äussert (11): 

Und bin ich tot, so flüstre man deinen Namen mir 
Ins Ohr als einen letzten, den letzten Gruss von dir; 
Dann mögen sie mich werfen nur auf die Strasse hin, 
Glückseliger bin ich immer noch, als ich jetzt es bin. 

Sehr schön vergleicht er die Liebe 27 mit einer Schling- 
pflanze, welche den ahnungslos des erfrischenden Bades Ge- 
niessenden umstrickt und in die Tiefe zieht. 

In 4 H^AJul Cupidon** dagegen schildert er den Schalk, 
den er so gut kennt, „der mit Kindern zankt und mit Mädchen 
schläft" : 

Runden Hals und stolze Schultern, 
Busen, zart und weiss wie Schnee, 
Er hält alles wol verborgen, 
Dass kein fremdes Aug* es seh. 
Aber wenn du schön ihn bittest. 
Machst du dir den Schelm geneigt, 
Dass er flüchtig hebt den Schleier 
Und sein herrlich Reich dir zeigt. 

Diese Proben mögen genügen. 

Aber er hat der rumänischen Gefuhlsdichtung nicht nur 
einen neuen Gedankengehalt , sondern auch zugleich die ent- 
sprechende Form in fast jmmer klassischer Vollendung gegeben, 
wenigstens in den späteren Gedichten; nur vereinzelt finden 
sich kleine Unregelmässigkeiten. 

Wir nehmen daher keinen Anstand ihn als den bedeutend- 
sten Anhänger Schopenhauers unter den Dichtern nicht nur 

DigttJedby Google 



— 162 — 

Rumäniens, sondern vielleicht überhaupt, zu bezeichnen. Eine 
vollständige Übertragung seiner Gedichte wäre daher auch für 
Deutschland wertvoll; vielleicht folgt sie, denn die von Grigo- 
rovitzä u. a. genügen nicht. 

Er ist, wie gesagt, schon gestorben; aber die von ihm 
gestreute Saat keimt und trägt reiche Früchte.') 

Wir kommen nun zu zwei Frauen, die beide mit der 
Neuen Richtung gehen und auch sonst einander ähneln. 

A. V. Miclea, 1850 zu Näs^ud (nach Manliu A. 1853 zu 
Jassi) geboren, wurde 14 jährig einem alten Professor vermalt, 
dem das sinnlich schöne und begabte Mädchen bei der Prüfung 
gefallen hatte. Er starb 79, worauf sie 83 nach Bucurescht 
zog, um ihre beiden Töchter besser ausbilden zu können. 
Noch immer so schön, dass sie viele, auch Eminescu, beglückt 
und zur Verzweiflung gebracht hat^ schrieb sie Liebeslieder, 
fast immer sehnsuchtsvoll, wie M. Suciu und M. Cugler, manch- 
mal mit unausstehlichem Schmerzbehagen (ca mi ar sdrobi). 
Die meisten Lieder dagegen sind wahr, empfunden, und geben 
so ein treues Bild ihrer leidenschaftlichen Persönlichkeit; siehe 
das Lebewol an Eminescu: 

Wohin ich auch mich wenden werde, 
Mein Lied dir ewig Zeugnis giebt, 
Dass auf der ganzen weiten Erde 
Ich dich, ja dich allein geliebt! 
Sie konnte ihn nicht vergessen, siehe ihr letztes Gedicht, 
Mondstralen. Aus dem Traume erwacht, schreibt sie ganz ver- 
nünftig, so: An einen Freund. 

Ihre Liebe zu ihm (E.) hat N. Jorga in 4 Stufen zerlegt : 1 . Schöp- 
fung eines Urbildes (statt der verlorenen Gottheit), 2. Verkörpe- 
rung, 3. scheinbare Verwirklichung desselben, 4. Enttäuschung. 
Er nennt diese „mystische Liebe'* einen Irrtum; in der Tat ist es 
eine Kinderei, bekanntlich wandeln keine Götter auf Erden. 
Die Enttäuschung gebiert dann Welt- und MenschenverachtuRg. 
O fliehe! schliesst: Zu übler Stunde kam ich zur Welt. Auch 
im „Spiegelsee" erklärt sie ihr Leid für das schwerste. 



') Ueber E. hat fast jeder geschrieben, siehe die Zusammenstellong 
C. Y. Tasilius, Buc. 91. Seitdem noch Petra^co, Conv. 1. 25, Heft 3ff., 
besonders gut über seine Sprache, 668 ff. ^) eb. 24, 56 fl. 



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— 163 — 

Sie erzählt auch gut, siehe das reizende Märchen von der 
Rose und die Novelle Rendez-vous. Die Form ist bei ihr durch* 
iveg sorgfaltig, weshalb sie die ihr am 13. 12. a. 1890 zu 
Bucurescht gesetzte Büste wol verdient. 

^^Poesii*' 87, 89 Kindergedichte Gest. 3. 8. a. St. 89 im 
Kloster Yaratic an Lähmung. *) 

M. Cugler, von deutschen Eltern 1853 in der Bukowina^) 
rgeboren, lernte noch Französisch, Italienisch, Spanisch und 
Englisch, daher vielfach beeinflusst, besonders von Heine, Lenau, 
auch Auersperg ; doch hat sie oft eben so neue wie gute Ge- 
danken, die sie in einwandfreien Versen und zum Teil spruch- 
artiger Kürze ausspricht. Ihre „Gedichte'* sind 74 Jassi, 85 zu 
Buc. in 2. Aufl. erschienen. Hie und da hat sie hübsche Bilder 
aus der Natur, die Grundstimmung aber ist durchweg trübe — 
•obgleich sie eine ganz lebenslustige Frau ist. 

Siehe „Ich schweige und leide*', was sehr komisch wirkt, 
•denn sie erzählt uns darauf ihr ganzes Leid: dass sie, die 
wiederholt Verheiratete, nicht geliebt wird. Siehe ferner: 
^icht mehr der Tod, das Leben mir furchtbar nur erscheint; 
Leicht stirbt sich's, wenn wir wissen, dass keiner uns beweint. 
Ich weiss es, dass auf Erden kein härter Los es giebt, 
Als wenn wir leben müssen allein und ungeliebt. 

Oder: Dahin mein Hassen und mein Lieben, 
Still ist's i)i meinem Herzen nun; 
Nur eine Sehnsucht ist geblieben: 
Im Grabe endlich auszuruhn. 
Oder : Sind die Blumen welk geworden. 
Neue trägt die grüne Au; 
Doch wenn die des Herzens welkten. 
Fällt vergebens drauf der Tau. 
Oder: Lächelst du mir, schwarzes Auge? 

Kennst du nicht mein herb Geschick? 
Ohne Hoffnung soll ich leben, 
Sterben soll ich ohne Glück. 
Doeh nein, ein Glück hat auch sie : 

Lasst mich in Frieden singen ! Es ist mein ganzes Gut. 
Besonders schön sind noch: Wie ich dich liebte, kann dir 



') F. 27, 470, 26, 393. 2) Nach Farn. 20, 159 zu Jassi. 

11» 

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— 164 — 

keiner sagen: Eine welke Rose, der letzte Wunsch, Auch di» 
hast weinen müssen? Im Traum: 

Er ist zu mir gekommen, 
Hat mir die Hand gedrückt, 
Und in die schwarzen Augen 
Hab' ich ihm lang geblickt. 

Doch was ich drin gelesen, 
Das sag* ich nimmermehr; 
Er war all meine Sehnsucht, 
Mein ganzes Leid war er] 

Manches ist volkstümlich, z. B. : „Wenn nach langen Leiden",, 
und: Im dichten Walde. Ihr Gatte war Vas. Burla, jetzt 
Professor und Senator Poni. *> 

Sie hat auch ein Lustspiel „ün tutor", unterhaltend — 
aber dass ein 36 jähriger, ob auch Vormund, die Liebe eines- 
Mädchens nicht merken sollte und umgekehrt, ist kaua^ 
glaublich. 

Joan Neni^escu ist in Galatz als Kaufmannssohn April 
54 geboren, wurde 77 vor Plewna als Leutnant verwundet^ 
reiste dann durch Deutschland, studierte in Berlin und Leipzig*» 
begründete „Tzara Nouä", (4 Bde. seit 1./13. 2. 84) in Buca- 
rescht, wo er jetzt Lehrer und Abgeordneter ist.*) 

Er hat veröffentlicht „Flori de primavarä", Berlin 80, Bue.. 
89, sehr jugendlich: „2 Schwestern**, von denen die eine heute,, 
die andre morgen stirbt, ist geradezu unverständlich, auch S. 
37 der Schluss ; S. 85 und „Glück?" sind gereimte Prosa;: 
das übrige, besonders die Liebesgedichte, im ganzen wenig- 
eigenartig, auch das ergreifende „die Nonne**; 58 f. besser, aber 
mit Heines Schluss: Doch wenn du sprichst: ich liebe dicht 
usw. Warum weint er dann? 

Gut sind „Späte Einsicht** und einige im Volkston wie 
S. 64, sehr gut S. 67, das an (slaw.) Volkslieder anklingt, und 
84. Ferner Schilderungen: Winter, Mond und Sonne, vgl. die 
nordische Sage von Odr (Odhr), Ciungii (Gebirge), die Hühner 
fütternde Rumänin, Heimkehr, S. 36. S. 34 blickt greisenhafte 



1) Mai. Grit. 388. briefl. Fam. 20, 158. 23 ßriefl. Convorb. peda- 
gogice, Panciova, 2. Nr. 7. 



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— 165 — 

Emp'findung durch, zum Glück vereinzelt (abgesehen von den. 
-schwächlichen Liebesklagen). S. 48, 82, 86, 123 u. a. zeugen 
€ür mannhafte auf Gottvertrauen gegründete Tatkraft. 

Das Beste aber sind, abgesehen von den erzählenden Ge* 
•dichten, die Vaterlands- und Kriegslieder, S. 47flf., neu abg^- 
•druckt in „Pui de leÜ* (Leuenbrut), 2. Ausg. 91. 

Vorzüglich sind das Gastmal der Donau (die Dnjestr und 
Teiss verlobt , auch im Volkswillen und öfter grossrumänische 
Gedanken), Eisen und Gold und viele andre. Einige der besten 
«rinnern an deutsche Gedichte: S. 35, Was schmiedst du, 
Schmied? nur im Anfang, 94 vgl. Kennt ihr das Land so 
wunderschon in seiner Eichen . . . Von den erzählenden ist 
•S. 37 Mosens: Der Trompeter an der Katzbach, 73 Rückerts, 
Drei Gesellen (Ged. i, 127). Eisen u. Gold. vgl. Puschkin : Gold 
«. Stahl. 

Die Sprache aber lässt oft, nicht nur in den Schülergedichten,, 
zu wünschen ybrig: resfoiez, oaspii und dgl. Häufig sind un- 
erlaubte Kürzungen wie cat', odat', nicht selten unlesbare Verse : 
S, 45, 47 der Flori; S. 72 unten fehlt wol: va citi, 81 unten 
«oll wol heissen: In fund, in inima mea, S. 103» Z. 7; ^arut, 
109, Z. 4 fehlt ein mereu. Störende Füllwörter, S.. 16: pe 
nseninata-i fa^a senin , eu ebd. und sonst. Ebenso Pul de Ijsi 
S. 70, Z. 17 falsch; S. 156 fehlt wol o, 206, Z. 9 v. u. Su. 
Senkungen am Schlüsse des Verses, oder Halbverses fehlen sehr 
•oft, überhaupt ist fast nie ein Versmass. streng festgeha,lten ; 
was ein Sonett ist, weiss er ebenso wenig wie die meisten 
rumänischen Dichter. 

N. ist sehr begabt, ich rate ihm aber, seine Fortschritte 
in der Form voll anerkennend, noch viel sorgfältiger zu arbeiten ; 
denn nur eine vollendete Form verleiht einem Kunstwerke Dauer. 
Nicolae Volenti ist geboren am .17. 6. 1856 und hat 
Msher unter dem Einflüsse Schopenhauers und Eminescus in den 
Conv. lit. Gedichte veröffentlicht, die er 1891 in einem BandQ 
gesammielt hat, 90 Icoane de via^ä, worunter „Die Trunken- 
heit'' gelungen. Hübsch sind die Idyllen („Auf der Brücke'') und 
„An die Zeit", die er „der Welt Grab" nennt. Andres ist 
nüchtern, so : O tainä , mit dem abgeschmackten Schlüsse : 
Freude und Leid kommen aus dem Herzen, nicht aus den 
Sinnen. Seine Liebe ist ideal de idealuri. (?) Brieflich. 



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— 166 — 

Etwa gleichalt ist Duiliu Zamfirescu, aus Focschani,. 
jetzt Gesandtschaftssekretär in Rom. Dort hat er u. a« „San 
Marc*^ verfasst, nicht unwürdig des Gedichtes Eminescus über 
Venedig. Beliebt und gelungen ist auch die .^H&r^enspielerin"', 
deren nächtliches Treiben er schildert. Andres nach Göthe. 
Auch August und cäntec sind gut. Im ganzen aber ist er zU' 
ichkrank, als dass er ein wirklicher Dichter sein könnte. In 
„Denk' ich zuletzt'', nennt er das Ich seinen ärgsten Feind. (!) 
„Fära titlu", Verse und Prosa, 83. 

A. C. Cuza, geboren S. 11. 1857*), hat 1887 einen Band 
„Versuri** veröffentlicht, worin das Idyll und die Liebeslieder ziem- 
lich alltäglich sind ; anderes sehr trübe , nirwanaduflig, wie 
Dura lex. Barbus Selbstgespräch erklärt wie Eminescu und 
der Epilog alles im Staate für faul, die des Bettlers und des- 
Strolches schildern das Massenelend anschaulich: Ein Gesetz, 
ein trauervolles , Herrscht , solang die Erde steht : Dass ein 
andrer kommt und erntet, was mit Mühe du gesät. (Früher 
Sozialist). Kurz, er ist kein Gefühlsdichter, sondern ein lehr- 
hafter. 

Ungefähr ebenso alt ist J. N. Roman, Schriftsteller in 
Jassi. Er hat unter vielem einiges gute, so : Lasä lumea, Mitter- 
nacht; für gewohnlich aber ist er zu düster, als dass ein ge- 
sunder Sinn an ihm Gefallen finden könnte. So beklagt er ii> 
Durere seine ilusiuni stinse, ja er fürchtet seinen Lebensge- 
fährten , den Schmerz , zu verlieren — was ein vernünftiger 
Mensch nicht begreift. In der „letzten Liebe** findet er im 
Schmerz „kolossales Vergnügen (!). 

A. Bärseanu, geboren 1858 zu Dirste,') Lehrer in Kron- 
stadt, hat in Ublands Art Frühlingslieder und dgl. , auch Bal- 
laden, gedichtet. Glatte Verse^ aber noch wenig Inhalt. Auch 
die Kede in „Meister Manole'" ist zu gelehrt. 

Lucre^ia Suciu, geboren 15. 9. 59 zu Grosswardein als 
emsiges Kind M. Sucius und besonders in Gesang und Sprachen, 
deutsch, ungarisch, latein, romanisch, ausgebildet, seit 1885 ia 
Okröa, seit 11. 10. 91 Frau Rudow, hat 89 den Laokoon über- 
setzt und Versuri herausgegeben. Mit Vulcan bekannt, hat sie 
zwar nicht für Conv. 1. geschrieben, ist aber auch von Maio- 



') Brieflich. 

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— 167 — 

rescu als entschiedenes Talent anerkannt und gehört hierher, ' 
weil sie nicht von Eminescu , sondern gleich ihm ' von Lenau 
beeinflusst ist. Seine sanfte Schwermut durchweht ihre Ge- 
dichte, die, soweit sie hierher gehören, grösstenteils ihre Liebe 
behandeln ; freilich ist Dichtung und Wahrheit sehr verschieden. 
Besonders gelungen sind S. 5, 6, 13, 19, 22, doch geben auch 
die andern denen M. Cuglers und V. Micleas nichts nach, mit 
denen sie Ähnlichkeit haben. Statt ihrer stehe deshalb hier 
lieber eine spätere Probe: 

löse den goldenen Gürtel, das flatternde seidene Bandl 
Nimm ab von der herrlichen Schulter das glänzende Easchmirgewand I 
lass in die Blumen es gleiten, das lang dir den Busen beeugt! 
Und ;dttre nicht, wenn sich mein Auge in seine Geheimnisse drängt I 
wie aus dem Grfin du herauslugst, mein scheues, mein zagendes Reh, 
und biegst auseinander die Zweige mit Händen so weiss wie der Schnee! 
Sieh, wie dir zu Füssen die Fluten des Stromes, des reissenden fliehn ! 
Es locken und schmeicheln die Wogen und möchten hernieder dich 

ziehn. 
lass auf den Arm mich dich nehmen! Wie? Scheust dich? So fasse 

doch Mut ! 
Und lass mich, du Süsse, dich tragen hinab in die sprudelnde Flut! 

löse den goldenen Gürtel, das flatternde neidische Band! 
Nimm ab von der herrlichen Schulter das glänzende Kaschmirgewand! 
lass in die Blumen es gleiten! Was birgst du das holde Gesicht 
Errötend so mir an der Schulter? Blick auf nur und fürchte dich nicht! 
Wie? fürchtest die Arme, die nackten? Sei ruhig, o wonnige Last! 
Nicht sträube dich länger! — So, siehst du? Ich halte dich sicher 

umfasst! 
Hinab bis ans Knie, bis zur Hüfte, so, eng aneinander geschmiegt. 
Hinein in die schäumende Strömuug, die sanft und behaglich uns wiegt 
Nun komm und versage nicht länger den flammenden Mund, gieb 

ihn mir! 
Das Wasser ist kühl und verschwiegen, ist kühler und klüger als wir! 

Sie und G. Cosbuc sind „die einzigen vielversprechenden 
Erscheinungen unter den Nordrumänen". Letzterer ist 66 in 
Sieqenbürgen geboren, lebt jetzt in Buc. Er hat, meist in der 
„Tribuna*', später in Conv. 1., Gedichte veröffentlicht, welche 
alsbald die Aufmerksamkeit auf ihn lenkten, und die er jetzt 
(92) gesammelt herausgeben will. Bei ihm ist die Lebensfreude, 
die sich bei L. Rudow erst in den letzten Gedichten findet, 
vorherrschend; er ist eine vollblütige Natur, wie schon die 



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— 168 — 

A^acreontice zeigen. Zu seinen besten gehören: Pe lingä boi, 
Gandiri resipitc, in der Kirche (wird er fromm wie die Ge- 
liebte). Ganz reizend sind: Vorm Spiegel und Manioasä (grade 
heute wollte ich sie küssen — da schmollt sie) , auch Neaga, 
Rea la platä, Nu-i ca ea. Er hat auch Sakontala und Byrons 
Mazeppa gut übersetzt und ist von Göthe und Emine^cu beein- 
flusst. Die Form lässt manchmal noch zu wünschen : odat' und 
dergleichen. 

Ält«r ist Mihai Gregoriady de Bonachi, griechischer 
Herkunft, lebt in Braila, hat 89 den, Ajiakreon übersetzt und 
ähnliche cintece lirice verfasst, Poesii, 91. Im übrigen ist er mehr 
elegisch : bes. gelungen sind die Sonette aus der Krim, s. Arch. 
soc. ^t. ^i lit. d. Ja^i, 1. Despre talpa ^arii, Nov. Buc. 91. . 

Auch N. Jorga hat 90 Poesii veröffentlicht; zum Teil 
über klassische Stoffe, wie Perikles. Er ist etwas kräftiger als 
der vorige und hat gute Aufsätze über V. Miclea, Alecsandri 
u. a. geschrieben. 

Das wenige, was Robe an u bisher geschrieben, ist meist 
elegisch : Altes Lied , eine Art Lore^ei , In zadar ; ebenso be 
G. M u r n u : Avea d'aür, Ciru O e c o n o m , der jedoch als er- 
zählender Dichter bedeutender ist, schreibt seit etwa 1870, 
z. B. Unterdrückter Seufzer, Verzweiflung, die ihn kennzeichnen, 
A. Stavri, geboren 10. 11. 69, u. a. 



B. Erzählende Dichtung. 

Auch hier verdirbt sich Alecsandri, mit dem wir zu be* 
ginnen haben , die besten Gedichte — wenigstens für den 
Fremden — ' durch seinen Volksdünkel. So gleich 3 , das 
schhesst: Nichts geht über die Mutterliebe im rumänischen 
Herzen. — Bekanntlich ist der Mord Ungeborener unter den 
Rumänen bei hoch und niedrig so gäng und gäbe, dass die 
Geistlichkeit dagegen hat einschreiten müssen. Noch seltsamer 
klingt, dass Michael der Tapfere, vor dem selbst der Tod er- 
schrak (!), für sein Volk ein Goldherz hatte — er, der um 
seine fremden Söldner ernähren zu können, das freie Volk den 
Bojaren als Knechte gab! Der Gipfel der Lächerlichkeit aber 
ist, dass selbst der rumänische Säugling mit stählernem Herzen 
den Tod verachtet. Dass Michaels Name stralend auf dör 



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— 169 — 

MenschhiBit Stirne steht, ist obendrein eine Geschmacklosigkeit 
sondergleichen. 

Dies Selbstlob ist ihm so zur zweiten Natur geworden, dass 
•er es selbst Feinden in den Mund legt, Dumbrava ro^ie, Anfang. 
Die sonstigen Mängel dieses Gedichtes hat Densuschan S. 256 
treffend bezeichnet: Die Einleitung zu lang, die Schilderung der 
Schlacht (die freilich, allzu weit ausgesponnen, ermüden würde) 
zu kurz, und besonders die geschichtswidrige Idealisierung des 
Helden. 

Die kleineren Sachen sind besser gelungen; doch stören 
auch hier vielfach westeuropäische Wörter. Davon abgesehen, 
ist die Darstellung oft ergreifend, so im „Feldhauptmann Dan", 
der allein einem Heere widersteht (!) und endlich, von den Tataren 
gefangen, hingerichtet werden soll. Er bittet den Boden seiner 
Heimat noch einmal küssen zu dürfen, kehrt zurück und stirbt 

Noch düsterer ist Grui Singer, der seinen Vater er- 
schlagen hat und 60 Jahre lang im Mund Wasser zu einem 
dürren Baume schleppt. Endlich grünt er, und damit ist der 
Fluch des Toten gehoben. Auch sonst sucht er Stoffe, die er- 
greifen, doch einen befriedigenden Abschluss bieten. 

In gewissem Sinne gilt dies sogar von dem Zeitbilde: Der 
Schub nach Sibirien, sofern durch den Frost die Kosaken ihre 
Strafe finden , die Polen von weiteren Leiden erlöst werden % 
Nädejdes Tadel (467) ist grundlos. 

Das Schönste aber sind die Sagen, mögen sie komisch sein 
wie 2 (des Zwergs Bache) oder rührend wie II (die vom Un- 
holde ergriffene Jungfrau wird zur Schwalbe) und 14 (die vom 
Sonnenwagen gestürzte Sonnenbraut zur Lerche). 

8, Mariensommer, in der Art der Pastelle. 6 nennt er 
selbst Ode, stellt es aber doch hierher (zu den „Legende")* 

Was aus dem Bande von 1880 hierhergehört, können 
wir dagegen im wesentlichen nur loben, sowol die ffotten Kriegs- 
lieder, als besonders die Greaelstücke aus der türkischen Ge- 
schichte: Chodscha Murad, die Wache des Seraj und vor allem 
Becri (der Trunkenbold) Mustafa, der sich vor dem Sultan über 
diesen, ja über den Profeten erhebt, ihn zum Trünke verleitet, 
und als der S. sich an Becris Tochter vergreifen will, ja sie dem 



') Magazin f. d. Literatur des in- und Auslandes. 189D, S. 412. 

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— 170 — 

Tiger Torwirft» ihn in seinem (Becris) Blute erstickt. Nor 
Kleinigkeiten sind an der glanzvollen Schilderung auszusetsen; 
in Anfang von Y klingt Minune idealä für die türkische Bar- 
barei zu gebildet; eigentlich gehört letzteres Wort überhaupt 
nicht in die Dichtung, wenigstens in die erzählende — man 
denke sieh, welchen Eindruck eine ideale Helena bei Homer 
machen würde! Der Dichter soll anschaulich schildern; daa 
Urbild aber ist alles eher als dies. 

Dgl. zeugt voü keinem Geschmack und kann nur ein schwa- 
ches Urteil blenden. Minune de frumse^e wäre wenigstens un- 
anstössig gewesen. Leider sind die Sachen zum Übersetzen zu 
lang; wir müssen uns begnügen auf Briarus Keule ') zu ver- 
weisen. 

Hatten diese Stücke den besten „Bosporblumen*' die Wage^ 
so übertri£ft Alecsandri Bolintineanu in der Behandlung der 
lfärchensto£fe entschieden. „Die weisse Nacht'', wo der in die 
Elfe verliebte Däumling Langbart bestraft wird, „der Südwind'^ 
und „der April und die Winterprinzess*' sind wahre Perlen, die 
in ihrer Art kaum ihres gleichen finden — nicht nur in 
Rumänien. 

Der älteste Sohn C. Negruzzis'), Leon, hat dagegen nur 
einige Novellen geschrieb^i, von denen „Eine Bache" als die beste 
gilt, und „Die Jüdin", die 68 in den Conv. lit erschienen ist. 
Er ist am 5. 6. 40 zu Jassi geboren, studierte die Eechte in 
Berlin und Wien, war bis 70 Sachwalter, dann Präfekt in Jassi,. 
wo er 90, 15. 7. nachts starb. 

Seine Novellen, unter französisch-romantischem Einfluss ver- 
fasst, haben keinen dauernden Wert, jedoch mehr Spannung als 
die Ganeas, und sind wegen der anspruchslosen, liebenswürdigea 
Art Negruzzis angenehm zu lesen. 

Auch Odobescu*) hat Novellen geschrieben; Mihnea Vodä 
cel reu, 57 in Bominul, Doamna Chiajna, 60 in Eev. Carpa^ilon 
u. a., die er seinem Studiengebiet, der Geschichte, entnahm, neu 
im 1. Bde der Scrieri literare ^i istorice, Buc. 87, 3 Bde.^> 
Der grosse Erfolg, den diese beiden ihrer schönen Sprache wie 
den glänzenden Bildern (s. den Krönungszug, das Heer, das alte 



') Um die Erde, S. 85. *) Maiorescu, C. lit. 24, 590. ») Fam. 
25, 445 ff. *) S. darüber Farn 28, 598. 



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— 171 — 

Haus) verdanken, bewog ihn die Rerista Bom. zu begründen^ 
Dacbdem er früher für Korn, lit Gedichte verfiassty deren Sprache 
auch Alecsandri lobte. Was dieser für den mm. Vers, das hat 
Dach Maiorescu Odobescn für die Prosa geleistet. Siehe z. 6. 
im Märchen Meister Fuchs (nach Reineke) die Tiemamen. — 
Er ist 34 zu Bucurescht als Generalssohn geboren und in Paris 
ausgebildet. Seit 68 Akademiker, hat er das yolkstumliche Ru- 
mänisch gegenüber dem Latein (Cipariu und Gen., Laurian) zur 
Geltung gebracht. Auch als Generaldirektor der Bühnen hat er 
sich verdient gemacht. 

V. A. ürechia, geboren zu Peatra 34,*) Akademiker, war 
früher mit Maiorescu verfeindet; seine Anfangsleistungen waren 
auch nicht besonders: der nationale Roman Yasilie, Mosaic und 
Novellen. Jetzt dagegen schreibt er hübsche Volkserzählungen, 
als Legende Costinesci (Pove^ti 91), herausgegeben. Besonders 
gut sind Popa care ^tie carte und Jon Iste^ul, siehe Born« Rev. 
4, 268. Auch hat er gute Balladen, wie Nenicel und Viorica. 

Ganea führt uns in seinen etwas oberflächlichen, in dei^ 
Form hie und da nachlässigen und schwülstigen Incercäri lit 
(73, 2. Ausg. 86) meist Bilder aus der Gegenwart vor, so in 
Agatocle Leuschtean den Lebemann; zuweilen entfaltet er einen 
Bickens' (den er in Hatman Baitag bearbeitet haben soll)» würdigen 
Humor, so in der Yolkserzählung „So Gott will". Ein Bauer will für 
seine alten Ochsen Jungvieh eintauschen; „so Gott will", meint 
seine Frau. Er aber weist sie überlegen zur Ruhe und föhrt 
zu Markte. Dort betrinkt er sich, verliert erst die Ochsen, dann 
das Geld und muss zuletzt noch den W\agen dreingeben. Wie 
er nachts endlich heimkehrt, fragt seine Frau: „Werda?" und 
er antwortet: „Dein tfann, so Gott will". Am bdiebtesten sind 
Bomni^a Rucsandra (nach Asaki) 73, und die Räubergeschichte 
Aliu^a. Auch seine „Erinnerungen" sind bemerkenswert^). 

N. Scheletti hat nur wenige erzählende Gedichte hinter- 
lassen, so die „Versammlung in Suceava", wo Stefan der Grosse 
seine Feldherrn gegen die ungarische Übermacht mit dem Worte 
anfeuert: Viel Feind, viel Ehr.! 

Jon Creangä, Geistlicher, dann wegen einer Frau Lehrer 
in Jassi, geboren zu Humulesci 1. 3. 37, hat in echt Volkstum- 



1) Panteon rom. Pest, 1, 155, Läzäriciu 168. ^ Manliu, Cr. 218. 

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— 172 — 

I icher Sprache Erzählungen, Anekdoten und Volksmärchen ge- 
schrieben. Von letfBteren Proben (aus Conv. lit. IX, S. 402 ff. 
bei M, Eremnitzy Bu^, Märchen Nr. 4, 9, 19, auch Born. B. 
Gestorben schon 31. 12. 1889 (12. 1. 90) an der Fallsucht, 
Er ist die vollendetste Verkörperung des rumänischen Volks- 
geistes, im Leben wie in seinen Schriften voller Schwanke und 
Schalkheit; seine Sprache ist unübertroffen. Anfangs in den 
Oonv. 1. verspottet, wurde er bald einer ihrer angesehensten 
Mitarbeiter. Das hier Veröffentlichte und einiges ungedruckte 
fioll 3 Bde. füllen, herausgegeben von Xenopol u. a. Bd. 1, die 

II Märchen enthaltend, ist 90 erschienen, Bd. 2, Jugenderinne- 
rungen (voller Ulk), Anekdoten und Volkslieder 92. Besonders 
gelungen sind die Anekdoten, so wenn „Vater Boata" dem Bo- 
jaren erklärt, was er unter Gleichheit versteht: Handgreifliche, 
keine papieme. ') 

Ist französischer £inffuss (Müsset) bei Petrin 6 in den 
Gedichten sehr bemerklich, so noch mehr in „Ba(o)ur*, Cem« 75, 
der ein neuer BoUa ist. Die Mutter verkauft ihm die Jung- 
frauschaft ihrer Tochter; er verliebt sich jedoch nachträglich in 
sie, und beide sterben. Die Verse wetteifern mit denen Mussets. ') 
Vulcans Erzählungen schildern Land und Leute gut. 
Wenn er aber geistreich sein will, geschieht dies zuweilen auf 
Kosten des gesunden Menschenverstandes, so in Dela Säte, novele 
83: in der Hochzeitsreise, im „Mann der schönen Frau*', wenn 
diese ihren Liebhaber als Vetter ausgiebt. Besser ist z. B. 
Desparfenia lui badea Car^^. Er hat noch 2 Bde, „Novellen'* 73 
und die Bomane Banele na^iunii, 3 Bde, Sittenbild, Pest 77, Scla- 
vul amorului Pest 73 f. und die Popentochter, 2 Bde, verfasst. 

. „Eata popii" ist sehr naturgetreu: hochgebildet, aber von 
ni^riger Gesinnung, bis wahre Liebe, der sie zum Opfer fällt, 
sie adelt. Nur hätten ihre guten Seiten früher etwas mehr 
hervorgehobeh werden müssen, den Umschlag eher glaublich zu 
machen. Alecsandrus Bolle, der das Verhängnis vertritt, un- 
fassbar und unentrinnbar, ist in Ungarn, wo es eine verhältnis- 
mässig starke Polizeimacht giebt, unmöglich. S. bes. den Knall- 
effekt, Bd. 1, Ende. Fam. 



Fam. 26, Nr. 2, S. 34, 104, 589. Bev. N. 2, 475, bes. Conv. 1. 
24, 244. 2) Femer „La gura sobei", in der Familia. 



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— 173 — 

J. Neg r uz zi hat einige kräftige Balladen gedichtet: Fürstin 
und Knecht, er singt zu ihrer Hochzeit seine Liebe und wird 
getötet. „Der Verurteilte" soll wegen eines Mordanfalls hinge- 
richtet werden; seine Liebste hat sein Leben mit ihrer Ehre 
erkauft, da tötet er sich selbst. nZwei Tage"* yor der Hochzeit 
ertrinkt ein Paar. „Kaher" der Kalif, ist zum blinden Bettler 
geworden. „Jezid", der verliebte Kalif, ermannt sich erst, als 
er von Feinden umringt ist, und fallt nach tapferer Gegenwehr,, 
froh im Arme der Geliebten zu sterben. „Meryan^- wird mit 
der Entführten vom Samum verschüttet. — Die Form ist, iumal 
im letzten, vollendet, die Anlage ist geschickt; aber man ver- 
misst hie und da den warmen Hauch; bis auf das erste, das an 
ühland erinnert, scheinen sie fast Beispiele zu gewissen sitt- 
lichen Wahrheiten : Honos vita carior (2), Das Schicksal schreitet 
schnell (3, 4, 6); Non tamen irritum Quodcunque retro est 
efficiet (5). Freilich gilt dasselbe von den Baliaden Schillers, 
den N. besonders verehrt und gut übersetzt hat. 

Im Gegensatz zu diesen Marmorschönheiten steht „Miron 
und Florica". Es wird als das einzige Idyll des Bumänischen 
gerühmt. Sie wird ihm vorenthalten; zum Glück kommt eine 
Überschwemmung, worin er ihr das Leben retten kann. Der 
Vater giebt seinen Segen, und selbst der ausgestochene Neben- 
buhler erklärt, Miron sei des Mädchens würdiger als er selbst. 
Im Munde eines Bauers klingt dies doch etwas befremdlich (J. 
N. kennt den Bauer nicht), im übrigen enthält das Gedicht 
hübsche Schilderungen, welche für die Schönfärberei in den 
Charakteren entschädigen. 

Ungleich gelungener, weil lebenswahrer, sind die Kopien 
nach der Natur, wie er selbst im Anfange des Vorwortes zu 
empfinden scheint, denn mit den schönen Gemälden meint er auch 
— und* vielleicht besonders — die eben besprochenen Gedichte. 
Auf den Inhalt können wir uns nicht näher einlassen; man 
möge nach Cucoana Nastasiica urteilen, die M. Kremnitz in die 
rumänischen Skizzen aufgenommen hat. Eine ähnliche komische 
Wirkung wie hier der Gegensatz zwischen alter und neuer 
Bildung erzeugen mehrere: der geistliche Pantoffelheld, der 
Dünkel, der alles grosse, Napoleon, ja Timur für römisch erklärt 
und mit der Frage schliesst: „Was essen wir heute?" (3) der 
Politiker, der erst durch das Durchbrennen seiner Frau geheilt 



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— 174 — 

I 

ivird, 15, und der »yNassauer"» 16. Andere zeigen wenigstens 
Lächerlichkeiten, so die Lobhudelei des Doktors im ^Helden 
wider Willen'*, die Heiratsmacherei 4, die wildgewordene Keimerei 
(bes. Siebenbürgens 5), die Nichtsnutzigkeit der „Löwen der Ge- 
sellschaft'', 6, den Kranken in der Einbildung, 7 ; den Gegensatz 
zwischen dem Schwadronieren von Stefan und Michael den 
Grossen und der herrschenden Erbärmlichkeit, 8; die Wahl- 
schlacht, 10, Bon Juan, der es nicht unter 6 Liebschaften tut, 
11, die Mittelmässigkeit, bes. der Schauspieler, 1 3, Sprachsünden, 
wo VI dem punktierten Abschnitte Heipes über die Censoren 
im Buche Le Grand, 14, entspricht. Auf N. s. Novellen: Fe malul 
marei u. a., den Boman Mihai Vereanu, (C. lit 8) und seine 
Beisebeschreibungen können wir nicht weiter eingehen. 

Bodnärescu hat auch einige Erzählungen yerfasst. 

Läpedats geschichtliche Novellen (in seiner Albina Car- 
pa^ilor 77) zeigen mehr guten Willen als Kunst. 

Beldiceanu hat hübsche beschreibende Gedichte verf asst, 
worin er den Landmann bei der Arbeit (Arätura) oder beim 
Eeste (Armindenul) schildert. Auch Landschaftsbilder, wie Srhla, 
Auf der Donau, gelingen ihm gut. In scharfem Gegensatz zu 
der in Prä^itorii, Fluturii u. a. herrschenden hellen Farben 
stehen seine Gedankendichtungen, deren Überschriften: Toten- 
kop^ Pulvis et umbra sumus, sie genugsam kennzeichnen; auch 
er ist von Alecsandri, den er anfangs nachahmte, zu Enunescu 
übergegangen, wie viele andere. Tala, Nov. in Versen, Jassi 83. 

Miron P o m p i 1 i u hat einige gute Volkserzählungen geschrie- 
ben: Pacalä und Amagealä. 

Viel bedeutender, ja der Tüchtigste unter den Jüngeren, die 
noch leben, ist Joan Slavici, geboren 6. 1. 48 zu Schiria, 
studierte in Pest und Wien die Bechte, war seit 1872 in Gr. 
Wardein und wurde später nach Bucurescht, wo er 86 heiratete, 
berufen, um die von E. Hurmuzaki hinterlassenen Urkunden zu 
ordnen und herauszugeben. *) 

Seine „Novellen aus dem Volke** 81, Dorfgeschichten, aber 
nicht wie die studierten Auerbachs, sondern so urwüchsig wie 
die von A* Bitzius, waren die ersten dieser Art im Lande. 

Die erste der 7 Novellen schildert im „Popen Tanda" einen 



1) Mauliu, Cr. 285. 

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— 175 — 

wahrheitsliebenden Geistlichen, der deshalb nach Armenheim im 
Dürren Tale versetzt wird, durch gutes Beispiel aber die faulen 
Bauern emporbringt 

In der 2. will der Schwiegersohn dem Schwiegervater auf 
schmaler Brücke nicht weichen; beide trennen sich im Zorne 
und der »»Dorfklatsch" entzweit sie völlig» zum Heile des Mäd- 
chens, das den Hirten und Sänger liebt, den es nach 2 Jahren 
auch bekommt. 

3. „Ein verlorenes Leben^* ist das Sevastas, die, über den 
Stand des Vaters erzogen, von einem Hauptmanne verlassen ist 
und sich darüber dem Trünke ergeben hat 

Aus der bei dem Osteuropäer häufigen Trägheit erklärlich, 
aber doch etwas von der neuesten Jammerlehre angekränkelt er- 
acheint des Alten Ausspruch: Der Mensch tut nichts, er ist 
völlig leidend. Dgl. findet sich öfter. 

4. „Am Dorfkreuz'' sitzt Ileana mit ihrem Bujor, dessen 
Werbung die Eltern abgewiesen. 

Sie finden sich schliesslich, und die Eltern, welche um 
«ie bangten, geben ihren Segen. 

In gewissem Sinne, nicht aber unbedingt wahr ist hier der 
Ausspruch: Er wusste nicht, dass die Welt, welche wir mit ge- 
«chlossenen Augen sehen, die beste ist. 

5. „Scormon** ist ein Hirtenhund, der die Liebste seines 
gefallenen Herrn zu diesem bringt. Er genest und heiratet sie. 

6. „Budulea*' der Flötenbläser hat einen Sohn, dem der 
Lehrer seine Tochter verweigert. Er will Mönch werden, nimmt 
jedoch die Schwester und bringt es zum Erzpriester. 

Das Bud. Karls V. Ausspruch wiederholt man sei so riel- 
mal Mensch, als man Sprachen verstehe, fallt auf, 

7. „Die Glücksmühle'^ endlich ist deutsch bei Reclam er- 
achienen, wir können hier nur bestätigen, dass sie die bedeu- 
tendste Schöpfung des VerfSsissers ist Namentlich Lica ist eine 
Gestalt von schauerlicher Wahrheit: durch einige hingeworfene 
Worte bringt er Ghitza in Verdacht, um ihn sich zu unter- 
werfen ; er bringt Pintea, dessen Zeugnis ihn vernichten würde, 
gegen sich auf, so dass dessen Aussage als parteiisch verworfen 
wird; wie er endlich Ohitza auch um sein unschuldiges Weib 
bringt, das ist einfach meisterhaft, aber immerhin gewagt. Dass 
Ohitza .seine Frau dem Schufte ausdrücklich überlässt, scheint 



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— 176 — 

trotz allem nicht ausreichaid begründet bei einem ehrlichen^ 
liebenden und geliebten Ehemanne. 

So macht das Ganze, statt zu erheben, sinen geradezu nie- 
derschlagenden Eindruck; man begreift nicht, wie Ghitza ,,nicht 
mehr wusste, was er konnte'' S. 431. 

, Ebenso sticht ein Mann einen (geliebten) Schwächling au& 
in der Fadureanca, 84. 

Die seelischen Vorgänge sind fein, zuweilen fast zu fein 
entwickelt, so dass man sehr aufmerksam lesen muss. Die 
Schilderungen dagegen sind so einfach wie ergreifend ; die Cholera,, 
die ()en Fuhrmann auf der Strasse hinrafft, so dass die Ochsen 
stehen bleiben; der zerräderte Pupaza usw. Ebenso düster ist 
„Der Stein auf der Türschwelle**, bestrafter Ehebruch; erfreu- 
licher Bobocel, der den eifersüchtigen Liebhaber seiner Mutter 
versöhnt. 

Wenige, aber hübsche erzählende Gedichte hat Eminescu 
verfasst. So: der Märchenprinz von der Linde, der ein zur 
Nonne bestimmtes Mädchen entführt. In Calin findet ein Prinz 
die verlassene Geliebte wieder und macht Hochzeit; dasselbe tun 
des Waldes Tiere, wie die Zwerge in Göthes Ballade vom heim- 
kehrenden Grafen. Die Kachzehrer sind eine Form der Leonoren- 
Sage. y 

Luceafer gründet sich gleichfalls auf eine Volkssage, siehe 
Gaster, literatura popuL Bom. 549, doch weht darin mehr Geist 
von Eminescus Geiste. Der Stern erscheint der verliebten Prin- 
zess zuerst als Nix (zu kalt), dann als Feuergeist (zu heiss), 
will dann Sterblicher werden, sieht jedoch, dass sie einen Knaben 
küsst. Als sie ihm wieder winkt, steigt er nicht mehr herab, 
sondern erwidert .... 

Nun werd' ich aufs neu das unendliche All 

Durchziehn, einsamer Wandrer — 

Was kümmert es dich, Geschöpf von Staub, 

Ob ich's bin oder ein andrer! 

In eurem engen Kreise lebt 

Ihr glückHch und zufrieden; 

Mir ist statt Glückes die Ewigkeit, 

Die fühllos kalte, besehieden ! 
Der Stolz des Übermenschen ist gewiss der Grundton dieses 
Schlusses, docl\ kann man auch ein wenig Bedauern herausfühlen. 

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— 177 — 

Im 2. Bde, Jassi 90, finden sich noch einige sehr hübsche 
Märchen und die Novelle „Der arme Dionis", der von guter 
Herkunft, aber früh verwaist, schliesslich erkannt und glücklich 
wird. Ich muss gestehen, dass ich mich bei den zoroastrischen 
Schwärmereien gelangweilt habe. Besser sind die kleinen No- 
vellen Am Geburtstage und Cezara, die Mor^un, wie alles aus 
Curierul de Jasi 76 — 78, übersehen hat. Dagegen bringt er 
noch hübsche Gedichte, besonders das vi el gesungen e : De ce nu 
mi vii ? Andere in der Fantana Bliindusiei , die E. selbst noch 
89 gegründet hat, fortgeführt durch eine Schar von Jüngern, 
unter denen Livescu und I. Ighel (geb. 70) etwas versprechen. 
Doch trat eine Spaltung ein, infolge deren beide Bland usiaquellen 
bald ein Ende fanden. 

M. Cugler hat einige Kleinigkeiten: die Tischlerstochter, ein 
trauriges Lebensbild, eigentlich nur Erinnerung; der hl Nikolas 
85 ist eine Kindergeschichte; besser sind ihre Plaudereien. 

Von Neni^escu gehört zunächst hierher : Die Falken von Res- 
boeni, 82j 2. Ausg, Buc. 84, das Stefans des Grossen Sieg über 
die Tataren, seine Niederlage im Weissen Tale, seine Begegnung 
mit der Mutter, die ihn von ihrer Tür weist, endlich seinen ent- 
scheidenden Sieg über Mohammed schildert. Mihuls Stelldichein 
mit Rucsanda S. 35 f. und beider Tod am Schluss sind dem 
Leser willkommene Unterbrechungen der Kriegsbilder. Das 
Ganze ist bis auf kleine Mängel der Form gelungen. 

Die Lenzesblüten enthalten wenig: „Ostern" ist etwas zweifel- 
haft, denn gewöhnlich geht der Verschmähte nicht sich, sondern 
der Ungetreuen oder dem Nebenbuhler zu Leibe. Die Gedichte 
in Leuen brut sind dagegen durchweg gut; nur Kleinigkeiten sind 
zu rügen, z. 13. tallt ein Toter nicht gleich kalt um, S. 102. 

Volenti hat u. a. in der „Geschichte zweier Pferde", eines 
verzärtelten und eines Karrengauls eine bittere Satire auf die 
Gegensätze in der Gesellschaft geschrieben. 

D. Zamfirescu (Novele 89) lässt im „Irrweg" die wilde 
Ehe, deren ganze Peinlichkeit wir empfinden müssen, schliesslich 
einsegnen. „Spre mare" dagegen ist unglaublich, denn ein Mann, 
der ein Weib liebt und im Arme gehabt hat, läuft nicht fort, 
wenn die Schwiegermutter einen Vertrauensmann schickt. Fast 
so verdreht wie Dela Vrancea. Ebenso unglaublich ist, dass in 
,, Leutnant Sterie" die um ihren Sohn sehr besorgte, oft lauschende 

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— 178 — 

Mutter den Schuss nicht gehört haben soll, womit er sich ge- 
tötet. Nachts, in beschränkter Wohnung! — Auch sonst ist er 
nachlässig, s. Conv. 1. 25, 518. 

TJnkünstlerisch sind auch die kleinen Abhandlungen über 
Seelenkunde, die er nach Art unserer „berühmten*' Bomanschrei- 
ber einflicht, s. z. B. Conv. lit 25, 560 in „Alte und neue Welt**. 
Diese stellen sich wesentlich in zwei Brüdern dar: der ältere, 
Miticä, hat Grundsätze, Tache scheint als Musiker zu verbummeln. 
Denn wir erfahren nur, dass Mitica ihu aufgiebt, duss Ms. Ge- 
liebte, Schwägerin Hanrieta, zwischen Tache und Ms. Gattin 
etwas schreckliches ahnt. — Dieser Talleyrands würdige Gebrauch 
des Wortes (die Gedanken zu verbergen) erreicht seinen Gipfel 
in dem abgebrochenen Schlüsse, wo wir auf Balzac verwiesen 
werden. Da ich alle meine Bücher in Deutschland gelassen habe, 
bedauere ich den Leser nicht weiter aufklären zu können, und 
bemerke nur, dass abgesehen von diesen Kunstwidrigkeiten der 
Gegensatz ziemlich oberflächlich gefasst ist. — Besser ist Conu 
Alecu Zaganescu. 

Über das umfangreichste Werk „In fa^a vie^ii" 1,84, hatGherea 
im ganzen so treffend geurteilt '), dass es nur weniger Worte 
bedarf. Z. will nämlich den Helden als aufrichtigen Pessimisten, 
nebenbei als überlegenen Geist darstellen , während er nach 
seinen Taten als ein Hohlkopf, ein „Papageipessimist" erscheint, 
zu denen Gh. in der geistreichen Einleitung durchgefallene Kan- 
didaten, abgeblitzte Liebhaber und dgl. rechnet. £r hätte jedoch 
nicht nötig gehabt den „mit Vogeldunst erlegten Bären" so oft 
auszuspielen; in Wirklichkeit war der Bär mit der Vogelflinte 
nur geblendet, was recht wol möglich ist. 

J. L. Caragiale, etwa gleich alt, hat 92 auch 3 Novellen 
veröffentlicht; Päcat (Sünde) ist die umfangreichste. Der Pope 
flndet seinen unehelichen Sohn als Hanswurst, nimmt ihn auf 
und erschiesst ihn samt seiner Tochter, als beide sich nächtlich 
getroffen haben. Auch hier kommen die Beamten wie die 
„Bourgeois", vertreten durch den Familienrat, der die Witwe 
von dem geliebten Studenten trennt, übel fort. Der Schluss ist 
höchst tragisch, hätte sich aber bei einiger Vorsicht seitens des 
Popen vermeiden lassen. 

Ebenso ergreifend ist die „Osterfackel". Leiba (Lob) fängt 
^i)~Stiidii crit. 1', 256 flf. 

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— 179 — 

die Hand des Eäubers, der seine Tür öffnen und ihn plündern 
will, in der Schlinge und verbrennt sie. Als die Leute mit 
Osterfackeln kommen und fragen, antwortet er: Ich bin kein 
Jude mehr, denn ich habe eine Osterfackel angezündet — und 
geht davon. Ist er wahnsinnig? Es scheint so; aber einige Ge- 
wissheit hierüber wäre entschieden wünschenswert; was er vor- 
her sagt und tut, verrät nur grosse Angst. 

,,Der Glückspilz" endlich, der durch seine hübschen Frauen 
steinreich wird, ist wieder eine giftige Verspottung der „Hourgeois** 
■denen nichts heilig als das Geld. 92 auch „Note ^i Schi^e". 

Jetzt schreibt er einen Roman „Patrie si familie". 

C. Oeconom hat vor einiger Zeit „Cronice si Legende" ver- 
•Öffentlicht , worin sich manches schöne findet. Besonders ge- 
lungen sind die Balladen: Kaius Grab und Bruder Paisie. 

L. Rudow hat nur wenig, besonders hübsch ist das „Mär- 
-chen*' von Lilie und Schmetterling. Noch mehr hat „Im Bade" 
gefallen, auch bei Maiorescu, das einem allerdings mit seiner klassi- 
t-chen Nacktheit warm machen kann. Das Beste aber ist „Finster", 
der stete Kampf dieses Riesen mit dem Lichte. Der Schluss: 
Sonne, wenn du einst erkaltet . . . Dann, dann wird der Riese 
«iegen — Aber ach! Kein Lorberreis Grünt dann mehr, das 
Mm die Schläfen Er sich schling' als Siegespreis. 

N. Xenopol hat Pasurile unui American in Rom. judenfeindl. 
Roman, C. 1. 14. Auch Pastelle nach Alecsandri. In Brazi ^i putregaiu 
gute Sittenschilderungen ; ebenso J. Pan^u, geboren 60, Lehrer in 
Kronstadt, der aber zu lehrhaft schreibt („Ich sagte" und dgl.) : 
in Logofetul Mateiu, 87, Ni^a Draga, 88, Lini.^tea casei 90, Krönst, 
— G. Cosbuc hat einige Märchen in gute Verse gebracht: 
Blitz, 87, die Königstochter vom Wachholder, das mehr sagen- 
liafte Mutterlieb. Die Elfenkönigin (Craiasa Zinelor, s. J. Pop 
Retegan, Pove^ti ard. 2, 1.) ist in Maiorescus Hause 14 mal nachein- 
ander vorgelesen, was unerhört war. Gut ist auch Zamfiras 
Hochzeit (bis auf odat'); Rada bis auf: Sie war Poesie, was sehr 
xmdichterisch ist. Er dramatisiert wie Schiller, s. die Balladen. 
Paul de Nola, Die 4 Fahnenträger, Tulnic usw. 



c. Buhnendichtung. 

Wir kommen nun zur Bühnendichtung und müssen auch 
hier mit Alecsandri beginnen. 

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— 180 — 

Agaki Flutur, spielt 63, ist wieder nur uneingestandene 
Bear beitung Ton „L'avare en gants jaunes" *). 

64 spielt Arvinte und Pepelea. Ersterer verweigert letzterem 
seine Nichte, verspricht sie ihm jedoch gegen sein Haus. Pepele'a 
überlässt es ihm, behält sich aber einen Nagel in der Wand vor, 
ärgert ihn hiermit und will sich endlich daran hängen, worauf 
A. ihm das Mädchen giebt, um nicht in den Verdacht des Mordes 
zu kommen. 

Besonders der 11. Auftritt ist ergötzlich, der Kunstwert ist 
jedoch gering. 

Im selben Jahre spielt : Direktor Millo, nur Gelegenheitsstück,, 
doch sind die Proben der Bittsteller wirkungsvoll. 

65 spielt Florin und Florica, die sich schliesslich doch fin- 
den, obgleich sie der stotternde Küster zu trennen sucht. Nicht 
bedeutend. 

66 spielt der Schwiegersohn Hagi Peteus, nach „le gendre 
de Mr. Poirier" von E. Augier und J. Sandeau, mit im ganzen 
unwesentlichen Änderungen : mehr oder minder gute Witze wer- 
den eingefügt usw. 

68 spielt die „Eisenbahn**. Dieselbe soll grade über das 
Haus gehen, weshalb alle auf den Baumeister Badu, der dies 
verkündigt, sehr empört sind. Adele, die er unerkannt gepflegt 
hat, wird ohnmächtig, Badu heilt und bekommt sie, da der ihr 
bestimmte Manolaki eben mit der Zigeunerin durchbrennt. 

Badu vertritt Jungrumänien und ist daher ebenso edel wie 
sein griechischer Nebenbuhler gemein. Kalliope ist im wesent- 
lichen wieder die Gahitza aus Jörg. 

„Die edle Bettlerin" ist eine junge Witwe, welche Unter- 
stützung für das arme Frankreich erbittet und den Leon liebte 
der ausgezogen ist die Barbaren von dem heiligen Boden zu ver- 
treiben. Er nimmt ihnen auch eine Batterie ab, (wovon die 
Geschichte nichts weiss), drückt sich jedoch rechtzeitig um das 
klägliche Ende Bourbakis nicht zu teilen; und kann sich dem- 
nach als Sieger im Stile Gambettas von der Witwe krönen 
lassen. 

Erstaunlich ist die Gedankenlosigkeit, womit Alecsandri die 
Redensarten V. Hugos nachschwatzt, entrüstet darüber, dass die 

1) Nädejde, Ist. 470. 

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— 181 — 

Barbaren der grande nation den Spaziergang nach Perlin nur 
unter sicherer Bedeckung gestalteten und den alten Helden von 
Caprera samt seinen „latein." Milchbärten ebenso "windelweich 
klopften wie die grande nation. Kein Wort über die lange 
Kechnung , die wir mit Frankreich zu begleichen hatten , den 
schnödesten aller französischen Frieden sbrüchc — nun, wir 
können ihm ja seine erdichteten Siege gönnen, sie machen seinem 
Herzen Ehre, weniger seinem Verstände. 

Es folgt „Männer und Buben" (1874), ein Zeitbild im 
grossen Stil. 

Da« Stück enthält sehr gelungene Rollen , die sich durch 
geschickte Gegenüberstellung noch heben: die beiden Bojaren, 
Eadu und Lipicescu , Elena und Tarsitza usw. Der Aufbau ist 
im wesentlichen geschickt (doch das Selbstgespräch II, 1) — nur 
-dauert die Handlung Jahre, was weder nötig noch lobenswert, 
und wer von den 4 Männern ist ihr Träger, der Held ? Welches 
ist die „Handlung" überhaupt ? Es werden mehr Zustände ge- 
schildert; allenfalls kann man sagen: Emporkommen und Strafe 
-der Nichtsnutzigkeit. 

Dagegen ist „Zu Turnu-Magurele" nur ein Zweckstück nach 
<iem bekannten Muster des Wiederfindens auf dem Schlachtfelde, 
wofür hier das Lazarett steht. *) 

82 gedruckt, doch schon früher geschrieben ist „Les bonnets 
de la comtesse", das als französisch eigentlich nicht hierher ge- 
hört. Doch sei wenigstens erwähnt, dass Al. hier in seinem 
Deutschenhasse so weit geht, den Freiherrn als Affen des Russen 
hinzustellen. Natürlich werden beide durch den löwenkühnen 
Franzosen ausgestochen. Im übrigen ist das Stück mit franzö- 
sischer Gewandtheit verfasst. 

Während die Sprache in den bisher erwähnten (rumän.) 
Stücken oft sehr tief sinkt, hält sie sich in den folgenden durch- 
weg auf einer achtbaren Höhe, und hat bisher die Hörer so 
bezaubert, dass sie die Mängel der Stücke nicht beachtet haben. 
Allerdings trug schon der Name Al.s dazu bei. 

Über Despot- Voda, legendä istoxicä in versuri, Buc. 1880, 
urteilt A. Cantacuzino, dass Corneille und Racine nicht mehr 
für Frankreich getan als Alecsandri mit diesem Stücke, S. XXI 2); 



1) Poesii Bd. III Ende. 2) So auch Magazin f. Literatur 91, Nr. 5. 

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— 182 — 

ähnlich J. Ghica, S. XXVII, weshalb wir uns näher damit be« 
fassen müssen. Der Inhalt ist folgender: 

I. Fürst Alecsandru will Despot, der nach dem Trone 
trachtet, vergiften lassen, ladet ihn jedoch vorläufig ein. 

II. Despot, dem Gifte entronnen, bändigt ein Ross, das den. 
Fürsten und andere abgeworfen, vor Annas Augen. Diese, Tochter 
des ersten Ministers Motzok, gefallt ihm; er bekommt ihr Ja 
und Motzoks Segen. Letzterer beruft die Edlen, die ihm bei- 
stimmen, dass der Fürst sterben müsse; als sie nach dem Nach- 
folger fragen, lässt er Despot eintreten (grosser Effekt I). Sie^ 
fallen ihm zu ausser Tomscha, der einen Einheimischen wünscht 
und geht. Despot kirrt die übrigen — da wird er verhaftet, 
entkommt jedoch, indem er mit dem halb blödsinnigen Ciuber die 
Kleider wechselt. 

IIL Despot verspricht Carmina, der Gattin des Pfalzgrafen 
Laski , zu der er wieder gefl.üchtet , den Tron. Sie will ihm 
helfen, zuerst durch Laski j dann, als dieser sich bankbrüchig 
erklärt, durch Abenteurer und den Kaiser, rettet ihn auch vor 
Alecsandrus Gesandten, indem sie ihn in einen Sarg legt. 

IV. (3 Jahre später). Despots Willkürherrschaft hat Adel 
und Volk gleich erbittert, da erinnert ihn Motzok an Anna^ 
die noch auf ihn warte; er aber meint, er müsse eine geborene 
Fürstin, Carmina, nehmen, (mit welcher er bisher zusammen ge- 
lebt). Motzok beschliesst ihn zu stürzen und gewinnt die Bo- 
jaren, da Despot sich des Sultans Knecht nennen lässt. Da naht 
Tomscha, dessen Sohn Despot als Geisel genommen. 

V. Despot will sich töten; als Anna ihn bittet die Stadt 
und sich zu ergeben, sieht er, dass sie ihn noch liebt, und be- 
wegt s'e ihren Vater zu versöhnen. Während er sie umarmt^ 
kommt Carmina dazu; Anna entflieht, Laski kommt, erstaunt, 
und Carmina gesteht ihre Schuld. Er tötet sie, Despot setzt sie 
auf den Tron und wird von Ciuber getötet. 

Um bei dem Geringsten anzufangen, muss man, — abgesehen 
von Versfehlern, die vielleicht nur Druckfehler sind, wie viitor 
statt viitorul S. 9, — gestehen, dass die Witze wie S. 4 nicht 
recht zum Tone des Trauerspieles passen. Ferner ist Despots 
Selbstgespräch im Anfange von V und dann seine Anrede an 
die tote Carmina etwas zu schönrednerisch. Wichtiger ist, dass 
wir über manches im unklaren bleiben; so, ob Despot den 



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— 183 — 

ungen Tomscha aus Grossmut oder Berechnung schont, letzterer 
hätte früher erwähnt -werden sollen. Selbst ein Angelpunkt des 
Stückes, Despots Verhältnis zu Carmina, wird durch ein beiseite 
gesprochenes „Armer" S. 8 nur angedeutet; während doch hier- 
über kein Zweifel bleiben durfte. 

Aber alles das sind Kleinigkeiten gegen den Haupt- und 
Grundfehler: es ist nicht ein Stück, sondern zwei: Despots Em- 
porkommen und sein Sturz. Alecsandri scheint dies gefühlt zu 
haben, da er es dramatische Legende nennt; aber das kann ihn 
nicht rechtfertigen. Um jedoch zu zeigen, dass wir nicht nur 
tadeln können, wollen wir angeben, wie der Stoff nach den 
Regeln der Kunst hätte behandelt werden sollen: 

Despots Tronbesteigung. 

I. Einleitung. Die Lage im Schlosse Laskis, dem Despot 
seinen Plan anvertraut, wobei wir über Alecsandru unterrichtet 
werden. Despot und Carmina. Vorbereitungen zum Zuge: Des- 
pot lässt seine Leute sich bei Suceava verborgen halten. 

IL Zusammenkunft Despots mit den Bojaren, wie Alecs. L, 

1. Bild. 

HL Despots Aufnahme bsi Hofe, wesentlich wie Alecs. L, 

2. Bild. 

IV. Wie Alecs. IL 

V. Despot überrumpelt den Fürsten und zwingt ihn abzu- 
danken. 

Despots Ausgang. 

I. Unzufriedenheit des Volkes, Despots (heimliches) Zu- 
sammenleben mit Carmina. 

IL Motzok beglückwünscht ihn, das Land sei beruhigt; jetzt 
müsse er Anna heimführen usw., wie Alecs. IV, 5 — 8. 

IIL Despot kündigt seine Vermälung an und verlangt Geld 
dazu. Das Volk murrt. Glückwunsch der Türken, Lossagung 
der Bojaren, wie Alecs. IV, 9 bis Ende. 

IV. Die Edlen verbünden sich mit Tomscha. 

V. Entscheidung, Alecs. V. 

So erhalten wir 2 Stücke, deren jedes sich kunstgerecht 
aus Einleitung, Steigerung, Höhepunkt, Wendung und Entschei- 
dung zusammensetzt. So sehen wir den Plan Despots werden, 
der uns bei Alecs. schon fertig entgegentritt; Laski und Carmina 



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— 184 — 

greifen so gleich in die Handlung ein, und ihr Verhältnis ist 
klar, kurz alles wird Licht und Leben : Leben, Entwicklung aber 
ist der Nerv der Bühnenkunst; wir wollen Werdendes sehen, 
nicht Gewordenes, und zwar wollen wir klar sehen, rückwärts 
wie vorwärts. Auch gegen letzteres fehlt Alecs., indem er Car- 
niina den Entschluss aussprechen lässt Zay zu gewinnen, der so 
ein grosses Fragezeichen bleibt. So gewinnt endlich Despot das 
Haupterfordernis eines Bühnenhelden: Charakter, dem bei Alecs. 
die nötige Bestimmtheit fehlt. 

Wie kann er allein zu Alecsandru „dem Grausamen" gehen, 
der doch von seinen Plänen erfahren musste und erfahren hat! 
Ist das nicht geradezu eine Tollheit r Warum kommt er auf den 
Gedanken, bewaffnete Macht mitzunehmen, erst, nachdem er mit 
genauer Not dem Tode entronnen? Dass nur dieser Entschluss 
da steht (IlL 7), darüber wollen wir nichts sagen; die Ausfüh- 
rung kann man sich allenfalls denken; dass aber der Tollkopf 
im Kerker auf einmal solche Besonnenheit zeigt — das ist sehr 
schwer glaublich. Auch seine Herrschsucht ist nach berühmten 
Mustern etwas schematisch gezeichnet; ihr widerspricht die 
Selbsterniedrigung in IV. Die Frauen dagegen sind vorzüglich, 
namentlich Carmina, Anna ist hie und da wol etwas zu neu- 
zeitlich empfindsam. Treffende Bemerkungen über die andern 
Personen Rev. N. 3, 295 f. 

Alle diese Ausstellungen sollen jedoch die grossen Schön- 
heiten, welche das Stück im einzelnen bietet, nicht bestreiten. 
Im Gegenteil, wäre das Stück nicht so bedeutend, würden wir 
uns nicht so eingehend damit beschäftigt haben. Wir wollten 
wenigstens an einem Beispiel Alecsandris ganze Kunst, aber zu- 
gleich ihre Grenzen zeigen. Diese sind bedingt hauptsächlich 
durch den Mangel an Schulung. Hätte er eine deutsche Kunst- 
lehre des Schauspiels gelesen, so würde er gesehen haben, dass 
er von diesen Leuten, die er stets als Dummköpfe, Schufte oder 
beides darstellt, manches hätte lernen können. Er hat es nicht 
der Mühe für wert gehalten und daher bei aller Begabung den 
Anforderungen der Bühnendichtkunst selbst in seinem besten 
Stücke so wenig genügen können, wie vorstehendes zeigt. 

Um so kürzer müssen wir uns bei den folgenden Stücken 
fassen. Sinziana si Pepelea, blosse Zauberposse, 83. 

Nävalirea Jidunilor, 84, schildert, wie die Juden Herren 



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— 185 — 

Unniäniens werden. Ein Zeitbild "wie Boieri si Ciocoi, mit dem- 
ßelben Grundm&ngel. Doi surzi, Farn. 27, 526, unbekannt. 
Der vergötterte „Blandußiaquell" (Lateinerbund in den Windeln. 
HandluDg : gefundene (!) Handschrift) 84, und der 85 als ^.grosser 
Ahn" noch mehr gefeierte Ovid (und Julia) sind abgesehen von 
allem andern durch geschichtswidrige Idealisierung dieser „Helden'* 
so völlig mislungen, dass ich den ihnen anfangs gewidmeten Baum 
glaube besser benutzen zu können. S. Jorga, Rev. N, a. 0. 
Jenes ist von E. Herz, dies von A. Stern, Herrn. 86, übersetzt. 

Joan Janov, geboren 34 zu Jassi, studierte in Wien und 
Paris die Bechte und Hess sich dann in Jassi als Sachwalter 
nieder, jetzt Senator. Er hat nach Alecsandri gelungene Einzel- 
gespräche mit Gesang oder komische Vorträge verfasst : den 
Küster, Stosaki, C. lit. 7, Heft 2, besonders aber Kalikenberg 
(Strousberg, der das Land durch die Bahn calic = arm gemacht). 

V. A. ürechiä hat 78 in 2 Bänden 4 geschichtliche und 
7 Gelegenheitsstücke herausgegeben. Glatte Sprache, Kunstwert 
gering, trotz alles Beifalls und Odobescus Lobe, w. m. s. Ebenso 
das Spätere: Martial 86, Rara avis u. a. 

Nach den Regeln der Kunst zwar, aber der klassisch-fran- 
zösischen, schreibt Oberst George Dabija-B enges cu, geboren zu 
Tirgu-Jiului 37. Abgesehen von Bearbeitungen hat er 70 auf- 
führen lassen : Eine Ohrfeige auf dem Maskenball; Es kommt 
anders. Noch mehr als diese Lustspiele werden seine Dramen 
gerühmt: Radu III und besonders sein neuestes Werk: Pygma- 
lion, König von Fönikien, gespielt 85. C. lit. 20, Heft 1 : 

1. Der König will Krieg mit Kartago. 

2. Astarbea vereitelt die Verschwörung gegen sein Leben, 

3. und verteidigt sich so gegen Tofa, die Königin, die er 
zu den Söhnen in den Kerker schickt. 

4. Prinz Fadael will den Vater ermorden, 

5. wird aber von ihm getötet, den Ast. vergiftet, worauf 
das Volk sie umbringt. 

Eine schulgerechte Nachahmung Corneilles, reich gespickt 
mit: o Himmel! und dgl. Als Probe der stelzbeinigen Aus- 
drucksweise genüge: wer sein Wesen in die Welt der Toten be- 
fördern soll, 2, 3. Wie kann Fadael 4, 2 zu den Göttern beten, 
die er inchipuire, Vorstellung, allerdings auch Verkörperung, alles 
Guten nennt? So ergreifend ferner in 4 der Auftritt zwischen 



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— 186 — 

Tofa und Fadael ist, so anmöglich sind in Pygmalions Selbstge- 
spräch, 5. Anfang: dulci iluzii, neantnl — kurz der Fapagei- 
pessimismus. Im ganzen ist jedoch namentlich der Astarbea^ 
der eigentlichen Heldin, welche ihr Leben wagt, um ihren Ge- 
liebten auf den Tron ihres Liebhabers zu setzen, eine gewisse 
Grossartigkeit nicht abzusprechen. Auch die Sprache gipfelt öfter 
in spruchartigen Sätzen wie im Tasso. Den Stoff hat er au» 
Fenelons Telemaque. Ausführlich , doch etwas schulmeisterlich^ 
darüber: Quintescu in den Annalen der Akademie 88. 

V u 1 c a n hat viele Stücke, manches lesbar, verfasst. Kunst- 
wert gering: Der entflohene Mieter, Braut um Braut, Spottet 
nicht der alten Jungfern ! Secretul, verkürzt : der geheime Brief, 
leichte Salonstücke, auch Gelegenheitsstücke wie Buga de 1& 
Chiseteu. Aber auch hier ist er in der Wahl der Mittel „Effekte" 
zu erzielen, nicht allzu bedenklich. Stefani^a Vodä zeigt, obgleich 
preisgekrönt, dass er kein tragischer Dichter ist. 

J. Negruzzi hat allein 2 Lustspiele geschrieben : alegere 
la Senat, 5 Aufzüge 82. Amor ^i viclenia (Bearbeitung) 3 Aufz.. 
Beizadea Epaminonda, 84, Operette in 3 Aufz. ohne eigentliche Hand- 
liche Handlung, aufgeführt 85. Ausserdem hat er mit Caragiale 
Hatman Baitag, opera buffa in 3 Aufz. Conv. 1. 18, 56, nach Gane, 84 
(massig), mit E. (Bosetti, der 82 Da sau ba, 3 Aufz., Un leu si un 
slotC. 1.7, 178, Schwank, Schahär Mahar,C. 1. 18,363, satirisch, u. a. 
verfasst hat), Nazat, aufgeführt 86, eine Beihe toller Abenteuer des 
„Künstlers" Gologan Stefan und des jungen Jahres 1886, und 
Zeflemele, Bevista politica .^i umoristicä in 3 acte verfasst. Das 
Stück zeichnet Schildaer Zustände, die durch Zwischenrufe der 
Zuschauer als rumänisch erkennbar werden. Während Busofilof 
und Englezanskief auf ihre Schützlinge warten, die Fürsten 
werden sollen, kommt ein stellenloser Schauspieler, wird gewählt, 
durch die ,, Volksentrüstung" abgesetzt, von seinem Genossen, der 
ihn als Mörder ansieht, verhaftet usw., wobei besonders der 
„Na-ti-o-na-le" sein Teil bekommt, der sich lieber an „nationalem'^ 
Wasser tottrinkt als von fremdem heilen lässt. Man sieht, die 
Komik ist derb und geht ins Burleske über, daher Gestalten 
wie der Büttel Tzurca im 3. Aufzuge am besten gelungen sind. 

Von Bodnarescus Stücken gilt als das bedeutendste Bienzi, 
68 gedruckt. Bienzi stellt sich an die Spitze des unzufriedenen 
Volkes, wird Herr Roms, muss jedoch bald, vom Heere der 



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— 187 — 

Adligen eingeschlossen, vom Papste gebannt und daher von allen 
verlassen, ins Gebirge flüchten. Sein eigener Schwiegervater 
Easelli und der Johanniter Arimbaldi ziehen gegen ihn aus, und 
er föllt von Montreals Hand, was nicht begründet erscheint.*) 
Überhaupt ist der 6. Aufzug schwach; das Frühere aber, beson- 
ders der 4., enthält neben matteren Stellen manche ergreifende,, 
neben unbestimmten Gestalten manche scharfgezeichnete. ') Hat 
er hier Bulwers Eoman benutzt, so sucht er in „AI. Lapu^neanu'' 
(Conv. 1. 12, Cernowitz 84) Shakspeare nachzuahmen. 

Lapedats Werke, 73 erschienen, enthalten auch ein Schau- 
spiel, Tribunul : 1. Der Aufstand von 48 bricht aus. 2. Der 
Magnat Laszlo verstösst seine Tochter Terese, welche den Grafen 
Vilmos wegen des Sekretärs Teodor ausschlägt. Teodor, der 
Volkstribun, schenkt Laszlo und Vilmos, die er gefangen, Leben 
und Freiheit. 3. L. nimmt die Tochter wieder an, Vilmos aber lässt 
Teodor meuchlings ermorden, worauf auch Terese fallt. — Die 
reine Schablone. Er hat übrigens nicht für Conv. 1. geschrie- 
ben , doch in ihrem Sinne. 

MitSlavici müssen wir uns auch hier näher beschäftigen. 
1 870 hat er sein erstes Stück : Fata de biräu (das Schulzenkind) 
veröffentlicht, worin die sehr hübsch geschilderte ländliche ün- 
ßchuld trotz aller Bänke, die gegen sie gesponnen werden, 
schliesslich doch ihren Lehrer bekommt. Andere Lustspiele 
folgten. 

Sein bestes Stück, ja das beste rumänische, das wir gelesen, 
ist jedoch Caspar Gra^iani, Fürst der Moldau, 1885 verfasst.^) 
1888 aufgeführt, jedoch abgelehnt. Gaspars Leben Kev. N, 1, 321, 
Fam. 24, 129. 

Der Inhalt ist folgender: 

I. Er verlobt sich mit Elvira, Tochter des Dragomans; die 
Günstlingin Sara will ihm aber nur helfen, wenn er sie ebenfalls 
mitnimmt, worauf er sie umarmt. IL Baruch verflucht Sara, 
weshalb sie Gaspar erklärt, Elvira könne nicht Fürstin werden. 
Mit ihrer Hilfe wollen Locadelo, der ebenfalls Fürst der Moldau 
werden will, und van Ölen die Erlaubnis des Dogen zu Elviras 
Hochzeit hintertreiben. III. Zwei Jahre später. Gaspar ist durch 
Sara Fürst geworden, die als des Landes guter Engel gilt; doch 



1) Maiorescu Grit. 360. 2) Conv. lit. 22, 1. 

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— 188 — 

i^ill er (und das Volk) die Jüdin entfernen, damit er Elrira 
heimführen kann und das Land von den Türken frei werde. 
So muss er Sara fortschicken. IV. Sie erreicht in Stambul, dass 
Gaspar abgesetzt wird und sie mit dem Heere ziehen darf (um 
sein Leben zu retten). V. Sie bringt Gaspars Heer zur Flucht, 
er will sich wehren; aber Sara verbietet es ihm, der Pascha 
wolle ihn lebendig haben. Er ermordet sie, um zu zeigen, dass 
er mit ihr und den Türken nicht im Bunde stehe. Baruch, um 
sie zu rächen, bringt die Bojaren dann zu diesem Glauben, und 
sie ermorden Gaspar, worauf die Türken kommen. 

Abgesehen von dem Zwischenräume von 2 Jahren, der nicht 
nötig war, ist die Anlage des Stückes musterhaft: L Spieler, 
2. Gegenspieler, 3. Verschärfung der Gegensätze, 4. Wendung, 
5. Verhängnis. Nur die Einleitung könnte, zumal bei der Fremd- 
heit des Gegenstandes, etwas ausführlicher sein. Doch sind zu- 
mal die Hauptgestalten von Anfang an klar und fest gezeichnet, 
besonders zu rühmen ist ausserdem die Treue der Schilderung, 
mit der z. B. die Wendungen der blumenreichen osmanischeu 
Hof spräche wiedergegeben sind, namentlich in IV. Sl. ist durch 
die Urkunden Hurmuzakis, welche er herausgab, auf den Stoff 
gekommen. 

■Neni^escu will 92 sein eben vollendetes Stück „Wlad 
der Pfähler** einreichen. 

D. Zamfirescu hat mit dem Schauspieler St. Velescu 
verfasst: Prea tirziu, 84 aufgeführt. Der Held ist unglaublich 
edel: er tritt unerkannt in den Dienst des Oheims, lehnt die 
hase Maria, die er liebt, ab, und stirbt, als er erföhrt, sie sei 
gestürzt, worauf sie auch wirklich stirbt. 

Durch Volkstümlichkeit zeichnet sich J. L. Caragiale 
aus, dessen Lustspiele 1889 erschienen sind. Maiorescu^ findet 
im Vorwort (S. VIII) die Farben auch hier zu stark aufgetragen, 
er wünscht etwas mehr Abwechselung in den Gestalten oder 
doch der Art ihres Auftretens, erklärt jedoch diese Ausstellungen 
für unerheblich gegenüber dem grossen Verdienste, welches in 
der geistvollen und treuen Schilderung des gegenwärtigen rumä- 
nischen Lebens liegt. C. wählt sich mit Vorliebe die von der 
Bildung eben beleckten unteren Schichten und weiss durch seine 
Bühnenkenntnis sehr wirksame Auftritte zu erzielen ; ja als echter 
Dichter lässt er das auch hier zu Grunde liegende Tragisclie, 



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— 189 — 

bestehend in der Unzulänglichkeit des Irdischen, durchfühlen. 
Dadurch wirkt er der Weise der Kunst gemäss sittigender und 
befreiender als durch Redensarten von Tugend, Freiheit usw., 
welche die erleuchtete hauptstädtische Presse in den „Caragea- 
liaden" vermisst hat. 

Eine kurze Inhaltsübersicht wird dies Urteil vollauf be- 
ß tätigen. 

„Eine stürmische Nacht" schildert Dumitrake, den sein 
Buchhalter zum Hahnrei macht. Während jener als Bürgergarde 
nachts am Hause vorbeikommt, fragt er: „Wachst du, Kiriak?*^ 
und dieser antwortet: „Ich hüte dein Haus und deine Hausehre** 
(die er im Arm hat). Endlich findet Dumitrake im Bette seiner 
Frau eine Halsbinde, schöpft Verdacht, beruhigt sich jedoch bei 
Kiriaks Erklärung, dass sie diesem gehöre. 

Diese Leichtgläubigkeit ist allzu stark — oder soll die „cu 
filosofie** gesprochene Erwiderung des „aufgehellten" Dumitrake 
besagen, dass er sich in sein Schicksal ergiebt? Das wäre doch 
noch unwahrscheinlicher. — 

„Conu Leonida fa^a cu reac^iunea". Er glaubt im Strassen- 
lärm die von den liberalen Zeitungen angekündigte Reaktion zu 
hören, will daher abreisen, als er aufgeklärt wird, es wäre ein 
Hochzeitszug. 

Ungleich bedeutender ist „Ein verlorener Brief, auch deutsch 
in Berlin aufgeführt. Die Heldin Zoe ist gelungen; die Dumm* 
heit ihres Hahnreis ist noch unglaublicher als die Dumitrakes; 
aus Dandanake wird man nicht recht klug. Hat er wirklich 
einen andern Brief gefunden (4, 3) oder den Zoes (4, 5)? oder 
stellt er sich nur so? Wozu überhaupt seine verworrene Be- 
ziehung zu dem Briefer Der Befehl, ihn zu wählen (S. 191),. 
genügte, so war alles klar. So ist es unklar. 

„Vom Karneval* ist dagegen wieder nur eine Posse, reich 
an Stellen von teils sehr derber Komik, Verwechselungen und 
sonstigen Schwindeleien, wobei die Glaubensstärke der Beschwin- 
delten wieder oft die Glaubwürdigkeit überschreitet. 

Man sieht, auch hier kommen die Besitzenden schlecht weg ; 
der einzige anständige Mensch im verlor. Br. ist der Angeheiterte, 
der die Wählerschaft vertritt. Wegen dieses Hasses gegen die 
„Bourgeois" hat Gherea ihn allzu sehr gelobt, Stud. crit. 1, 326flP> 
vgl. Bd. 2, Napasta. 



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— 190 — 

Die 89 verfasste Näpasta (Unglück, s. Archiva soe. ^tiin^ §i 
lit. Ja^i Jahrg. 1 die Besprech.) hat folgenden Inhalt : Anca klagt 
ihrem Gatten Dragomir stets etwas Tor und erinnert ihn damit 
an Dumitru. Er hat böse Träume und flieht vor dem Landjäger» 
der Dum. ähnlich sieht. Ancas Verdacht wird immer reger, 
Jon wird bestraft, und erst am Ende erfahren wir, was 'wir 
ahnten, dass Dragomir aus Eifersucht den Mord begangen. Wie 
im zerbrochenen Kruge H. t. Kleists sind auch hier die Schwierig- 
keiten einer rückschauenden Entwicklung der Handlung glücklieh 
überwunden. 

Nach alle dem darf man Caragiale als den bedeutendsten 
lebenden Lustspieldichter Eumäniens bezeichnen. 

Dl. Umureanu ^i ginerele seu, Lustspiel in 3 Aufz. 91, ist 
noch nicht veröffentlicht. 



D. Lehrdichtung. 

Wenn wir uns nunmehr zur Lehrdichtung wenden, fällt uns 
sogleich die Tatsache ins Auge, dass die Fabeln, an denen der 
vorige Zeitraum so reich war, so gut wie ganz verschwunden 
sind. An ihre Stelle sind die Briefe, Sprüche und dgl. getreten, 
während die Satire sich gleicher Beliebtheit erfreut wie früher. 

1. Briefe, Sprüche und dergleichen 
In der Spruch Weisheit ist vor allen J. Negruzzi zu nennen, 
dessen Leistungen sich hier den besten ihresgleichen an die 
Seite stellen. So die 4 Worte: Amicie Viclenie, Resplutire 
Nälucire (Freundschaft Schuftigkeit, Vergeltung Einbildung). 
Leider herrscht diese bittere Stimmung fast in allen, so gleich 
in 1 : Ein Traum ist das Glück, das Leben nicht mehr, nach 3 
allenfalls ein Spiel. Er schreibt auch Briefe in Versen in der 
Art des Horaz, scharf satirisch. 

Auch Bodnärescu hat sich in Sinnsprüchen ausgezeichnet, 
worin er das Distichon mit Glück, und häufiger als J. Negruzzi, 
anwendet. So erklärt er die Dichtung als Feiertagsstimmung. 
Ganz reizend ist folgendes: 

An das Fenster gelehnt, so schaute sie lächelnd herüber, 
Haucht' an die Scheiben und schrieb dann mit dem Finger darauf: 



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— 191 — 

Atemlos verfolgt' ich des zierlichen Händchens Bewegung: 
Eine der Zeilen stand grade, die andre verkehrt. 
Jene, so schien es, für mich, die letztere wol fiir sie selber, 
Jenes : Ich liebe dich ! Dieses : Ich spiele mit dir ! 

Conv. 1. 14, 21iF. findet sich eine sehr geistreiche Samm- 
lung von Aussprüchen Maiorescus, Eminescus, Caragiales, Slavicis, 
E. Eomans, M. K. (ogalniceanus :), Carmen (Sylva?) u. a. 

Auch Miclea und D. Zamfirescu haben manches. 

2. Humor und Satire. 

Der zweite Teil ist ungleich umfangreicher, weil Personen 
und Zustände der noch immer fortdauernden Übergangszeit dem 
Spotte dankbaren Stoff in Menge bieten. 

Alecsandrescu erinnert in „Wilde Katze und Tiger'^ die 
,, Enkel Traians*', dass es Unsinn ist, sich* der Ahnen zu rühmen. 

Erwähnt werden möge hier noch sein zur Berühmtheit ge- 
langter Streit mit Sion von 1868: Sion hatte behauptet, im 
Staatsarchiv hätten die Mäuse die Feder des Vorstehers Alexan- 
drescu benagt. Dafür rächte sich dieser in der „Rache der 
Mäuse oder Sions Tod", worin er seinen Angreifer von den ent- 
rüsteten Mäusen gefressen werden lässt. 

Bolintinean erklärt diese Satire (Albina Pindului l, 137j für 
die beste rumänische; und in der Tat ist sie ganz gut, besonders 
der Schluss ist boshaft genug. Aber welch fürchterliche Blosse 
gab der Verfasser sich damit! Hätte Sion einen Tropfen sati- 
rischen Blutes in den Adern, so hätte er jenen als Mäusekönig 
noch viel lächerlicher gemacht. Kozon (Nagemund) hätte etwa 
über den Feldzug gegen ihn (Sion) berichten müssen, wobei er 
sich rühmen konnte, dass Alexandrescu zwar ein mächtiger 
Herrscher, aber ohne seine Untertanen nichts wäre, selbst einem 
Sion gegenüber. 

Statt dessen antwortet Sion in : Musä in Spital, Alexan- 
drescus Muse läge im Krankenhause, dessen Vorsteher jener eben 
geworden , weshalb er seine Zeit besser verwenden könnte als 
mit Dichten. — 

Dem entsprechend enthalten Sions 101 Fabule, Buc. 1869, 
zwar (nach dem Franz., S. XIII.) manches gelungene, neben 
andere aber muss man ein Salzfass stellen, um sie geniessbar 



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— 192 — 

zu machen: I., 11, 17; IL, 8 (Der Lehrer tadelt; der Schüler 
findet das lächerlich, jener dies ungezogen, d. Seh. schämt sich) 
9 Liebe : Ich beherrsche alles I Vernunft : Mich nicht ! L. schämt 
sich. — Worte, nichts als Worte! Und es wäre doch oft so 
so leicht gewesen etwas Handlung hineinzubringen! So I. 18, 
wo die Maus ihr Schloss lobt, die Schildkröte sich in ihrem 
Panzer ebenfalls glücklich fühlt, sei er auch klein. Schluss: sei 
bescheiden ! — Wie viel eindringlicher wäre die Mahnung ge- 
wesen, wenn statt dessen die Katze die Maus erhascht hätte! 
Die Sprache ist „eclectica", wie er sagt, weder Fisch noch 
P'leisch. S. Panteon rom. Pest, 1,121. 

Ferner hat Odobescu 73 den auch wissenschaftlich wert- 
vollen Aufsatz: Fumuri archeologice , ecomite diu lulele preis- 
torice, 74 seinen Psevdokynigheticos herausgegeben, worin er 
über Jagd, Altertümer, Kunst, Volkskunde und Schrifttum han- 
delt. Auch Janov, sowie J. Negruzzis nKopien'* kann man 
hierherziehen, noch schärfer sind seine Satiren. Besonders 8. giebt 
ein nur zu wahres Bild von der Nichtsnutzigkeit der rumänischen 
Gesellschaft. 

Yulcan leistet Gutes nur in satirischen Plaudereien und 
Gedichten, nCastigul moral" und dgl. Doch trägt er auch hier 
manchmal zu stark auf. Gura satului, Sezetoare, Witzblätter. 

Eminescu übertrifft jedoch auch hier die Genannten bei 
weitem. In den „Nachgebornen^^ 53 feiert er zunächst die 
Früheren eben so urteilslos wie Andersen in Danske Poeter i en 
Bouquet und Puschkin im Gorodokii. 

Dann fährt er fort: 
Aber wir, wir Nachgebornen ? kaltes Herz , zerrissne Saiten . . . 
Unter uns ist alles Maske, Tünche — Hohe Seelen, Ihr 
Habt geglaubt, was ihr geschrieben, doch an nichts mehr glauben 

wir. 

Er schliesst: 
Alles ist nur Staub , die Welt ist wie sie ist, und wir gleich 

ihr. 

Gewiss, jedoch mit einigen Ausnahmen ; und zu diesen ge- 
hört vor allen — Eminescu, wie auch seine (eigentlichen) Satiren 
zeigen. Angeekelt von der platten, spiessbürgerlichtu Gegenwart, 
idealisiert er darin die Vergangenheit ebenso falsch wie die deut- 
bchen Homantiker. 



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— 193 — 

In der ersten redet er den Mond an, was er alles auf 
Erden sehe, und erklärt aus der Mondschau alle Wissenschaft 
usw. für eitel. 

In det zweiten heisst es u. a. : 

Soll ich etwa Liebe singen, meine Harfe zu entweihn? 
Sie, die mit uns Buhlen teilen brüderlich zu zwein und drein? 
Soll ich singen, dass freiwillig du dich jenem Chor gesellt, 
Den auf unsrer Bühne Brettern Menelaos führt, der Held? 
Wie die ganze Welt ist heute auch das Weib für alt und jung 
Eine Schule, drin wir lernen Heuchelei, Erniedrigung, 
Immer jüngre Schüler suchen sie für ihre Studien aus. 
Bis zuletzt die ganze Schule nichts ist als ein Hurenhaus. 

Die dritte schildert zunächst Mirceas Sieg über Sultan Ba- 
jased ; dann die gegenwärtigen Kumänen : Poraadenhengste , die 
in Paris ihre Jugendkraft vergeudet haben und nun daheim ohne 
Arbeit reich werden wollen, so dass die Menschheit sich ihrer 
schämen muss. Hiermit soll C. A. Koseti gemeint sein. 

4. Waldschloss am Schwannee, Mondnacht, des Ritters 
Ständchen und Wasserfahrt mit der Geliebten . . . 

Wo und wann sich das ereignet? fragt ihr mich nun wol ver- 
wundert. 

Ih, was weiss ich? Allenthalben, ungefähr um Vierzehnhundert. 

Heute darfst zu einem Mädchen du die Augen kaum erheben, 

Nicht sie küssen, nicht umarmen, tätest du's gleich um dein Leben. 

Muhm' und Oheim stehen lauernd; kaum hast du die Hand 

erhoben, 

Wird Familienrat gehalten und ein Eiegel vorgeschoben. 

Immer artig, lieber Junge ! nur hübsch langsam vorwärts schieben. 

Giebt es denn auf dieser Erde keiuen \\ inkel mehr zum Lieben ? 

gewiss! du musst nur suchen diesen Mumien zu gefallen. 

Magst dabei — doch in der Tasche — immerhin die Fäuste ballen. 

Zähle deines Schnurrbarts Haare, dreh dir eine Zigarette, 

Sei ein Licht in Küchenfragen : so gewinnst du noch, ich wette ! 

So, schiflFbrüchig am Glauben an alles Höhere, schliesst er 
mit dem Ausrufe, der sich nur zu bald erfüllen sollte: 
Wo sind meiner Harfe Weiten, die dereinst die Welt entzückt? 
Weh! die Saiten sind zersprungen, und der Meister ist verrückt! 

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.— 194 — 

D. Zamfirescu hat 1884 Satiren (gegen die Feinde der N. 
Kichtung) herausgegeben. 

A. C. Cuza ist in den Sinnsprüchen oft recht bissig, beson- 
ders in denen auf Damaskin. Auf einen hässlichen Beimer: 
Kannst du dem Drang 2u dichten 
Nicht länger widerstehn, 
So schau nur in den Spiegel — 
Er wird vorübergehn. 
Auch der Professor, Beamte, Redner usw. bekommen ihr Teil, 
besonders aber der Jude, der in Jassi herrscht. 

Von Cosbuc gehört hierher der gereimte Schwank „Pe pä- 
mintul Turcului" 1885, worin eine leichtsinnige Frau gebessert wird. 

E. Wissenschaftliches. 

Staatswissenschaften. 

Nicht als ob es in der Wissenschaft keine Parteien mehr 
gäbe — vielmehr entbrennt der Streit erst jetzt heftig — son- 
dern um den Überblick zu erleichtern, wollen wir hier alles zu- 
sammenstellen, was der N. Richtung nicht grade feindlich ist, 
die Gegner jedoch ebenfalls nennen, damit man sie nach- 
schlagen kann. 

Über Cogälniceanus und anderer politische Tätigkeit s. III. 

Zugleich mit diesem Zeitraum beginnt die Laufbahn Vasile 
Boerescus, der 1. (13) 1. 1830 in Bucurescht geboren, in Paris 
die Rechte studiert hat. 24. 1. 59 hielt er seine berühmte An- 
trittsrede in der Kammer über die Vereinigung der Fürstentümer, 
wodurch er die Wahl Guzas mit entschied und war wiederholtMinister. 

Schon 48 begann er für Zeitschriften zu arbeiten, und legte 
dem Pariser Kongresse 56 eine Denkschrift über Rumänien vor, 
welche Beachtung fand. Dann schrieb er: Rumänien nach dem 
Pariser Vertrage von 1856. Als Professor gab er eine „Erklä- 
rung des rumänischen Handelsrechtes" 1859 heraus und nach 
andern Schriften sein Hauptwerk „die rumänische Gesetzsamm- 
lung, mit einem Anhange" 65, dem 67 ein zweiterfolgte. 1874: 
Drepturile Rom. usw. Gest. 18. (30.) 11. 1883. ') 

Ebenfalls zu den Konservativen gehört der politische Führer 
der „Neuen Richtung", Petru P. Carp, 20. 6. 37") aus Bojaren- 

1) Fam. 26, 114. 2) Rom. R 7, 5 ff., nicht 38. wie Pop. 

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— 195 — 

geschlechte zu Jassi geboren, von 1850 an in Berlin erzogen, 
studierte in Bonn die Kechte und Schrifttums Wissenschaft, wobei 
er sich deutsche Gründlichkeit, Ruhe, Beharrlichkeit und eine 
seltene Weite des Blickes aneignete, welche ihm gegenüber den 
liberalen Hitzköpfen wie Bratianu eine unbestrittene Überlegen- 
heit verschafften. Wie er im Gegensatze zu diesen Gleichheits- 
schwärmern den Unterschied zwischen dem Westen und Rumä- 
nien und der darauf beruhenden innern Politik begriffien hat, 
*iehe a. 0. 

66 stürzte er Cuza, und schon 70 — 71 war er Minister des 
Auswärtigen, dann Gesandter in Wien und Berlin, darauf Minister, 
^8f Stiramführer der von ihm mit begründeten Keuen Richtung 
im Landtage. Docb hat er auch geschrieben, Refoi-ma socialä, 
und „Era noua**. Kammerreden, 1889, und übersetzt, besonders 
JShakspeares berühmteste Stücke und aus Humboldt. 

38 geboren uud ebenfalls als Redner (aber der Liberalen) 
■ausgezeichnet ist Eugenie Statescu, der in Paris die Rechte 
«tudiert hat. Durch Begabung wie durch Gesinnungstüchtigkeit 
brachte er es bald zum Abgeordneten, Senator, und war wieder- 
holt Minister des Rechtswesens. *) 

Neben Carp tritt auch hier, besonders als Redner, Maioresu 
hervor. Doch hat er ebenso Barnutziu (s. d.) in einem Schrift- 
-chen glänzend widerlegt: Conti a Scoalei Barnu^iu, Jassi 1^68. 

Cuza hat (nach Carp) „die 48 er und die Neue Zeit" gegen- 
übergestellt , Jassi 89. Obgleich früher selbst Sozialist, meint 
er, Rum. dürfe dem Westen nicht voran schreiten, Abschn. 5. 

Über rum. Rechtsgeschichte siehe Climescu, Curpanu und 
Petrovu, E. Sevastos, Brezoianu, Aurelianu, Pap. Calimah, Xeno- 
pol, Urechiä u. a.') Völkerrecht : Cestiunea Dunärii bei N. Densu- 
sianu, s. S. 199. Kirchenrecht: Schagunas Compendiu de dreptul 
canonic, Herm. 68, wo sich S. XII ff. auch die andern von ihm 
gedruckten Werke finden. Die Einteilung aber (inneres, äusseres 
Recht, Verwaltung) wie die Begriffsbestimmungen, selbst grund- 
legende wie die des Dogmas S. 26, wo man auch den Begriff 
der Ketzerei vermisst, sind keineswegs einwandfrei. 

Eine Art Ergänzung hierzu: Legile bisericesci . . culese de 
M. Dreghiciu, Temesvar 73. Die Bestimmungen über Ehesachen 



^) Pauteonul Romaniei 1. 15. ^) Dissescu, Meitani, Rom. R. 8, 253 



13* 

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— 196 — 

veranlassen manchen Misbrauch, siehe S. 57 ff. Ähnlich: Fon- 
tänele si codicii dreptului canonicesc ortodox, 86 von C. Popovici^ 

Auf dem Gebiete der Volkswirtschaftslehre sind zu nennen 
J. Ghica, 8. u. und Petru Aurelian, geboren zu Slatina 1834.*) 
Früh verwaist, studierte er mit Unterstützung von Gönnern in 
Paris Land- und Volkswirtschaft und wurde gleich nach seiner 
Heimkehr, 60, zum Leiter der landwirtschaftlichen Schule be 
Bucurescht ernannt. 

Er hat herausgegeben: Monitorul comunelor 61 — 66, Cate- 
chismul economiei politice 68, Manual de agricultura 69. Kevista 
scien^ifica (mit andern), Economia ria^ionala 73 — 75. Bucovina, 
^ara noastrii, 2. Ausg. 82. Starea economicti Bom. in v. XVIII. 
Buc. Ac. 82. 

Joan Strat ist 1S36 zu Roman geboren und studierte die 
Rechte in Paris, wo er, wie in Stambul, in Staatsgeschäften! 
tätig war; seine Harem sin tri gen sind berühmt geworden. Be- 
gründeter ist der Ruhm seiner Economia politicä 69, das einzige 
Werk in seiner Art, geschrieben für die Conv. lit. -) 

Miltziade Tzoni, geboren um 1840 zu Jassi, studierte vor> 
59 — 66 in Paris und wurde dann 2um Professor in Jassi er- 
nannt. 73 gab er einen Band „Plaga" heraus, werin er gesell- 
schaftliche und volkswirtschaftliche Fragen erörtert.^) 

Eminescu hat, besonders als Leiter des „Timpul" viele Auf- 
sätze geschrieben. Er will den Bauer gegen die Aussaugung 
durch die Beamten schützen und verlangt daher ein uneinge- 
schränktes Herrschertum, weil die Rumänen für Verfassungen 
noch nicht reif sind. 

Während V. Florentiu*) für die Frauen nur das Recht sich 
auszubilden und zu schreiben verlangte, Julia Sachellariu, geborene 
(1852) Jarcu 74 ein Werk „Berühmte Frauen** herausgab, ^) trat 
Eufrosina Hommoriceanu in Schrift und Wort der eigentlichen 
Frauenfrage näher. Ihre Bücher freilich sind nur übersetzt: 
Frau und Erziehung, 1872, oJer bearbeitet: Gewerbliche Kennt- 
nisse 75, Die Frau, und Die Ehe (geschichtliche Überblicke). 

C. de Dunca-Schiau in Pest, die Erneurerin des Mädchen- 
Unterrichts **) und Lucretia Costa Olariu in Deva, (führte die Plauderei 

1) Amicul Farn. 8, 27 : 1833. Manliu, Cr. 237, Fam. 9,479. 
^J Pop 2, 88. 3) Eb. 107. *) Eb. 299. öj Eb. 45. 0) Fam. 24, 271. 



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— 197 — 

in Siebenbürg Blätter ein, Spricht 7 Sprachen) wirken im gleichen 
Sinne, schrieben dazu Novellen, LucuUus, jene auch Stücke, 
„Martira inimei'', in Buc. beifallig aufgenommen, beide als geist- 
reiche, vielgereiste Frauen, jedoch etwas lehrhaft S. S. Nädejde. 

Geschichte. 

Istoria bisericei ortodocse rasäritene universale . . . Sagunas, 
*2 Bde., Hermanstadt 1860, enthält schon im Titel eine Unge- 
nauigkeit (denn Bd. 1 wird auch das Abendland behandelt), 
-ebenso die ersten Worte, denn mit Adam beginnt nicht eigent- 
lich die Kirche, nur der sogenannte Heilsplan. Das Ganze sieht 
aus, als wäre es vor 100 Jahren geschrieben; von Kritik, auch 
•der bescheidensten, keine Bede. 

Sions Suveniri contimporane erschienen Buc. 88, worin er 
anschaulich die Befreiung der Zigeuner, 1848 und seine Jugetid 
beschreibt. 

Teodor Codrescu ist 1826 zu Jasei geboren, gab mit D. 
Gusti 1854 „Zimbrul** heraus, später das „Familienblatt** und 
die „Rumänische Trompete". Noch verdienstlicher aber ist sein 
Uricariul (ürkundensamralung) in 6 Bänden, 52 — 75, 86—89 
9 Bde, mehr Kirchen- und Volks-, als Staatsgeschichte, auch ein 
gutes rum. französisches Wörterbuch hat er zusammengestellt. *) 

Nicolae Popea ist 1828 zu Säcele geboren, studierte in Wien 
Gottesgelehrlheit, jetzt Bischof zu Caransebes. Seine rechts- und 
kirchengeschichtliche Arbeit von wissenschaftlichem Werte : „Das 
alte'griechisch-morgenländische Erzbistum Siebenbürgens", Hermst. 
70, hat mit zur Erneuerung desselben beigetragen. Später hat 
er hierüber Streitschriften mit dem griechisch-katolischen Erz- 
bistume zu Blasendorf gewechselt.^) Sehr wertvoll ist das von 
ihm herausgegebene sogenannte Memorial Schagunas, (dessen Leben 
<er 79 beschrieb)'), Bd. 1, von 1846—70., Hermann Stadt 89. Ilarian 
u. a. s. III. 

S. Mangiuca, geboren 2. (14) 9. 31 zu Broschteni, studierte 
die Hechte und Gottesgelehrtheit, starb als Sachwalter 4. (16.) 
12. 90 zu Gravida. 

Er hat (nicht in C. 1.) über Geschichte, Sprachwissenschaft 
und Volkskunde geschrieben: Nestor, Bom. B. 3, Heft 4. 



1) Pop 2, 73. 2) R. R. 5, 310, Farn. 2G, 601. «; Conv. 1. 14, 5 ff. 

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— 198 — 

Hurul, (eb. Heft 5ffi), an dessen Echtheit er trotz allem glaubt^ 
u. a. '). S. N. Densuschianu, a. 0. 

V. A. Urechias Anale culturei nationale hat die Akademie 
89 preisgekrönt Er schreibt auch 12 Bde rumänische Geschichte 
von 1774-1864. S. S. 130. 

Papadopul-Calimah, griechischer Herkunft, hat gute Städte- 
geschichten verfasst: Galatz, Berlad, 91. Weiteres s. N. Densu- 
schianu, a. 0. 

Auch T. Burada hat über Geschichte, besonders der Musik 
und der Bühne , geschrieben. Conv. 1. 24, 1 ff., Cercetari as. 
Conservatoriului din Jasi, Jassi, 88. 

A. Odobescu hat mit P. Aure^ian eine ausführliche ^Notice 
sur la Roumanie** Paris, 1868, gelegentlich seiner rumänischen 
Ausstellung, verfasst, über die Klöster Rumäniens, 1863, Isloria 
arheologiei 77. Mo^i si Curcani, 1878, worin er den Bauern- 
aufstand der Siebenbürger unter Horia von 1784 und die Einnahme 
Rahovas 1877 anschaulich schildert. 

Ausserdem hat er über Altertumskunde geschrieben, Conv. 
lit. 22, 97, und besonders Istoria contimporanä , 76 — 87, sowie 
' über artele din Rom. in periodul preistoric 72, Band 2 seiner 
Schrr. und Anticita^ile preistorice si romane ale patriei. 

1842 ist Ilarion Pu^cariu zu Säcele geboren. Er studierte 
in Wien, wurde 59 Lehrer in Hermanstadt, dann Mönch und 
veröffentlichte 73 in den Conv. lit. das „Leben des Erzbischofs 
Schaguna**, 89: Documente pentru limba ^i istorie. -) S. Pop. 

Bedeutender ist A. D, Xenopol, geboren 1843 in Jassi. 
67 von der ., Jugend" nach Wien geschickt, studierte er hier die 
Rechte, seit 70 in Berlin Schönwissenschaft. 68 veröffentlichte 
er in den Conv. lit. einen Aufsatz über Cultura na^ionala und 
wurde durch die 71 zu Putna gehaltene Weiheredc schnell be- 
rühmt und Professor zu Jassi. ^) Buc. 8 1 : Resboaiele dintre 
Rusi si Turci, Teoria lui Rösler, Jassi 84 ; sein Hauptwerk aber 
ist die Istoria Rominilor din Dacia Traiana seit 188S. Siehe 
die Besprechung*) und R. Rev. 5, Heft 1, H. 9, 6, 345. 8, 252. 
1892 erschien Band 5, die Zeit der Fanarioten. — Er schreibt 
auch Reiserinnerungen, C. lit. 17, 376, seine Gattin Adola Novellen. 

Grigorie Tocilescu^), geboren zu Mizil, 1846, studierte bis 

1) Farn. 26, 605f Rom. R. 7, 54. 2) Rom. R. 5, 320. Rev. N. 3, 199. 
3) Manliu, Cr. 268. *) Zeitschr. f rom. Phil 14, 242. Sj Manliu Cr. 274. 



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— 199 — 

74 („Despre legat**) die Rechte in Bucurescht, leitete mit Hajdeu, 
Teodorescu u. a. den „Romanism", worin er Urkunden u. a ver- 
öflTentlicht hat. Ausserdem die Schriften: Über die Familie 
Michaels des Tapfem und: Petru Cercel 75; die Beurteilung: 
Zwei Geschichtsschreiber, G. Panu (s. bei Hajdeu) und P. Ceruä- 
tescu (von ihm : Ist. contimp.), 74. Bälcescus Leben. Istoria romänä, 
sehr gründlich,') Dacia inainte de Romani, über Hurul u. a. 

Er hat Revista pentru Istorie, Archeologie si Filologie zu 
Bucurescht seit 88 herausgegeben. S. N. Deususianu, 

Slavici hat u. a. „Noi si Maghiarii" Conv. lit 1873, 
Heft 7f. veröffentlicht. Die Komänen (deutsch). Über Schaguna, 
Conv. lit. 14, 5 ff, Soll ^i Haben 78, und viele Aufsätze in 
Zeitungen. 

C. Erbiceanu hat verfasst: Istoria Mitropoliei Moldaviei ^i 
Suceavei . . . Buc. 88, s. R. n. 2, 80. Hieran mögen sich seine 
mehr sprach- oder kirchen geschichtlichen Ausgaben schliessen : 
Tetravanghelul Diaconului Coresi, mit G. Timu^ Pite^teanu, Bac. 
89. S. R, N. 3, 399, wo der Mangel an Erklärungen gerügt 

wird. Endlich: Antim Ivireanul, didahiile Buc. 88, leider 

„corectate*', wodurch sie für die Wissenschaft unbrauchbar wer- 
den. S. R. n. 1, 200. Const. St. Bilciurescu: Manastirile si 
bisericile din Romänia. Buc 90, Ist. crit. a Romänilor, Bd. 1. 
Buc. von D. Chebapci. 

Ausführlicher handelt N. Densuschianu Fam. 27, 521 ff. 
in Publica^iunile istorice ale literaturei Rom. in 1882 — 1889, 
deutsch: Jahresberichte der Berliner geschichtlichen Gesellschaft 
1885, 2, 354 ff. und 1891, über E. Hurmuzaki, von dessen 
Sammlung D. selbst den ersten Band Buc. 87 herausgegeben hat, 
über D. A. Sturdza (s. u.) u. G. Petrescu, Acte si documente rela- 
tive la istoria renasterei Romäniei, 7 Bde, Buc. 90 ff; Codrescus Urica- 
riul, über seine eignen Monumente pentru istoria terei Fagara^ului, 
Buc. 85; V. A. ürechiä: M. Costin, G. Schincai, P. Maior: Istoria, 
Marienescu: P. Maior, Bälcescu, Hasdeu: Zilot Rom. Sbiera: Ger. 
ürechiä, s. alle oben. Die Urkunden siehe Rom. R. 6, 189. 

Nach diesen Quellen bespricht er die polit. Geschichte Hur- 
muzakis (Bd. 3 — 5); A.D. Xenopol, Ist. Rom., s. o., deren erster 
Band eine Umarbeitung der Teoria lui Rösler, Jas^i 84, ist. 



1) Besprochen Conv. 1. 19, 1062. 

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— 200 — 

Bari^iu, Par^i alesc . . s. . o — N. Densusianu, BcTolu^iunea lui 
Horia in Transilvania ^i IlDgaria. Buc. 84. 

Zur Kriegsgeschichte rechnet er Istoricul resboiulni din 
1 877-— 78, Parti ciparea Bomaniei la acest resboiu, I. Bnc. 88, und 
Oberst T. C. Vacarescu, Luptele Romänilor in 1877—78, 2 Bde, 
Buc. 86, 87, auch deutsch, Lpzg. 

Dann folgen Werke zur Kirchengeschichte, Einzelunter- 
suchungen, Kunst- und Sprachgeschichte, deren Titel hier jedoch 
zu viel Baum einnehmen würden. Man sehe also dort nach. 

Selbständige Arbeiten haben darunter noch geliefert: 
Naniescu, J. Ardeleanu, Enaceanu, Andronic, Oobulescu,Grama,Bianu 
über Kirchengeschichte; Einzelschriften: N. Popu, S. D. Petrescu, Gion, 
Onciul'), A. Philippide, Lugo.^ianu, J. Bogdan; Altertümer, Münzen 
und Kunstgeschichte: Odobescu, Tocilescu, D. A. Sturdza, Ena- 
ceanu, Melchisedec, Kogalniceanu, S. E. Marianu. 

Übrigens ist Dens, keineswegs vollständig, siehe neben seiner 
eigenen Besprechung von Xenopols Teoria lui Rösler auch 
Onciul, Conv. 1. 19, 60 ff, Cre^u, oben S. 18. 

Caragiani, Stud. ist. as. Bomauilor din Peninsula balc. Buc. 
88 gedruckt. 

C. Esarcu : Doc. ist. ined. descop. in archivele Italiei 78, 
din Veneria, Bev. Toc. 1883. J. Negre: G. Asachi, 82. — 

Einzelne Bezirke des Königreiches sind beschrieben von 
Lahovari, C. Chirita, C. J. Locusteanu und P. Condrea ; J. Gion 
über Landeskunde der Chroniken; auch Landkarten, siehe bei 
N. Densusianu. Auf denselben, Born. R 8, 251 , kann ich nur 
noch hinweisen; s. dort Baukunst u. a. Frunzescu s. Pop. 

Schrifttumswissenschaft. 

V. A. ürechiä: Contra scolei desfrinate (Zola) 80. Schi^e 
de istoria lit. rom. I, Buc. 85, ist fleissig gearbeitet, bietet aber 
doch zu manchen Bemerkungen Anlass, worüber in Gröbers 
Zeitschrift mehr. 

G. Sbiera, geboren 36, Professor in Cernowitz, s. o. Weiteres 
Fam. 26, 329, wo er auch viele andre Bukowiner bespricht. 
Vergleiche: die rom. Literatur in der Bucowina, Born. K. 7, 34ff. 



1) C.lit. 18,253, 24. 817. 

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— 201 — 

Odobescu hat zunächst in der Rominia literarä veröffentlicht : 
Über die lateinische Satire,f57; dann 61 — 63: Über Carl ova, die 
Väcarescns, den Psalter Coresis, seit 68 in der Traianssäule. 
Denkschrift über miscarea lit. romina din sec. 18., Bd. 2 der 
Schrr. und eine Würdigung Alecsandris 81, in der Akademie. 

J. Negruzzi hat in Convorb. lit. viele Besprechungen und 
dgl. veröffentlicht, auch über Volkskunde, ebenso Maiorescu. 

G. Bengescu beschreibt Alecsandris Leben *), 

George Vimav-Litean , geboren um 1838 auf seinem Gute 
Litenii, hat in Paris bis 1870 studiert und zunächst ebenfalls 
über Alecsandri gehandelt^), wobei er im wesentlichen das Rich- 
tige trifft, weniger bei den Bühnenstücken, 

A. Xenopol schrieb über Heldendichtung u. a. 

Miron Pompiliu hat eine Antologia 85 herausgegeben, deren 
Anordnung freilich noch zu wünschen übrig lässt; denn die 
Pasteluri hätten als beschreibende Dichtung von der erzählenden 
nicht durch die Gefühlsdichtung getrennt werden sollen. 3 Ausg. 92. 

Auch er rügt wie Eev. N. bei Alecsandri und Alecsandrescu 
a. 0. scharf das Nichtzusammenfallen von Wort- und Verston. 
In der Tat scheint die E u n s t dichtung von der Silbenzählung 
zur Silbenmessung übergehn zu wollen. 

Wertvoller wegen der allerdings nur kurzen Nachrichten 
und Urteile über die Schriftsteller, ist J. Manlius, Prof. in Buc, 
Crestomatie Eom. . . . Prosa. Buc. 1891, und Antologie Rom. 
Poesia, Buc. 91, vorher eine Poetica u. a., s. Farn 28, 80. 

Noch besser ist die von M. Gaster in 2 Bänden zu Leipzig 
dl herausgegebene Crestomatia rom. (rum. und franz.) 

Culegeri literare, Socec 91 , Buc, zeichnen sich durch viele 
Bildnisse aus. 

AI. Philippide giebt in seiner Introducere in limba §i lit. 
rem., Jasi 18, keine Geschichte, wol aber eine fleissige Sammlung 
von Titeln und Jahreszahlen, leider nur bis 1821. 

G. Popescu, 3 ani din literatura rom. und Curs elementar 
de ist. lit. rom. sehr vollständig, aber urteils- und planlos. 

V. G. Pop: Conspectas. lit. rom. . . . Buc. 75 f. ebenso*) 

I. Läzäriciu: Ist. lit. rom, Hermst. 84, viele Irrtümer. 

Auch Bärsean, J. und G. Bogdan, M. Strajan, St. Velovan, 

1) Conv. lit. 20, 160. a) eb. 10, 57. Ztschr. f. rom. Ph. 1891, 564. 

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— 202 — 

P. Missir, behandeln dies Gebiet, wie überhaupt fast jeder 
Schriftsteller. S. A. Densusianu und Nadejde. 

Leutnant Draghicescu hat Buc. 78 Tratat de literaturä heraus- 
gegeben usw., Vulcan, Pest 69, Panteonul Koman, urteilslos. 

A. Pop endlich hat 89 aus An. Aead. veröffentlicht: Bibliografia 
publica^iunilor periodice rom. 1817 — 87; vgl. Popfiu P. ^^i P. 234. 

Volkskunde. 

Alecsandri s. o. 

Als Muster eines treuen Sammlers sei hier zunächst Petre 
Ispirescu erwähnt. Geboren Januar 1830 zu Bucurescht, wurde er 
Drucker und Druckereibesitzer. Seit 83 kränkelnd, doch ununter- 
brochen für seine zahlreiche Familie tätig, starb er 3. 12. 1887 n. 

62 erschienen seine ersten Märchen in „Tzeranul romin"^ 
auf Veranlassung Jonescus, des Herausgebers. 1872 schon 18 
Legende ^i basme aleRominilor nebst Rätseln und Sprichwörtern. 
74 der zweite Teil, 76 die zweite Hälfte desselben, auch „Taten 
und Leben Michaels des Tapfern**, 79 folgte die 2. Ausgabe 
der Erzählungen und die „Erzählungen des weisen Oheims**. 
Später hat er noch Erinnerungen und andres gesclpieben, Conv. 
lit. 18, 193 und sonst. 80 „Pilde ^i Ghicitori**. 

82 erschien die vollständige Ausgabe der (37) Märchen^ 
woraus M. Kremnitz verschiedene übersetzt hat. Siehe die Be- 
sprechung von Gasters liter. rominä *). 85 „Spielzeuge and 
Spiele der Kinder**, von denen namentlich letztere der verglei- 
chenden Volkskunde wichtig sind; besonders das Enöchelspiel, 
das auf türkischen Ursprung weist, ist sehr ausgebildet. 1886 
endlich erschienen die Povei^ti morale, seine letzte Schrift. 

Ausserdem aber hat er viel in Conv. lit. u. a. veröffent- 
licht, immer in der kernigsten Volkssprache^). 

S. Mangiuca hat Farn. 1874 Baba Dochia und rum. Pflanzen- 
kunde, 82 und 83 den Volkskalender mit dem Aberglauben, der an 
Pflanzen und Tagen hangt, veröffentlicht. Colinda, ihr Ursprung, 
ihre astron. und auf den Kalender bezughabende Bedeutung, 
Rom. Rev. 5, 44 ff. Rumänisch Oravitza. 

Fundescu veröffentlichte Basme, Ora^ii, Pacalaturi si Ghici- 
tori, 3. Ausgabe 75, eine tüchtige Sammlung, welche jedoch 



1) Ztschrft. f. rom. Phil. 15. Oktober 90. 2) Familia 24, 158 ff, 
Rev. N. 1, 84ff. 



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— 203 — 

durch die Schi ussbemer klingen Marienescus so wenig gewinnt 
wie durch die Einleitung Hajdeus. Seine Gedichte sind unbe- 
deutend, auch sein Koman, s. Pop. 

Gründlicher sind Xenopols Aufsätze in den Conv. lit : Über 
vaterländische Überlieferungen usw. 

S. F. Marian, geboren um 46 in der Bukowina, siehe Pop, 
hat schon 73 Balade romine veröffentlicht, 75 2 Bände „Doine 
si Hore*V 78 Tradi^iuni populäre*) aus der Bukowina, endlich 
„Descintece poporane Komine" 86, denen die von Säulescu ver- 
unstalteten in ursprünglicher Gestalt und viele wertvolle Erläute- 
rungen beigegeben sind. ^) Ebenso Cromatica poporanä, Bereitung 
und Verwendung der Farben, Ornitologia p., 2 Bände, Cernowitz 83, 
Datine la na.^teri ^i inmormentäri, 92. Hochzeitsgebräuche, mit E. 
Sevastos* Werke gekrönt: Nunta la Eomäni, 90. Seine Gedichte 
und Erzählungen sind schwach. 

Pompiliu hat Jassi 70 im Auftrage der Bucur. Gesellschaft 
„Orientur* gesammelte „Balade populäre" herausgegeben, später 
Märchen, siehe M. Kremnitz. 

Sein Mitsammler Bädescu ^) hat seine „Volkslieder" in Conv. 
lit. und andern Blättern niedergelegt. 

Ebenda sind Slavicis Märchen gedruckt, siehe Eremnitz» 
„R^m. Märchen". Der Schwank „Pacalä in seinem Dorfe" ist 
wesentlich Grimms Märchen vom Büerle. 

G. D. Teodorescu, geboren 49 zu Buc, Professor, hat 74 
Buc. ein von Odobescu, der auch 74 — 79 viele Aufsätze hier- 
über geschrieben, bevorwortetes Buch: kritische Versuche über 
vaterländischen Aberglauben, Sitten und Bräuche herausgegeben, 
Poesii poporale romine, Buc. 85, 46 000 Zeilen mit Erklärungen *), 
dazu viele Aufsätze^). 

T. Burada hat in seiner Cälatorie in Dobrogea, Conv. lit. 
14, 21 ff., auch eine Reihe von Volksliedern. Datinele poporului 
rom. la inmormentäri, Ja.^i. Cäntece de miriologhi ad. din Mace- 
donia, Con. 1. 16, 487 ff., Poesii pop. ad. in Mac, Rev. Tocil, 5, 
111, 175 ff., Datinele la nun^i ale poporului rom. din Mac. Eb. 
2> I, 417 ff 

Caranfil : Poesii pop. de la valea Prutului, adunate ^i corec- 
tate, daher unbrauchbar (Husi 72), Fam. 8, 558. 

1) Convr. lit. 20, 718, anders Pop. 2) ztschft. f. rom. Philol. 
14, 234. 3) Markts, a. 0. 84 ff. ^ Fam. 21, 190, 430. «) eb. 28, 21. 



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— 204 — 

« 

Simionescus Legende ^i cmtece pop. culese in Basarabia sind 
89 2u Petersburg preisgekrönt. 

N. Popescu wollte um dieselbe Zeit Poesii pop. herausgeben. 

T. Daul bat 39 Golinzi ^i cintece poporale, Arad 90, ferner 
Poesii nationale, Povestile Bihorului und Plori dela cimpie 91 
Tollendet. MehrFam. 27, 369, Rom. R. 8, 258 und Gaster, Lit. pop. 

Vorzüglich treu in der Wiedergabe der mundartlichen Eigen- 
heiten ist M. Canianu : Poesii poporale, Jassi 88, Rev. n. 1 , 280. 
Weiteres Fam. 13, 349 ff. 

Ausserdem sind viele Volkslieder in Blättern gedruckt. 

Übersetzt hat davon zuerst Eotzebue, Rum. Volkspoesie, 
Berl. 56, dann Rudow, Rum. Volkslieder, Lpz. 87/88, A. Franken, 
Rum. Volkslieder und Balladen, und Rum. Volksdichtung, beide 
Danzig 1889. Über die Stellung der rum. Frau urteilt er(nach den 
Liedern) zu günstig; die aus dem Volke glaubt, ihr Mann liebe 
sie nicht, wenn er sie nicht öfter prügelt. 

Auch C. Sylva*) und M. Kremnitz^) haben übersetzt: 
siehe auch Rom. Revue. Der Rhapsode der Dimbovitza ist nach 
Hasdeu Rev. n. 2, 198 unecht. 

Viele der besonderen lehrreichen Zaubersprüche hat D. P. 
Lupa^cu in Medicina babelor. An. Acad. Bd. 11, Teil 2, Buc. 90, 
gesammelt und erklärt. Preisgekrönt. 

Lambrior hat behandelt: Jocuri und andres, Con. 1. 

T. Fräncu und 6. Cändrea: Rominii din mun^ii apuseni, 
Buc. 88. Besonders Teil 3 (Familienfeste und Zaubersprüche) 
ist sehr wertvoll. 

M. Gaster, geboren um 60, hat geschrieben: Literatura po- 
pulara rominä 1883. Richtiger wäre es gewesen, wenn er hinzu- 
gesetzt hätte: Über die Quellen der rum. V.; denn das Werk 
ist wesentlich nur eine fleissige Übersicht derselben ; die An- 
ordnung lässt viel zu wünschen. Gaster war Rabbiner in 
London^). Ztschrift. f. rom. Phil. 15, 258. 

M. Schwarzfeld, etwas jünger, gab in Craiova die Revista 
Olteana heraus^). £r hat 1889 zu Jassi veröffentlicht: Poesiile 
populäre colec^ia Alecsandri usw., siehe die Besprechung'). 

Barseanu hat herausgegeben: 50 de colinde, Kronstadt 90, 
wenig neues, mit Jarnik: Doine ^i strigäturidin Ardeal, Buc. 85**). 

1) Pantheon rom. Buc. 1, 1. Unsere Zeit, 1883. 2) pam. 26, 56. 
3) Brieflich. *) Briefl. ß) Ztschrft. für rom. Phil. XIV 225. «) eb. 228. 



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— 205 — 

Schaineanu hat gediegene Einzeluntersuchungen verfasst : 
Zilele Babei ^i Legenda Dochiei, ConT. lit. 22, 193. Legenda 
mesterului Manole la Grecii moderni, eb. 669. lelele, Buc. 86. 

Ferner: Joan al lui Sbiera, Prof. zu Cernowitz: Pove^ti 
poporale romine^ti. Cernowitz 86. Colinde, ciniece de stea ^i 
uräri la nun^i. Gern. 88. Weiters über die Bukowina ß. Rev. 7, 
186 fr. 

Elena D. 0. Sevastos *) : Nunta la Romini, preisgekrönt von 
der Akademie. Poesii poporane, Conv. 1. 20, Cintece moldo- 
venesci. Jasi BS. Caletorii prin ^ara romineasca 88. 

J. Pop Reteganul: Trandafiri si viorele. 2 verm. Ausg. 91 
Berlad. Chiuituri, 91. Datine si credin^e pop. Ausführl. Inhalt 
Familiä 27, 549 f Frunze verzi, über 2000 Gedichte, beide 92 
im Druck. Tziganii, schien ist. 87, wenig selbständig. Povesti 
ardelenesci, 5 Bde. Kronstadt 88. St. Muntean.: 100 deine si 
strigaturi, (sieben bürg.) Kronstadt 91. 

Mostre de dialeclul mac. rom. culese .^i traduse de V. Pet- 
rescu, 2 Bde. B. 82. 

Texte macedo-romine, basme ^\ poesii poporale dela Cru^ova 
culese de dr. Obedenar ^), publicate . . de prof. Bianu . . Buc, 91. 
Macedonia. Eev. Romänilor din peninsula balc. Buc. 88. Lumina. 
Societ. mac rom., Buc. 87, XII, 234 ff. 

J. C. Maldärescu: Din ^ezetori. 21 basme, 89. 

Basme von D. Stancescu, Buc. 85, treu, auch 18 Snoave, 
Buc. 91, witzig, wie das Lustspiel: A la parte. 

Culegere din cele mai frum. povesti. J. Bota, Kronstadt 9 K 

Rätsel hat T. Bulgarescu in Din giurul vetrei 88 gesammelt. 

Din traista lui Mos Stoica, 101 minciuni pop. Kronstadt 91. 

Sima al lui Joan: Ardeleanul glume^, 101 anecdote intoc- 
mite , sollte 89 zu Hermaustadt erscheinen, ist wol das vorige. 
Sperantia s. u. Baronzi s. 8. 229. 

T. Vartio: 101 mici istorii. Buc. 83. 

Sima schrieb auch in Rev. Toc. 83 über die Sprache und 
für die Biblioteca poporala a Tribunei, 7, 15 f. Andere Mit- 
arbeiter derselben sind: J. T. Mera, Nr. 3, 4, 19. Silvestru 
Moldovan 5, 9, 10, 12, 30. 16 (Rätselsammlung), Märgineanul 
Nr. 31, das russischen Ursprungs scheint, 32, derselbe Stoff wie 
im Decamerone, Trimbi^oniu, Nr. 44 (moralisierend). 

1) Farn 25, 21, 477, 2) s. über ihn J. Gion, Rev. N. 2, 201 ff. 



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— 206 ~ 

Die Volksweisen, mit denen die Lieder erst recht wirken, 
sind gesammelt von A. Berdescu: Arii nationale Romine 14 Hefte. 
S. Pop. Vollständiger sind Vulpianus (1321) Arii poporale, 
4 Bände. Seit 1. 4. 92 giebt Gorovei zu Fälticeni „Sezetoarea"', 
llevista pentru literatura ^i tradi^iuni pop. heraus. 

Sprachwissenschaft. 

Mangiuea hat sich in „Studii limbistice", Farn. 19, 188 ff., 
20 Heft 6 ff., als tüchtigen Kenner des Komanischen und be- 
sonders des Rumän. erwiesen. Deutsch ist: Dako - romanische 
Sprach- und Geschichtsforschung, 1. Teil. Hermanstadt 91. 

Er irrt aber sehr, wenn er alles im Du Gange für echt 
latein hält, wie in jenem Werke, wo er 100 Wörter „aus dem 
Lat.** erklärt, gegen A. de Cihac ') im Dictionnaire d*etymologie 
daco-romane, Frankfurt 70 und 79. Die Fehler und ünvoll- 
sländigkeit dieses Werkes werde ich nächstens ausführlich dar- 
legen (in Gröbers Ztschr.), trotz alledem ist N. Densuschianus 
Urteil über es, das gar nicht in seine Arbeit gehört, zu hart; 
denn er zeugt von achtungs wertem Fleisse; andre verstehen so 
wenig wie er alle inbetracht kommenden ^^prachen. 

Sbiera behandelt auch die Sprache, s. o. 

Urechia schrieb über Cipar und seine Schule. 

Vasilie Burla, geboren 9. 2. 40 zu Opai^eni, wurde in 
Cernowitz, von 65 — 71 in Wien und Graz ausgebildet, worauf 
er an der Jassier Hauptschule Lehrer wurde. 

Schon als Student schrieb er für Blätter ; seine erste Arbeit 
von Wert, eine Beurteilung der Grammatik Ciparius, erschien 
71 in den Conv. lit, für welche er seitdem auf diesem Gebiete 
beständig tätig ist. Er ist sehr gründlich ') Maiorescu s. o. 

AI. Lambrior, 1846 bis 1. Okt. 83, hat in Paris studiert, 
Carte de cetire und wertvolle Aufsätze iu C. 1., Revista archeo- 
logicä und der Pariser Romania veröffentlicht^). 

Pompiliu hat „graiul rom. diu Biharea in Ung.** beschrieben, 
Conv. 1. 20, 993 ff. Eb. veröffentlichten Lahovari Hartii vechi, 
Prof. J. Bogdan Arbeiten über Slawisch-rumänisches u. a. 

über Fräncu und Candrea s. N. Densuschianu. 

FroUo , Prof. des Romanischen in Bucurescht : Über den 
Nutzen der roman. Studien in Rum. u. a. S. C. lit. 17,405. 

1) Maiorescu, Conv. 1. 21, 647. 2) Pop 2, 231. Conv. 1. 14,217ff. 
Fam. 25, Nr. 22. 3) ManHu Crest. 169, Conv. 1. 17,280. 



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— 207 — 

Schaineanufi tüchtigstes Werk auf diesem Gebiete, die Ele- 
mente turce.^ti in limba Eomina, ist als Sonderabdruck aus To- 
cilescus Bevista 1885 erschienen. Weiteres darüber nächstens. 
Seinasiologia roro. 88. Gramatica rom. 3. Teile, 90. 

Die beste rum. Sprachlehre schreibt H. Tiktin in Jassir 
1. Teil, etimologia, Jassi 91, auch deutsch: Studien zur rum. 
Phil. 1, 84, Leipzig; ') die beste Geschichte des Rum. bisher AI. 
Philippide: Introducere s. o., sofern er nur die Tatsachen giebt, 
sieht einseitige Schlü^^se daraus zieht wie A. Densuschianu und 
Kadejde, s. d., auch Häsdeu. Weiteres siehe bei Phil.. Seither 
noch J. Bumbac, Prof. in Cernowitz: Istoria limbei romane, 
89, Dd. 2 sollte sein istoria literaturei romane. 

Gaster: Origina alfabetului ^i ortografia rom. 85, M. Strajan 
Manual de gram, limbei rom. Buc. 83, Cre^u s. o. 

Über Südrumänisch hat A. Michaileanu geschr. : Studiu as. 
-dialectului Rom. din Maced. Buc. , und M. G. Obedenar , dessen 
sonstige Leistungen (zum Teil französ.) zu begeistert, deutsch 
urteilslos sind^J. Im übrigen galt er als witziger Kopf, lebte 
von 5. 11. 39 bis 9. (21.) 7. 85. S. noch Rom. R. 8, 257. 

Gottesgelehrtheit. 

Über Kirchengeschichte und -recht siehe Schaguna, Popea, J. 
Ardelean, Puscar. 

Z. Hoius, geboren um 38 zu Sighi^oara, jetzt in Hermau- 
stadt, Cuventäri funebrale si memoriale, Herm. 89, sind, wo es 
irgend angeht, mehr vaterländisch als erbaulich gehalten. 

T. Budu: Cuvintäri funebr. si iertaciuni, 2. Bd. 87. 

J. Papiu, Cuvintäri bisericesti, Bd. 3, 1885, beide in Gherla, 
jenes sicher, dieses vielleicht nur Bearbeitung. 

J. Pu^car gesteht in seiner Isagogia, Hermanstadt 78, der 
Wissenschaft zu, dass Moses nicht die Nachricht über einen 
eigenen Tod berichtet hat, S. 21 — weiter aber nichts. Nicht 
einmal erwähnt ist die sogenannte Paschadifferenz, demnach 
natürlich alles in der Bibel echt. Mehr Fam. 17, 457 ff. 

Weltweisheit, Seelenkunde und Naturwissenschaft. 
In der Filosofie haben ausser Maiorescu V. Conta, 1840 
bis 84 und Leonardescu etwas geleistet. Jener, in Paris aus- 
1) C. lit 18, 208. 2) Rev. n. 2, 208. 

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— 208 — 

gebildet, hat verfasst: Teoria ondula^iunii universale, Teoria fata- 
lismului und Incercari in metafisica. Con. 1. 18, 319, Manliu, 
Cr. 224. Dieser: Psihologia esperimentala, I. Jassi 80, u. a., s. 
C. lit. 19, 773, 24, 866. Filosofia fa^a cu progresul ^tiin^elor 
positive, Buc. 80, Morala inductiva, u. a. , alles in C. lit., M. 
Strajanu über Kunstfilosofie eb. 19, 1044 und sonst. 

I. Popescu hat (nach Herbart) verfasst: Psichologia empirica. 
Hermst. 81. S. Cod. 1. 21, 742, vgl. Velovan C. lit. 24, 193. 

In der Naturwissenschaft sind zu nennen: Bacaloglu , gest. 
91. S. Rev. N. 4, Fysik; Victor Babe^iu, Farn 24, 49, Spaltpilze; 
Cobälcescu, gest. 92 (Fam. 28, 263) und G. Stefanescu, C. 1. 17 324,. 
beide Geologen; Brundza: Prodromul Florei rom. Buc. Ac. 79 — 
83, und Vegeta^iunea Dobrogiei B. Ac. 84. 

Ein vollständiges und genaues Verzeichnis aller rum. Werke 
giebt seit 1. 4. 79, dann wieder seit 82 A. Degenmann in Buc. 
gesondert und am Schlüsse jedes Heftes der C. lit. heraus. 

2. Revista Noua. 

Wesentlich auf demselben Boden wie die Conv. lit. steht 
die Rev. Noua; die Sprache volkstümlich, der Inhalt gediegen. 
Doch ist ein gewisser Gegensatz vorhanden, der sich in Ha^deu& 
Worte, R. N. 1, 215, ausspricht: Wir sind keine Käferkritiker^ 
(wie Maiorescu), sondern Bienen. So nennt Bianu P. Maior und 
Genossen Titanen 1, 46; Hasdeu meint, sie seien nicht nach dem 
zu beurteilen , was sie geleistet haben , sondern was sie leisten 
wollten, währen Maiorescu sie vielleicht zu scharf, aber jedenfalls 
mit mehr Recht als Bianu, nicht einmal als Mittelmässigkeiten ansieht. 

Also als Grundsatz : weniger Strenge. Was den Standpunkt 
angeht, so hat wol Ha^deus Einfluss, der ebenso angesehen wie 
ein ausgesprochener Feind des Pessimism ist, eine entschiedene 
Stellungnahme für diesen bisher verhindert; doch hat auch er 
im Nachrufe an Eminescu R. N. 2, 212 die angeklagt, welche 
den Dichter im Elend untergehen Hessen. Maiorescu, damals 
Kultusminister, verteidigte sich darauf in seinem Nachrufe, es 
habe Eminescu nie das Notwendige gefehlt, aber viele, die E. 
gekannt und besucht haben, bestreiten dies (Rev. N. 2, 252), 
und auch E. selbst redet in einem Briefe von dem tiefsten Elend, 
siehe Mortzuns Ausgabe, Anfang. 

Ergänzt wird diese Stellungnahme für E. durch eine scharfe 



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— 209 — 

Beurteilung Alecsandris durch Jorga, s. o., und durch die Ge- 
schichte der Entstehung der Rev. N. Barbu Stefanescu nämlich 
griff in der Epoca vom 11. 1. 86 Alecsandris Schauspiele, bes, 
Despot-Vod«, heftig an, und am 27. 2. erhob Vlahutza, der be- 
gabteste unter den Anhängern Eminescus, diesen im Ateneu auf 
Kosten Alecsandris, den sie als inhalt- und kunstlos darstellen. 

Dem gegenüber setzte Maiorescu Conv. 1. 20, Iff. ausein- 
ander, dass beide Dichter zu verschieden wären, als dass man 
sie vergleichen könnte. Darauf trat VI. aus dem Kreise der 
Conv. aus und begann mit andern noch nachdrücklicher für 
Eminescu zu wirken, stets in gedrängt vollem Saale, da diese 
„Strömung E.**, wie sein letzter Vortrag hiess, dort wie anders- 
wo in allerlei ungesunden Bestandteilen des Zeitgeistes frucht- 
baren Boden findet. Schliesslich verband er sich Ende 87 mit 
Stefanescu (Dela Vranca) und V. Bilciurescu, zu denen später 
noch andere traten, zur Gründung einer Monatsschrift, die durch 
des letzteren Freigebigkeit eine künstlerische Ausstattung erhielt, 
welche unter den Rumänen unerhört war und den Vergleich mit 
den besten Blättern des Westens aushält. Die Leitung übernahm 
Bogdan Petriceicu-Ha s de u, mit dem wir uns also zunächst zu 
beschäftigen haben. 

Um den Gegenstand nicht allzusehr zu zersplittern, wollen 
wir von hier an die Einteilung in Fächer aufgeben. 

Hasdeu stammt aus sehr vornehmem Geschlechte *), sein 
Grossvaier Tadeu ^) hat sich als polnischer Dichter einen Namen 
gemacht, sein Vater Alexandru ^) hat russisch, auch über das 
ältere rum. Schrifttum geschrieben. Er selbst ist am 16. 2. 38*) 
(nicht 36) zu Hotin geboren, studierte in Charkow die Rechte 
und Schrifttum, trat im Krimkriege aus dem russ. Heere und 
wurde dafür seiner Güter beraubt. Auch in Rumänien ging es 
ihm wegen seiner ünabhängigkeitsliebe schlecht, bis er sich 64 
glücklich verheiratete und darauf in Bucurescht niederliess. Hier 
gab er, wie schon zu Jassi 62f. „Lumina", Zeitschriften heraus : 
Kevista Romäna, 76, Columna lui Traian 69—75, Archiva ist.' 
a Romäniei 64 u. a. Darin Erzählungen wie Domnia Arnautului 72. 

Seine Gedichte nennt er selbst Gedankengerippe, und in 



1) Näheres Pop. 2, 242 ff. 2) Rev. N. 2, 24L 3) eb. 1. 210. 

*) Histoire critique des Roumains (Uebersetzung, Buc. 78j, XVIII, Foaia 
Ilustr. 1,^85. ^ , 

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— 210 - 

der Tat sind die früheren, wie die Ode an die Bojaren mehr 
wegen der Gesinnung zu loben. Erst der Tod seines eines ein- 
zigen Kindes, der von allen vergötterten Julia ") hat , wie er in 
„Erwartung" sagt, den Fels gesprengt und das Gold zu Tage 
gefördert. Siehe „Mater dolorosa"; auch „Stefan und Radul'* ist 
gut, komisch wirkt nur, dass beide ohnegleichen sind. Sein 
Verlust hat auch den satirischen Zug, der in der Studentenge- 
schichte „Duduca Micu^a", 64, und seinen Witzblättern noch 
ziemlich harmlos ist, so vertieft, dass er in einem MärcRen die 
Ärzte und Popen des Teufels Menschen nennt. Satire und Humor 
würzen auch seine Schauspiele : weniger die geschichtlichen „Jon 
Voda cel cumplit**, 65, Domni^a Hucsanda, das Urbild der 
Biimänin, 67, bearbeitet 79. und das berühmte „Res van Voda" 
67, 2. Ausg. 69 als Rosvan und Vidra; beide neu 92. Resvan. 
Zigeuner, bringt es durch Tapferkeit und Klugheit im polnischen 
JTeerc zum Hauptmann und bekommt die schöne und ehrgeizige 
Vidra, die er einem Bojaren erkämpfen sollte. Mit Mühe macht 
er sich von dem zu dankbaren polnischen General los, kehrt in 
die Moldau zurück und steigt nun schnell zum Trone empor. 
Da wird ihm ein Aufruhr gemeldet, er zieht aus und fällt. 

Zunächst ist dieser Schluss geschichtswidrig , denn R. hat 
1594 und 95 regiert — was die Zuschauer wissen. Ausserdem 
aber fehlt dem Stücke eine Handlung: es sind jahrelange Er- 
lebnisse eines Menschen, noch dazu in der letzten Haltte recht 
interesselose. In der ersten Hälfte folgen wir Rs. Kämpfen mit 
Teilnahme; vom 3. Aufzuge an aber, sobald er die Moldau be 
tritt, schreitet er ohne nennenswerte Hindernisse empor, um 
schliesslich wie gesagt durch einen Zufall zu enden. Von Ver- 
wicklung und demnach Lösung ist keine Rede — also ist das 
Stück trotz des guten Anfanges völlig verfehlt. 

1) Geb. 2. II. 69, gest. 17. 9. 88 zu Buc. an der Schwindsucht, 
eines der bedauernswertesten Opfer eigenen oder elterlichen Ehrgeizes. 
Rum. hat sie nur ein Gedicht Romänia und «ine im Stil etwas über- 
ladene kleine Erzählung verfasst, franz. 3 Bde. Po^sies posthumes, 
89 : 1. Bourgeons d*avril, 2. Chevalerie, 3. Theatre (Besprechungen 
und Entwürfe). In ihren Gedichten kommen kleine Versfehler vor, 
doch findet sich darin so viel reizende Schalkhaftigkeit, jungfräuliche 
Zartheit und Gedankentiefe, wie in den „Gedanken" Verstand, Belesen- 
heit und Welterfahrung. Man kann daher nicht genug bedauern, dass 
sie nicht lumänisch geschrieben hat. 



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— 211 — 

Besser ist das Lustspiel Drei Könige aus Morgenland, 79, 
worin der ehrliche Petrica auf allerdings ziemlich einfache Weise 
-die Nebenbuhler, den französelnden Jörg und den lateinernden 
Oousule, sich vom Halse schafft. Die Witze sind freilich durchweg 
nur Misverständnisse yoü Fremdwörtern, das Ganze eine Satire 
^uf die Fremdsucht, 

Bedeutender ist H. als Gelehrter. Freilich sind seine An- 
fangsleistungen, wie bei Selb st gelehrten fast immer, unvollkommen. 
Unerlaubt flüchtig ist z. B. die Einleitung zu Fundescus Märchen. 
In der istoria critica a Bomänilor (seit 73) giebt er bodenlose 
Uehauptungen als unanfechtbar aus, weil er die wissenschaftliche 
Forschung, deren Einführung sein bleibendes Verdienst ist, in 
<len Dienst der Grundi^ätze Parnutzius und Genossen stellt. 
Der einzige Unterschied zwischen diesen und ihm ist nach Panu *), 
dass sie die Wahrheit durch das blosse Nationalgefühl glaubten 
ersetzen zu können , während H. noch die Gelehrsamkeit für 
nötig hält. Solcher Spott hat ihn wissenschaftlicher gemacht; 
xiber auch jetzt kommt es ihm auf eine Halbwahrheit nicht an, 
so wenn er eine Besprechung-) schliesst: Der Slawe hat den 
Deutschen zu fürchten, der Deutsche den Lateiner, dieser nie- 
mand. — Sollten nicht die Bumanen, die einst südlich der Donau 
herrschten •"*), von der Bukowina, Bessarabien *), den (diesmal 
-echten) Lateinern am Bhein usw. zu schweigen, H. eines bessern 
belehrt haben ! — Ja, wenn nur nicht „ginta latinä*^ im Spiel 
'wäre! Doch hat er eben (9. 21. 2.) die Eumanen für Kinder 
erklärt, was allein ihren Eigensinn, ihre Selbstsucht und Unbe- 
ständigkeit, ihren Neid, ihre \ erleumdungssucht und Nachäffung 
alles, besonders des Schlechten, entschuldige. — Einseitig war er 
auch in „Cuvinte den Betruni'* Buc. 78, Bd. 2, 80, wie Burla 
gezeigt hat ^). Hier aber, in der Sprachwissenschaft, hat er be- 
deutende Fortschritte gemacht : besonders ist seine Schwärmerei 
für das Dakische, (das wir nicht kennen), geschwunden, wie das 
sehr gründliche Etymologicum magnum Bomaniae zeigt, dessen 
erster und schwierigster Buchstabe eben Ostern 92 vollendet 
ist. Weiteres nächstens in der Zeitschr. f. rom. Philologie. Psalti- 
rea lui Coresi I, Buc. Ac. 81. Häsdeu hat noch vieles andre 



1) Conv. 1. 8, 435. 2) Rev. 3, 120. 3) eb. 2, 337. *) Farn. 
:24, 500. 6) Conv. 1. 13 und 14, 115 ff. 

14' 

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— 212 — 

geschrieben : Studien über (d. i. gegen) das Judentum, 65 f. Seit 
seinem Verluste ist er Spiritist *), (sein Medium Cosmovici schreibt. 
leidlich); seine Anschauungen hierüber hat er in ,,Sic cogito", 
1 892, auch franz. und deutsch, Leipz., ausgesprochen : Das unend- 
lich Grosse ist gleich dem unendlich Kleinen, beides ist Gott 
(vgl. Vischer, Faust, 3. Teil: Das Absolute ist das reine Zero^ 
könnte ein Boshafter erinuena). Er setzt im Stoffe Grenzen,, 
daher die Schöpfung und die Mängel. Die Geschöpfe streben 
wieder die Grenzen aufzuheben , zur Unendlichkeit - Unsterb- 
lichkeit. 

Nach ihm kommt A. Vltihu^a, geboren um 55, lebt in Bu~ 
curescht. Seine Gedichte (2. Ausg. 90) hat Gherca -) ausführ-^ 
lieh besprochen, er findet den Pessimism darin, wie den des- 
Meisters, nicht ursprünglich, sondern Folge der Mängel der 
„Gesellschaft", die der Dichter deshalb fliehen solle, („Ruhe**)^ 
dagegen minder tiefgrüudig als bei Eminescu; denn V. betet 
noch (Schlaf in Frieden). Andrerseits kann er die Natur nicht 
so schildern wie E. ; sein Ich steht ihm überall im Wege: der 
Fluss murmelt: Vergänglichkeit (Pe deal); und schildert er im 
Sonet einmal hübsch den Lenz, so fa'len wir aus allen Himmeln 
bei der Schlusszeile; Mein Herz jedoch verfinstert sich und 
stirbt. Das ist weder tatsächlich noch künstlerisch wahr — 
beides kann sehr verschieden sein — ein echter Dichter schliesst 
vielmehr mit ühland: Nun armes Herz, vergiss der Qual. 

Im übrigen wäre gegen Gherca, den ich nicht ausschreiben 
will, nur zu bemerken, dass der landläufige Vergleich zwischen 
Meer und Leben (Cugetäri) mir weniger bewundernswert erscheint 
— wenn VI. nicht endlich die Eminescumaske abgeworfen hätte. 
Wenigstens singt er, der früher nur „den Ekel vor heute und 
die Furcht vor morgen** empfand, „In fericire" mit dem Schluss: 
Und all mein Denken fühlst du dich umspinnen 
Du fühlst, wie dich mein Flammenhauch versengt; 
Und wie im Traum das Leben leicht verrinnen 
Im Märchenglücke, das du mir geschenkt. 

Das ist dichterisch : Ekel das Gegenteil. Es versteht sich, 
pass bei solchen Wandlungen eine Einteilung dieses Zeitraumes 
nach Pessimism und sonstigen — ismen jetzt unmöglich ist. 

1) Rev. N. 3, 422 u. sonst. 2j stud. crit 1, 198 ff. 

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— 213 — 

Ebenso Bchön wie das eben Erwähnte sind manche seiner 
mehr beschreibenden Gedichte, so „Im Kloster" (Xonnenliebe). 
Noch nachdrücklicher tritt er für die im Osten allerdings beson- 
ders misachteten Rechte des Weibes ein in „Verzeihung" (für 
die Untreue der zur Ehe gezwungenen Frau), worin jeder Ver- 
nünftige ihm beistimmen wird. 

Diese Gedichte führen uns zu den „Novellen", Huc. 1886, 
auch düster, besonders die erste und längste „Von den Leiden 
der Welt'* (welche Überschrift tür den ganzen Band passt): 
Eada geht vom Lande nach Hukurescht und hier zugrunde, 
„ßlindekuh"' ist die einzige, welche nicht mit dem Tode des 
Helden schliesst; doch enthält auch sie Elend genug in der 
Geschichte der beiden Bettelkinder, die doch alles Leid beim 
Spiel vergessen. „Erinnerung" enthält einen Vatermord, ist unbe- 
deutend 

„Epraxia", eine Nonne, geht an ihrem Stande zugrunde. 
„Vischan", der Muttermörder, wird im Zuchthausfenster er- 
schossen „laut Dienstvorschrift". „Cassian** erregt im Zuchthaus 
einen Aufruhr, der durch Pulver und Blei besänftigt wird; auch 
der Führer fallt. 

Vorweg muss man gestehen, dass die Seelenmalerei überall 
von ausserordentlicher Feinheit ist; 1 enthält sogar auch ge- 
lungene Naturschilderungen. Aber — aber: der Inhalt! Er ist 
bei Lichte besehen wie 4 nur eine Krankheitsgeschichte, die 
alle Wirkungen des Leidens auf Körper und Geist schildert. 
^>elb8t dass sich ein hübsches Kind in den Helden verliebt, ist, 
wie das (etwas gewagte) Spiel der Nonne mit dem Knaben, S. 
147 f., nur eine Krankheitsursache mehr, und zwar eine der 
niederdrückendsten für den Leser. Dgl. gehört in eine ärztliche 
Fachzeitschrift; es als Kunstwerk auszugeben, dagegen müssen 
wir im Namen der Kunst nachdrücklich Verwahrung einlegen, 
ganz unbekümmert darum , dass wir auch mit dieser Ansicht 
Avie es scheint, allein stehen. Wenn man in dieser Eichtung 
weiter geht, wird man bald vom Hunde auf den Schwanz kom- 
men. Elend bietet uns die Wirklichkeit genug; die Kunst soll 
uns darüber erheben, nicht uns noch mehr bieten, wenigstens 
nicht in solcher Ausschliesslichkeit. 

5 und 6 befriedigen mehr, weil der blutige Ausgang hier 
die Sühne der verletzten Gerechtigkeit ist. Die schweren An- 



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— 214 — 

klagen gegen die Gesellschaft, besonders in 6, werden dadurch 
freilich nicht widerlegt. Den Novellenband „Din goana vie^ii**^ 
Buc. Mai 92, konnte ich nicht mehr benutzen. 

Im erwähnten Vortrage verteidigt VI. die „Strömung Emi- 
nescu" gegen den Vorwurf der Blasiertheit und des Weltschmerzes, 
denpfäffische Beschränktheit in: M. E. Studiu critic, Blasendorf 91^ 
gegen den Meister erhoben, damit dass diese Blasiertheit bei den 
Jüngsten nur angenommen sei und sich schon von selbst ver- 
lieren würde. Offen gestanden, glaube ich dies nicht. 

58 in Buc. geboren ist Stefanescn, genannt De la Vrancea^ 
der in den Gestalten seiner Novellen (Parasi^ii 90), neuer Band 
Nov. 91) durch seine Sucht zu übertreiben eine Sammlung von 
Wundermenschen geschaffen hat, wie Costin zeigt.*) Von den 
Novellen, die er bespricht, ist Hagi Tudose (Geizhals, der auf 
dem Golde erfriert) noch erträglich, die Übertreibungen in der 
Einleitung abgerechnet. Diese herrschen auch in Irinel, dessen 
Schüchternheit ihn um die Geliebte bringt, weil er ihr nichts 
zu sagen wagt. Ähnlich, doch glaublicher ist Lene (Faulheit); 
auch im Märchen Kristallpalast sind die seelischen Erregungen 
zu stark geschildert, weniger in „Wasser und Feuer** (er er- 
trinkt, sie verbrennt). Das Beste möchte „Bursierul" sein (ent- 
täuschte Schülerliebe, nebenbei wenig erbauliche Schilderung des 
höheren Unterrichts). Auch Fanta Cella ist ergreifend, abgesehen 
wieder von den Übertreibungen im Anfang. Märchenhaft ist 
die Entdeckung des Diebes in „Nu e geaba cafea**, mehr als 
märchenhaft der verliebte Schatten im „Märchen", R. N. 2, 41 5 ff, 

T. D. Speran^ia, geboren 4. 5. 1856, hat i. J. 88 Anecdote 
poporale, 90 Alte anecdote herausgegeben, deren Hauptverdienst 
volkstümliche Sprache, bzw. glatte Verse sind. Die Stoffe sind 
grossenteilg Volksschwänke über Juden und Zigeuner, Poveste 
de leac ist das weit verbreitete Märchen vom Büerle, s. Grimm, 
Be^ivul ist Mühlers „Grad' aus dem Wirtshaus** usw. Dazu 
kommen einige Jugenderinnerungen, die allein sein eigen zu sein 
scheinen. Doch zeugt auch das übrige von scharfer Beobach- 
tungsgabe und hervorragendem Darstellungsvermögen, infolge- 
dessen ist das Werk eine wichtige Quelle für die Volksseelen- 
kunde. Erwähnt wird auch ein Bd. Novele. Sein Lustspiel 



1) Manliu Cr. 30L ^) Conv, 1. 21, 674 ff. 

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— 215 — 

Din sufletul carturaresei ist nicht bedeutend : Leonore, durch die 
Karten schlägerin grundlos eifersüchtig gemacht, schmollt, der 
Gatte geht verstimmt fort, trifft jedoch Copeanu, der ihn auf- 
klärt, worauf das Paar sich versöhnt, Kev. N. 2, 304 ff. Ausser- 
dem werden 2 Stücke erwähnt: Talpa iadului und Erba ferului, 
die jedoch meines Wissens noch nicht gedruckt sind. *) 

Begabt ist auch Chembach, gen. G. de Moldova ^), noch 
jung und — ein Wunder! — kein Jünger Eminescus, vielmehr 
eine Art Baumbach, Poesii 90. Reizend sind seine Liebeslieder, 
teils zart, teils kräftiger: Albastrele. Auch Hölle und Paradies, 
Ca si apa. Trotz des beschränkten Raumes möge hier doch 
wenigstens eine Probe stehen; 

Vom Morgen bis zum Abend 
Die Schnitter fleissig mahn. 
Bis an den Gurt im Korne 
Sie hin und wieder gehn. 
Das Hemd geschürzt zum Gürtel, 
Die jungen Frauen stehn 
Im Fluss, den Flachs zu röten; 
's ist eine Lust zu sehn! 
Und steigt die Sonne hoher. 
So kommt, den Korb am Arm, 
Mit Lachen und mit Plaudern 
Vom Dorf der Mädchen Schwärm. 
Sie setzen ihre Körbe 
Hin an den kühlen Born; 
Dann fassen sich die Pärchen 
Am Gurt und gehn ins Korn. 

Genau wie bei uns! Das ist Treue, neben diesen Bauern 
erscheinen die Alecsandris grösstenteils als fahle Schemen. — 
Doch ist er auch ergreifender Töne fähig, s. „im Kerker"; auch 
die Ballade „Puica Radului" ist wunderschön und echt volks- 
tümlich. 

Ein Leiter der Rev. n. (s. d.) ist wieder J. B i a n u, Prof. in 
Cernowitz, der hauptsächlich auf dem Gebiete der älteren Sprache 



ij Rev. N. 2, 74 ff. ^^ Eb. 1, 81 ff. 

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— 216 — 

und des Schrifttums (Poesia satirica la Romani, 81, Codex Nea- 
goensis, Col. Tr. 83, s. o.) arbeitet. 

D. D. Kacovitza hat über die bukur. Bühne und Schau- 
spieler geschrieben. 

Jonnescu-Gion '), schreibt mit französischer Gewandtheit, 
zuweilen leichtfertig (s. R. n. 2, 86 und oben S. 52), über Ge- 
schichte, Schrifttum und Sprache, deren Kenntnis er so in weitere 
Kreise trägt, auch durch Vorträge. Sein Wahlspruch scheint 
frei nach Mohammed: Es giebt nur ein Land, und seine Haupt- 
stadt ist Paris ^), das die Geisteskräfte verhundertfacht*), (s. o. 
Eminescus 3. Satire) das Land , wo man Geschichte macht *}, 
(z. B. am Geburtstage des Deutschen Reiches). Obgleich er 
selbst gern französisch spricht, hat er sich doch neulich in „Cum 
vorbim" entschieden dagegen aufgelehnt, gutes Rum. zu schlech- 
tem Französisch zu machen. 

Warum schreibt er aber dann germanische Eigennamen 
französisch r 

Er. scheint eine unbillig geringe Empfindlichkeit zu besitzen, 
da er über die Kälte, ja den Hass der Franzosen klagt und im 
selben Atem ihre Gastlichkeit rühmt. ^) 

Ferner gehört, nicht zu den Leitern, wol aber zu den 
Mitgliedern der Rev. n. J. Ghica, der hier besonders seine 
Amintiri din pribegie und „2 Traumreisen*' veröffentlicht hat. 
In letzteren fasst er seine volkswirtschaftlichen Ansichten zu- 
sammen, indem er England, das keine, und Rumänien, das die 
schwersten Schutzzölle hat, gegenüberstellt. Letztere nützen aber 
nichts, denn die Rumänen taugen zum Handwerk nichts, zum 
Handel wenig, weshalb beide mit vereinzelten Ausnahmen in den 
Händen Fremder sind. Davon abgesehen, kann ein Land, das 
bisher weder Kohlen noch Eisen hat, kein Gewerbe entwickeln. 
Dafür müsste Rumänien, das den besten Boden Europas hat, die 
Landwirtschaft pflegen , die ihm früher so viel eingebracht 
hat, s. Rom. Rev. — Ausführlicher: Convorbiri economice, 68 bis 
75, Pamentul v^i omul, 84, Buc. 

Ebenso Dim. A.Sturdza, geboren 1833 zu Jassi, Staatsmann, 
auch Minister, ist der bedeutendste Münzensammler und -kenner 

') Rom. R. 7, 350ff. 2) Rev. n. 1, 403. S) eb. 2, 204. *) eb. 
1, 404. 5) Farn. 18, 271. 



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— 217 — 

des Landes , er hat der Akademie auch unzählige wertvolle Ur- 
kunden geschenkt. Seine Schriften s. o. und auf den Umsehlägen 
der Rev. n. *). 



3. Französische Richtung. 

Der französische Einfluss hat nach der Meinung allerdings 
nur seiner Anhänger Humänien in eine franz. Provinz verwandelt ; 
und obgleich die N. Richtung viele zu der Einsicht gebracht 
hat, dass dies durchaus keine Schmeichelei für das rumänische 
Volkstum ist, beherrscht dieser Einfluss, den wir in 1 und 2 
wiederholt getroffen haben, einige Schriftsteller auch mehr oder 
minder ausschliesslich, soBolintiueanu. Ob seine Bosporblumen 
durch Hugos Orientales veranlasst sind oder nicht, möge auf 
sich beruhen, sie sind jedenfalls treuer. Leider hat er sich auf 
dieser Höhe nicht zu behaupten vermocht; ja man kann sagen: 
der Bol. dieses Zeitraums ist nur ein Zerrbild des früheren. So 
schon in den „Melodie Komäne", Buc. 58, worin er in ermüden- 
der Eintönigkeit Rumäniens frühere Grösse und seinen Verfall 
besingt. 

Derselbe Grundton herrscht in „Traianida, Poema na^ionala**, 
Buc. 70, 68 in Albina Pindului, Traians Sieg über Dekebal. 
Hier müssen wir uns begnügen zu sagen, dass das Werk wun- 
derschöne Stellen enthält, als Ganzes nicht gelungen ist, eine 
eingehende Begründung nächstens vielleicht in der Rom. Revue. 

„Conrad" ist ebenfalls zuerst Alb. Pind. 6S erschienen, es 
soll wol eine erzählende Dichtung sein, ist aber eigentlich nur 
Reisetagebuch eines von Byron angehauchten Rene. Manoil, Roman 
in Versen, 55 und Elena, roman de datine polit. filos., 62, Sitten- 
romane, schildern gut, doch steht besonders letzterer unter dem 
Einflüsse der franz. Romantik (Seufzerstil). 

Ferner giebt es Trauerspiele, von denen ich einen Band 
ohne Ort und Jahreszahl habe, ergänzt in Sions Einleitung zu 
den Poesii. Diese Werke sind allerdings in Aufzüge und Auf- 
tritte geteilt und in Gesprächsform, aber ein Drama, d. i. eine 
Handlung, enthalten sie nicht, sondern das Leben der betr. rum. 
Fürsten: von Mihais nur das Ende, Despots ganz, (Anfang 



1) Fam. 27, 577. 

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— 218 — 

besser als bei Alecsandri), Mihnea ganz. Etwas einheitlicher ist 
Cantacozin . doch wird 1 , 5 und 1 , 6 dieselbe Handlung 2 mal 
vorgeführt (!). „Brancovenii ^i Cantacozinii" wäre ohne den 
letzten Aufzug, der nach Brancoveanus Ende noch das Cantacozi- 
11 OS bringt, erträglich. 

Trotz einzelner Schönheiten aber sind sie alle, geradezu ge- 
sagt, zu kindlich, als dass man sie ernst nehmen könnte. Er- 
eignisse, die Tage, Wochen dauern, spielen sich während 10 bis- 
20 Zeilen ab; nirgends spricht einer der alten Haudegen oder 
Ränkespinner, sondern überall Bolintineanu der Frauenvergötterer, 
der die alte Weise von des Vaterlandes Grösse und Fall singt, ver- 
quickt mit seinen und seiner Zeit politischen Ansichten, in halb- 
französischer Sprache, ja Schrift (pacha!). 

Etwas anderer Art ist Sorin oder die Ermordung der Bojaren 
in Tirgoviste, dessen Anfang mit dem Faust s (von Göthe) Ähn- 
lichkeit hat, voll schöner Stellen und Cnverständlichkeiten, über- 
haupt nur als Entwurf anzusehen, wie schon der Übergang aus 
der erzählenden in die Gesprächsform zeigt. 

Näheres vielleicht auch hierüber in der Kom. R., hier fehlt 
es an Raum. 

An Bol. schliesse sich sein Schüler Gr. H. G r a n d e a, geboren 
43 zu Tzindarei. Er hat mit jenem das Anakreontische gemein, 
doch schlägt seine Empfindung oft in Empfindelei um, wie in 
Murisem, Am fugit, Unei june caletoare, Flacara mormentului 
u. a. Nach Odobescu steht er mit der Muse fast immer auf 
Kriegsfuss, und er selbst scheint dies zu fühlen, wenn er in 
„Fantasma" klagt, er könne es (sein Urbild) nicht erreichen. 
Freilich folgert er daraus , dass er eine Adlerseele habe. Dazu 
geben ihm aber auch einige gelungene Gedichte, besonders volks- 
tümliche wie Jona din Roman, noch kein Recht, noch weniger 
die neufranz. Blasiertheit in „Scepticism" und die Menschenver- 
achtung, z. B. in „Asrael**, wo er alles hohe für Heuchelei erklärt. 
Von seinen erzählenden ist „Emirii" hervorzuheben. Er hat 62 
Preludii, 65 Miosotis, 2. Ausg. 87 mit „Nostalgia" herausge- 
geben, auch Romane : Fulga, Häsia u. a , endlich Albina Pindului, 
Buc. 68, Tribuna, Buc. 73, und andre Blätter. ') 



1) Pop 1, 164. Läzariciu, 170. 

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— 219 — 

Womöglich noch düsterer ist sein Freund N. 8 c u r t e s c u. ') 

Seine ersten Gedichte erschienen in Grandeas Alb. Pind. . 

» 

genau "wie dieser im Asrael äussert er sich in ,.Poesii complete", 
Buc. 77: Glaube, Liebe, Kecht, Glück — alles Schwindel, der 
Mensch ein Genoss der Raubtiere (An der Leiche eines Opfers), 
Ana deutlichsten spricht er sich aus in „Leben und Traum '\ Ein 
Sohn des Volkes, teilte er dessen Hass gegen Adel und Geistlich 
keit, „die beiden Höllenschlangen** ; und obgleich Freidenker, war 
er doch ein guter Christ, auch Sozialist, doch kein Umstürzler: 
Alles nieder, nur hoch das Gesetz! 

Eifrige Beschäftigung mit den Franzosen, besonders Bacine, 
brachte ihn 68 darauf, „Khea Silvia, Nachahmung eines Trauer- 
spiels" zu schreiben, ersch. 73. 75 Despot- Voda, (zwischen Bo- 
lintineanu und Alecsandri) in „Eevista contimpurana** -) D. A. 
Laurians (Sohnes A. T. Laurians)^); beide neu 77 als „Teatru" 
mit Stefan Kares : die Ermordung dieses Ungeheuers , der um 
Caterina zu bekommen, ihren Bruder fortschickte und ihren 
Verlobten töten wollte. Das Stück ist gut, hat Handlung und 
Spannung; nur sollte die Verschwörung selbst deutlicher vorge- 
führt werden ; wir erfahren fast nur den Versuch, der gemächt 
wird, Joldea zu gewinnen. Andre Stücke sind ungedruckt oder 
unvollendet, auch der grosse Boman in 3 Teilen über Michael 
den Tapfern u. a. Erzählungen. Dagegen hat er mancherlei 
Aufsätze und Untersuchungen, besonders über die Bühne und die 
Bühnendichtung im Blatte der Gesellschaft des Bomänismul 71 
veröffentlicht, auch Lehr- und Handbücher. Das Beste von ihm 
aber sind die Satiren, s. Un sänt prelat und das Witzblatt 
Gliimpele. 

Diese rastlose Arbeit aber, der er oft seine Nachtruhe 
opferte, untergrub seine Gesundheit, so dass er schon am 1. 13. 
4. 79 starb — Ostern. 

Er hat mit T. A. Myller (s. Pop) und Nie. Tzincu unter 
V. A. ürecbiäs Leitung den „Raub der Bukowina" verfasst, ein 
Gelegenheitsstück, das verboten wurde. Tzincu, geboren 46 zu 
Turnu Severin hat abgesehen von schlechten Gedichten und 



1) Ueber ihn sein Freund A. C. §or, (geb. 58), der in htlbschen 
Wochen Plaudereien verständige Schauspielkritiken schreibt, Fam. 20, öff. 
2) Maiorescu, Be^ia de ciiv. 3) Pop 2, 35. 



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— 220 — 

guten Witzen im Witzblatte „Cer cuvintul" Opern übersetzt, 
Lustspiele verfasst und eingebürgert. Bedeutender ist „Doamna 
Chiajna" (nach Odobescus Novelle), 91 preisgekrönt. Die Heldin 
lässt die Bojaren ermorden, welche ihres Gatten Leiche schänden 
wollen, bringt ihren Sohn Petra auf den Tron (der W^alachei), 
als dieser abgesetzt ist, den Jüngern, Alecsandru. Diesen be- 
wegt sie auszuziehen um Petru auf den Tron der Moldau zu 
bringen; da wird sie verraten und von A. Cantacuzino, der ihre 
Tochter Anna und den Tron der Walachei nicht bekommen hatte, 
ermordet. Pop. 2, 305. 

Vorzüge und Schwächen des Stückes halten sich etwa die 
Wage. Zu loben ist die Treue der altertümlichen Sprache, auch 
die ehrgeizige Kiajna ist im ganzen gelungen, nur etwas neu- 
zeitlich, ebenso Badu Söcol, der sich an des Fürsten Leiche 
rächen will, sich aber in dessen Tochter verliebt. 

Gut sind andere Gestalten, besonders Ghimpe, der Radu zu 
Anna verhilft und auch ihn rettet. Der Hauptfehler ist jedoch 
auch hier, dass die Einheit eigentlich nur in der Person liegt; 
die der Handlung kann nur durch die gewaltsamste Behandlung 
der Geschichte (die sich über 14 Jahre ausdehnt) erreicht 
werden. 

Tzincus Mitarbeiter war hier Radulescu-N i g e r , der 1891 
auch 2 Erzählungen herausgegeben hat: Jertfa, frei nach Heines: 
Ein Jüngling liebt ein Mädchen usw. „Gelosia" ist ebenso all- 
täglich: Zwei lieben eine, einer bekommt sie, und nachdem der 
andre ihn genug geärgert, nimmt er eine andre. 

Intre vecini, Lustspiel, 91 , andre nach dem Französischen. 
Seine „Poesii complete", Buc. 82, schildern z. B. das Landleben 
von der heitern (la pliveala) und der trüben Seite (Alltagsleben 
des Landmanns) sozialistisch. Volkstümliches gut, so Nastratins 
Ofen; aber die Form lässt zu wünschen. 

Haben die eben Genannten die N. Richtung gar nicht oder 
nur nebenbei bekämpft, so kommen wir nun zu ihren entschie- 
denen Gegnern. 

Mihail Zamfirescu, geboren 39 zu Buc, dichtete unter 
dem Einflüsse der französischen Romantik in Rev. contimp. u. a. 
Blättern. 58 gab er die Sammlung Aurora heraus, in der 



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— 221 — 

Sprache noch mangelhaft, nüchtern. Besser sind „Cintece si 
plingeri", Buc. 81 , Liebesgedichte mit hübschen Bildern und 
Schilderungen; aber wo singen die Vögel nachts „im Chor"? 
Gut ist auch: 

Oft, wenn ich einsam sitze 
Beim sanften Sternenschein, 
Singt mir Eriunrung Lieder 
Und lullt mich mälich ein. 

Vergessen sind die Schmerzen 
Vor ihrem Sang so mild, 
Und selig lächelnd schaue 
Ich auf das lichte Bild. 

Da pfeift der Wind durch Trümmer, 
Der holde Traum entflieht; 
Und mir erstirbt im Ohre 
Das süsse Zauberlied. 

Ähnlich schwermütig ist The Spleen, worin stelä (stea) sehr 
stört ; auch Plansul nop^ii u. a. 

Kraftvoller sind seine erzählenden Gedichte: die Narren- 
ballade (eines Tollen) und Mireasa strigoiului (Lenorensage). 

Wie jene ist auch „Musa dela Borta ßece" eine Satire, und 
zwar in l^ühnenform. Diese, Jupiters Köchin (M. Cugler), lässt 
sich die N. Kichtung durch Bodnarescu vom Olymp holen. Ein 
tolles Stück, das B. Rece (ein Wirtshaus in Jassi) zum Wall- 
fahrtsorte machte. Er hat auch für das Witzblatt Scrinciobul 
u. a. geschrieben. ^Manliu, A. 166. 

AI. Macedouski, geboren Ö4 zu Craiova, betrachtet sich 
nebst den Genannten u. a. als Vertreter des französischen Geistes 
gegenüber dem deutscheu der N. Richtung. Er hat Ende 81 
Poesii herausgegeben, teils gereimte Prosa, wie Oda la condeiul 
meu, teils in ihrer Jämmerlichkeit lächerlich wie Lamenta^iune, 
teils Ton Selbsterkenntnis zeugend wie ümbra legionarilor , als 
deren einen auch er sich fühlt, von Kindereien, wie der Nachah- 
mung von Glockengeläut und Schlachtenlärm, zu schweigen. An- 
deres ist besser, eo die Schilderung des „Morgens", wenn nicht 

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— 222 — 

aus dem Französischen (das auch seine Sprache beeioflusst), wie 
Des Arabers Koss. 1883 Figuri (Flori) de zapada, mit D. Teleor, ') 
1885 N. Dereanu, 86 Zi de August, ebenfalls Novellen, 90 (9) Nop^i 
u. a. aus seinem „Literatorur\ £r hat auch Eevista literara 
auf gegenseitiges Lob gegründet und 81 ein Trauerspiel ,.13. 
Dezember" aufführen lassen, 87 das Schauspiel „David", mehr Oper. 
Schon die allzu sehr gelobten Prima Verba (72) brachten ihn 
zu dem Glauben, er sei ein grosser Dichter, die Schüler und 
Schreiber seiner „Eenascerea lit." (seit 78) bestätigten es, 
weshalb er alle andern für nichts erklärte gegen die poesia 
socialä und ihr Haupt (Poesii mit Einleitung). Bei Emiues- 
cus Erkrankung konnte er endlich den Neid, der ihn schon 
lange gepeinigt, und die Schadenfreude nicht länger zurückhalten 
und schrieb, E.s Werke wären wahnsinnig, jetzt wäre er ver- 
nünftig. Seitdem ist er tot, er lebt nur noch in dem Denkmal, 
welches Vlahutza seiner Erbärmlichkeit im Polidor-) gesetzt hat. 



4. Die Lateiner. - 

An diese vereinzelten Gegner der N. Richtung schliesst sich 
eine ganze Gruppe, die der Lateiner, wesentlich Nordrumänen, 
vgl. Fam. 17, 624 und Odobescus Spott in ist. arch. Dafür 
nennen sie die im Königreiche „fran^uzi^i'*, siehe auch Slavici 
„Soll si Haben**. Ihr Festhalten am Latein erklärt sich aus 
dem Drucke, unter dem sie leben. 

Doch das beiläufig. Hier sind also zu nennen: Florian, 
Cipariu, Bari^iu, der in Catechismul calvinescu, Hermannst. 79, 
S. 86 frei nach Cäsar von belluri civile und dgl. redet, V. Kusu, 
geboren 44 (s. Pop), Inschrift enkenner, der in „Suspiuele Silvelor", 
Karlsruhe 72, eine Wienerin „sublime Emanation reiner Liebe" 
nennt. Nach S. 39 ff. haben wir den Franzosen nicht weniger 
als alles zu danken (Buchdruckerkunst bis Fernsprecher). 

Boliac, s. Popfiu 259; gestorben März 81. 

Maniu hat noch : Über die lateinische Einheit 66 und dgl., 



1) Scene §1 portrete, Novellen 86. Durere, Nov. und Lustspiele. 
Flori de liliac, Nov. und Skizzen 88. Chipuri §i privelisci. Craiova 89. 
La gazeta, 90, Roman, Icoane 91, Gedichte (sozialistisch: Zeitungsver- 
käufer) formlos. 2) Rev. n. 2, 179. C. lit. 16, Heft 12, Läzäriciu 173- 



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- 223 — 

die Verschwörung Catilinas 72 und Proscrisul roman 74, Sonder- 
ausgabe Buc. 80, Terfasst. Bis auf das Selbstgespräch 3, Anf. 
geschickt angelegt und daher spannend, behandelt das Stück die 
Entlarvung Kaminskys des Fälschers. Dazu genügt aber sein 
Mord Barciays und sein Mordversuch gegen Juliu völlig: Levy 
und Nichte, ja sogar der Titelheld sind ganz überflüssig, was 
nicht gut ist, denn es muss alles Zweck und Ziel haben. Hier 
sieht man kein anderes, als dass Maniu sich über die Judenfrage 
und das Verhältnis zwischen Madjaren und Buraäneu äussern 
will. Letzteres geschieht leidlich ungezwungen, stört aber doch. 
„Zur Geschichtsforschung*' usw. s. Fam. 20, 640. 

Ferner A. T. Laurian, Maxim. Papiu-Ilarian, J. Moldovan, Prof. 
in ßlasendorf, J. Hodos 1829—80, siehe Fam. 16, 5^3, Missail. 

A. Marienescu, das Muster nordrumänischer Wissenschaft. 
Seine Balade ^i Coiinde rom., 59, hat er durch lat. Wörter un- 
brauchbar gemacht; aber diese Fälschung ist nichts gegen seine 
„sprachwissenschaftlichen'' Leistungen. Wenn ich irgendwo nur 
eine Zeile lese, wo Indogermanisches, Semitisches, Ural-altaisches, 
Baskisches usw. ohne irgend welche Berücksichtigung der Laut- 
gesetze nebeneinander steht, so weiss ich: das ist M. ! Bekannt- 
lich stehen diese Sprachstämme in keinem nachweisbaren Zu- 
sammenhange; trotzdem, und obgleich er von den meisten dieser 
Sprachen keine blasse Ahnung hat, wie seine Herleitung des 
Sabbats von Zebaot zeigt, stellt er seine Aussprüche mit vollen- 
deter Siegesgewissheit hin. Von gleichem Schlage sind seine 
niytologischen „Entdeckungen", Cultul pagin si crestin, Buc. Ac. 
84. Es tut mir leid, aber solchem üufuge muss gesteuert wer- 
den. Er ist ein tüchtiger Richter — warum schreibt er nicht 
über sein Fach? Als Stoffsammler hat er Verdienste. 

ihnlich G. Sila.^i, geboren 37, (s. Pop), der (wie Cipar und 
Öaritz) Laurians Hirngespinste gegen P. Meyer mit den Worten 
verteidigt : Wir sollten uns doch nicht um die Fremdeu kümmern ! 
— Wenn die Herren nur ahnten, wieviel sie von den Fremden 
lernen könnten! 

Prof. A. Vizanti, geboren 32 (s. Pop), schrieb auch über 
C. Negri. 

J. Popfiu, geboren 39 (s. Pop), hat 70 zu Gross wardein 



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— 224 — 

Poesia i^i Prosa herausgegeben. Das letzte Wort würde als Titel 
geniigen, s. 8. 75: Die Sprache macht die Nation; Was soll die 
Constitution, Wo nationale Sprache fehlt? Besser ist der Über- 
blick über das rumänische Schrifttum; besonders in den An- 
merkungen steht vieles, was hier nicht Raum hat. Gestorben 82 ^ 
S. Marki S. a. 0. 28 ff. 

Kein Gesalbter des Herrn (Vorwort zu Poesii, 69, nicht 73, 
wie Pop), aber doch der weitaus Begabteste einer ganzen Herde- 
von nordrumänischen Dichterlingen ') , gegen welche die Neue 
Richtung zu kämpfen hatte (s. Maiorescu, Grit. 1, 259 ff.), ist J. 
Grozescu, geboren 30 (nach Pop 39) zu Baoat-Comläusch. 

„Diverse", religiöse und vaterländische Gedichte, sind gute 
Mittelware; einige Balladen und Romanzen treffen den Volkston 
leidlich, besonders In Ileanas Mühle. Dasselbe gilt von den 
letzten der „Doine", von S. 153 an. Eine Probe: 

Junge Vöglein, junge VÖglein 

Hüpfen zwitschernd im Gezweig; 

Ich steh' einsam, trüb und bleich, 

Junges Vöglein, junges Vöglein ; 

Du auch klagtest bitterlich, 

Wärst du so betrübt wie ich. 
Ungleich besser sind seine Satiren, besonders die Parodiea 
auf Sion und Muresian, nur die Sprache ist siebenbürgisch. 

Er hat auch Novellen verfasst, Caderea Timi^anei, für Witz- 
blätter : Umoristicul, Pricoliciul u. a. gearbeitet. Er starb schon 2. 
(14.) 6. 72, weil er zu viel schrieb, weshalb er nichts ernstes 
von bleibendem Werte geschaffen hat. Farn. 8, 299. 

Waren die Vorstehenden mehr nur gegen die Sprache der 
N. Richtung , so bekämpft sie A. D e n s u .^ i a n u hauptsächlich 
wegen ihrer andern Bestrebungen. Er lateinert weniger, hat 
aber Wörter, die man sonst nirgends findet: antru u. a. Geb. 
1838 in Densus (Siebenb.), gab er 70 „Orientul latin'* heraus^ 
später schrieb er viel für andre Blätter. Von seinen Gedichten, 
„Valea vie^ii" 92, sind die volkstümlichen am gelungensten, sa 
Tirgul ielelor, „Seceriful", die andern, besonders die politischen, 
so „An die rum. Versammlung in Hermannstadt" weniger, siehe 
den Jammer in „Plangeri". Wichtiger ist, besonders für ihn 
selbst, „Negriada, Epopeia nationalä", 1. Teil Buc. 79, 2, 84. 
1) Drägescu, Bädescu, Stanescu, J. lovitza u. s. w. 



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— 226 — 

Gegenstand ist die Gründung des rum. Staates durch den sagen- 
haften Negra, der sich in Fagarasch niederlässt, aber in der 
ersten Hälfte (6 Gesänge) nur bis zu Muschat, dem Landesherm, 
gelangt. Denn er wird erst von Cosinzana durch Hölle und 
Himmel geführt, wo Kaiser Traian ihm Vergangenheit und Zu- 
kunft des Landes (bis Cnza, ja bis 1878) offenbart, bez. sich 
erzählen lässt, ausgerüstet und Ton Muschat bewirtet. Das 
Ganze ist, wie gleich der erste (falsche) Vers zeigt, eine schweiss- 
triefende Isachahmung Vergils, bezw. Homers, und Dantes, mit 
Anklängen an Milton, siehe den Höllenwächter : so sehr übertrifft 
er alles Schrecklichste auf Erden. Ähnlich ledernes Zeug ist 
nicht selten, sogar Sprachfehler: a nascut statt s'a n. , S. 18. 
Weiteres Fam. 15, 365 f. und sonst; es lohnt nicht der Mühe. 
Natürlich taucht sofort die alte Fabel P. Maiors auf, dass die 
Bömer alle Daker vertilgt hätten, und so kann das neue Eom 
gegründet werden. — Auch in der rum. Götterwelt, die er mit 
bessern Kenntnissen als Bolin tinean aufbaut, dessen Anmut ihm 
freilich völlig abgeht, sucht er Anknüpfungen an das Altertum. Diese 
ganze Götterei ist unserer heutigen Kunst fremd, daher langweilig 
ausser für den Gelehrten. Der Dichter schaffe Menschen: das 
ist freilich schwieriger. Bei alledem ist nicht zu leugnen, dass 
das Werk kraftvolle Stellen enthält, so Milcov, 9, Ende. „Valea 
vie^ii*' enthält auch gute Gedankendichtungen. 

85 erschien seine Istoria limbei .^i literaturei rom. zu Jassi, 
tüchtig, aber einseitig, s. Zeitschr. f. rom. Phil. 1890, 564 und 
J. Bogdan, Conv. 1. 19, 676 ff. Dasselbe gilt von den Cercetari 
lit. Jassi 87: In den „Aventuri lit." (gegen Marienescu) zeigt 
er, wie fleissig er bei Abfassung der Negriade gewesen ist. Sehr 
vernünftig urteilt er über Budai, Alecsandrescu, Alecsandri, Bolin- 
tineanu; Maiorescu weist er Entlehnungen aus Vischer nach und 
zeigt sich auch sonst sehr belesen. Semo Sancus ^i Sämbele, 
Buc. 82. 

An die Negriadä mögen sich zwei andre Heldendichtungen 
sehliessen. Vas. Bumbac, geboren Anfang 40er (s. Pop), hat 
u. a. die „Drago^idä" seit Anfang 70 er in einem Bukowiner 
Blatte veröffentlicht, worin die „grossen Ahnen" stets im Hinter- 
grunde stehen — keineswegs zum Vorteil des Helden. Seine 
Gedichte „Visul meu'' und dgl. sind zu empündsam. 

Ähnlich Sava ^oimescus „Daciade" in 24 Gesängen, Buc. 

15 



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— 226 — 

86. 84 ist seine ,,6randomania'' aufgeführt, eine schwache neue 
Auflage der Kiritza in der Stadt. Poesii lirice, Buc. 83. 
Viele andere noch bei Marki. 



5. Die Sozialisten. 

Schärfer als die beiden letzten Gruppen, die mit einander 
und selbst mit den beiden ersten manches (Französ.) gemein haben, 
sondern sich die Sozialisten ab. Doch giebt es auch hier 
Schwenkungen, so haben A. C. Cuza und Speran^ia zu ihnen ge> 
hört; andererseits haben wir z. B. Caragiale, Volenti, Vlähutza, 
Macedonski und besonders Eminescu als Feinde der bestehenden 
Gesellschaftsordnung kennen gelernt, denen viele jüngere Schrift- 
steller folgen. Wir schreiben hier keine politische Geschichte, 
doch sei wenigstens gesagt, dass die rum. Bauern, grösstenteils 
nur Tagelöhner, durch den Druck der Jahrhunderte zu abge- 
stumpft sind, als dass sie für diese Gedanken Verständnis haben 
könnten. Die Unterwürfigkeit ist ihnen angeboren, und erst der 
Heeresdienst fangt an das Bewusstsein der Persönlichkeit zu ent- 
wickeln ; Ausnahmen verstehen sich von selbst, man findet sogar 
sehr geweckte Köpfe unter ihnen, siehe Janen von 48 u. a. 
Völksfdhrer. Die Städter, besonders die niederen Beamten, sind 
empfänglicher für den Sozialism, der seit 1. 7. 81 zu Jassi in 
der Zeitschrift Contemporanul (Revista socialä) verfochten wird. 
Begründer sind J. Nädejde, geboren um 50, der dort 86 Istoriä 
limbei si literaturei romäne herausgegeben hat; siehe darüber J. 
N. Eoman, Conv. 1. 21, 913, und Foaia soc. st. si lit. Jassi. Der 
Abschnitt über die Sprache ist stoffreich, die Behandlung läset zu 
wünschen übrig. Der zweite Abschnitt, 32 Seiten, ist gar zu 
dürftig. 

f Auch seine Gattin Sofia hat, besonders über die Frauenfrage, 
sogar gegen Maiorescu geschrieben, ausserdem Novele, Jassi 91. 

Femer Mor^un, hat 81 „Novele ^i legende" herausgege- 
ben; gut sind seine Untersuchungen, s. o. 

Auch hat er Stücke übersetzt und eingebürgert (82). 

Const. Mille hat in Zolas Art Erzählungen geschrieben. 
Dinu Milian, 87, ist der gelesenste rum. Boman und besser als 
die Novelleneammlung Feciorul popii, 87; siehe A. Costin, C. lit. 
22, Heft 1. Ähnlich genera^ie, 91. Er besitzt lebhafte Ein- 



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— 227 — 

büdungskraft ; Künstler ist er noch weniger äU sein Vorbild. 
Denn so wenig sich die Kunst dem Sinnlichen (in der Liebe) 
Terschliessen darf, so wenig soll sie es aufsuchen. „Versuri" 
1878 — 83. Er hat zeitweilig die sozialistischen „Menschenrechte" 
111 Buc. geleitet. — Speran^ia s. o. 

Casso Dobrogeanu, gewöhnlich J. Gherea genannt, ist 
Jedoch der bedeutendste Vertreter dieser Richtung, ein Kritiker, 
wie es auch in Deutschland nur wenige giebt. Geboren um 54, 
kam er 77 aus Russland nach Rumänien, war Bahnarbeiter, 
Anstreicher, jetzt Bahnhofswirt zu Plojescht, siehe Farn. 28, 91. 
Herr der wichtigsten neueren Sprachen, ist er ebenso belesen 
"wie scharfsinnig und hat, abgesehen von polit. Aufsätzen, im 
Oontemp. Studii critice veröffentlicht, von denen 2 vermehrte 
Bde, Buc. 90 (2. Ausg.) und 91 erschienen sind. Jetzt arbeitet 
•er am dritten und an einem WeAe über die russischen Wühle- 
reien auf der Balkanhalbinsel. Er liebt es, seine Aufsätze mit 
•allgemeinen Setrachtungen zu beginnen, um die Frage zu klären. 
•So auch Stud. er., indem er (l) Taines Einseitigkeit nachweist, 
und (2 „Decep^ionism'^) den Pessimism aus der Enttäuschung 
herleitet, welche die „Gesellschaft" den Hoffnungen von 1789 
und 1848 bereitet hat; nur sie hat gewonnen, nicht die Ent- 
erbten , (S. 72). — Diese Erklärung reicht aber nicht aus : eine 
mindestens ebenso mächtige, wenn auch weniger edle Ursache 
ist der Mangel an Zucht. Leute, die mit 20, oder wie es in, 
^um. Brauch ist, mit 14 Jahren alle Freuden oder deutsch Laster 
kennen und üben, sind 10 Jahre später notwendigerweise er- 
schöpft. Bas Leben bietet ihnen nichts mehr, deshalb finden sie 
überhaupt nichts daran. 

Noch einseitiger ist „Tenden^ionismul ^i tezismul in arta.'^ 
•Unter tezismul versteht er (S. 302) die Auffassung, dass das 
Dichten erlernt werden könne und der Dichter über jede „teza*' 
■alles sagen könne, z. B. die Willkürherrschaft so gut loben wie 
den Freistaat. Mit dieser Ansicht verwechsele Roman Gherea s 
tenden^ionism , der in dem Satze gipfelt: Kunst ohne Tendenz 
ist unmöglich (S. 297). Auf die Gefahr hin, von Herrn G. zu 
•der veralteten „critica metafisica" gerechnet zu werden, bestreite 
ich dies ganz entschieden, indem ich ihn bitte mir die Tendenz 
— sagen wir der Ilias — zu erklären. Natürlich sehe ich von 
den Einschiebseln ab und verstehe unter Tendenz einen klein- . 

15» 

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— 228 — 

liehen, mehr oder' minder eigennützigen Zweck : G. aber erklärir- 
Idee und Tendenz als gleichbedeutend, um den Vorwurf gegen seine- 
Tendenz zu widerlegen, was er doch gar nicht nötig hat. Viel-- 
mehr hätte er Boman den Unterschied zwischen Idee und Tendenz: 
deutlich machen sollen; denn sein Sozialism ist, weil uneigen* 
nützig, erstere, nicht letztere. Die Erklärung des „tezism'^ — 
dessen jetzige Vertreter mir beiläufig unbekannt sind, grade wie- 
die „metafisci*' — war also mindestens überflüssig. Auch sonst 
ist dilBser Aufsatz voller Umschweife; S. 319, Z. 4 von unten 
scheint vor idei zu fehlen : alte ; wenigstens ist der Satz so un- 
verständlich. Ein Lob der Knechtschaft kann Reimerei sein, nie- 
mals Dichtung, wie er S. 296 meint. 

Femer überschätzt er in etwas die „Genossen" Caragiale^ 
(s. 0.) und Vlahutza. So kann er S. 209 ff. „Din prag" nicht 
genug loben, besonders den Vers: Ich zittre nicht vor dem Tode 
sondern vor seiner Ewigkeit. Das ist doch auf deutsch eben, 
solcher Unsinn, wie z. ß. : Ich möchte sie heiraten, wenn sie 
nur keine Frau wäre. 

Der Baum gestattet kein weiteres Eingehen, noch weniger 
auf Band 2, der durchweg über Nichtrumänisches handelt. Siehe- 
G. Bogdan, C. lit. 24, 193 flF.; doch triflft die Bemerkung, Gh. 
sei nur Zergliederer, kein Euustrichter, nicht ganz zu; siehe ihn^ 
über Caragiale. 

Von den übrigen Mitarbeitern istGiordano hervorzuheben, 
der gute Sinnsprüche geschrieben hat, Epigrame, Jassi 91. 



6. Die Papageipessimisten und andre. 

Eli ad es Nuvele istorice, 3. Ausg. 67, Jassi. 

Millo hat wie früher die rum. Gesellschaft durchgehechelt,, 
so die Jagd nach Geldheiraten in „Apele de la Vacaresci'* 72.. 
S. Lazariciu, 129, Panteonul rom. Pest, 1,149. 

Pelimon hat Romane verfasst: „Jidovul camatar.** Lazä- 
riciu 148. 

Aricescu hat 72 das Schauspiel „Carbonarii" aufführen 
lassen, s. Fam. 9, 6; 73 „Satire politice dintre 1820 §i 60.' 
2. Ausg. Buc. 84. Mehr Fam. 7, 81. und Läzäriciu 164. 

Baronzi (s. Popfiu 256) hat noch herausgegeben die Eo- 
mane: Muncitorii statului, Banul Maracine, Biciul lui Damnezeu,. 



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— 229 — 

Oheia de aur usw. Fontäna Zinelor und kleinere Erzählungen. 
2ur Volkskunde : Limba Bom. ^i tradi^iunile ei , Braila 72 , nur 
bIs Stoffsammlung yerdienstlich. Läzariciu 150. 

Eucareans Karpatenjäger ist 1873 in Orandeas Tribunä, 
„Lucrari poetice" 74 zu Buc. erschienen. Als Koques hat er viel 
Politisches geschrieben , auch Stücke, worin er gemässigte polit. 
Freiheit verficht. 

Von Lazarescu ist noch das Lustspiel ,,Boieri ^i ^erani'^ 
69, 2u erwähnen , das ebenfalls nichts taugt ; „Stroe Corbanul" 
«(Eoman) erschien 90, bald nach seinem Tode. 

Cre^eanu hat 79 die Gedichtsammlung „Patria ^i libertate'' 
iierausgegeben. 

Mih. Pascali, geboren 31, gestorben 30. 9 a. 82, guter 
'Schauspieler, hat auch (schwache) Stücke hinterlassen : Haimanale, 
Barbatii fermeca^i u. a.. Manches von ihm wird viel gesungen. 
'S. Fam. 18, 498. Läzariciu, 130. 

Etwas früher ist sein Genosse Pantazi Ghica gestorben, 
-dessen „Alegetor ^i ginere** 67 erschien. 72 sind „Nebunii din 
fa^a" aufgeführt. 73 hat er die Novelle „Adultarul" veröffent- 
licht. In seinen Stücken ist er bald rührend, bald lustig, im 
ganzen schwach. 

E. Jonescu starb 24. 12. a. 1872, nicht 1873, wie oben 
S. 8ö steht. Er ist übrigens belanglos. 

Cilibi M i 8 e , 181 5 — 66 , ein Gassenjude , hat sehr geistr 

reiche Sprüche hinterlassen, die er den Setzern diktierte, und die 

^chwarzfeld gesammelt hat : Practica ^i apropourile lui C. M. 

Vestitul din ^ra rom. J. Negruzzi hat sie in C. lit. 18,68 ff. be- 

^sprochen und Auszüge gegeben. 

I. P. Florantin (s. Pop) hat anfangs die Nov. Decebal in C. 
lit. veröffentlicht; dagegen ist der Eoman Eomeo, Jassi 73, ein- 
fach ungeniessbar, s. S. 10. Besser Tuhutum, Horia, Avram Jancu, 
Buc. 91, geschichtliche Erzählungen. 

Schliesslich noch einige mehr oder minder „enttäuschte'' 
Dichter ; 

Vas. Päun, geboren 50 (s. Pop, Läzariciu 173): Ich weine, 
ireil ich stets muss fragen: Was ist des Lebens Zweck und Wert? 

Diese Frage kehrt immer wieder, ohne dass jemand die ein- 
fache Antwort fände: Die Pflicht; ebenso die Klage über die 
ilusii perdute, und die todes sehnsüchtige Wiederkäuerei der Worte 



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— 230 — 

Hamlets, t^inden denn die Herrschaften keinen Baum schön ge^ 
nug, sich dran zu. hängen? Was hindert sie denn? — Ach so, 
der Tod ist schön — wenn er nur nicht ewig wäre . . . 

Immerhin begabt ist Frau 8. Garbea, genannt Smära, 
Lehrerin in Buc. „Din pana suferintei" und „Novele", 90. Aber 
auch «ie ist so blasiert, zu fragen: Was bietet mir das Morgen^ 
wenn ich das Heute kenne? Dagegen erzählt sie gut, ergreifend 
ist die liegende von der Wasserrose und die Novelle Baba Hira. 
S. Herm. Tribuna 8, 34 und Ighel: Poezia la femei, Monitorot 
lit Buc. Nr. 1 ff., wo auch A. Ciupagea, Schauspielerin, (zuweilen 
etwas ungebunden), besprochen wird. Ihr Gegenstück ist Josif 
Eoman, der in „Nu i ertare" sehr erhaben und sehr unmensch- 
lich gegen VlahutzHS „Ertare" eifert. Besser ist Trai. Deme- 
trescu : Din Cartea unei inime , Craiova 90 und „Poesii". In. 
„Prin alee^' geht der Mond auf wie ein dunkle (!) Erinnerung. 
,,Amui^". Profile lit. 91, AI. Benea, 3 Aufzüge, 86, und Ge- 
dichte ; J. Bof^ca, der über seine „unheilbare Krankheit'' stöhnt,. 
90 über Scurtescu u. a. geschrieben und 83 das preisgekrönte^ 
Schauspiel „Fata dela Cozia^hat aufführen lassen. 1. Erbprinz Badu 
gewinnt seinem Bruder die Florica ab, 2 schlägt Domnica aus,, 
die (etwas unnatürlich) Bache schwört. 3. Sie verfolgt ihn, er 
muss ins Feld ; Wlad raubt Florica, 4. die gewappnet die Schlacht 
entscheidet und ihren Badu bekommt. — Abgesehen von der 
Geschichts Widrigkeit und einiger Unnatürlichkcit ist das Stück 
leidlich. Geschickt angelegt, in der Charakterzeichnung schwächer 
ist sein Trauerspiel Lapusneanu, aufgef. 81 , preisgekrönt; siehe- 
Quintescu (Fam. 24, öff.), der beide verständig bespricht. „Zim- 
biri si Lticrime, poesii fugitive" u. a. s. Fam. 26, 361. 

Dann folgen in absteigender Linie Major C. Scrob, der ia 
„Poetul" nicht den Dichter überhaupt, sondern sich einen „Zwerg: 
mit Riesenplänen, ohne Wissen und Willen" nennt: Im „feranul'*^ 
ist er sozialistisch angehaucht. Er hat 91 auch ein Lustspiel 
„8f. Dumitru" verfasst, mit E. Nicolau „Crima sociala", 3 Aufz. 
Ähnlich Stoenescu, siehe Desgust und Schmerzen sschrei (über 
die Enterbten) in „Decep^ii", 91, Nop^i albe und Zile negre, 89. 
Nunta neagrä, Bearbeitung, 84. Er giebt die Bevista lit. heraus, 
darin 92 ein Stück von Deparatzian. Oberst Candiano-Popescu: 
Lira ^i spada 85, aber durchaus kein Kömer, sondern ein Eis-- 
block, wie er sich im Gedichte „An ein Fräulein" nennt. 



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— 231 — 

N. A. B g d a n erklärt in Alelaie das Meerwasser für nicht 
bitterer als sein Leid. Herausgeber der „Arta'' zu Jasei, hat er 
viele Stücke verfasst (Fam. 20, 361, 521, 25, 357 ff., 26, Nr. 
16 ff.) und noch mehr übersetzt, siehe Fatn. 27, 45. 

Ähnlich Stamati Ciurea, Fam. 24, 81; Opuri dram. Bd. 1, 
Gern. 88, auch Novellen; 3 Suveniri, Gern. 90; Istoria unui 
^in^r (Reisebeschreibuug.) 

T. Alexi, viel Alltägliches, Gedichte: Harpa si caval, 
Krönst. 80, Parnasul romän, soll ebda. 92 erscheinen; zu erwähnen : 
Rum. Kunstdichtungen, eb. 81 : viele andre Übersetzungen in der 
Rom. Rev. 

N. D. Popescu, (s. Pop. und Lazariciu 169) schreibt mora- 
lisierende Novellen; V. Ranta-Buticescu (s. Pop) Novellen und 
Stücke, darunter einiges besser; ebenso G. Marun^eanu, Nuvele 
satirice, Buc. 92. I. S. Paul : Nu-i nimic. Es ist nichts (mit dem 
Leben), Wien 81. 

Doch haben wir mit den Letztgenannten die Grenze des 
Bemerkenswerten bereits erreicht, wenn nicht überschritten; 
manche würde ich in einer Geschichte des deutschen Schrifttums 
nicht erwähnt haben; aber ich halte es noch für verfrüht hier 
wie dort denselben Masstab anzulegen; wie dies auch Maiorescu 
Grit. 1, 393 f. einräumt. Andrerseits kann und will ich nicht 
einen jeden aufführen. 

Ich kenne noch viele Schriftsteller, von denen auf viel- 
seitiges Verlangen noch G. Popa in Arad : „Merinde dela scoala'^, 
88, erwähnt sein mag (über Erziehung, Hauswirtschaft usw.) 
als ein jetzt sehr nützliches und der künftigen Kulturgeschichte 
wertvolles Werk, oben hat es keinen Raum. 



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Schlusswort. 



% 



^ch kann das Buch nicht aus der Hand l^en, ohne 
nochmals zu danken, erstens für die unerbetene und daher dop- 
pelt willkommene Förderung seitens des Auswärtigen Amtes, 
sodann für so ehrende Urteile wie die, dass ich hier der 
zweifellos kompetenteste Nichtrumäne sei und auch meine rumän. 
Vorgänger übertroffen, ja die erste wissenschaftliche Behand- 
lung des Gegenstandes überhaupt geliefert hätte. Diese Teil- 
nahme der Regierung wie der Besten eines ganzen Volkes ent- 
schädigt mich mehr als hinlänglich für die Nichtbeachtung und 
das Schlimmere, was mir yod den meisten deutschen Blättern 
widerfahren ist. Die Herren werden schliesslich doch einsehn 
müssen, dass sie damit nicht mir ein Armutszeugnis ausstellen. 
Sie hätten mich dazu bringen können, das Buch französisch her- 
auszugeben, was für mich viel vorteilhafter gewesen wäre; aber 
das wollte ich nicht, weil ich wie gesagt ein Deutscher bin. 
Ob die lieben Deutschen es mir danken werden, ist ihre Sache ; 
wenn nicht, mögen sie wenigstens obige Urteile widerlegen. 

Freilich habe ich auch Misbilligung gefunden; ja man hat 
mich unter anderm wegen S. 10 ') der Feindschaft gegen die Rum. 
angeklagt. Ich gebe also zu, dass dies eine Chronikfabel sein 
mag. Im übrigen bin ich hier wie sonst nur dem Unrecht und 
Unverstand entgegengetreten. Man widerlege mich also, aber 
man verlange von mir keine Schmeicheleien. Die Fehler des 
rum. Volks, auf die ich zu Ehren der Wahrheit hinweisen musste, 
sind Folgen seiner Geschichte; ich bin ihm so wenig feind wie 
den andern Komanen , halte vielmehr gutes Einvernehmen mit 
ihnen wegen der grossrussischen Pläne für sehr wünschenswert. 
Ich kann also meine rum. Freunde, für all ihre Teilnahme dankend, 
nur bitten, recht viel lobenswertes zu tun, so wird es an Lob 
nicht fehlen, und verspreche ihrem Wunsche gemäss künftig stets 
romanisch statt rum. zu sprechen und zu schreiben. In diesem 
Buche ging es nicht mehr an. Schliesslich sei noch bemerkt, 
dass die Ergänzungen (s. d. Titelblatt) nur ein, höchstens zwei 
hundertstel des Werkes ausmachen. Briefich (in den Anmerk. u. 
S. 165 unten) bezieht sich stets nur auf die Lebensgeschichte, 
nicht auf die Werke. 



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Schriftstellerverzeichnis. 

(Die Anmerkungen und ähnliche Verweisungen sind nur ausnahmB- 
^eise berücksichtigt. Hier sind die Namen streng mm. ffeschrieben, 
oben zuweilen deutsch, bes. wegen Mangel an t (z) u ? (scn). Femer 
lauten g und c vor e und i wie dsch (g') u tsch (c'); che u. chi, ghe u. 
ghi werden ke, ki, ge, gi gespr. i (& 6 6 ü) dumpfer Halblaut, ä etwas 
beller, ähnlich dem e in Vater. Z (4) ist weiches, s stets scharfes s; j 
wie französ. Die unbetonte Endung — iu ist stumm, ausser in Suciu 
<B8ütschu). ü (ul) am Ende bedeutet „der'^ (also unbetont wie ä), 
kann daher auch fehlen, ausser nach sc und Selbstlauten. Die Betonung 
(') ist sanfter als im deutschen; wo nicht angegeben, schwankt sie. 
Im Königreiche betont man dabei und sonst (französelnd : Alescandri, 
Petrino u. a.) gewöhnlich die letzte Silbe, die Nordrumänen die vorletzte, 
zuweilen die drittletzte: Calimah, Danovici, Vörgolici (3silbig). Die 
Endungen ac (hi), al, an, (u. o), ar (lu), a? (iu), at (u), ^scu, (ä9cu), 
^% ic Tiu) sind stets betont. C (ch) wechselt selbst auf Büchertiteln der 
betr. Verfasser oft mit K. 



Aaron s, Aren. 

Achfrie 19. 

Acsentie 29. 

Alecsandri V. 67, 97, 103 f, 116 f, 

132 ff, 140, 168, 179, 202. 
Alexandrescu G. 61, 115 f, 191. 
Alexi 40. 
A16xi T. 231. 

Andreievici-Morariu S. 135. 
Andronic 200. 
Ardeleanu J. 200. 
Aricescu C. D. 74, 101, 118, 129, 

228 
Aristfa C. 44, 90. 
Aron P. 36. V. 52. 
Asachi G. 41, 56, 88, 101, 113, 124. 
Ascänio s. Ollänescu. 
Aurelian P. S. 195 f. 
Babe^iu Vinc. 124. 
Babe§iu Victor 208. 
Bacalöglu 208. 
Bädescu J. S. 203, 224. 
Bäläcescu C. 115. 
Bälcescu N. 125, 127, 199. 
Bäl^üca 45. 
Barac J. 53. 
Bara^iu J. 103. 
Baritiu G. 120, 200, 222. 
Baraütiu S. 119, 134. 
Barönzi G. 75, 101, 113, 117, 228. 
Bärseanu 166, 201, 204. 
Bäur-L. 44. 



Beldiceanu 152, 174. 

Beldiman A. 51. 

Bengescu G. 185, 201. 

Berdescu A. 206. 

Bianu 18, 20, 200, 205, 215. 

Bilciurescu C. S. 199. 

Bilciurescu V. 209. 

Bobulescu 200. 

Bodnärescu S. 152, 174, 186, 190. 

Boerescu V. 194. 

Bogdan G. 201. 

Bogdan J. 18, 22, 200 f, 206. 

Bogdan N. A. 231. 

Boiagf M. 41. 

Böiu Z. 207. 

Boliac C. 64, 96, 103, 126, 222. 

Bolintineanu D. 76, 98, 117, 129 

134, 217. 
Bonachi-Gregoriäde M. de 168. 
Böta 205. 
Brändzä 208. 
Brezoianu 195. 
Buburuzäiü 28. 
Buc^änescu 45. 
Bddai D. 40, 53. 
Budu 207. 
Bulgärescu 205. 
Bumbac J. 207. 
Bumbac V. 225. 
Buradä 101, 198, 203. 
Bürla V. 206. 
Buticescu V. 231. 



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— 234 — 



Cämpineana J. 118. 

Candiano-P. 230. 

Cändrea 204, 206. 

Canianu 204. 

Cä'nta J. 32. 

Cantacuzin J. 32. 

Cantacuzin M. 32. 

Cantacuzin P. 27. 

Cantemfr D. 20. 30 f, 131. 

Caragiäle J. L. 178, 188, 191. 

Caragiani 200. 

Caranfil 203. 

CArlova V. 50. 

Carm. Sylva 137, 191, 204. 

Carpu P. 194. 

Catinä J. 88. 

Cernätescu 199. , 

Chebapcf 199. 

Chermbach 215. 

Chirfta 200. 

Chroniken 21 ff. 

Cichindeal D. s. ^ich. 

Cihac de, A. 206. 

Cilibi M. 229. 

Cipäriu T. 131 f, 222. 

Ciupagea 230. 

Ciain J. 36. 8. Micul. 

Climescu 195. 

Clococeannl N. 27. 

Cobälcescu 208. 

Codrescu T. 197, 199. 

Cogalniceanu s. Eog. 

Conachi s. Eon. 

Cöndrea 200. 

Constantin Cap. 27. 

Cönta 207. 

Cor^si 18 f, 199, 201. 

Cornea M. 148. 

Corradlni 63. 

Cosmovici 212. 

Costachi V. 42. 

Costin M. 21, 27, 33, 199. 

Costin N. 20, 28. 

Co§büc ü. 167, 179, 194. 

Creangä I. 171. 

Creteanu G. 82. 116, 229. 

Cretu 18, 200, 207. 



Cretznlescuet s. Er. 

Cügler M. 163, 177. 

Carpanu 195. 

Ciiza A. C. 166, 194 f. 

Damian Y. 28. 

Danovici 27. 

Dascälescu 117. 

Däul 204. 

Degenmann 208. 

Dela Yrancea (Barbu Stefane8ca> 

209, 214. 
Demetrescu 230. 
Densu^ianu A. 224. 
Densu^ianu N. 195 ff. 
Depäräteanu A. 87. 
Diamant 122. 
Dionisie £. 33. 
Dissescu 195. 
Donici A. 114. 

Dora dlstria s. Elena Ghica. 
Dositäiu. 19, 33. 
Drägescu J. 224. 
Draghicescu 202. 
Dreghidn M. 195. 
Dubäü T. 28. 
Dulfu 116. 
Dunutracbe 27. 

Dünca Constanta (de Schlau) 196. 
Economu C. s. Oeconom. 
Eliäde 57, 90, 101, 116, 124, 131 f. 

208 f, 228. 
Eminescu M. 154, 176, 191 f, 196. 
Enaceanu 200. 
Erbiceanu C. 199. 
Esärcu 200. 
Eustrdtie 26. 
Fabian B. V.35, 50, 54. 
Fäca 44. 

Filimön N. 96, 132. 
Filipescul 27 s. Constantin. 
Florantiu J. P. 229. 
Flor^ntiu V. 196. 
Florian A. 124, 222. 
Fräncu 204, 206. 
Fröllo 206. 
Fruncjescu D. 200. 
Fundescu J. C. 202. 



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— 235 



Gänea N. 145, 171. 

Gä'rbea s. Smara. 

Gaster M. 201, 204, 207. 

Gavril 25. 

George II. 21. 

George din Moldova 8. Chermbach. 

Creorgesca N. 87. 

Georgesca T. 84. 

Gheorgachi 32. 

Gh^rea J. 227, 178. 

Ghlca E. 123. 

Ghlca J. 81, 122, 131, 216, 

Ghica P. 229. 

Gion 200, 216. 

Giordano 228. 

Gorovei 206. 

Gräma 200. 

Grändea G. 218. 

Greceanu R. 27. 

Gregörie 19. 

Grozescu J. 224. 

Güsti D. 67, 123. 

Halicia 33. 

Hä§de u B. P. 18 f, 22, 199, 208 f. 

Hä§deu J. 137, 210. 
Heliade J. s. Eliade. 
Herce 19. 
Hödoi^u J. 223. 
Hommoriceanu E. C. 196. 
Hrisovärghi 51. 
- Hurmuzachi A. 122, 126. 
Hurmuzachi E. 122, 325, 199. 
Hunnuzachi G. 122, 126. 
Hurul 24, XJ4. 
licoh I. 21. 

Jacob IL 32, 34. s. StamatL 
lancul V. 24. 
länov J. 185, 192. 
larcu D. 131, 134. 
Ighel J. 177, 230. 
lonescu-Gion s. Gion. 
lonescu R. 84, 229. 
lörga N. 168, 208. 
lorgovici P. 40. 
lovlta J. 224. 
Igpirescu P. 202. 
Isträti N. 103, 116. 



Ivireanu A. 21. 
Eogälniceanu J- 32, 34. 
Eogälniceanu M. 103, 126, 191,. 

194, 200. 
Eonaki 45. 
Eremnitz M. 204. 
Eretzulescu 125. 
LahoTäri 200, 206. 
Lambriör 204, 206. 
Läpedatu J 158, 174, 187. 
Laurian A. 125, 133, 223. 
Laurian D. 219. 
Läzär G. 40. 
Läzärescu (Lsertiu) A. 101, 113,132-,. 

229. 
Läzäriciu 201. 
Leonardescu 207. 
Leurdeanul 2ö. 
Livescu 177. 
LocusteaDu 200. 
Lugo^ianu 200. 
Lupa^cu 204. 
Lupescu R 27. 
Lupul Antonescu 16 ff. 
Macedönschi A. 221. 
Maior P. 37, 131, 199. 
Maiorescu J. 120, 133. 

Maiorescu T. 138, 191, 195, 201^ 
208 f. 

Mäldärescu 205. 

Mangiüca S. 197, 202, 206. 

Manfu V. 113, 129, 222. 

Manliu J. 201. 

Märgineanul 205. 

Marian S. 200, 203 

Marienescu A. 88, 199, 203, 223. 

Martian D. 124. 

Märunteanu 231. 

Mdxim. 133, 223. 

Meitäni 195. 

Melhisedec 21. 135 f, 200. 

M^ra 205. 

Michaileanu 207. 

Miclea A. V. 162, 191. 

Micul 36. 

Miculescu S. 42. 

Milescu 24. 



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— 236 — 



Mille G. 226. 

HiUo M. 101, 228. 

MisBll 27. 

Missafl G. 101, 122. 130, 135,223. 

Missir 201. 

Mocsa (lie) 27. 

Moldovann I. 223. 

Moldovanu S. 205. 

Molnar J. 40. 

Morton 102, 226. 

Momaleanu B. 49. 

Munteanu St. 205. 

More^eana A. 66. 

Murnu G. 168. 

Müstea N. 25, 29. 

Myller T. A. 219. 

l^äd^jde J. und S. 226. 

l^aniescu 200. 

Naam A. 144. 

Neägoe 20, 25. 

Neculcea J. 31. 

N6gre J. 200. 

Negri C. 69, 121, 223. 

NegrüzziC. 59, 90,108 115 f, 131, 133. 

Negruzzi J. 146, 173, 186, 190, 

192, 201. 
Negruzzi L. 170. 
Nenitesca J. 164, 177, 188. 
Niculeanu N. 85, 118. 
Obedenar 205, 207. 
Olariu 196. 
Odobescu A. 170, 192, 198, 200 f, 

203. 
Oeconöm C. 168, 170 179. 
OUänescu D. C. 153. 
Ondul 200. 
Orä^anu N. T. 118. 
Pan(n) A. 89, 113, 116. 
Panttt J. 179. 

Papadopul'-Cab'mah 195, 198. 
Panu 199, 211. 
Papiu J. 207. 

Paplu-Ilarian A. 129, 197, 223. 
Pascal! M. 229. 
Paul 231. 
Pa'un V. D. 229. 
Pelimön A. 74, 98, 112, 123, 228. 



Pesd^el M. 19. 

Petrescu G. 199. 

Petrescu S. D. 200. 

Petrescu V. 205. 

Petrinö 147, 172. 

Petrovu 195. 

Phiüppide A. 200 f. 207. 

Poenaru P. 124. 

Pogör 44. 

Pogor V. 144. 

Pompfliu M. 153, 174,201,203,206. 

Poni 8. Gugler. 

Pop A. 202. 

Pop Reteganul J. 205. 

Pöpa George 231. 

Popea N. 197. 

Popescu G. 201. 

Popescu J. 208. 

Popescu N. 204. 

Popescu N. D. 231. 

Popescu R. 27. 

Popfiu J. 223. 

Popovici 196. 

Popu N. 200. 

Popu S. V. 121. 

Popu V. 131. 

Popu V. G. 201. 

Prälea J. 135. 

Pumnul A. 131. 

Pu9cariu I. 198, 207. 

Quintescu 186. 

Bacocea 41. 

Racovitä 216. 

Rädulescu-Niger 220. 

Rim 30. 

Robeanu T. (Popescu) 168. 

Roman A. 122. 

Roman J. 230. 

Roman J. N. 166. 

Roman R. 191. 

Roset 30. 

Rosa(t)i C. A. 65, 116, 121. 

Rosetti T. R. Ißß, 

Rö^ca 230.// ^y^ 

Rueäreanu N. 75, 229. 

Rudow (w ist stumm) L. 166, 179. 

Rüsso (Ruso) 90, 112, 128. 



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— 237 — 



Rusu V. 222. 

Sachelaria J. 196. 

Sälageanu 134. 

Säulescu G. 114. 

Sbiera J. G. 18, 199 f, 205 f. 

Scavinschi D. 131. 

Scheletti N. 145, 171. 

Schwarzfeld 204, 229. 

Scriban K 135. 

Scrob 230. 

Scurtescu N. 219 

Sevästos E. 195, 205. 

Sihleanu A. 86. 

Silä§i 223. 

Sima 205. 

Simionescu 204. 

Simon 26. 

Sion G. 73, 98, 112, 132, 191, 197. 

Slavici J. 174, 187, 191, 199, 203. 

Smara 230. 

Sperantia 214. 

Stamäti C. 56, 89, 114. 

Stamäti-Ciurea 231, 

Stamati s. Jacob II. s. Philippide. 

Stäncescu 205. 

Stänescu 224. 

Stätescu E. 19ö. 

Stavri A. 168. 

Stefan 33. 

Stefanescu, G. 208. 

s. Dela Yrancea und Melhisedec. 

Stoenescu 230. 

Strajanu 201, 207 f.. 

Strat J. 196. 

Stroici L. 19. 

Stürdza D. A. 199 f, 216. 

Suciu-Böczko M. 151. 

Suciu L. s. Rudow. 

§agüna 125, 135, 195, 197. 

§aineanu 205, 207. 

^erbanescu T. 149. 

§incai 38, 199. 

§oimescu S. 225. 

§or 219. 

Täutu 45. 

Täutu G. 75, 113, 117. 



Teleor 222. 
Tempea R. 40. 
Teodorescu S. 203. 
Teodösie 27. 
Tiktin 207. 

Timu^ Pite§teanul 199. 
Tocilescu G. 198, 200. 
Torda§i M. 19. 
Trimbitöniu 205. 
Tamblac 21. 
Tichindeal 54. 
'Plncu N. -219. 
Toni M. 196. 
Urächiä G. u. N. 26, 199. 
Urechiä A. V. 101, 130, 132, 1 
185, 195, 197 f, 199 f, 206, 219 
Väcärescu A. 34. 
Väcärescu E. 137. 
Väcärescu Jenache 21, 32 ff. 
Väcärescu Jenache II. 49. 
Väcärescu Jon 48. 
Väcärescu Nie. 34. 
Väcärescu T. C. 200. 
Varlaam 19. 
Varla(a)m Erzbisch. 19. 
Värnavu-Liteanu G. 201. 
Värtic 205. 
Vasiliu 162. 
Velescu 86, 188. 
Velovan 201, 208. 
Ve'rgolici St. 152. 
Ver§^t, Cron. dela, 24. 
Vizdnti A. 223. 
Vlähütä 209, 212, 226, 228. 
Volenti N. 165. 177. 
Vulcan 150, 172, 186, 192, 20S 
Vulpianu 206. 

XenopoluA. D. 195, 198 f, 201, 
Ad. 19 
Xenopolu N. 179. 
Zacan E. 19. 
Zamfirescu D. 166, 177, 188, 1 

194. 
Zamfirescu M. 220. 
Zäne 82. 
Zilot R. 51. 



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Nachträge und Berichtigungen. 

(Ueberschriften und Anmerkungen sind mitgezählt.) 



Seite 5 Zeile 11 lies Allverwüstem 



7 
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13 
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U 
14 
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16 
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20 
20 
21 
21 
21 
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25 
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29 

30 
31 
31 
31 
33 
35 
35 
37 
37 
40 
42 
44 
44 
44 
47 
47 
49 
48 
48 
54 
56f 



58 
64 
64 
66 



8) 



Z. B. eb. 2, 114f. 
;, 5, 366 sUtt 3, 
„ ersterer und der 

streiche ostre 
„ afflant 
„ cari *mi 
„ ipse statt pse 
„ Boffdan statt — on 
„ I. S. statt L. S. 
„ : Divanul statt D: 
„ pentru istorie 
„ Fredice f. 1. p. m. »») 
„ mit der statt der mit eine 

Nicht bei Philippide, doch bei Popescu. 
lies Magazin ist. 
^) füge hinzu S. £. Picot: Notice biogr . . . sur N. 

Milescu, Paris 83; s. C. lit. 17, 478. 
16 lies verkürzt, von 1783, 
5 V. u. lies 1618 statt 1681 

18 lies Andersgläubigen 
24 „ Beim- 

19 „ unabhängig 

24 „ 1883 mit seinem Leben herausg. 
2 „ sti eiche: der 
4 „ Negruzzi 
8 V. u. lies uomeni 



24 

26 

2 

7 

5) 
31 

I? 

25 

4)6) 
^) 



9 lies seiner statt einer 



23 

^) 

9 

24 

8 



(Michael d. T. h. keine) 

3, 343 statt 3, 243 

P. M., der als Hauptk. d. Moses d. B. g. ist. 

ihm 

Gipar 
gehört vor Bev. N. 3, 358. 
lies junger 
V. u. lies Facas 
^) lies der „Pr^cieuses ridicules^^ 

2 lies folgende, statt f . . , 

unten füge hinzu: Vgl. Baki, Hafis u. s. w. 
7 lies Stimme; 
13 lies Essay on 
^ „ literaturei 
30 „ Banat. 

Asaki und £liade gründeten ihre Blätter, weil die 
einrückenden Bussen ihrer zu Bekanntmachungen 
beduiften, Läzäriciu 125, wo man Genaueres sehe. 
5 y. u. lies Müh statt Buh. 

3 V. u. „ 81 statt 80 
3) füge hinzu: Bev. N. 

19 „ „ neuen Stils 



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76 Zeile 


16 lies erste statt erste. 


82 


>» 


22 


„ vergleichende 


83 


» 


2 


„ vorzaubert 


83 


99 


2 


V. u. lies Boot statt Brot. 


84 


99 


11 


„ damicelä^' damic^Ui » statt demic 


85 


99 


3 


„ 1872 statt 1873. 


85 


99 


10 


„ .Geb. sUtt ,geb. 

„ (8. d. seh. „0 i. perdutä") 


85 


9» 


22 


86 




1) 


r, 441, 


88 


9» 


29 


„ Dorul statt Docul 


90 


99 


11 


„ 1798-1880, Läzäriciu 142. 


91 


9* 


18 


„ Merim^e 


91 


99 


27 


„ Merimäes „Le 


93 


J> 


17 


„ • CGedanken") 


96 


» 


3 


V. u. lies Tuzluc 



, 99 „ 23 lies Gattin statt Schwester 

, 102 „ 27 „ Stamati; — 11 bei Alecs. ist verdruckt. 

„ 103 „ 7 „ Cämpinean 

,, 103 „ 4 V. u. füge hinzu: Gest. 62, Läzäriciu 148. 

„ 103 „ 3 V. u. lies gest. 63, der 

,, 104 „ 11 füge hinzu: Zum Teil schon in Repertoriu dramatic, 

2 Bde: 52, Jassi. 

„ 105 ,, 14 lies Dichter dem Jörg den deutschen „Baron^' 

„ 106 „ 5 V. u. lies Molidre 

„ 109 „ 1 lies Fünfzigern 

„ 110 „ 12 „ hin 

,» 111 „13 „ Einbürgerung von Batailles L' us . . , 

112 „ 15 „ wol 

112 „ 7 V. u. lies Fokschani 

133 „ 2 lies Sintaxis. 

133 „ 28 „ limba rom. 

136 „ 5 „ miraculoäse s. oben S. 32, 

146 „ 14 „ er schwungvoll 

147 1) „ 1846 
147 „ 7 V. u. lies späht 
154 „ 24 lies 3. statt 13. 
160 „ 6 „ wie". 
162 ,; 11 V. u. lies Jorga2). 
162 „ 1 lies sagen, 
166 i, 10 lies 8 statt S 
168 „ 19 „ bei statt be 
170 „ 14 „ Halten 

172 „ 3 V. u. Fam. 21. unten f. hinzu : Elegie über das Elend. 

175 ,*, 12 V. u. Dass statt Das 

183 „ 1 lies Jungen 

185 „ 9 „ E. V. Herz, Wien 85, 

186 „ 22 „ R. Rosetti, (der 
188 „ 9 „ dann doch 
202 „ 18 „ Alten statt: Oheims 

209 „ 15 „ Vrancea 

210 „ 2 streiche: eines 
212 „ 25 lies Gherea 

214 „ 2 „ (einseitigen) Kritikenband statt: Novellenband 

215 „ 7 „ Chermbach 
215 „ 2 V. u. lies Bucurescht statt: Gem. 
218 „ 3 V. u. lies Vläsia. 



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Inhalt. 



Seite 

Einleitung a 

Erster Zeitraum, ohne vaterländische Färbung . . . . 1& 

I. Wissenschaftliches 16 

II. Zur Dichtkunst 33 

Zweiter Zeitraum, fanariotisch-national 34 

Die Bahnbrecher und die Lage 34 

Die Dichter 45 

Dritter Zeitraum, französisch-national 55 

A Gefühlsdichtung 5& 

B Erzählende Dichtung 88 

C Bühnendichtung 101 

D Lehrdichtung 113 

£ Wissenschaftliches 118 

Vierter Zeltraum, kritisch national, pesimistisch . . • . 13& 

1. Die neue Richtung und ihre Anhänger 136 

A Gefühlsdichtung 140 

B Erzählende Dichtung 168 

C Bühnendichtung 179 

D Lehrdichtung 190 

E Wissenschaftliches . 194 

2. Revista Nouä • . - . * Ü08 

3. Französische Richtung 217 

4. Die Lateiner 222 

5. Die Sozialisten 226 

6. Die Papageipessimisten und andere 22& 

Schlusswort 232 

Schriftstellerverzeichnis 233 

Nachträge und Berichtigungen ....... 238 



Druck von C. ', oUraih in Leipzig. 

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).v 



Nachtrag 

zur 

Geschichte 

des 




von 



W. RUDOW. 



Leipzig 1894. 

(Durch den Buchhandel oder vom Verfasser, ökrös, Bihar, Ungarn, 

für 30 Pfg. oder 18 Kreuzer, auch in deutschen oder ungarischen 

Marken, zu beziehen.) 



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£uczct\a Sludow-Suciu, 



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Sinnspruch : 
Ohnmächtiger Hass erfindet Ungeheuerlichkeiten 
(Hasdeü, Joan Voda. S. 63.) 

Geschichte des rum. Schrifttums bis zur 
Gegenwart. 

Dies soll der Titel des Buches sein — weiter nichts, weil 
Herr Hasdeü, geistreich und gründlich wie immer, behauptet, 
<3a8 „brandenburger X" wäre im ganzen Werke so stumm wie 
der letzte Buchstabe seines Namens. Ich hatte im Schlusswort 
noch bemerkt, dass ich überall das erste und das letzte Wort 
gesprochen — und dies ist Tribuna 9, Nr. 242 ff. von meinem 
Hitarbeiter ausdrücklich bestätigt — ; da jedoch die Seite voll 
war und ich dies für ganz selbstverständlich hielt, dass ich näm- 
lich ein Buch, welches meinen Namen trägt, auch selbst schreibe, 
habe ich die Bemerkung gestrichen, den Titel aber habe ich 
stehenlassen, obgleich meine Frau und Freunde mir voraussagten,... 
dies würde mir das -ganze Gesipp, das der neuen Eichtung feind- 
lich ist, auf den Hals heizen. Ich aber wollte mich nicht mit 
fremder Feder schmücken. 

Hieran wollte ich die Nachträge fügen, meine Gegner keines 
weiteren Wortes würdigend als etwa des Lessing'schen (Vade- 
mecum, Anfang): dass ich mich ihrer wahrhaftig von Grund des 
Herzens schäme, oder einiger ähnlicher aus den „antiquarischen 
Briefen" — aber die deutsche „Wissenschaft" hat sich dazu 
aufgeschwungen, diesen Leuten Gefolgsdienste zu leisten, deshalb 
muss ich, so widerwärtig es mir ist, und zu meinem grösstcn Be* 
•dauern ihnen etwas unter die Nase leuchten. 

Ich rede hier nicht von Tageblättern wie der Tribuna 9, 
Nr. 229 und 244, deren Kritiker ich Nr. 235 habe in die Abc- 
schule schicken müssen, noch von Kindereien wie den „Incercari 
literare", welche im Novemberheft 1892 ein Buch „Geschichte 
der Sprache und des Schrifttums der Humanen von Hans 
Rudow , herausgegeben mit Unterstützung des Bucureschter 
Ministeriums" erwähnen; die folgende „Besprechung" zu lesen 
habe ich mich nicht herabgelassen. Der geneigte Leser wird 
dies begreifen, nachdem er die „wissenschaftliche" Kritik der Ku- 
raänen kennen gelernt haben wird, auf welche ich mich hier 
beschränken will und kann. 



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— VI — 

Zunächst hat Herr J. Yulcan, Mitglied der rumäniBolieii 
Akademie der WissenBchaften in Nr. 42 seiner „Familia'' sicl^ 
geäussert, und zwar hat er nicht einen Irrtum berichtigt, wol 
aber — abgesehen von unerwiesenen Behauptungen — mir zehn 
angedichtet, zum Danke dafür, dass ich mich über ihn so diplo- 
matisch, wenn auch für jeden Einsichtigen verständlich genng;. 
ausgedrückt habe. Sein Haupttrumpf ist, man könne mein Bucb 
nicht ernst nehmen, weil darin blinder Hass gegen das lateinische- 
Volk mit dem Mangel an dichterischem Verständnisse wetteifere. 
Also wenn ich S. 143 in Alecsandris die Lateiner vergöttemdeno* 
und daher von ihnen vergöttertem Gedichte eine Widersinnigkeit- 
entdecke, so ist das Mangel an Verständnis, wenn ich ALs Be- 
hauptung nicht unterschreibe und die Lateiner nicht als die Götter 
der Erde anerkenne, so ist das „blinder Hass". — 0, ich habe 
es ja voraus gesehen (8. 4, 232) nach dem, was mir mehrere Ru- 
mänen geschrieben haben: Wir sind von einer krankhaften Em- 
pfindlichkeit, wir vertragen nicht den geringsten Tadel; unter 
einander dürfen wir uns die Wahrheit sagen, nur das Ausland 
darf nichts davon erfahren, und dergl. — Solche Vaterlandsliebe 
ist ja gewiss sehr schön und erhaben, ebenso die edle Begeisterung 
für die Ahnen ; der Germane aber hatte und hat so wenig Grund 
Eom zu vergöttern wie Tacitus, die Wissenschaft vollends kann, 
auf krankhafte Empfindlichkeit keine Bücksicht nehmen und schert 
sich nicht darum, wenn diese Kranken ihre Unparteilichkeit so übel 
vermerken, dass sie nahezu überschnappen. Ich habe nichta 
Unvorteilhaftes über Bumänen gesagt, was sie selbst nicht hun- 
dertmal schärfer ausgesprochen hätten ; nach ihren Zeitungen sind 
sie alle Toll- oder Zuchthäusler, täglich finden sich darin die 
unflätigsten Schimpfworte und die duftigsten Lügen über ihre 
Gegner, werden die Bum. das zurückgebliebenste Volk genannt 
(Transilvania 1893, Heft I, Gazeta Bucovinei 93, Nr. I, s. Rom. 
Jahrbücher 9,79); selbst üdobescu ruft 3,351: Vgl. 8. 344 ff, 
1,506 und Slavici „Die Rumänen" 25. Wo findet sich der- 
gleichen bei mir? — Nicht nur haben alle deutschen Blätter 
meine Unparteilichkeit anerkannt, die Magyaren sind sogar ausser- 
ordentlich unzufrieden, dass ich die Rumänen nicht nur 
beachtet*), sondern im ganzen so überaus wol wollend — wie 
auch Maiorescu anerkennt — , nie aber ungerecht beurteilt 
habe. Denn auch Slavici a. 0. S. 234 nennt die röm. Herkunft 
wertlos, wie ich S. 38; die Räuberbande S. 38 ist, wenn ich 
nicht sehr irre, ein Ausdruck Mommsens, dem es vermutlich 
ebenso gleich ist, wie mir, was Scheinean dazu sagt. 



*) Wie sehr sie schon dies kränkt, zeigt der halbamtliche „Pesti 
Hirlap", der Sommer 92 noch die Rumänen damit verspottete: Un- 
sere Fetöfi, Jokai u. s. w. kennt die ganze Welt; yon euch weiss sie 
nichts I 



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— VII — 

Ferner findet der neue Münchhausen Scheinean den y^cher papa 
Traian" oft, während ich diesen Ausdruck nur einmal gebraucht 
liabe. Der Spott darin ist übrigens durchaus nicht gegen Traian 
gerichtet, sondern gegen die lateinernden ,,£nker', welche die 
ganze Entwickelung, die das Rumänische lu einer mir so lieben 
und interessanten Sprache gemacht hat, als „yerbrecherische 
JLnderungen'' bezeichnen, die demnach aufgehoben werden müssten, 
^,damit die edle Tochter Italiens wieder in ursprünglichem Glänze 
erstralel" — 

Dass er selbst z. 6. Istor. fil. rom. S. 244 diese Gesellschaft 
als einen Hohn auf alle Wissenschaft bezeichnet, hindert den 
Zwangsarbeiter natürlich nicht, mich zu verdammen, wenn ich mir 
Ähnliches erlaube. 

Auch Slayici sieht S. 231 der „Bumänen'^ in der „ziemlich 
ungebildeten Jugend nur eine Caricatur des edlen klassischen 
Vorbildes." Wie wahr dies gesagt ist, kann nur der ermessen, 
der die Verhältnisse in Ungarn so genau kennt wie ich. Nimmt 
man hierzu die erwähnten Leistungen und die auf sittlichem 
Gebiete entsprechenden der „Trilogie'^ nebst allen ihresgleichen 
— so müsste ich ja ein Herz yon Stein haben, wenn ich 
den edlen Traian gegen solche Nachkommenschaft nicht in 
Schutz nehmen sollte. Unter solchen Umständen dürfte das 
Wort „Difficile est satiram non scribere'' auch mir ein Schutz- 
brief sein. S. noch C. lit. 10, 27, 455 f u. Ähnliches. 

Also ich habe die lautre Wahrheit gesagt : wenn sie zu den 
„Göttern auf Erden" und Hasdetis Behauptung, der rum. Geist 
habe den Osten erobert, nicht stimmt, ist das nicht meine Schuld. 
Wenn seine- Genossen aber hierin Bumänenhass , ^ovinism und 
dgl. sehen, so genüge ihnen, dass sie das nicht umsonst tun, nur 
verlangen sie nicht, dass man ihnen auch noch Glauben schenke. 
Lassen wir also diese „krankhafte Empfindlichkeit'* beiseite. Sie 
ist durch vielfach ungerechte Anfeindung und Geringschätzung — 
welche zu beseitigen dies Buch beitragen soll und schon beige- 
tragen hat — berechtigt; sie ist abzuweisen, wo sie, über die 
erlaubte Selbstbehauptung hinausgehend, Ansprüche erhebt, die 
durch ihr Missvcrhältnis zuden Leistungen zu jener Geringschätzung 
neuen und begründeten Anlass geben. Beschränken wir uns also 
auf die Leistungen, um die es sich hier handelt. 

Wie S. 55 erwähnt ist, hat Herr Vulcan Ostern 92 seine 
akademische Antrittsrede gehalten. Sie konnte jedoch erst nach 
anderthalb Jahren erscheinen, „weil der Verfasser noch einige 
Änderungen daran vornehmen musste", wie die Akadeipie sich 
in ihrem diesjährigen Berichte ausdrückt. In Wirklichkeit fand 
die Akademie, dass die Behauptungen des Herrn Vulcan zwar 
schön, doch leider unbewiesen seien. Dies kam ihm so unerwartet^ 
dass er im Banat Haus bei Haus ging, um Gründe für seine An- 



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— VIII — 

trittsrede — seine erste und hoflfentlich letzte „wissensohaftliche'' 
Leistung — zu sammeln. Das ist meine „Unwissenheit des ersten 
besten** (s. Scheinean)! 

Wünscht man die Beweise zu sehen? Sie stehen jedermann 
zu Diensten ; es giebt ja zum Glück unter den Humanen 
auch anständige Leute, und diese haben mir Gerechtigkeit wider- 
fahren lassen, gegenüber denjenigen, welche die öflPentliche Mei- 
nung über mich gemacht haben. 

Aber es kam noch besser in der „Trilogie" der liberalen 
„Revißta Nouä'*, Jahrgang 5, Nr. 6 und 7. 

Das erste Drama enthält nach 20, sage und schreibe zwanzig, 
(Tribuna 9, Nr. 284 nachgewiesenen) Unwahrheiten eine Berich- 
tigung. Ein Beispiel: Ich hätte „statt einer unverdauten voll- 
ständigen Namensamralung der kirchlichen Übersetzungen die 
beiden wichtigsten Werke hervorheben sollen." Nun habe ich 
S. 19 ausser den elf sprachlich wichtigen Überbleibseln aus 
dem 16. Jahrhundert gerade nur die beiden gewünschten Werke, 
nicht bloss genannt, sondern auch kurz gekennzeichnet, die übrigen 
späteren alle fortgelassen. — Dann der 8pott über meine (an- 
derswo grundlos vermieste) „deutsche Gründlichkeit^', dass ich 
auch Monat und Tag wichtiger Ereignisse angebe, „es fehlen nur 
die Stunden". Irrtümer fänden sich auf jeder Seite; statt 240 
bringt Seh. 3 bei, von denen mir nur der erste zur Last fallt. 
Und der... schreit, ich gefährde die deutsche Wissenschaft, 
ich sei ein dummer Junge, voll internationalen Hasses, er ver- 
teidige die Ehre der rum. Wissenschaft, er will meinen Anmassun- 
gen ein Ende machen, er zieht meine Rechtlichkeit in Zweifel! 

Der Grund dieses Verfahrens, dem man wenigstens Kühn- 
heit nicht absprechen kann, ist der, dass „patriotische*' Bukure- 
ßchter Blätter Herrn Scheinean wegen eines Ausspruchs in welt- 
bürgerlichem Sinne mit Verlust seiner Lehrerstellung gedroht 
haben. Daher der Eifer für das Vaterland! 

Aher gegen den Fortsetzer Gion sind auch die bisherigen 
•noch Muster von Wissen seh aftlichkeit. Indessen so geistvoll er 
auch sein Bukurescht Europa gleich setzt und gar vorgiebt, 
(Humboldt habe diese Schlauheit begangen, fehlt es doch hier an 
Baum dgl. Genialitäten zu würdigen. Eine Probe glaube ich 
dem Leser jedoch auch hier schuldig zu sein : „Seine Unwissen- 
heit hindert den wunderbaren Schriftsteller nicht S. 38 zu 
orakeln, dass J. Väcarescus Sprache fanariotisch klinge; während 
Jeder Schulbube — in Eumänien versteht sich — . . das Gegen- 
teil weiss." 

Der geneigte Leser kann sich nun leicht überzeugen, dass 
ich S. 33 über J. Väcärescu, S. 34 über die fanariotische Sprache 
A. Väcarescus geredet habe. Was macht das unserm „wunder- 



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— IX — 

baren" Kritiker: Auf einer Seite liest er Jenakitza, auf der andern 
Fanariot — und fertig ist J. der Fanariot. 

Wenn unser »^Kritiker'* dann fortfahrt: In diesem Hans- 
wurst-Tone ist das ganze Buch gehalten, so möge der Leser ent- 
scheiden, wer der Hanswurst ist, ich, oder Gion, der S. 17 f. 
herausliest, die kalvin. Katechismen hätten nach mir in den 
Humanen des 16. Jahrhunderts Deutschenhass gesät. 

„Herr Eudow sagt es, und Herr R. irrt nicht. Wo und 
woher dieser Hass?'* — Wo? S. S. 137, 142 f. 181. Also 
umgekehrt, wie Herr Oion meint, nicht sein und manches 
<s. S. 18) seiner Landsgenossen Deutschenhass ist ein Märchen, 
«ondem der Franzoscnhass, den er in meinem Buche findet und 
mit zahllosen „Hanswurst"- Titeln und noch feineren Ausdrücken 
zu beweisen meint Ich habe lange nicht so scharfe Worte 
gebraucht wie z. B. Virchow und Bastian über „La race prussienne**, 
Zeitschrift für Ethnologie, 4, S. 45 ff., 304, 318 und sonst; ich 
habe nicht einmal, wie Bastian 8. 323 fordert, die Ausfälle fran- 
zosenschwärmender Tahitier — wollte sagen Rumänen, was nach 
Arhiva 1,745 dasselbe — deshalb abgewiesen, um DEUTSCH- 
LANDS Ehre zu schützen, sondern nur zu Ehren der geschädigten 
Wahrheit, um die es mir einzig zu tun war und ist. 

Lassen wir also H. Gion; er hat, wie z. B. Conv. lit. 28, 
536 ff. und Tribuna 10, Nr. 12 f. bis zum Überdruss erwiesen 
isty von seinen Vorbildern und Weisheitsquellen, den Pariser 
Panamahelden viel zu viel Wahrheitsliebe, Anstand und dgl. 
I^elernt, als dass ein Deutscher sich mit ihm messen könnte; 
ausserdem : Kutya ugatäs nem hallgatszik mennyorszagban. 
Im Gegenteil, ich gestehe ihm sogar den Namen des rumänischen 
Salomo zu ; der Unterschied ist nur der , dass der alte Salomo 
alles kannte, von der Zeder Libanons bis zum Ysop an der Wand, 
ohne darüber zu schreiben, während der neue über alles schreibt, 
ohne etwas davon zu verstehen. 

Und dennoch, dennoch wird auch er noch übertroffen, an 
— sagen wir Edelsinn. Dies hat sich der Professor und Aka- 
demiker Hasdeü vorbehalten, der als oberster Leiter des Blattes 
zugleich für alles Bisherige verantwortlich ist, denn die beiden 
sind nur seine Leibhunde. Dieser Bitter des Geistes beginnt mit : 
Und Esau verkaufte Jakob seine Erstgeburt um ein Linsengericht, 
was so erklärt wird : Rudow hat für die Unterstützung des 
Ministeriums Jakob Negruzzi mit seinem (Rudows) Buche nach 
Belieben schalten lassen. 

Ich habe darauf nur zu erwidern, dass ich von Bukurescht 
Geld, um dies Buch schreiben oder drucken zu können, weder 
erbeten noch bekommen , selbst auf das , was mir zustand, 
verzichtet habe. Dagegen habe ich dem Buche vier der 
besten Jahre meines Lebens und etwa 1500 Mark bar geopfert, 



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— X — 

ja mein Vaterland verlassen, um ein dort unbekanntes Volk 
gründlich kennen zu lernen. Ich hätte mit dem Buche ein glän- 
zendes Geschäft machen können *), wenn ich den ,,Enkeln Traians'* 
im geringsten geschmeichelt oder auch nur ihre Fehler ver- 
schwiegen hätte. Ich wollte jedoch der Wahrheit und nur ihr 
dienen; und dass ich das getan, dafür giebt es kein bessere» 
Zeugnis als diese ,,Kritiken." Ich lasse also Herrn Hasdeü gern 
das Vergnügen „die deutsche Wissenschaft gegen mich in Schulz 
zu nehmen'* und auf mich wie die neue Bichtung **) zu schimpfen. 
Erstens bestätigt er so aufs neue — wenn es dessen noch be- 
durfte — , dass gekränkte Eitelkeit und Hass gegen diesen seinen 
wissenschaftlichen, politischen und sittlichen Gegenpol (denn eine 
Leistung wie seine „Trilogie'' soll er mir dort erst zeigen) die 
Beweggründe seiner eigenen „Wissenschaft'' sind; und zweitens 
weilt er ja für gewöhnlich in der vierten Dimension, wohin 
unsereins ihm nicht folgen kann. So selbst nach Odobescu, Fam. 
29, Nr. 24. 

Dagegen muss ich noch seine Nachschrift berühren. Er 
findet hier zunächst ein ,.bedenkliches Geheimnis" darin, dass 
Herr Negruzzi erklärt, er habe mein Buch nicht durchgesehen. 
Ich frage hier nicht: Sollte Herr H. „bedenkliche Geheimnisse'^ 
nicht näher finden? Hätte er nicht Grund eher jemand anders 
zur Verantwortung zu ziehen als mich, oder mit sittlicher Ent- 
rüstung zu verlangen, dass Herr Negruzzi mich vor Kaiser und 
Eeich zur Bede stellen solle? Herr N. hat dies nicht getan und 
wird es nicht tun, denn meine Angabe, dass er das Buch durch- 
gesehen, beruht teils auf einem Tribuna 9, Nr. 235 auseinander- 
gesetzten Versehen von ihm; teils und besonders darauf, dass er 
den ihm übersandten Probeabdruck des Titelblattes nicht erhal- 
ten hat. Ausserdem habe ich einen Brief des damaligen Kultus- 
ministers, worin ich aufgefordert werde mein Werk Herrn 
Negruzzi zu senden. 

Herr Hasdeü, der Kitter zwar nicht ohne Tadel, doch ebne 
Furcht, statt vor allen Dingen seine Verdächtigung zurückzuneh- 
men, nachdem ihre Grundlosigkeit nachgewiesen war, richtet an 
meine Adresse „Skandal", „eine internationale Infamie sonder- 
gleichen" u. s. w. — Völlig unberührt durch diese Auslassungen 
aus — der vierten Dimension, frage ich nur: Wie nennt man 
sein Verfahren mir gegenüber? — 

Das Wort liegt nahe, wir Deutschen aber sind bekanntlich 
höflich 9 höflich bis zu der letzten Galgensprosse. Und so lasse 
ich sie stehen: den Juden, den Judenfresser und Nr. 3, über 
den Hasdeü, in den Annalen der rum. Akademie II, Bd. 7, S. 183 

♦) Übrigens ist es auch so durch ganz Europa verbreitet. 
**) Ihr gegenüber stellt er sich und die Seinen in dem Vortrage 
„Wir und ihrl*' als Vorkämpfer für alles Hohe und Edle hin. Erl 



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— XI — 

urteilt : ,yGion kann ein grosser Geschichtsschreiber werden, wenn 
er erst einmal anfangen wird zu arbeiten, wie's sich gehört/' Be* 
denkt man dies, so kann man nicht umhin Herrn Slayici in seinem 
urteil über dies Kleeblatt beizustimmen: dass nämlich Schei- 
nean nicht aus blosser Wahrheitsliebe für Hasdeü ge^ 
schrieben, dass Gion ebenfalls nur aus sehr triftigen Gründen 
über mein Buch (dessen Sprache er nicht versteht) geurteilt habe, 
dass endlich Hasdeü yiel zu hoch stehe, um sich mit einem ßudow 
einzulassen. — Wie dies gemeint ist, zeigt die „Zeitschrift für 
roman. Philologie", 17,374 £P., wonach auch Hasdeü noch yielerlei 
von mir lernen kann. 

Wollen er und seinesgleichen dies nicht glauben, auch gut : 
n n y a pire sot que qui ne yeut apprendre 

Da übrigens Slayici, der mit Becht beliebteste Schriftsteller 
der Bumänen, bisher noch immer der einzige ist, welcher sich 
öffentlich auf meine Seite gestellt hat, will ich aus Tribuna 9, 
Nr. 268 noch einige seiner Worte hersetzen: 

„Herr K. ist ein Deutscher, der rumänisch gelernt hat und 
unser Schrifttum kennt; er ist aber noch nicht dahin gelangt, 
seine rum. Zeitgenossen zu kennen. . . . Ich habe sein Ruch nicht 
gelesen *), kann mich also nicht darüber äussern ; ich kenne aber 
meine rum. Zeitgenossen hinlänglich, um aus der „Trilogie'' zu 
ersehen, dass diese nicht gegen H. B. gerichtet ist 

H. B. hat nach bestem Wissen gearbeitet, bat sich bemüht 
unparteiisch zu sein, ist es auch nach Möglichkeit gewesen, und 
hat dann das Buch H. Negruzzi zur Durchsicht geschickt. H. 
Negruzzi ist aber kein deutscher Schriftsteller, sondern ein 
rumänischer, also sehr beschäftigt, er wird also bei allem Wol< 
wollen nicht die Zeit gehabt haben das Buch zu lesen. 

Die Wahrheit ist: im Buche finden sich einige Ungenauig- 
keiten, einige für die Bumänen yerdriessliche Wahrheiten und 
einige yielleicht übertriebene Lobsprüche für die Führer der 
„Neuen Richtung". .... 

Aber nicht das hat Herrn Hasdeü bewogen die Herren 
Scheinean und Gion zur Zwangsarbeit zu yerurteilen, sondern 
der Wunsch, einen neuen Eeldzug gegen die „Junimisten" zu 
eröffnen, mit denen er sich mal wieder in den Haaren liegt. 

Herrn B.'s Buch ist also nur der Sack des Esels, der Prügel 
bekommt. 

So musste es kommen! Warum beschäftigt sich Herr B. 
auch mit unsern literarischen Grössen? Pack schlägt sich, Pack 
yerträgt sich. — Aber Herr Budow ist jung und wird aus diesen 
Erlebnissen wenigstens eine gute Lehre ziehen . . . ." 

*) Ich habe es noch 92 Herrn Sl. geschickt und ihn gebeten, falls 
er an seinem Urteile etwas zu ändern hätte, mir dies mitzuteilen, habe 
aber im Laufe eines Jahres nichts erhalten. 



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- XII — 

Brieflich oder mir persönlich gegenüber haben sich viele 
. der angesehensten Männer in gleichem Sinne geäussert Weitere 
Nachweise ron Irrtümern sind jedoch kaum zn erwarten, wenigstens 
habe ich wiederholt gebeten sie mir mitzuteilen. Insbesondere 
ist natürlich die Firma Hasdevi wiederholt öffentlich und unmittel- 
bar aufgefordert wenigstens noch einen der ^»unzähligen'' Irr- 
türoer beizubringen, von welchen die nachgewiesenen nur Proben 
sein sollten — vergeblich. 

Ebenso habe ich auf die vor dem Druck des Buches an 
Herrn Hasdeü und Soheinean gerichteten Anfragen keine Ant- 
wort bekommen. Sie durften sich doch das Vergnügen nicht 
entgehen lassen mir bei jedem von ihnen einen Irrtum nachzu- 
weisen, so dass Seh. nur 10 mal so viel erlogen als wirklich 
gefunden hat! 

Das rum. Sprichwort sagt: Nach der Schlacht giebt's viele 
Helden. Wenn auch deutsche Professoren diesen Mut zeigen, 
so braucht der, welcher die Schlacht geschlagen, sie am wenigsten 
darum zu beneiden. — 

Mit der mm. „Kritik" wäre ich also fertig; ich gebe zum 
Schluss nur noch eine kleine Statistik und füge daran die einzige 
mir vor Augen gekommene ungarische, die des Professors L. 
Rethy*) in den Pester Szäzadok 1893, Heft 1. Weiter kann ich 
diese nicht berücksichtigen, denn statt irgend einen Grund anzu- 
führen, — , spottet und schimpft der Edle nur; insbesondere 
verrät er ebenso viel Ärger darüber, dass ich in zweifelhaften 
Punkten nicht die magyarischen Ansichten verfochten habe, wie 
die rumänischen Chauvinisten, dass ich mich nicht auf ihre Seite 
gestellt; leide sind daher wissenschaftlich wertlos. 

Mir haben nachgewiesen: 

Scheinean 3 Fehler, angedichtet 30 

(Jion 3 „ „ 27 

Hasdeu, Akademiker „ „ 17 

Vulcan „ „ „ 10 

Rethy „ „ „ 30 

eingerechnet sittliche Fehler und vereinzelte andere Unwahrheiten, 

aber abgesehen von unerwiesenen Behauptungen , die sich noch 

bei allen finden. 

Man sieht, die beiden „Kulturträ^jer des Ostens", wollte 
sagen, der rumänische Jude und der ungarische Deutsche sind 
einander in dieser Hinsicht ganz würdig. — Weiter habe ich 
nichts zu bemerken: diese Zahlen reden eine Sprache, vor wel- 
cher die ehrenrührigsten Ausdrücke yerblassen. Die Wissen- 
schaft wird unbekümmert um das (»eschrei aus den Isolierzellen 
hüben und drüben den jetzt gebahnten Weg gehen; sie wird 

•) Geborener Deutscher, wie die meisten gelehrten Ungarn. 

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— XIII — 

ilixi mit der Zeit Terbessern, sie wird ihm indessen keine 
andere Eichtung geben. 

Vorläufig freilich scheint es nicht so, wenigstens in Deutsch- 
land. Die Zeitungen allerdings haben dies Werk durchweg ebenso 
Avarm anerkannt wie meine früheren; ich nehme also gern die 
Harten Worte von S. 232 zurück, nachdem ich auf eine Menge 
ehrenvoller Besprechungen, die mich nicht erreicht haben, auf- 
merksam gemacht bin. Dagegen hat Herr Prof. Gärtner 8. 13 
der Deutschen Literaturzeitung am Buche „nichts weiter zu loben 
als Sprachkenntnis, dichterisches Verständnis und Übersetzerbe- 
gabung." 

Der geneigte Leser fragt nun wol mit mir, ob diese Eigen- 
sohaiten so häufig sind (zumal in Deutschland), und was eigentlich 
ureiter dazu gehört? Warte: „Im übrigen ist sein hervorstechend- 
stes Merkmal die Flüchtigkeit, sie verrät sich auch äusserlich 
dhrch die vielen Druckfehler." . . . .• 

Giebt es etwas Lächerlicheres ? Der Herr Professor zieht in 
voller Küstung gegen den Druckfehler zu Felde, und während 
er gewaltig zuhaut, tanzt ihm das verd — Teufelchen auf der 
gelehrten Nase herum ! Aber die Sache hat auch ihre sehr ernste 
Seite. Erstens muss ich mich wahrlich fragen: Ist das der 
Dank dafür, dass ich mir bei dem Buche die Augen zerlesen 
und daher manche Durchsicht sbogen nur mit Mühe und Schmer- 
zen nachsehen konnte! Zweitens heisst es nämlich weiter: „und 
durch die recht nachlässige Sprache des Buches." — Wo? Ich 
habe in dem Blatte den Nachweis gefordert und die Zusicherung 
erhalten, meine Erwiderung sollte aufgenommen werden. Bis 
heute aber ist der k. k. Professor mir den Beweis schuldig 
geblieben, er hat sich also — doch ich will nicht richten, nur 
berichten, dass er fortfährt: „Wieviel darin auch Sachliches ver- 
fehlt ist, hat schon die „Trilogie" gelehrt.'* Entweder hat der 
Herr Prof. die Trilogie nicht gekannt — und wie durfte er dann 
mit der erhabenen Miene eines Sachverständigen orakeln? oder 
aber, er hat sie gekannt — und dann um so schlimmer für ihn ! 
Ausserdem ist mir nur die Besprechung des Liter. Central- 
blattes, 1893, S. 454 zu Gesicht gekommen. Auch hier habe 
ich Beweise verlangt für die Ausdrücke; „ganz dilettantenhaft, 
oberflächlich und ohne genügende Kenntnis, Üngenauigkeiten, 
mangelhafte Kenntnis*) selbst des Rumänischen." Ich habe er- 
wähnt, dass S. 18 *) aus C. lit. entnommen und die Ansicht aller 



*) Inbezug hiepauf erwidere ich allen jüdischen und christlichen 
Unverfrorenheiten : Ich habe Rumänisch 188B gelernt, mich stets damit 
beschäftigt, spreche es seit zwei Jahren fast ausschliesslich, also ganz 
geläufig, wie alle Rumänen mir bestätigen. Ich bin ferner (was meine 
Bescheidenheit mich S. 206 auszusprechen abhielt) der einzige, der alle 
beim Rumänischen inbetracht kommenden Sprachen versteht. 



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— XLV — 

Kenner ist. — Vergeblich, Herr Prof. Zarncke hat sich ge- 
weigert diese Aufforderung aufzunehmen und also . . . Wer ist 
denn der Wagehals, der die Sache besser ycrstehn will als ich ? 
Heraus damit! Brieflich haben endlich Herr Prof. S. und die 
Facultät zu ... . das Buch yerurteilt; als ich aber nach Grün- 
den fragte, schwiegen sie ebenso tapfer wie die Oenannten. 

Das also ist die berühmte deutsche Wissenschaft, dass jeder 
Qrüne ein Werk, welches in Deutschland wiederholt versacht, 
jedoch als undurchführbar aufgegeben ist,*) herunterreissen 
darf? Und zwar auf Grund des Urteils eines Seelenkäufers, der 
nicht ausreichend, und zweier „Zwangsarbeiter", deren einer noch 
weniger deutsch versteht? Ich kann es nicht glauben, gebe 
daher die Sache der Zukunft anheim und begnüge mich festzu- 
stellen, dass bis jetzt, nach Verlauf von anderthalb Jahren, kein 
Nichtrumäne imstande gewesen ist über das Buch zu urteilen. 
Dies haben mir übrigens angesehene Gelehrte brieflich bestätigt, 
indem sie erklärten viel aus meinem Werke zu lernen u. dgl. 
Solche Worte von Leuten, welche selbst etwas geleistet haben 
und daher fähig sind fremdes Verdienst anzuerkennen, sind für 
mich eine mehr als ausreichende Entschädigung gegenüber der 
Göpeltier Weisheit, die nichts von dem wissen will, was ausser- 
halb ihres engen Kreises liegt. 

Vorstehendes \7ar längst gesetzt, ich wartete nur noch auf 
die eben erwähnte Auskunft, da kommt mir Philippides Bespre- 
chung im Literaturblatt für germ. und rom. Philologie 14, 399 
vor Augen. Es ist mir eine angenehme Pflicht, ihm und Herrn 
Prof. Neumann dafür zu danken, dass sie meinen in Berlin, 
Leipzig, Budapest, Bukarest und andern Nestern stark erschüt- 
terten Glauben an die Wissenschaft wieder befestigt haben. 

Denn während man bisher nicht einmal das gute Papier 
des Buches gelobt hat — ich bin so unbescheiden zu gestehen, 

•) Diese Schwierigkeiten sind selbst für die Rumänen so gross, 
„dass der Gegenstand bisher nur unwissenschaftlich behandelt ist. £s 
fehlen fast alle nötigen Vorarbeiten*', wie Scheinean sagt: Ist. fllol. rem. 
375. Nach Arhiva 2,36ö fehlen selbst die Quellen: Die Werke smd 
so zerstreut, unsere Büchereien sind so arm; man weiss nicht, in wel- 
chem Buche sich etwas findet; und wenn man das Buch kennt, weiss 
man nicht, wo es ist. Auf diesem Gebiete ist noch fast alles zu ton. 

Wenn das in Jassi gesagt wird, was soll ich, auf dem Lande, sagen? 
So ist es kein Wunder, dass ich die mit der leidigen Politik und son- 
stigen Dingen „zu sehr beschäftigten'* rum. Gelehrten ein volles Jahr 
lang habe fragen müssen, ehe ich gewiss erfuhr, dass ich in den meisten 
Fällen gegen Scheinean u. a. , die alle Hilfsmittel zur Hand haben, 
Becht hatte. 

Hiermit bitte ich das späte Erscheinen dieser Blätter zu entschul- 
digen, aus ähnlichen Gründen die Nebeneinanderstellung der beiden 
Bilder. Die Stöcke gehören mir; gern hätte ich mehr benutzt, aber 
nach langen Irrfahrten von Sotschek an Haimann und dann von Hai- 
mann an Sotschek verwiesen, wurde ich es überdrüssig. 



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— XV — 

dass dies das Mindestmass meiner Erwartungen war — erfüllt 
Herr Phil, meine kühnsten Hoffnungen, indem er die Beherr* 
scliiiDg und Durchdringung des Stoffes anerkennt, wie sie sich 
in der Einteilung kund gebe. Diese nämlich muss nach meiner 
nniDassgeblichen Meinung das Hauptziel eines solchen Buches 
sein. Ein derartiges Urteil freut mich um so mehr, als Phil. 
unter meinen Vorgängern bei weitem der tüchtigste ist. In an- 
betracht dessen scheinen seine Worte, dass ich unter Blinden 
(meinen Vorgängern) als Einäugiger leicht König sein hätte, gar 
zn bescheiden. Meine Arbeit würde gewiss viel genauer gewor- 
den sein, wenn sie nicht grade dort erst eigentlich anfinge, wo 
die seinige aufhört, nämlich mit den ersten selbständigen Eegun- 
gen des rumänischen Nationalgeistes. 

Denn über das Frühere, worunter allein die Chroniken nach 
Tocilescu noch die Arbeit eines ganzen Menschenalters erfordern, 
konnte ich auf 1 — 2 Bogen so gut wie nichts neues sagen. 
Nach Scheineanu habe ich noch viel zu viel gesagt; nach dem 
Wegelagerer des „Lit. Centralblattes" dagegen viel zu wenig. 
Ich lasse also die beiden Löwen nach bekanntem Beispiel ein- 
ander auffressen, spaziere wolgemut über die übrig gebliebenen 
Wedel hinweg, gebe aber Phil, vollkommen recht, wenn er diesen 
Teil für den schwächsten (weil unselbständigsten) erklärt. Hier 
wollte und konnte ich eben nichts anderes als die Vorarbeiten 
wiedergeben, unter denen die Densuschans als die übersichtlichste 
und geeignetste anerkannt ist. Dass ich jedoch auch das übrige 
und sogar die Chroniken selbst gelesen, erweisen zahlreiche 
Stellen, und wer Genaueres wünscht, findet es nachgewiesen. 

Inbezug auf die weiteren Einzelheiten Philippides bemerke 
ich folgendes: 

Die Irrtümer betr. Nifon, Simeon und Misail (s. u.) fallen 
nicht „mir speziell zur Last'\ sondern eben meinen Vorgängern, 
letztere obendrein den (bildlich gemeinten) Worten M. Costins 
selbst. Ebenso bringt Densuschan 182 für die lückenhaften 
Kenntnisse D. Cantemirs (s. S. 30) Beweise, die sich allerdings 
mehr auf Siebenbürgen beziehen. 

„Die Bibliographie ist äusserst ungenügend, so dass sie 
besser ganz fortgeblieben wäre". Wieso? Man könnte zehn 
Bände wie meinen mit rumän. Büchertiteln füllen; ich aber 
muBste mich beschränken, habe jedoch für Liebhaber das Fehlende, 
soweit es irgend zweckmässig schien, schon lange ergänzt» obgleich 
ich nach Scheineanu u. a. schon zu viel erwähnt habe.*) 



*) Die Akademie will ja nächstens eine vollständige Bum&n. Bücher- 
knnde herausgeben, nebenbei gesagt, auch dem stummen ü eine ent- 
scheidende Schlacht liefern Hoffentlich gelingt es ihr, den Gegner, 
mit dem sie sich fast ein Menschenalter nerumgeschlagen, endlich zu 
tlberwinden. 



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— XVI — 

Doch gesteht Phil, selbst, alles dies seien kleinere Einwen- 
dungen ; wir kommen also nun zu seinen ,, wichtigeren Bemerkungen^'. 

1. R. hat mehreres nicht verstanden, so meine Slavici mit dem 
„Verlorenen Leben*' nicht das Sevastas, sondern das ihres Yaterft, 

Möglich, doch überlasse ich dem Leser die Entscheidung, ob 
eher das Leben der Tochter, die sich 29 jährig, kinderlos, äua 
Liebesgram tötet, als verloren zu bezeichnen ist, oder das de& 
Vaters, der mit 72 Jahren noch rüstig genug ist, nach Sieben- 
bürgen heimzukehren. Ich glaube, der Schatz seines Lebens, 
den der Alte beim Anblick des Unglücks der Tochter zerbröckeln 
sieht, bezeichnet eben die Tochter, nicht sein Leben. 

Ebenso habe ich im „Verlorenen Briefe" nicht nur zugegeben^ 
dass es sich um zwei Briefe handeln könnte, sondern sogar eine 
Stelle dafür (wie eine dagegen) angeführt. Um Kaum zu sparen» 
habe ich die weitere Begründung meines Zweifels gestrichen: 
„dieses ohnehin keineswegs neue Mittel in einem Stücke zweimal 
anzuwenden, wäre etwas zu viel, auch widerspricht dem die 
Überschrift. Dazu ist oder stellt sich Dandanake so überaus 
einfältig, dass selbst Zoe nicht aus ihm klug wird (s. S. 239: 
Er ist rein von Sinnen). Wie sollen andere aus ihm klug 
werden ?" Caragiale hat also die ün Wahrscheinlichkeit nicht ge- 
scheut: es sind 2 Briefe verloren, der zweite vom Minister. Aber 
warum sagt Caragiale das nicht, sondern lässt Dandanake be- 
ständig von seiner „hohen Person" faseln? Ich bin kein Freund 
von halben Worten und den Verkehr mit solchen Schafsköpfen 
wie Dandanake nicht gewohnt. 

Die S 193 unteu übersetzten Zeilen endlich stellen kei- 
neswegs „die Sache auf den Kopf", sondern sa^ien ganz dasselbe 
wie Emineacu, nur in andern Worten, wie das in Versen — 
in guten, verbteht sich — nicht anders möglich ist. 

2. R. hätte sich der ästhetischen Wert bestimmun gen ent- 
halten müssen. — Ich glaube vielmehr, dass dies die zweite 
Hauptaufgabe eines «solchen Buches ist. Denn um die geistigen 
Strömungen festzustellen, muss man doch erst ihre Bestandteile,, 
die Werke, nach Wert und Richtung bestimmen. 

Die Bestimmung '. des Wertes hängt freilich vom Geschmack 
ab; es fmgt sich aber noch, welcher besser ist, denn wenn „wir 
Rumänen nichts weniger genössen als „Dan Capitan", wie PhiL 
meint, würde Pompiliu die Dichtung nicht in seine anerkannt muster* 
hafte Antologie aufgenommen haben, umgekehrt soll ich Car^ 
lovä (Cärloavä spricht man hier nicht) zu hart mitgenommen 
haben. Man lese aber nur den Anfang seines „Marsches" und 
weiterhin Stellen wie: Auch Männlichkeit und Tugend finden 
sich hier — ; so wird man das Wort „nüchtern" gerechtfertigt 
finden. Bei Filimons Ciocoii hätte ich allerdings aperkennen. 



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— XVII — 

sollen, das8 sie der erste wirkliche, yiell^cht sogar noch der 
beste Sittenroman der RumäDen sind. 

Warum femer y,die blonde Königin der Nacht'' geschmack- 
los ist? Weil es im Märchen gebraucht wird, wie ausdrücklich 
da steht. Oder hat man im wirklichen Märchen je dergl. gesehen? 
Ich nicht. ' 

Dagegen hat Herr Phil, yollkommen recht darin , dass ich 
mich über Petrino und andere Pessimisten höflicher hätte aus- 
drucken können. Aber die kann ein so hart gesottener Optimist, 
^ie ich trotz der überzeugendsten Erfahrungen noch immer bin, 
sieht verdauen. Hätte Phil, mir nicht erwiesen, dass auch ich mal 
einen anstädigen Beurteiler finden kann, wäre ich zu Neujahr 
-vielleicht Pessimist geworden; so aber werde ich mir es noch 
überlegen. Irgend einen Standpunkt muss man doch haben, 
und ich verfechte meinen noch lange nicht so — nachdrücklich 
wie etwa J. Scherr. 

3. Der Stil lässt viel zu wünschen. Die fünf dafür an- 
geführten Stellen beruhen aber alle auf Druckfehlem, und die 
allerdings (gegen Ende) häufigen Abkürzungen rühren daher, dass 
ich schliesslich doch noch einen namhaften Teil des vollendeten 
Werkes streichen musste. Ich habe also noch fast ein Jahr da- 
mit verbracht , diesen wie andere Mängel zu beseitigen, und hofEe, 
dass mir das nunmehr leidlich gelungen ist. Von den Besserun- 
gen am Ende trifft die zu S. 30 nicht zu ; 31 war schon be- 
richtigt, ebenso 215, wo ich Bianu mit Sbiera verwechselt habe. 



Ich bitte also noch folgendes zu berichtigen: 

Seite 6, Z. 19 ff lies: Schule (wahrscheinlich nur elementar) , G. lit. 19, 

785. Die Schule Despots wird ebd. protestantisch genannt; die 

Vas. Lupuls war nichts weniger als rumänisch. 
„ 7, Z. 13 lies: gheni statt cordat, das nach Z. 1 verdruckt ist, wie 
„ die unten angeführten Stellen beweisen. (Gion). 
„ 14, Z. 20 lies: eccusic, 23: insa. 
„ 17, Z. 4 erg.: Dieses Aufdrängen wird von Xenopol nach 0. lit. 

19, 786 bestritten, wenigstensist grade Asaki von Ealimach gefördert. 
„ 21, Z. 3f und 33. Nach Conv. 1. 15, 480 sind die ältesten (echten) 

Urkunden von 1560, die früheren unecht (Philippide). 
„ 25, Z. 28ff Gavril hat griechisch geschrieben. • 
„ 26, Z. 6 V. u. streiche Sohn und. 

„ 27, Z. 1 streiche Eußtraties . . . scheint), s. Phil. Z. 20 lies: P&rvu. 
„ 29, Z. 19 lies: wie statt von. Z. 25: Er (Cogäln.) 
„ 30, Z. 22 lies: Setzung dieser und 31, 3: Papiu. 
„ 32, Z. 8 nach Phil.: Canta; alle andern haben Gänta. 
„ 33, Z. 9 lies: 1794, statt 1894, wie selbstverständlich; der Türkei 

statt: Stambul. Z. 2 lies: jedoch 1763 . . . 
„ 34, Z. 3f lies: trösteten seine Söhne A. u. Nie. 



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L 



^|B^e 35, Z. 7 Y. u. lies : kalvinischen sta^t : katolischen, wie S. 17, 4i^ 

angefahrten Stellen und die Niederschrift beweisen Ein guteir 

. Freund, der mir bei der Durchsicht half, oder ein Setzer muss die 

> ^ . A«nderung vorgenommen haben, und ich habe sie, im schlimmstem 

, j^_ Falle, übersehen. Als persönlicher Bekannter des Urenkels eiasB 

- ' der letzten Wojewoden,. des k. k. Kammerherm v. Barcsay, werd^ 

ich ja wohl wissen, welchem Bekenntnisse sein Haus angehört. 
^ 36, Z. 4 y. u. lies: Versprechungen der Jesuiten, welche ron 
I ,^ Wiea ausgesandt wurden, diesen reformierenden Bestrebungen 
., r Entgegenzuwirken, Hess .... 
^', 37, zT 2 V u. lies : 5 statt 7. 
' ,j 39, Z. 23 lies: §inca (Sinka) 

• ^ .42^ Z. 7 f. Sp. neam. sind nach Jarcu, Bibliografia 1873, S. 28 Ton 
i .,: :J.. N. Moldovan. 

. > J4^, Z. 2^ lies: Baour-LormifM^S Briefe H an Abälard EonaJd, -- 
^ ^die einzig mögliche üebersetzung nach der angefahrten Stelle: 
' traduse din B.Lormian, de Conachi. Nach C. lit. 19, 941 hatKonaki 
''• ' Oolmrdeau äbersetzt, wie Essay on man <S. 48, Z. 13) nachDelille. 
Ein unsaubererer Finger hat das s hinter Lormian TöUig ver- 
wischt, so dass es dem betzer nicht zu verübeln ist, wenn er das 
nach der üblichen Ausdrucksweise zu erwartende „die** herauslas. 
Herr Dr. Diaconovich in Hermannstadt hat sich hiervon wie 
vom „kalvinischen** S. 35 überzeugt und ich gestatte jedem dasselbe. 
Wer noch nicht genug gelesen hat, um die Möglichkeit eines 
Druckfehlers zu glauben, welcher einen andern Sinn ergiebt als 
den beabsichtigten, der lese das Buch, womit ich mich eben be- 
schäftige, „Deutschland nach Osten** II. 1. Tefl von P. Dehi^ 
Uerliri und Leipzig 1890: CXXIV, Z. 26 steht: zurückwies. Ent- 
weder fehlt da ein j,nicht," oder es muss helssen: zuliess, wie der 
Sinn es fordert. 
„ 45, Z. 1: Bucschänescu. 
„ 46, Z. 7 lies : 1802 (nach C. 1. 19, 927 1803). 
„ 48, Z. 26 lies: 1786 statt: gegen 1800. 

„ 49, Z. 22 f. sollen nach Gion auf einem Irrtum Densu^ians be- 
ruhen. Nach Xenopol nicht wahr. 
,, 51, Z. 11 lies; Alecsandri i). 
„ 51, Z. 18 lies: 1800. 

„ 52, Z. 5 V. u. lies : 1808 gedruckt, 1815 das . . . 
i^ 53, Z. 8 lies: 1800. S. 54, Z. 9 v. u. lies: geboren 1775. 
„63, Z. 15: Focschani. 

,^ 63, Z. 17 streiche zu London. An diesem Irrtum ist J. Grhica 
schuld, der von London a,us schreibt, AI. sei „in unserer Haupt- 
stadt beerdigt.'' Gemeint ist Bucurescht. (Gion) 
Z. 7 V. u. lies: 38, 39; 42. Poesii vechi §1 npi. 
\y, 64, Z' 14 f lies: 1835 Meditatii, opere orig., heraus, 1843 Poesii 
opgipale, 1847 Poesii neue, 1857 colectiune de poesii vechi ^i neue. 
Z. 18 lies 1837. 
„ 66, Z. 14 lies: 1848. 
n 74, Z. i9: (Geasuri de multumire) 1844. 

„ 85, Z. 10. Nie. s Geburtsort ist nach „Dreptatea*' 1, Nr. 16 nicht 
zu ermitteln. In der Überschrift steht: 1833—71, dicht daneben: 
er starb 68. Nach Nr. 21 heisst er eigentlich Tomoi^oiu, welcher 
Name sich nur bei Kronstadt finde. Unterstützt ist er von 
Craiova aus, 
„ ,85, Z' 16 lies: 1865, nach Scl^einean 70 (falsch), neu Buq. 88.. 
„ 85, Z. 24 lies: Anfa4g.. 
„ 90, Z. 3 lies.: Pbvestea pove^tilor 1843. 



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— :xix — 

S^te 96, Z. 10 9. B. 64, Z. 15. (1357 su lesen). 

„ 98, Z. 18 lies: See.i) — Unten lies: Bucar. 103,5 Str.: andC. f... 
^ 103, Z. 29ff: Orbol fericit, Jassi 1840, ist von L. N. 
yy 104j Z. 3 lies: (nach Mosenthal ftbersetzt) herausgegeben hat» 
Denn Zeitschriften kann einer nicht verfassen. 
Z. 8: („Farmazonnl din Hlrläa^S ist 40 zu Jassi erschienen.) 
^ 105, Z. 19 Hes: Lumpe. 8. 106, Z. 31 Hes: 1, 4. 
y, Vdl, unten streiche die Klammer. 
^ 109, Z. 29 lies: Land-. 8 110 Z. 5 lies: Er (Hartzä). Z 12 lies 

hin statt: h in. 
^j 113, Z. 1 streiche: auch. 8. 120, Z. 19 lies: 60f. (statt 5»/69t) 
Z. 23 lies: wurde 35 Lehrer in Blasendorf. Z. 28 lies: 38—64. 
^, 123» Z. 15: 65 f, 68—75, 3. Ausg. 79 Buc. (Diese habe ich), Vade- 
mecum al inginerului ... 65 Buc. Z. 6 v. u.: Paretz. Buc. 76 ff. 
Z 3 y. u.: &, tendenziös, unbedeutend. 
^, 124, Z. 2 y. u.: . . . Istoria 
- . ^ 126, Z. 7 lies: 25, 214 statt: 214,92. 

^9 126, Z. 19 lies: 39 gab er Aläuta romäneascä heraus; 40 Dacia 
lit., nach Jarcu 37—40 (?), Foaia säteascä 40—46; nach Pop, An. 
ac. 2, 10, 39—50, Foaia ^tiintifica si literarä 44, Progresal 45, nur 
bei Scheinean (?), Arh. rom. 45—46, Steaua Dunarii 55—56 
„ 130, Z. 18 lies: der (statt: oder). 
„ 131, Z. 16 lies: 40, 2. Ausg. 60, . . . 

„ 132, Z. 9 y. u. lies: Paralelismul Intre dialectele Roman ^i Italian. 
„ 132, Z. 7 y. u. lies: 42, nicht 47, wie Scheinan. Z. 4 y u.: (mit 

latein. Buchstaben gedruckt). 
,, 133, Z. 19 lies: istriano. 
„ 134, Z. 24 streiche: S). S. 135, Z. 2 lies: 71. Z. 13 lies: Staate". 

S. 135, Z. 25 lies: Popea 138. 
„ 144, Z. 14 lies: Jassi 17, 1, 29 statt: Roman 1833 (QaehFam.29, 

350 u. J. liegruzzi), 
„ 145, Z. 24 streiche: um. Z. 25: Er ist bald heiter, bald . . • 
„ 151 Z. 3 V. u. Hes: wie (statt: wie). 

Wer nicht berücksichtigen kann oder will, dass dies Urteil am 
frischen Grabe geschrieben ist, für den wiederhole ich es deut- 
licher : Die früheren Gedichte M. Sucius gehören, wenn auch nur 
Früchte einer massigen Begabung, doch zu dem Besten was die 
damalige nordrum&nische Dichtung aufweisen kann — nicht zu 
reden yon dem Mute, den damals eine Frau dort haben musste, 
um zu Schriftstellern. Die späteren Gedichte sind einförmig und 
manieriert, wol Vorzeichen ihrer Geisteskrankheit. 
„ 154, Z. 23 lies: Bd. 3 (noch nicht erschienen). 
„ 162 f. A. Miclea zu Nassod,M. Gugler zu Jassi geboren. Der letz- 
teren Gedichte sind nicht 1865 und 88 (wie Scheinean) erschienen. 
„ 162, Z. 2 y. u. lies: Vasilius, die jetzt gedruckt werden soll. 
„ 170. Z. 8 y. u. lies: ») statt«). S. 171, Z. 20: Geschichten und 
Gedichte, Jassi 73, wie in den Novele 80 f, 2. Ausg. 86 ; .-. . S. 
172, Z. 26: 3 Bde. Z. 27 lies: 76, 28: 75. S. 177, Z. 3i^ liest Buc. 
88 statt 89, S 185, Z. 2 streiche: Doi surzi ... 
„ 185, Z. 22 lies: Bucurescht 44 nach Gion. Angesichts der Tat- 
sache, dass selbst Eminescu eigenhändig Jahr und Tag. seiner 
Geburt in das Mitgliederyerzeichnis der „Junimea'* falsch einge- 
tragen, wie erst drei Jahre nach seinem Tode bekannt wurde, 
wird Herr Gion bei einigem Nachdenken yielleicht einen seines 
Spottes würdigeren Gegenstand finden als mich, der ich glaubte, 
mm. Schriftsteller würden wenigstens ihren Geburtstag wissen. J. 
Kegruzzi weiss es nicht. Da Gion über Bengescu geschrieben. 



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— XX — 

mag der Leser ihm auf seine Gefahr hin glauben. S. o. 
zu 85, 10. 
Seite 186, Z. 9 lies: 87. Z. 19 f: ohne eigentliche Handlung gehört zu 
Nazat, Z. 24. 

„ 198, Z. 7 lies: 89. Z. 19 lies : 78 statt 87, (Bd. a 319). Z. 9 v. u. 
Jaasi 80. Z. 4 v. u. lies : Schwester, statt : Gattin. 

„ 199, Z. 9 lies: 83, Z. 22: Punkt vor Istoria, Z. 8 v. u. terei, Z, 
6 y. u. lies: Sbiera Gr. statt: Ger. 200, Z. 1 1.: alese . . s. o. 

„ 201, Z. 3 streiche: seit . . . säule. Z. 8 v. u. lies: 88 statt 18. 

„ 202, Z. 17 f lies: 79 folgten die Pove^ti morale u. povei^tile un* 
chia^ului sfatos (Geschichten des Plauschonkels). 
Z. 21 die (nicht vollständige) Ausg. . . . 
Z. 27 lies: erschienen im „Literatorul*' die Erinnerungen, seine . . 

„ 203, Z. 7 lies: 75 2. Bd. 

„ 205, Z. 12 lies: Gherla statt Birlad. 

„ 207, Z. 4 lies: locercare asupra semasiologiei limbei romine, Bua 
87, Eaporturile intre Gramatica, i^i Logica, Buc. 92. S. unten za 
S. 201 u. i07. 

„ 208, Z. 5 lies: positive, Jassi 76, 25 lies: während. 

„ 209, Z. 33 lies: 62 Foaia din Moldova und 63 Lumina. Z. 34: Bev. 
literarä ^i 9tüntificä 76, 70-83 statt: 69—75; Z. 35 lies: 65-67; 
bedeutend, s. G. lit. 15, 403 statt: 64. 

„ 210, Z. 11 f streiche: Jon Y. cel cumplit 65, denn dies ist ein 
Geschichtswerk, jedoch längst vergriffen, wie vieles von Hasdea. 
Auch antiquarisch war das Werk nicht aufzutreiben; ein sehr an- 
gesehener Professor in Bucurescht antwortete mir mit Bezug dar- 
'auf, als Dichter wäre Hasdeu überhaupt minder wichtig. Um 
. jedoch nichts unversucht zu lassen, richtete ich 1892 einen unter 
Nr. 949 eingeschriebenen Brief an H. selbst, ohne Antwort zu er- 
halten. Dieselbe Mühe habe ich mir bei allen Schriftstellern ge- 
geben, deren Aufenthaltsort ich irgend ermitteln konnte. Diese 
Stichprobe zeigt, mit welchem Bechte man mir Oberflächlichkeit, 
Mangel an „Methode" u. dgl. vorwirft. Wollen die Herren mir 
nicht auseinandersetzen, wie sie es angefangen hätten? Etwa wie 
Eangabe und Sanders, die in der „Gesch. der neugriech.Literatur'^ 
kaum eine Jahreszahl und nur wenige Büchertitel anführen? Ist 
„der Versuch strafbar", genau zu sein? Man beweise diesen 
Tadel, sonst kann ich diesen Herren nur erwidern: Was man nicht 
definieren kann. . . Ich hatte ^Joan den Grausamen" nach S. XVIII 
von Hasdeus histoire critique des Roumains als Geschichtswerk 
eingereiht; da fand ich es Familia 27 Nr. 48 als Schauspiel be- 
zeichnet. Dass ein Mitglied der „Akademie der Wissenschaften'^ 
sagen wir, der Herausgeber der deutschen Literaturzeitung, den 
„Abfall der Niederlande" für ein Schauspiel erklärt, ist offenbar 
so undenkbar, dass ich, hierin allerdings unerüeihren. Entsprechen- 
des auch unter den Bumänen für unmöglich hielt. ~ Die gute 
Lehre, die hieraus folgt, liegt zu sehr auf der Hand, als dass ich 
sie noch aussprechen müsste. 

„ 211 , Z. 10 lies: (nur Bd. 1 74, Bd. 2, Heft 1, 75, Buc. 2. Ausg. 
76, französ. 78). Z.29 lies: 2 79, Bd. 3 1881. 

„ 812, Z. 11 lies: 59 statt: um 55. Z. 12 lies: Gedichte 87. 
S.214, Z. 2 lies: Skizzenband. 

„ 214, Z. 11 ües: (Sultanica 85, Trubadurul 87, Parasitii 92, Bnku- 
reschter Sumpfstudien, ebenso gelungen dl. Vucea^ Katedertyrann 
und Pantoffelheld, latre vis 91 vlata, kleinere Erzählungen 93). 
^.Parasitii" sind übrigens 93 von der "Akademie preisgekrönt; in 
der Tat ist die Sprache sehr zu loben. Wenn mein Kritiker Gion 

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— XXI — 

wieder Rad schlägt, dass er entdeckt hat, Parasitii seien nicht 
etwa 91, sondern — man staune! — 92 erschienen, so lässt mich 
das völlig kühl, nicht nur wegen der bekannten Gewohnheit der 
Drucker, nicht das wirkliche Jahr des Erscheinens als solches zu 
nennen, sondern auch deshalb, weil es mm. Bacher giebt, die ver- 
schiedene Jahre aufweisen, so • Alecsandris Poesii populäre 1866 
und 67. Unten streiche : Manliu . . . ») 
Seite 215, Z. 7 lies: (E) Chembach. 216, Z. 6 v. u. lies wie 123, 15. 

„ 219, Z.20 lies: gemacht. Z. 3 v. u. lies: (Ro^ca, geb. 58.) 

„ 22>, Z. 4 lies: Er hat auch 85 . . . 

y, 222, Z. 9 lies: seiner Revista statt: seiner Ren. lit. 78. S. 224, 
Z. 25: Umoristul, Pest 6dff. S. 22b, Z. 12 streiche: a . . . 18. S. 
228, Z. 4 V. u. Hes: 1840—66. S. 229, Z. 11 ist 79 richtig, 87 
(bei Scheinean) falsch. 

,, 233 Cipar spricht man gewöhnlich wie im Deutschen ; Hasdeü ihm 
zu Gefallen, wie er sich schreibt. Richtig ist natürlich nur Häjdeü, 
vom slowakischen hy^d, Garstigkeit, Greuel, wie natärau, bplondäu, 
mutaläuu. a. gebildet. 

9, 233, streiche: Baur.-L. 44; Auch sind es zwei G. Bengescu. 

„ 237 lies: Taut 75, 117. 



Ausserdem habe ich folgendes nachzutragen, was ich in Her- 
mannstadt gesammelt, teils im Brukenthalschen Museum, teils in 
der Bücherei des Herrn Dr.Diaconovich, oder der der Asociatiune 
Transilvana romäna u. s. w., teils im Umgange mit unter- 
richteten Rumänen, bes. Herrn Prof. Gri^an, dessen am 21. Okt. 
erfolgter Tod ein schwerer Verlust für die Seinen wie fär die 
Wissenschaft ist. Indem ich hiermit trauernd auf sein Grab den 
wohlverdienten Kranz niederlege, spreche ich auch seinen Volks- 
genossen, wie den Beamten des Museums hier meinen besten Dank 
aus. 

6, Z. 26 lies: 1640, allgemein nach Xenopol, Arhiva 2,400f. erst 
um 1750 ... 

7, 2) Näheres bei Scheinean, Istoria filol. rom. 79 ff. 

16, 2) Lupul A. ist bespr. Arhiva . . . diu Ja§i. 2, 244ff. 

17, Z. 3 V. u. lies: übrigens vor 1700 .... 

unten: Nach Xenopol, Arhiva 2,400 ff. ist diese Bewegung vom 
Volke, nicht von den Fürsten ausgegangen. Doch wird der förder- 
liche Einfluss dos Deutschen z. B. Komän. Revue 7,153 und Tele- 
graful Roman 1893 S. 111 ausdrücklich anerkannt^ Scheinean 
sagt ist fil. 379 gradezu wie ich: diesen Bekehrungsversuchen ist 
der Antrieb, rumänisch zu drucken, zu verdanken. Ebenso Slavici, 
die Rum. S. 77, und Xenopol selbst Conv 1. 15, 480. Nach Col. 
lui Traian 7, 194, giebt es einen rumän. Druck von 1507. 

18, ö) besprochen Arhiva 1, 759 ff. 

19, Z. 13 S. Hasdeu, Luca Stroici, viata ^i scrierile, Buc. 64. 
1) Odobescu 1, 349 ff. 

21, Z. 3 V. u.: Buc. 86, s. Anale Acad. Ser. 2. Bd. 6, Teil 2, Anfang. 
Phü . . . 8 a) An. Acad. 1884, 2, Bd. 10, TeU 2, Auf. 
24 Z. 81.: zuzuteilen i); Z. 91. ») statt: i) 
24, 10) Ende: Sion An. Ac. 2. Bd. 10, Teil 2. Zu S. 24 ff. vergL 
Tocilescu in Col. lui Traian 1876, 385ff. Hiernach ist S. 25 Nr. 9 
von V. Camära^ul, Nr. 10 von einem Mönche zu Prislop verfasst. 
Nr. 11 ist gegen Ende nach C. Gapitanul gearbeit, Nr. 13 ist we- 
sentlich Nr. 5. 
26, 1) lies: pentru, füge hinzu: An. Ac. 2, Bd. 5, Teil 2. 



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— XXII ~ 

gmAeS7, Z. 19 Teodosie ist sweifdhmft. 
„ 28, Z. 29: Nach Denau^iaiis Befiata cfU^ fit 1, Nr. 3 nodi Gk 

BrancoTici, schrieb um 1686. 
,, 30, Nr. 1 ist 1710 mss., 1835 imd 66 mra., ebenso Nr. 2 1879 tu 
Nr. 3 mit dem „Divaa'' 1878, Nr. 6 1825, tqü der Akad. 75 heraoa* 
gegeben. Z. 25: S. Bom&n. Jahrbacher 9. 263. Arhiva 1, 477. 
„ 31, Z. 25 : 8. Arhiya 2, SSOf. S. 33, Z. 2 jedoch 1763 . . . 
.n 389 ^ Sparen Ton andern Dichtem des 18. Jahrh. Arhiva 1, 36&. 
„ 34, Z. 1: lehre (Ober sie und die des ähnlichen Golesca ScheineaD 

ist filol. rom. lOOff.) 
„ 34, Z. 20: Ungedruckt noch vieles; s. Ghibanescu: Saära laBom&nv 

Almanachul fiomanului 1891, 90 ff. 
„ 36, n föge hin^u: nach Arh. 1, 598f sehr unvollst&idig. Femerr 
SlaTici, a. 0. 73 ff. Baritiu, Anal. ac. 8,60: Biserica rom. In lupta 
cu Rßformatiunea, Prof. Cri^an: Zur Geschichte der klrchL Unioa 
der Bomftnen in Siebenb. . . Hermannstadt 82, und Hurmuzaki, 
Fragmente, Bd. 2. 
„ 37, Z. 23: germanum, Ofen 25. S. Scheinean, ist. filol. 224ff.,. 

wp auch die Yorg&nger erwähnt sind. 40 ') lies: Familia 6, 1. 
„ 44, Z. 16: Britannicu8 27 (gedruckt 61). Z.24: Orest, 1820 von B. 
„ 44, Z. 31: Facas (f 1845) ,JB^rantozitele'' in EUades Biblioteca 

portativä, Buc. 60, Bd. 5, 287 ff. 
„ 46 unten noch : Fapadopul Galimah, ebd. 19, 381 ff. 
> ' yt^^i ^' ^ ^* ^•' heraus: Culegere sau rost de poesii. 

' ](mten füge hinzu: S. 241 ff. 
,/ ,, 50, Cärlova ist nach Odob. 1, 237 f. zu Bucur. geboren und 23 Jahr 
''.'/ alt geworden (?). ' 

i) Hinzu: Eliade, Curierül de ambe sexe, Jahrg. 1. 
' ;, 51, «): Ersch. 1826 Öfen ... 

„ .2. 9: Viata lui Chrisoverghi ist Jassi 1834 erschienen. 
- ,, 63; Z. 22: Delean, 1770— 183Ö. i) Anal. Acad. 2, Bd. 2, 1, S. 222. 
: ., ^, ^ Papiu llarian, An. acad. 3, 105. S. 55 unten : 93 erfch^enen. 
,^ 56, Z. 3: Biene, -50. Z. 4: Vaterland" 58f. .Z,.6: Weltbü^*' 40f. 
Z. 16: Gedichtssaminlung „Poesii originale»* 183iß. /^ ; 

8 V. u. : fast vergessen, weil er, Sturdzas Dieiier; sich der Einigung^ 
und dem Fortschritte widersetzte. S. Arhiva 1, 338 ff, C. 1. 1^ 480. 
„ 57, Z. 5: am wdhrsdieinlichsten nach seinem Vater Die. Z.^30: 
?), 1837 Curierül pentru ambe sexe, um auch die Frauen zu j^eWmUto. 
'. ; 7 V. u.: GeseJfschaft unter ihm, N. Väcärescu und Gr. Bgleanul 

• . schon 1821 gegründet hatten. S. 58, Z. 17: (68—70, neu 84). 

• „ 60, 1) S. Paulus 1. Korint 10, 12. , 
' .„ 63, 2) 272, Cercetäri lit. 19ff. ! 

/ „ 64, 7 V. u.: er 62. 5 v. u.: bald (1865). 

. /- 66, 1) noch: Vgl. dagegen Densu^ian, Cercet, lit 120 ff. 

• y, 67, Z. 2 V. u.: s. hinzu: am Siret S. 73, Z. 17 lies: 1852 unter- 

drückt, erschien jedoch 56-rr59 wieder, i) lies: So richtig. . « . 
„ 75, unten: s. hinzu: Odobescu 3.86. . : ' 

I • ',81, Z. 4: Geb. wahrscheinlich 1819: ,' w ' 

„ 82, Z. 11 : sind schon 1847, seit 1865 twiederholt in Buc, zuletzt77 #*. 
Z. 17: In Wirklichkeit hat Sion vieles geändert. / r - *" 

3) 244 f. Cerc. lit;289ff. 85 Kicoleanu war Junimtel; -.86 unten: 
Odob, 1, 383 f. C. lit 5,45f. " :^ * 

: ^, 89, Z. 2: Ebenso Eliad, Cullegeri de Novelle, Buc. 47, meist Be- 
arbeitungen. 7 

• „ 96, Z. 24: Norditaljen 1860. Z. 31: 1863, neu 86. , 

•' ^ 98, Z. 24 lies: Romane übeifsetit: „Die drei Musketiere**. • . 
,^ 103, Z. 7: Cämpineanu. und bei Filimon, nach welchen! die 9öhiie 
politischen Zwecken dienen sollte. • - ./ 

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Si^telOi, imtüi nodir^Anaiele Sodetäffl istor. Bacar.;8d, fiteft 1(. 

Biufalk5li ist fcchön eS^g(totorben. ' ' • . ' ' ', 

„ 113, Z. 5: gut. • S. Anal, ^/d, M. 2, ^^Ul, ^#. (tmkritiMi): 

Z. 7, erg.: (u^gedräckt). 

Z. 7, y.a. lies: Beka&nt nnd auch viele von Pans „Fabnle' 9! 

ittprioare'' 1639—41: Wandei^r. ... 

1) lies: Plevna, eben&Us unbedeatend, läteinernd, b. An. ac. 11. 

Teil 1, S. 184ff. 
„ 114, Z. 8 vorbei" 47, 2. Ausg. 52 f. Z. 21: 8. An. ac/ 2, Bd. 6, 

Teil 2. Z. 21 f. hinzu: An. ac. 2, 5, 2, 

Z. 27: Fabeln, 2. Bde, Jassi 1840—42, s. Aü. ac. Bd. 3. , • v . 
^y 115, Z. 3erg.! 1^, 46i^g.: 1844, Z. 22 erg.: (Fä-me T&tä se ti 

seamän,^ Buc. 63), worin . - ^ 
>^ 115) Z. 25 erg.: habl9n:^1ivefniri ^i impresii, Buc. 47, die auch 

Briefe eüthalteti. 
„ 117,^ Z. 4 V. u.: Menadele, Bttc. 70. 

- „ 121, Z. 11 lies: herausgegeben (1874), s. An. Ac. 7, 167 ff. ftmer: 

No^uni relative la economia sociale ^i la istoria civilisatiuiiii }n 

Transilvania, eb. 10, 2, S. 21 ff. s. o. zu S. 36. 

Z. 16: Öeist; doch sehr fleissig. Besprochen Arhiva 2, 754ff. 

- ,, 122, 1) f. hiDzu: FamiKä 29, S. 49. ^ > 
„ 128, 2. 17: Ausgäbe (1887). Z. 26 f. hiüku: Bucur. 1890. - 
„ 125, Z. 8: Fofeldea, nach Fäm. 4; 2 Fovörte; • 

. ;, ©6,'Z.: äi 1s, m. Ü Itel* s. C. m l^, 4^8.^Z; 6: ir.- An. «C. 10 
• ' 2, 8öff: Z. 8 f. hitizui diu RbniÄma 1862. ' ; ^ 
,^ 127) Z. 30 lies: 19 ^li Büd. 128: Z. 14 f. liinztir obgleidi 41ecs. 
schon C. lit. 10, 142 erklärt hat, dass sie alle drei daran geikrbei« 
tet hätten. Es ist nach Jarcu 1860 gedruckt. 
„ 129, Z. 20 f. hinzu: Col. Tr. 1876. ^ '• 

y, 129, Z. 30 f. hinzu: oder Istoria revolutiunel dela X821. 
>- ., 150, Z. 2 V. u. streiche: bes. ' : ..:■..:.*'.. 

„ 131, Z. 23 lies: 3. 9. a St. , ^" '"':'' X 

' „ 132, Pumnuls Sprache 8. Sche!nisati,i^tor. M. rbm. 201 f; üb^r läiade 
ebd. 172. Uebrigens hat Pumnul sein Lepturar auf yeranls(Bsung 
der (dstri) -Regierung ^vötfiMSt, die auch 18^ einen Ausschuss für 
' ■"' ^e' Festsetzung einet Eechtschreibung mit lat. Buchstaben berief, 
s. Odob. 1, 486. S 133, Z. 28 lies: 71—77. g. de v s. din limba 
rom. S. Scheinean a. 0. 235. 
.i a ' 134, Z. 19 f. hinzu: S. Scheinean, a. 0. 142 ff., Slavici, die Runiftnen, 
' t 1128, 231ff.i ^ 1 . : ^ 

y, 136, Z. 1 : Li^owaner 1871. Z. 2> Roiiaan" 74f. ' - 

„ 139, Z. 17 lies: er'ähfangiB 64 ioit it^grüzzi, Pogör, Cai^p, Teod. 
Rosetti, der wie Carp mehr Politiker ist, (s. ihre Bildnisse Born. 
Revue 8, 393) die Gesellschaft ; . . *" 

„ 140, i)f. hinzu: 233ff., An. ac. 1873(4),2.Teil. S.87ff. C. lit. 25, 
866 ff. Viele andere Mitarbeitet Rom. Rev. 8,392 ff, 6,287,- 3^; 
hier auch die hervorragendsten Mitglieder der neuen wissen- 
schaftlichen und literarischen Gesellschaft Xenopols zu Jassi, welche 
seit 1^90 das sehr gediegene „Archiv" herausgebt. 
> „ 144/ Z. 19 t hinzu: 1893 Akademiker, Tradüceri 75, Aegri spmnia 

77, Jassi. S. libei» ihn An. aC. 2, Bd. 13, S. 364 ff. ' 

„ 148, Z. 4. V. u. f. hinzft: S. C. lit. 9, 293. 
' „ 160, ^ f. hinzu : Oonstitutionalul 2,92. 
. „ 168, Z. 6: literatutö, Kronstadt 74. 
,j 154, Z. 2 lies: Athen, von wo er nach Brüssel versetzt ist. Seine 
• in der Anlage einfachen , aber iait^ fr^nZöS. Feinheit ausgeführten 
i' Lustspiele: &upa resboiu, Fanny, Primul bal und La mormentul 
' poetului nebst den genanntem als TeatifU' 93 Bucur. erschienen. 



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— XXIV — 

Z. 23: Bd. 3 (noch nicht erschienen). Dafflr : Eminescu $i Henriette. 
Scrisori, Jasn d3, worin er, krank, fOr Unterstützungen dankt. 
Seite 165, Z. 33: 65 in Gäteva strofe und 1891 ... 

„ 167 unten, Go^bucs „Balade $i idile" sind Buc. 1893 erschienen. 

„ 168, Z. 10 lies: Anakreon nach An. ac. 2, 12, 170 selir treu (nacli 
Arhiva 1, 356 f. dagegen frei und nicht immer richtig). 

„ 170 unten f. hinzu: aus An. ac. 2, 11, 190 ff. Wenn nach Bd. 1, 
S. 6 Lotringen im Westen Frankreichs liegt, ist das wohl nur 
ein Versehen. 

„ 171, Z. 8 lies: gebracht, s. An. ac. 4, S. 153ff. 

„ 172, unt. lies: sobei'' (menschliches Elend), Jassi 76. 

„ 176, Z. 21: Vom heimkehrenden Grafen ist natürlich der Inhalt, 
der Titel ist „Hochzeitlied." 

„ 177, Z. 24 f. hinzu: Negruzzi findet An. ac, 2, Bd. ö, 149, 173ff. 
darin eine Nachahmung von „Dumbrava ro^ie," bes. Gesang 5 u. 
7, mit denselben Fehlern wie bei Alecsandri: polit. Gedanken, 
die das Volk in Versen nie ausspricht. Die sonstigen Aehnlich- 
keiten sind aber z. T. im Gegenstande gegeben. 

„ 178, Z. 29 lies: gleich alt wie Eminescu. 

„ 179, Z. 12 f. hinzu: Buc. 90. Z. 24 f. zu: Brazi 9i, p. hinzu: 
(Tannen und faules Holz), wieder der Gregensatz zwischen der herr- 
schenden Fäulnis und d«n wenigen Besseren, ... 2. Aufl. 92. 

„ 185, Z. 18 lies: Lobe, s. An. ac. 11, Teil 1,191. 

Z 24: Gucoanä Nast. Hodoronc, (HeiratsmacheHn) G. lit. 11. 
Die Farben sind hier und da zu dick aufgetragen, doch enthält 
das Stück Handlung, die Schilderung ist treu, die Sprache gut. 
25: Radu UI (75). 

Z. 13 T. u. f. hinzu: um Dido die Hinterlassenschaft ihres Gatten 
nicht ausfolgen zu müssen. 

„ 186, Z. 9 f. hinzu: 2, Bd. 9, 263. 

„ Z. 19 f. lies: Aufz.: Er will ein Mädchen entführen und bekommt 
ihre alte Pate, aufgeführt . . . 

„ 190, Z. 2 lies: 1, S. 605 ff. die eindringende, doch etwas zu scharfe 
Bespr. 

Z. 14 f hinzu: J. Gerkez „Firicä" C. lit. 19, 723, etwas burlesk, 
fein und geistreich dagegen die beiden kleinen Lustspiele sarä 
la curte und Nino, G. lit. 15, Teatergespräche, eb. 20,586, verständig. 

„ 192, Z. 11 f. hinzu: Sion starb Id. 10. n. 92, s. Fam. 28,487, 
G. lit. 26,683, wonach er ein Reimer war, kein Dichter. Noch 
viele Fabelschreiber bei Sperantiä: Fabuli§tii in genere 9i fab. 
romäni In specie, Buc. 92, aus An. ac. Z. 15: über Kunstwerke, 
welche die Jagd zum Gegenstande haben. 

„ 194, Z. 12 f. hinzu: Kaum veröffentlicht jetzt in G. lit. (27) Povestea 
vulpei, eine Bearbeitung des Reineke Voss, Speran^a: Omer intinerit 
(Parodie mit hübschen Zeichnungen) Bucur. 93. Der Grosswardeiner 
„Vulturul," seit 92 von dem geistreichen Earikaturenzeichner J. 
Ardelean herausgegeben, enthält manchen guten Witz, wie der äl- 
tere, volksmässige Hermanstädter Galicul (seit 81). Auch Ganea 
verdient hier genannt zu werden, Duduca Balasa u. a. s. o. 

„ 195, Z. 23 f. iiinzu: Von bleibendem Werte sind unter den zahl- 
losen polit. Flugschriften noch: T. Jonescu (jetzt Kultusminister): 
Romäniens auswärtige Politik, s. Rom. Revue 8, 239 ff., ebd. 7 über 
D. Sturdza: Europa, Rusia, Romänia, Bucur. 90, und besonders 
„Gestiunea romäna in Transilvania ^i üngaria,*' Hermannstadt 92, 
auch deutsch u. s. w., s. Rom. Jahrbücher 9, Heft 11.. 
^ DisB. nach An. ac. 2, 13, 358 gut, Meitani: nach Maiorescu An. 
ac. 2, 7, 1, S. 191 und Barit Bd. 4, 266 f gründlich, nach Hasdeu 
eb. 2. Bd. 7, 1, 184 verfrüht, und oft. Analele Parlamentäre ale 



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— XXV — 

Bomäniei, Bd. 3 Buc. 92; Rom. Bev. 8, 258 ist Bd. 1, ebd. 235 
schon Bd. 11 erw&hnt. Bi:goreana: Golectiune de legioirile BomA- 
niei vechi 9! noue, Buc. 75. Tocilescu, Cars de procedura civilä, Teil 3, 
Buc. 98, Sandulescu-Kanoveanu: Esplicatiunea . . . codicelui deproc. 
civ. 2. Ausg. Buc. 78, gut nach An. ac. 2, Bd. 2, 302 f. Viele Hand- 
bücher u. andere Werke von Frato^titean u. a.; von dem 93 in 
die Akademie aufgenommenen EUinderu auch anderes. 
Seite 196, Z. 11 f lies: 71—81, Ec. nat- 73-76 (3 Hefte, Ergänzung zum 
Yor.) Economia nationalä Bd. 1, ^aranoastra 75, 2. Ausg. 81, Bd. 
2, Buconna, descriere economicä 76. Economia nat. Cum se poate 
fonda industria In Born. 81, Econ. ruralä 76 f. Schite as. starii 
economice Rom. in sec. 18, An. ac. 2, Bd. 3, Teil 2, 73 fr., Elemente 
de economia politicä, Buc. 88. A. D. Xenopoh Studii economice, 
2. Ausg. Craioya 82, s. An. ac. 2, 2, 1, 323, 2, 5. 1, S. 150, 180. 
Beide sind Schutzzöllner. Z. 17: 70, das erste Werk . . . 
Z. 27 s. hinzu: N. Cantuniar: Istoria univ. a comerciulüi, 3 Hefte 
Craioya 90, fleissig nach An. ac. 2. Bd. 13, 369. Viele Statist. Werke. 

,, 197, Z. 12 8. hinzu : Aehnlich der letzte Ausläufer der Chronisten 
Man. Draghici: Istoria Moldovei, Ja^si 67, s. Arhiva 1, 682 fr. 
Z. 21, Codrescu ist am 6. 4. 94 gestorben. 

„ 198, Z. 4 lies: gekrönt, davon ist erschienen Istoria ^coalelor 
1800-64, Bd. 1 (—1830). Bd. 2 (—1848). Buc. 92. 
Z. 4 s. hinzu: Bd. 1, 1774^-86, Bd. 2 u. 3, — 180u, Buc. 93, bis 
Bd. 6 in Druck. Anderes An. ac. 10, 2, S. 3 ff 
Z. 8 s. hinzu: An. ac. 2. Bd. 7, 2, S. 309 ff : Dunärea in literatura . . . 
Z. 21 s. hinzu: Tesaurul dela Novo-Cerkask, Buc. 79, An. ac. 
Bd. 11, II. Istoria Arheologiei Buc. 77, s. Col. Tr. 8, 68. 
Z. 9 V. u.: Jassi 80 statt: Buc. 81. 

Z. 8 y. u.: 84, s C. lit. 19. D. Onciuls musterhafte Besprechung. 
Z. 7 V. u. 1888, vollendet 93, s. An ac. 2, Bd. 7, 182; 2, Bd. 11,186. 
Z. 4 V. u. 8. hinzu: Incercäri literare, Jassi 88. 
Z. 3 V. u. lies: geb. am 26. 10. a. St. 1850 zu Plojescht. 

„ 199, Z. 6: Cematescu ist 92 gestorben storia. I contimp, 71. 
Z.7 lies: Romani, Buc. 80. An. ac. 10, Bd. 2, Heft 2, Ptudii as. 
t^ranului roman, 82 preisgekrönt, noch nicht gedruckt. Seine Ent- 
deckung vom Tropaeon am Adamsturme (Adam-Klisi) ist bekannt. 
Z. 21 s. hinzu: Noch vier neue Schriften Erbiceanus s. Fam. 29, 119. 
Z. 22 t. hinzu: 81. Z. 23 s. hinzu: nach C. lit. 15 unbedeutend. 

„ 200, Z. 2 s. hinzu: An. ac. 2, Bd. 7, 1. 172, 185. 

Z. 6 s. hinzu: An. ac. 2, Bd. 9 S. 246ff Viele Flugschriften in 
Cercul püblicatiunilor militare, s. Sfetea, Bibliografia Rom. 1, 10 ff. 
Z. 22 lies: 1883, C. lit. 15, 403, gleich dem flbrigen blosse Zu- 
sammenstellung, am Ende s. hinzu: nach C. 1. 15, 480 unzuver- 
lässig, nach An. ac. 2 Bd. 5, 1, S. 150, 180 unkritisch. 
Z. 26 lies: Densu^ianu, auch Rom. R. 9, 81, doch unterschreibe 
ich keineswegs alles, was Dens, sagt, bes. nicht sein (parteiisches) 
Urteil über Xenopol; ferner ebd. iOO und 8, 251, 
Zu Z. 8 V. u. ff: s. ^inean, istoria fil. rom. 327 ff. 

„ 201, Z. 27 s. hinzu: Ich konnte dies umfangreiche Werk nicht 
mehr lesen, verliess mich daher auf Dr. Weigands sehr anerken- 
nendes urteil, da ich bei diesem als akad. Lehrer für Rumänisch 
ausreichende Kenntnisse dieser Sprache f^laubte voraussetzen zu 
dürfen. Leider habe ich mich hierin geirrt, s. Arhiva 1, 470 ff, 
wo Tiktin an der „Sprache der Olympo-Walachen" (die Scheinean 
mir als Muster vorhält*) System und die nötigen Kenntnisse, be- 

*) Zur Erklärung dieses Urteils erinnere ich daran, dass die 
„Olympowalachen^' Hasaeu zugeeignet sind. Im übrigen kann ich jeder- 



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— XXVI — 

BOsdw .d0s Bnm. Temiast Demnach ist Gasten Weit swai^ beseer 

i '^ cBe frc hol w Mi y 4h0t ta> ^nnerofdentlich exakt'* (t. Behdneaa 

!i 'dSB}y daes et ohne sachvenrtAndige Anleitung vie]£ftch live 'fQ]irt. 

Austohrliche BegrOndang a. Densn^ian, Bev. crit Ilt. t, ISOif^ 

woffegen freilich auch noch Aianchea einsawenden iat 

bcheineans Autorii romftni modemi war in 1. Ausgabe viigrif- 
fen; ich habe erat die 2. (1892) bdumunen kAnnen, und swar nach 
dem Drucke meines Buches. Uebrigens enthftlt es gleichfaUMp|h^ 
, Fehler, als er mir nachgewiesen, obgleich er doch an der Quelle 
sitKt und sich auf penAnliche Auskunft stiitsen will. Einige Pro- 
ben sind in den BenehtiguDgen stehen geblieben. Beldiceaan bringt 
in „Antologie''. „und Orestomaitie/' -Jassi 93» (? habe' sie nicht 

rehenX auch Proben der Jüngsted. ' 

7 «. u. a. hinzu : s. Arhiva 1, 126, An. ac. 2, Bd. 11, 176. 
Z..6. y. u.: Bttcherliste, Col Tr. 7, 561 statt: üiid, 
:3^ 3. T. u. : Besser sind EinzelschriAen : Li Antonescu, C«. ö: S. 18a); 
fortgesetst duith G. Pop: Yeacul al 17 lea, Galati 92. M. Tipeiu: 
Poesia lir. rom. de la originea ei pinä la 1830, Foc^ani 89, nach 
Arhiya 1, 36i. brauchbar; Y. Onipn, Garte de cetire, Krönst. 93, 
mit lehrreichem Anbang; aber auch er nennt Macedonskis i,Calai 
. Axsbului'' 'als detaen eiffen, während es französ. ist^ ä. S. 222. 
Auch Ghi^nescus (der lehrreiche Auft&tze in Arhlta tmd^aonst 
schreibt). Qra£ca driUcä laBomftili,:Birlad 89; ist nur ein Sishul-^ 
.' buch, giebt jisd&ch eine gute üehenicht ftb^r den Gegeiisiä&d, s. 

. ,. Arhiva L 3öÄ. . Y . , :; 

' r/n r Z. 2 y- n: 8trajan. Prindpie de liMraturo, GraioTa 98. '^* ^ 

Seite 202, Z. 17 lies: 73f. Snoave, 79 ... Z. ^3: i) 1883 Basttie; teoayo 
9i glume, neu Graiova 93 . . : '. : . ^ : . . 

. ^ 208, Z. 7 lies: schon 1869 B.l. tom. yer.; neu^S, Tschelndwitz. 
Z. 12f.lies: Farben, Buc. 82 . . .83 An. äc. 2, Bd. 6, Teil 1, 13^ 
141 ff. Ka^terea la Bom&ni: Aoad.'9S^ InrnormSntaseala Böm&ni, 
Aead. 91., Z. 28 s. hinzu: An. ac. 2; Bd. 7, 1, S. 180; 2, 8, 1,S. 213. 
Z.;29:' Cereetari asupra proverbelor rom. Buc; 77. - ' > 

. \Z* 31 lies: ff. (Jassi 80). : : ;- 

- ; Z. 5 y u. s. hinzu: Gercetari despre ^coalele rom. diu Turda. 
Buc. 90 Arh. 2, 369 f, cälätorie la Romänii din ^thinia« Arhiya 
4, 53ff. Almanahul musical, Jassi 75 ff s. G, 1. 10, 441. 

. ^ 204, Z. 6: ist noch nicht erschienen^ Schdnean hal^lBt fSL 433 
daneben gelesen. Bäacilä, iDolinde, He^annstadtTÖ. 
Z. 8 lies: 88, 2. Ausg. 93 ebd. 

Z. 9 s. hinzu: Bugnariu, Musa Some^anä, Gherla 92. Dim. Daniil: 
Gulegere de poesii $i legende pop. Jassi 93. Bibicescu: Poesii 
. populäre din TransUyaia, Buc. 93 s. Bey. crit lit. 2, 169. 
Z. 12 lies: 56, Möckeschöl, Schuller 59, Hermanstadt. MdirBom,. 
Bevue 1, Heft 1. 

Z. 22 s. hinzu: Vgl. Banciu: Medicina popularä, Graioya 92. 
Z. 23 8. hinzu: 9 ^Gumetrii u. Inmormentari). 
Z. 26 8. hinzu: An. ac. 2, Bd. 11, 173. A^hnlich M&ndreBCu: 

zeit aus diesem Werke beweisen, dass sein Verfasser yon ndr nodi reich- 
Hch so gut lernen kbnn wie ich von ihm. Käch einem lunyerbOrgten 
Oertichte soll Herr Weiland sogar. die, „Be^rechung'< im Lit Zentral- 
btett yerfaset haben. HoffeatUch widerlegt er dies Ge]iacht;.4enn es 
würde mir sehr leid tun, mttsste ich ihn ebenso „hoch'f stelteb «wie das 
Kleeblatt, mit dessen Ansehen er sich gegenüber der geringen Urteils- 
fähigkeit der Eeichedeutschen inbezug auf Bumänisch gedeckt hat. War 
yon diebem Anseheu zu halten ist, darüber wird Jedef ün'befhngene 
AVBfmehr :selb8t jurteilen können. * - * . 



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— XXVII — 

^ [,;. ^ limratara |i obioeiari pop. dm comuna Blpa de jofl, Buc. 92; 

^- J1 Opvncarul, £ac. 81, An. «c. 2, Bd. £ 

Z. 9 y. u. lieg: wünschen, ebenso die Spradie nach An. ae^ 2, 5 

i^, ^149/I63iar. 

V,vj IZji^iY. n.> hinra: ähnlich Montean: Poine $i strigätitfi cnleüei 

pTr''^,\gi)i^a;8oldaiilör, Krönst. 91. 

./ r i<>) ^ hinzu : Arhiya 1, 82 ff. 

Seiie SK)5, 2! 8 lies : Bom&ni, Boc. 89. 

Z. 10: Gäl. In i, r. sind nach An. ac. 2, 11, 170 Briefe mit Schilde- 
' Fongpn.iind Ortssagen. Pove^ti, Jassi 93, sjLnd überarbeitet 
2.; 11 lies: Tiörela 85. Z. 14 lies: 31aa. 86, stait: 87. 
Z. 24 lies: Stancescu (geb. 67, schrieb mit 17 Jahren). Boc. 85, 
2. Ausg. 92; eine Probe Bomän. Jahrbücher 9, Heft 2. 
,^ 206, Z. 2 hinzu: Bue. 62«.71f. Z. 4 lies: 4 Bde. *8€i^ ft. An ac. 
2, Bd. 5, 54, 63. Ferner von Mezzeti, in Bom&nia muiiciilä, Buc. 92. 
Zu 6 ff. 8. ^einean, ist filol. rom 290 ff. 
Z. 13: Gihac ist am 10, 8, 87 gestorben. S. ^ein. a. 0. 246. 
Z. 30 lies: cetire, Jassi 82, neu 90 G. 1. 14t über BeehtSclaeiboog. 
(Indreptariu). < ; : .tr 

Z. 6 t. u.: J. Bogdans: 5 docum. slavo-rom . . < . Bdic.. Ac. 89, 
s. Arhiva 1, 601. « . . 

207, Z. 3 s. hinzu: Gröbers Zeitschrift, Oktober 93 ff a7.81.d72f)« 
Z. 4 B. hinzu: Istoria filologiei rom&ne, Studii critice, Bkc. 9% 
fleissig gearbeitet und daher sehr brauchbar, wenn auch weder 
frei Ton Lücken noch Ton Irrtümern, dabei voller Weihrauch tOat 
alle lebenden Bumänen (Kritik übt der gute Geschäftsmann nur 
an toten), besonders filr den JehoTa Hasdeu, der seinen Priester 
zum Universitätslehrer empfehlen soll. Die Kehrs^te ist natürliidl» 
dass das Buch des ungläubigen Budow nach S. 433 „nicht den 
Anforderungen der Wissenschaft entspricht." Besonders schOn 
nimmt sich dies aus, nachdem £ast alles, was auf Jener Seite 
steht, aus dem Budow entnommen ist. Traurig, ab«r wahr ist 
dabei, dass die Ungläubigen keineswegs beabsichtigen den Anfor- 
derungen einer „Wissenschaft^ zu entsprechen,: die auf jeden 
nachgewiesenen Fehler zehn hinzulügt 
Z. 12 lies: 89, giebt einen guten Uenerblick, vorurteilsfrei. 
Z. 16 lies: Buc. 89, mehr l^einean a. 0. 320. 
Z. 19 lies: Kopf und Dichter (Bondele, Spleen Buc. 92); brauch- 
barer doch nur in der Statistik, dazu jetzt veraltet: LaBoumanie 
^onomique, Paris 76. S, Gol. Tr. 7, 187. 
, Z. 5 V. u. hinzu:. Andere Handbücher: de Onciul, s. An. ac. 2, Bd. 
7, 1, 183, 193; 2, 12, 170; Stefanelü ebd. 2, 4, 192. 

. .),; 208, Z , 1; universale, G. lit 10, T. f. G. lit. 9. Z. 2 lies: Incerc^ri de 
metaf. materialistä 1, Jassi 79, An. ac. 2 Bd. 2, 1, 297 mit sehr 
s^wachen Gründen bekämpft. < 

Z. 8 s. hinzu: An ac. 2, Bd. 4, 1, 226. 

Z. 10 lies: Fysik: Elemente de fisicä, 2. Ausg. Buc. 87, Sr An. ac. 
2, Bd. 10, 152, Babe^iu (geb. 1868) s. Fam. 29, Nr. 18. ; , 
. Z. 11 lies: Gobälce9cu: Memoriigeologice 1, s. An. ac. 2^ 9d. 7,. 
1, 125, 176. 
Z. 12 s. hinzu: Gurs elementar de geolo|^e, s. An. ac. 2, Bd. 19, 341. 

, . Z. 13 Ues: 83. s. An. ac. 2, Bd. 2, 1, 354; 2, ßd..H. 

Ueber die früheren An. Fetu: Despre incercärile facute pentäru 

' > r desvoltarea aciintelqr naturale ii^Epm., Buc..73, si. An. ac. Bd. 5, (1873). 
g. hinzu: Noch eine Mienge naturwiss^nschaftl. und ärzt)i^r (s. 
Z..B. An. Biß, fi, Bi. 7, 1, 164) Schriften inA^. ac. und in Sfeteas 

, , iBibliografia BomHiUiei, seit 93 zu Buc. 
„ 209, Z. 4 V. u. lies: Gedichte, Bup. 73.* 



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— XXVIII — 

211, Z. 30: <^) S. An. ac. 11, 170, wo die Genauigkeit bezweifelt 
wird. Ebd. 9, Bd. 2, 351 (unkritisch). Dass „Cuvinte d. Betr«<< 
trotz mancher Schwächen fär die Geschichte des Rum. jprundle- 
gend sind, ist auch in Deutschland anerkannt, s. noch C.lit.l5,406f. 

Seite 214, Z. 2: Ylähutas Novele sind An. ac. 2, Bd. 9, 248 ff. bes. 257 
einstimmig verworfen, während S. 249 Sions Fabeln (s. o. S. 192) 
wegen ihrer dichterischen Begabung empfohlen werden. Dafttr 
hat Yläh. 93 die Berufung in die A^kad. abgelehnt. 
Z. 6 8. hinzu: (s. Roman. Jahrbücher 9, 230). 
Z. 12 V. u. lies: 88, 2. Ausg. 93, An. pop. (s. An. ac. 2, Bd. 
1, 171) 92 Alte anecd. herausg. (Bd. 3, Tot anecdote pop. ist in 
Druck). 

Seite 216, Z. 5 lies: Gion, geb. um 60, schreibt seit 76, s. Fam. 28, 464. 

Z. 5 y. u.: Reorganisatiunea Rom. 61. Omul 66. 

„ 217, Z. 3 s. hinzu: An. ac. 10, 2, 155 ff, mehr bei Scheinean a. O. 

Die übrigen Mitarbeiter Roman. Revue 6, 289 f. Z. 23 s. hinzu: 

8, 626. 

„ 218, Z. 4 Y. u lies: 4. Ausg. 85, mit Nostalgia, nach An. ac. 2. Bd. 8, 

1, 214 zu jugendlich. 

„ 221, Z. 21: Rece," 1873. Z. 26 s. hinzu: Gest. 78. Rer. n. 5, 2. 

„ 222, Z. 11 erg.: Buc. 82. Z. 20 lies: arch. und Serien 1, 492 f. 
3, 127. 

Z. 25 lies: Cipariu, Hauptwerk: Principii de limbä ^i de scripturä. 
Blas. 66, (s. 0. S. 40) Baritin, gest. 2, 5 n. 93, s. Roman. Revue 8, 
376, 9, Heft 5; ganz unten s. hinzu: Fäm. 29, 25. 

„ 223, Z. 11 s. hinzu: Raport as. mi^cärii lit. ist. . . 1879, An. ac. 

2, Bd. 2, 1, 258; 2, Bd. 4, Teil 2 über 1880/81. 

Z. 15 lies: 59 (s. Schuller: Kolinda, Hermst. 60). 26: „Entdeckun- 
gen", s. Fundescn. 

„ 224, Z. 6 V. u. lies: 92 (s. Roman. Jahrbücher 9, 173). 

„ 225, Z. 12 lies: selten, s. An. ac. 2, Bd. 2, 1, 305; 2, Bd. 7, 1, 186. 
Z. 23: Ende. Doch hat er Toldy, ungar. Heldendichtung von 
Arany fast wörtlich benutzt. 

Z. 26 lies: 19, 678, An. ac. 2, Bd. 8, 1, 203, wonach er Cipar u. 
Hasdeu stark benutzt hat; Z. 30, die Benutzung Vischers ist natür- 
lich kein Tadel. 

Z. 32 s. hinzu: Seit Anfang 93 giebt er zu Jassi Revista critica- 
literarä heraus, worin manches recht gute. Nach 2, S. 162 ff. sind 
Roman und Rumän gleichberechtigt. 

„ 226, Z. 2 s. hinzu: nach An. ac. 2. Bd. 6, 1, 136, glatt und schwung- 
loa wie die Dramen: Diurpancu u. a. von Joan N. ^oimescu, dem 
Xenopol, Arhiva 1, 315, die „Daciada * zuschreibt. 
Z. 19: Die Tribuna weist „als Probe der Menge Irrtümer" dar- 
auf hin, dass der Advokat A. Janku kein Bauer gewesen. Seiner 
Herkunft nach — und darauf kommt es an — war er jedoch nichts 
anderes, s. Egyetertös, 27. Jahrg. Nr. 177, S. 1: ma is ott all 
Jänku Abrahäm-nak, a „havaBok kirälyänak" egy oläh jobbägy- 
csälad sarjad^känak a azülöhäza. 

Z. 8 V. u. 8. hinzu: neu 93. Z. 6 v. u. s. hinzu: St. Hudiciu. s.w. 
Zulnia Häncu Buc. 91. 
Z. 4 V. u. lies: hat ganz gute Gedichte, und in Zolas Art . . . 

„ 227, Z. 8 Ues: Geb. 21. 5. 55, kam er 14 (nach Fam. 28, 584). 

„ 22?, Z. 23 s. hinzu: Frühjaht 93 hat er zu Buc. das erste Heft der 
Halbjahrsschrift „Literaturä §i sciinta" herausgegeben, worin er 
zunächst die neueste Richtung als proletarisch bezeichnet. Ausser 
oben Genannten sind Mitarbeiter Voinov, Gävänescu, 0. Carp, 
der einige recht gute Gedichte, und Bacalba^a, der Novellen und 
Skizzen (Mo^ Teacä) geschrieben hat. 



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— XXIX ~ 

„ 229, Z. 21 B. hinzu: zudem ein Schwindler, s. Odobescu 3, 104. 

Seine Sprache ist liederlich (französ.), wie die der meisten rum. 

Schauspieler, weshalb Stflcke in guter Sprache nicht aufkonunen 

können. Z. 26: Practica schon 65, Buc. 

Z. 9 V. u.: Horia, Jassi 85, a. An. ac. 2, Bd. 11, 178. 
, 230, Z 4 lies: Gärbea, letzt Andronescu. Z. 5: Buc. 88 und Not. 

Ueber ihre und Seyastos^ Zeitschriften s. Roman. Jahrbücher 9, 171. 

Z. 27 lies: Quintescu An. ac 2, Bd. 9, 292. 
Seite 231, Z. 4 s. hinzu: Frunze verzi 92, Pove^ti $i anecdote, Jassi 93. 

Z. 7 8 hinzu: s. An. ac. 2, Bd. 11, 159. Z. 9: Pam. rom. ist 

erschienen. 
,, 236, Quintescu ergänze: 230. 237, $or erg.: (Ko^ca). (Ende.) 



Schon hatte ich Auftrag gegeben vorstehendes zu drucken, und 
der erste Bogen war gedruckt, da erscheint Gonvorb. lit 28 im Mai- 
heft S. 48 ff. die Besprechung Birons. Da auch dies Blatt nicht eine 
neue Berichtigung mehr bringt, könnte ich mich begnügen den Dank 
zu quittieren, den es mir für meine Bemühungen ausspricht. Da nun 
aber der Dank hauptsächlich dem Dichter Rudow gilt, lehnt dieser, der 
in einem wissenschaftlichen Werke nichts oder doch nur sehr wenig zu 
tun hat, den Dank einfach höflich ab; der Gelehrte dagegen muss zu 
Ehren der Wahrheit, und um der westeuropäischen Wissenschaft weitere 
Biossstellungen zu ersparen, noch einiges erwidern, hauptsächlich weil 
ein Edler sofort nach Deutschland posaunt hat, ich sei nun auch in 0. 
lit. „abgetan'^ Ja, deutsche Professoren haben sich durch dies Hören- 
sagen zu meinen Ungunsten beeinflussen lassen I 
Seite 48 heisst es Zeile 2: Wernigerode in Thüringen. Z. 6: Rudow 
habe in der Tribuna pro domo geschrieben. Vielmehr Russu, der 
Leiter des Blattes, Z. 9 : im Literaturblatt Gröbers 1892, soll heissen 
im L. Neumanns 1893. 

Dann heisst es weiter: „Was diese verhältnissmässig grosse 
Anzahl Ton Besprechungen (4—5, während in Ungarn u. anderswo 
noch Dutzende erschienen sind) rechtfertigt, ist nicht der Wert des 
Buches, sondern der Umstand, dass es das erste seiner Art ist . . 
Es ist für uns wichtig zu wissen, ob es richtig über uns urteilt; 
ich habe deshalb das ganze Buch gelesen, um einen auf Tat- 
sachen gegründeten Schluss geben zu können'^ 
Das ganze Buchl Zuviel Ehrel 
„ 49 findet er den Titel „von Negruzzi, Abgeordnetem" nicht in 
Ordnung; er weiss nicht, von wem das Schlusswort ist, und stimmt 
dann Jorga (sich selbst?) bei: „eine solche Geschichte inuss ent- 
weder nach Persönlichkeiten oder nach Dichtungsgattungen einge- 
teilt werden". Danach ist also mein Werk ebenco verfehlt, ja ohne 
Daseinsberechtigung wie etwa das von H Taine über das englische 
Schrifttum oder die hundert ähnlichen Werke, die ich gelesen und 
die sämmtlich zunächst nach Zeiträumen eingeteilt sind. Dann 
fährt er fort : „Die Zahl der Gattungen in den verschiedenen Zeit- 
räumen wächst beständig, im dritten sind es 5, im vierten und 
fünften sechs". 
„ 50: „Die Folge dieser Einleitung ist, dass wir von keinem be- 
deutenden Schriftsteller an einer Stelle ein vollständiges Bild fin- 
den . . . ein grosser Fehler", Gewiss, ganz wie bei Taine und den 
andern. . 

„Was muss eine Geschichte des Schrifttums enthalten? Nach R. 
nicht nur, was man gewöhnlich unter diesem Worte versteht, sondern 
auch die Wissenschaften". Nein, auch Taine und seinesgleichen 
behandeln die Wissenschaft, deren Zugehörigkeit zum Schrifttum 



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— XXX — 

biilber niemand bezweifelt liat. Herr Biron meint Dichtong, $ck6n- 
Wissenschaft. 

„Ein Schriftsteller mit richtigerem Urteil hätte statt dessen die 
Volksdichtung behandelt . . . eme ungeheure Lücke'^ 

Wiederop ganz wie bei Taine und andern. Ausserdem habe ich 
zwei Bücher über mm. Volksdichtung geschrieben, deren eines- im 
Werke erwähnt und in G. lit. 1888 sehr eingehend besprochen ist 
Also lesen, Herr B.! 

Die beiden etc. 8.51 entsprechen nicht der Wahrheit. DenBiii- 
fluss der Deutschen Eirchenbessemng, den er bestreitet, und den 
Franzosenhass s. o. Den ^oyinism, Alecsandris giebt auch Maiorescu 
zu, bei* den Bumänen Überhaupt hat ihn sogor Alecsandri; J. 
Negruzzi, Slavici (die Bumänen), kurz fast die ganze „Nene Bich- 
tung" verspottet, was Herr Biron S. 56 vergessen hat. Und wenn 
selbst Eininescu sagt: Die ganze Griedienbulgarei nennt sich 
Enkel Traians, so habe ich als Geschichtschreiber nicht nur diä 
Recht, sondern die Pflicht einen so hervorstechenden Zug zu kenn- 
zeichnen und ihm gegenüber der Wahrheit die Ehre zu geben, 
wie ich S. 142 f, 169 und 222 getan. Herr B. erklärte das S. 52 
für ungehörige Abschweifungen. Was würde er gesagt haben, 
wenn ich gegenüber diesem Eigenlobe auf die Germania des Tadtos 
hingewiesen hätte? 

Ebenda findet eres „erheiternd*', dass ich S. 119 bestreite, Sieben- 
bürgen gehöre den Bumänen. Ihr Theilhaberrecht daran ist S. 38 
anerkannt, das Ganze aber gehört vorläufig zu Ungarn, und 
die haben es den Sachsen gegeben, wenigstens zum Teil, was 
ich zu ergänzen bitte. Ich hätte femer auslassen sollen Leute, 
die nidits geschrieben. Wenn denn, ausser Diamant? Gämpineanu? 

— Aber der rum. Bauer hat ja bis heute auch nichts geschrieben 

— weshalb hätte ich also ihn aufnehmen sollen? — Weil er Ueber- 
lieferungen hat. Gut. Ist aber etwa der Socialismus keine? 

Ich habe Schinkai nicht geraten von Harne zu lernen, sondern 
bin mit Majorescu der Ansicht, er hätte es tun müssen. 

Zu S. 178 unten bemerkt er: „Mit wenig oder viel Vorsicht 
lassen sich so ziemlich alle tragischen Lösungen vermeiden^^ 
Seite 53: „Er hat sich nicht die nötige Kenntnis der rum. Volksüber- 
lieferung aneignen können oder wollen*^ — Lesen, Herr Biron, 
lesen I Besonders was ich a. a. 0. in Gröbers Zeitschrift und sonst 
hierüber geschrieben! 

„Eretzulescu war nicht von seiner Geburt an Staatsmann'^ (S. 125). 
Auf Leser, denen man das erklären muss, rechne ich nicht, auch 
nicht auf solche, deren Gedächtnis keine Seite weit reicht. Herr 
B. hat sich zu diesen gestellt, indem er „sonderbar'' findet, dass 
Baritz S. 120 im Jahre 50 etwas tut, nachdem 17 Zeilen weiter 
oben gesagt ist, er sei 1812 geboren. S. 159 begreift er nicht, 
was die Zahlen bei Eminescus Liedern bedeuten — obgldtch S. 155 
S. 5 mal „Nr." vor diesen Zahlen steht. 
Seite 54 fragt er: „Was bedeutet z. B. eb :?'' Zum Beispiel ebenda, s. im 
Wörterbuch I S. 79 Z. 19 liest er, als ob dastände in (die) rumä- 
nische, statt: in der r. 

S. 39, Z. 2 muss der Leser nicht wissen, was mit Elemente u. s. w. 
gen^int ist, sondern nur sich dessen erinnern, was S. 37. Z. 4 
steht, oder falls sein Gedächtnis nicht so weit reicht, dort nach* 
sehen. 
Seite 55. Da H. B. also über „mir oder mich?" noch in einer gewissen 
Unklarheit ist, wird man es mir erlassen mich gegen seihe Be- 
merkungen Über meinen Stil zu verteidigen. Bemerkt sei nur, dass 
für midi jedes allgemeinverständliche Wort unserer Sprache 



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— XXXI — 

All meinem Orte gut ist, also aach das hebräische Giauner, ich bin 

also kein „Purist", wie sich denn ,,Kirchenbe8senuig'' a. dgl. in 

. , aUen Dorfs(^ulbüchem findet. Ebenso ist meine Denk« und An- 

, schauungsweise deutsch u. will nichts anderes sein, ganz einerlei, 

was rumänische oder sonstige „Ästhetiker" dazu sagen, ümso- 

mehr als H. B. „höchst seltsame Vergleiche" z. B. S. 141, Z. 6, 

S. 156, Z. 1 f. 196, Z. 16 f. u. gar 197 Z. 8 y. u. findet Was wird 

dttin hier verglichen? Ausserdem habe ich nicht gesagt, dass alles 

ans Ylahutzäs NoTcUen in Fachzeitschriften gehöre, nach S. 224 

Aber Georgescu geredet; doch wird das Druckfehler oder Versehen 

von ihm sein. 

Seite 56. „Hiemach dürfen wir uns nicht wundem, dass sich so 

schreiende Widersprüche finden wie S. 158, Z. 4 u. 8. 

£chter Dichter und Mittelgut sind aber keineswegs sich aus- 
schliessende Begriffe, s. Bolintinean u. viele andere. 

Also lernen, Herr Biron, lernen ! 

Dann findet er wieder ».sonderbar", dass ich von verschiedenen 
Gedichten sage, sie seien ins Volk gedrangen. Von denen Alecsandris 
hat es mir ein Bukureschter gesagt, vom Sburätorul £liades Hasdeü, 
Col. 1. Traian 7, 372; über Jorj^u s. Alecs. Teatra XVI. u. s w. 
Von Olänescu übrigjens nicht viele, sondern nur eins. — Einmal- 
eins lernen, Herr Biron I 

„Manches hat er selbst gelesen! ! I (Bitte s. S. 3 des Buchest Meine 
Bücher konnte ich mir 1892 nicht nachschicken lassen, weil sie 
wegen der Eolera an der Grenze ein£Etch verbrannt wären). „Gewöhn- 
lich benutzt er jedoch Pop Manliu und besonders die Familia". 

Zahlen beweisen ! — Bogen 1 konmit nicht inbetracht, Bo^. 2 
findet sich Pop allerdings 7 mal — aber.: 2 mal neben Densuschian, 
1 mal neben ürechie, 1 mal ist er berichtigt, 2 mal mit Mis- 
trauen angeführt, das er nach der Ergänzung zu S< 27 auch das 
drittemal verdiente. Bleibt von Pop, sowie von Manliu: nichts; 
Familia findet sich nur 1 mal, und zwar neben Gonv. lit, die 
öfter vorkommen. Ausserdem Bevista nouä, Bev. Toc. und 
alle vorhandenen Werke und Einzelschriften — Oder fehlt 
etwas? Dann heraus damit I Auf dem letzten ganzen Bogen 
(14.) findet sich Pop bei Hasdeü Tder ihm selbst den Stoff 
|re^eben) neben Rev. nouä, bei dem bloss genannten Lanrian und 
bei Grandea. Familia nur bei D. Sturdza u. Scurtescu (mit beider 
Bilde, also von ihnen ermächtigt), Manliu g a r n ic h t. Dagegen sind 
Gonv. lit. 5, Bev. nouä 11 mal angeführt. — Einmaleins, Herr Biron! 

Nun aber die Hauptsache. Ich will nicht davon reden, dass einer 
der 3 angeblich am meisten gebrauchten Schriftsteller in den beiden 
Bogen gar nicht vorkommt, die beiden andern zusammen noch nicht 
so oft wie G. lit. oder gar Rev. n, sondern ich weise nur darauf 
hin, dass diese und andere beanstandete Werke oder Blätter nur 
da benutzt sind, wo die im allgemeinen zuverlässigeren 0. lit., 
Arhiva und Rev. nouä versagten. Odw wo findet sich in diesem 
bis 1892 etwas über Grandea, D Sturdza, Scurtescu? Heraus da- 
mit! Jetzt wollen wir mal sehen, was Herr B. besser weiss als 
ich; Sicher sehr viel, er weiss sogar, dass ich „Victor Babesch 
nur wegen ich weiss nicht welches Aufsatzes von ihm aus der 
Familia anführe." — Der Aufsatz handelt über V. Babesch und 
enthält sein Bild. 
Seite 57 bringt er, von den ungar. Büchertiteln nicht zu reden — ob- 
gleich er sie nicht lesen kann, erklärt er diese Werke für un- 
brauchbar! -> noch eine Unwahrheit, dass ich nämlich die Nach- 
richt über Nenitescus Schauspiel der Familia verdanke. In Wirk- 
lichkeit hat es mir Herr K. selbst geschrieben. 



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— XXXII — 

Da sich nun überhaupt in der Familia neben vielem minder- 
wertigen Beiträge fast aller angeseheneren mm. Schriftsteller 
finden, bleibt als Erffebnis dieser Besprechung: 1) Ich hätte er- 
klären müssen, dass S. 83 Stefan d. Grosse gemeint ist, 2) dass 
diac S. 60 Schreiber bedeutet, femer bezweifelt er (warum??) dass 
Garagiale einen Roman schreibt, 4) wie Millo Denkwürdigkeiten. 

Hiernach überlasse ich dem Leser das Utteil darüber, mit wel- 
chem Hechte Herr R schliesst : Da wir bisher so zahlreiche Mängel 
fest geste Ut haben, halten wir uns der Mühe für überhoben noch 
zu untersuchen, ob die Art und Bedeutung der Schriftsteller und 
der Werke genau und vollständig gekennzeichnet ist. Das bis- 
her Gesagte, das wir leicht vermehren können, berechtigt zu dem 
Schluss dassR.^ (nochmals Familia!) klaren Verstand, festes Urteil, 
künstlerische Grundsätze und natürlichen Scharfsinn nicht besitzt. 

Ganz fest muss er aber von der Richtigkeit dieses Urteils doch 
nicht überzeugt sein, denn er bringt noch einige Stellen, die ich 
nicht verstanden. So S. 72, Z. 20 f Was habe ich da nicht ver- 
standen? Dass mit dem römischen Krieger die ganze Besatzung 
Dakiens gemeint ist? Nein, so dumm bin ich nicht, auch nicht 
so — geistreich wie Herr B , der nicht sieht , dass wenn 
Alecsandri das römische Heer als Einzelnen darstellt, er die Feinde 
ebenso hätte darstellen müssen. Denn die Vorstellung, dass ein 
Mensch (kein Riese) Tausende niedermäht , ja unverwundet bleibt, 
diese Vorstellung hat nach meiner Ansicht in einem denkenden 
Kopfe so wenig Raum wie die, dass ein Stern auf der Stirn Licht 
nach hinten strait. 
Seite 59 kommen noch Beweise, J. Negruzzi habe mein Buch nicht 
lesen können: 1) G. Negmzzi sei nicht 1809 geboren. Ich habe 
das auch keineswegs als gewiss behauptet. 2) Mircescht liege am 
Ufer des Prut. Nein „in der Nähe'* (S. 68), was recht gut einige 
Meilen weit reicht. 3) Maiorescus Bild im Bukureschter Panteon 
ist von meinen Freunden für das Napoleons III. gehalten. Wenn 
es nicht treu war, wamm hat Herr M. es mir geschickt? 4) Der 
Inhalt Pygmalions ist nicht falsch, höchstens unvollständig, s. zu 
S. 125. ö) Ich nenne Smara nicht „sehr ergreifend'^ 6) Mangiuca 
nicht „gelobt". 

Von diesen 6 „Beweisen" treffen also 5 gar nicht oder doch nicht 
genau zu, der letzte ist Sache der Auffassung. Vorher hatte Herr 
B. schon erwiesen : 1. Er versteht nicht ausreichend Deutsch,' denn 
er sieht Dinge, die gar nicht da sind, einen ganzen fünften Zeit- 
raum. 2. Sein Gedächtnis reicht keine halbe Seite weit. 3. Er 
hat aus allen Werken über Schrifttumsgeschichte nichts gelemt. 
4. Er ist nicht fähig Berichtigungen als solche zu erkennen, ö. Er 
findet das Selbstverständlichste sonderbar oder der Erklärang be- 
dürftig. 6. Er kann oder will den Unterschied zwischen wenig und 
viel nicht fassen. 7. Er redet über Bücher, die er gar nicht kennL 
ja deren Sprache ihm ganz unbekannt ist. 8. Er fördert noch 11 
Unwahrheiten zu Tage, also fast so viel wie Hasdeü, den er einen 
Witzbold nennt, und mehr als der verachtete Vulcan. 

Diese in G. lit. bisher nicht üblichen Leistungen zeigen, dass 
Herr B. selbst oder mit Hilfe anderer zu der ganz richtigen Er- 
kenntnis gekommen ist, das Blatt dürfe durchaus nicht für mich 
Partei nehmen, um Hasdeü schwarzen Verdacht nicht zu bestätigen. 
Der Eifer, den H. B. dabei zeigt, berechtigt zu der Annahme, dasa 
er als Hausknecht oder Dienstmann gewiss die Anerkennung 
finden wird, welche die Wissenschaft ihm wird versagen müssen. — 
Also tüchtigere Gegner her, es wird langweilig I 



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